Hausschwammvermutung und andere Unklarheiten beim Sandsteinhaus

14.01.2011 Herrenhaus



Hallo geehrte Forenmitglieder,
ich bin noch absolut neu hier und sehr froh über viele helfende Beiträge.
Mein Vorhaben ist der Kauf eines denkmalgeschützten, massiven Sandsteinhauses, welches sich in einem absolut sanierunghsbedürftigen Zustand befindet. Grundsätzlich habe ich aber ein Haus zur Kernsanierung angestrebt, da ich mir danach sicher sein kann, dass alle wichtigen Komponenten von Grund auf erneuert sind und ich damit sicher einigen späteren Überraschungen aus dem Weg gehen kann. Die Auflagen des Denkmalschutzamtes sind für mich vertretbar, ich bin mitten in der Planung und eigentlich wollte ich in meinem ersten Beitrag hier meine Vorstellungen bzgl. sinnvoller Heiz- und Dämmkonzpete zum besten geben...bis ich gestern vermeintliche Fruchtkörper eines Pilzes, sah typisch nach Hausschwamm aus, an der verputzten Sandsteinwand(Innenseite Außenwand)entdeckt habe.
DAS läßt mich nun an dem ganzen Vorhaben zweifeln, da die Bekämpfung dieses Pilzes ja sehr aufwendig sein soll und eine Wiederkehren nicht ausgeschlossen werden kann. Zumal der Pilz an der Wand austrat und das doch Anzeichen eines fortgeschrittenen Stadiums sein können. Da ich Holzdielenboden in dem Gebäude habe, sind diese mit Sicherheit auch befallen.
Natürlich ist es schwierig eine Ferndiagnose zu stellen und mir dadurch die Kaufentscheidung zu erleichtern. Mir geht es auch mehr darum grundsätzlich zu klären, ob so ein Gebäude "überhaupt" noch (auch aus wirtschaftlicher Sicht) zu retten ist. Sicherlich könnte ich den Pilz bekämpfen, die möglichen Ursachen (z.B. das derzeit undichte Dach) abstellen und betroffene Holzteile bzw. die ganzen Holzdecken entfernen. Aber kann damit ein Wiederkehren verhindert werden? Oder setzt sich der Pilz im Mauerwerk fest und kann selbst nach Trockenlegung des Hauses, etc wiederkehren? Immerhin ist Sandstein ja für seine Aufnahmefähigkeit des Wassers bekannt..Ich möchte nur vermeiden, dass ich jetzt in das Gebäude Unsummen stecke und einige Jahre später wieder alles zu "blühen beginnt". Birgt der jetzige Befall auch Gesundheitsrisiken selbst nach der Sanierung?

Nur noch kurz zu meinem bisherigen Überlegungen bzgl. des Heiz- und Dämmkonzeptes:
Die Denkmalauflagen erlauben u.a. keine Dämmung der Außenfassade von Außen. Dabei handelt es sich dort "lediglich" um verputzte Sandsteinwände. Nach meiner Rechersche kommt eine Innendämmung für mich nur sehr eingeschränkt in Frage. Das hat mehrere Gründe. Viele Methoden bergen scheinbar die Gefahr von Schimmel durch Kondensat und dem verschobenen Taupunkt zwischen der Außenwand und der neuen Innenwand. Zudem handelt es sich bei meinem Wunschhaus um eine alte Schule. Das Haus ist freistehend und besitzt mit 350qm Fläche etwa 50 Fenster, im Schnitt gut jeden Meter ein Fenster! Fast jede Art der Innendämmung würde hier sehr aufwendig werden und Problemzonen begünstigen. Der dadurch entstehende Aufwand, die Schimmelgefahr, die Investition der vielen Zeit / Geld und der Raumverlust stehen für mich nicht im Verhältnis mit den Einsparungen der Energiekosten. Wie ich hörte mach die Wand "nur" rund 15% Wärmeverlust aus. Selbst mit Dämmung könnte ich das viell. halbieren.
Meine Idee wäre deshalb den hier erwähnten Perlit-Putz außen und innen anzubringen, das neue Dach möglichst stark zu dämmen, 3fach-Holzfenster (Holz wegen Denkmalschutz und weil atmungsaktiv) einzubauen, Das EG zum Keller hin zu dämmen und ggf. eine Wandheizung, Sockelheizung einzusetzen.
Zudem habe ich lange über ein mir sinnvoll erscheinendes Heizungskonzept nachgedacht. Bisher finde ich eine Luft-Wärmepumpe mit Wärmerückgewinnung sehr interessant. Die Primärenergie ist dabei kostenlos. Natürlich entstehen Stromkosten und die Installation ist sicher teuer als eine Gasheizung...aber dafür sprechen für mich die aktive Lüftung, die Klimafunktion im Sommer (in Baden-Württemberg wirds immer gut heiß), dass die Wärmerückgewinnung 90% der Wärme zurückhält und das ich damit Heizung und Wasser beheizt bekomme. (muss eh alles komplett neu gemacht werden) Fraglich ist für mich nur, ob so ein System in so einem Haus Sinn macht? Oder entweicht dann doch zuviel Wärme über die Wände(inkl. Dämmputz), sodass das System uneffektiv wird? Wie ich das verstanden habe machen die Fenster, die Belüftung des Hauses und das Dach einen Großteil des Wärmeverlustes aus, sodass die Wände viell. nicht so sehr ins Gewicht fallen...

Vielen Dank für Anregungen vorab
Robert Morick





Ein mit Echten Hausschwamm befallenes Haus kann man durchaus Sanieren.
Den zu erwartenden Umfang kann Ihnen aber definitiv nur ein Fachmann vor Ort beziffern.
Auf jeden Fall müssen dazu die Böden geöffnet werden.
Nach einer fachgerechten Sanierung des Hauses ist von einem Neubefall nicht auszugehen, dem Pilz fehlen zu dem dann auch die Lebensbedingungen.

Grüße aus Schönebeck



Zum Heizkonzept....



gehöre ich sicher nicht zu den professionellen Beratern!

Aber:

ich hatte am Anfang auch an ein Heizkonzept gedacht, mit einer Wärmepumpe. Heute glaube ich, dass das die Welt und auch mich nicht weiterbringt.

Die elektrische Energie, die man einsetzen muss, um die von den Anbietern versprochene Heizleistung zu erzeugen (insbesondere bei Luft), stammt aus Primärenergie, die man genau so gut selbst hätte verheizen können; nur viel billiger. Der Wirkungsgrad von Groß-Kraftwerken erreicht prinzipbedingt niemals das, was ein Grundofen leisten kann, weil so ein Großkraftwerk eben keine Wärme, sondern 'hochwertige Energie' (der Laie sagt Strom) von sicht gibt (von der ganzen Abwärme und dem Wasserdapf mal abgesehen).

Ein Haus, dass sich ohnehin nicht nach dem modernen Dämm- und Effizienz-Schnick-Schnack renovieren lässt, sollte nicht wie eine KfW-irgendwas Haus konzipiert werden. Es geht nicht, der DS lässt das nicht zu und es ist auch gar nicht notwendig oder gar wünschenswert.

Wir haben auch ein Denkmal gekauft, die nächsten Verwandten, die Freunde und v.a. die vielen ungefragten Berater hätten das natürlich niemals gemacht. Die würden wohl mit ganz wenig Energie heizen, aber mit viel mehr Energie lüften, und für sehr viel Geld Dämmung und elektrische Anlagen kaufen. Dafür würden sie ihren Strom selbstverständlich bei den bekannten GeizistGeil Anbietern kaufen.

Ein Null-Eneriehaus ist ein Null-Energiehaus,
ein Denkmal ist ein Denkmal.

mit Glückwünschen zum Denkmal grüßt

Götz



Prinzipiell - warum nicht?



Hallo Robert,

man kann so ein Haus sanieren ohne sich auf Dauer unglücklich zu machen. Dabei ist aber auch der Kaufpreis ein Thema. Kaufst Du ein Haus für einen Euro, hast Du mehr Geld für Sanierungen übrig...

Tipp: Such Dir einen guten Experten, der sich das anschaut. Und Tacheles mit dem Besitzer redet. Uns hat bei einem Haus das uns interessiert hat ein sehr netter, fähiger Architekt begleitet. Als der dem Makler gesagt hat, dass der Dachstuhl "schlechtes Brennholz" wäre, ein neuer Dachstuhl Betrag x kostet, ging der Preis blitzschnell deutlich runter. Und ja, das war kein Trick, sondern seine fundierte Meinung.

Dirk





Hallo,

diese Schulen sind unsaniert gewaltige Kostenfallen:

Bei sparsamem Wirtschaften werden Sie ca. 250-300 kWh/m²Jahr brauchen, das sind bis zu 100.000 kWh im Jahr.
Sie kennen die Preise und deren Tendenz !

Also geht an einem Dämm- und Heizkonzept kein Weg vorbei.
Innendämmung ist richtig gemacht kein Schimmelnest !
Und Mikro-Blockheizkraftwerke sind einfache und wirksame (> 90% Wirkungsgrad) Maschinen, die sich über den selbstgemachten Strom bezahlt machen.

Sie müssen aber auch an den gewaltigen Fenstern was machen, z.B. gedämmte Innen-Vorsatzfenster einbauen. Die haben den Vorteil, dass sie nicht so stabil sein müssen, wie raumabschließende Fenster und deswegen günstiger sind.

Und_ Man muss ja nicht alles auf einmal machen.



es wird spannend



Erst einmal vielen Dank für die schnellen und helfenden Antworten! :)
Ich habe gleich gestern einen Termin mit dem Gutachter gemacht, um eine Besichtigung vorzunehmen. Natürlich wollte ich auch noch was an dem Preis machen, wobei der schon seeehr gut ist. Der Besitzer will sich eben die viele Arbeit nicht mehr aufhalsen ;) ABER Dirk, ich bleibe dran! ;) Nun muss ich einfach abwarten, was der Gutachter sagt und dann in die Preisverhandlungen gehen. Mich hat der Gutachter auch insoweit vorgewarnt, dass die Holzbalkenenden im Mauerwerk(der Decken) bei einem jahrlang ungeheizten und feuchten Haus u.U. gemacht werden müssen. Es wird also so oder so spaßig!
Beruhigend ist zu wissen, dass man den Pilzbefall auch endgültig abstellen kann. Danke Herr Struve!

@Götz:
Natürlich erwarte ich von einem DS keine Passivhauseigenschaften ;) Ich versuche nur mit meinen Mittel eine effektive Lösung zu finden. Dass Thema mit den Freunden, etc kenne ich auch-gerade deshalb möchte ich ein positives Gegenbeispiel erbringen. Dass an irgendeiner Stelle Primärenergie fließen muss ist klar. Mir gefiel nur die Idee sowohl eine Heizung als auch eine Klima mit entsprechender aktiver Lüftung (Schimmel und Energieverlust durch falsches Lüften)...zumal das Haus nur teilunterkellert und der Raum begrenzt ist. Ein Pelletofen mit Silo käme z.B. nicht in Frage...und damit bleiben nicht viele Alternativen zu den herkömmlichen Heizsystemen (deren Kosten aber parallel zu Strompreis steigen)...ich denke wenn ich die Dämmmaßnahmen und deren Auswirkung festgelegt habe, kann ich herausfinden, welches System annehmbar ist.

@Hr. Beckmann:
Vielen Dank für die konkreten Zahlen. Natürlich hatte ich nicht vor überhaupt keine Dämmmaßnahmen durchzuführen. Ich wollte nur nach dem Ausschlussverfahren vorgehen und abwägen, was energetisch und baulich Sinn macht. Leider kenne ich den tatsächlichen Wärmeverlust über die Außenwände nicht. Ich hatte was von 15% gehört. Die Kosten der Dämmung gehen schnell Richtung 10tsd € und da ich nicht so viel Raum verlieren möchte, kämen 5-8cm Dämmung in Frage. Im Schnitt könnte ich damit ca. 50-60% bessere Dämmwerte erzielen. D.h. 7-8% des gesamten Wärmeverlustes sparen?!?
Wie gesagt bin ich kein Experte, das war nur meine "Beispielrechnung"...
Ich würde mich lieber auf die zahlreichen Fenster und das Dach sowie den Fußboden im EG und Dämmputz außen und innen konzentrieren wollen. Wie viel Einsparpotential verbirgt sich Ihrer Meinung nach da? Wenn ich nun also Dach und Fenster modernisiere, würde ich natürlich gedämmte Systeme wählen. (z.B. Holzfenster mit 3fach-Glas: Ug 0,7 nach DIN EN 673)Die Restauration der originalen Fenster wäre zu zeitaufwendig und/oder kostspielig. Ich habe bereits Kastenfenster, etc. in Erwägung gezogen gehabt...aber beim Bau spielt auch immer der Faktor Zeit mit.
BHKW finde ich auch sehr interessant! Bisher kenne ich aber auch nur Systeme mit Gas und Öl...wenigstens wird aber die Mineralölsteuer erlassen ;) Haben Sie Erfahrungswerte mit den Investitionskosten bei der Hausgröße? Dass die Systeme einfach sind, bedeutet sicherlich auch damit geringe Störanfälligkeit.
Wäre denn die Luftwärmepumpe mit Wärmerückgewinnung in Kombination mit einem Holz/Pellet-Einzelofen denkbar? ( Schornstein ist noch vorhanden) Damit hätte ich gleich einen ansehnlichen Kamin im Wohnzimmer und könnte die kalte Jahreszeit ggf. damit „überbrücken“. Die Lüftung könnte sogar die Wärme in alle gewünschten Räume bringen.

Oder viell. eine Kombination des BHKW mit der Lüftung und Wärmerückgewinnung ohne Luftwärmepumpe. Ich muss gestehen, dass ich viele Vorteile in der Lüftung sehe. Ich muss dazu sagen, dass ich Teile des Hauses vermieten will und eine aktive Lüftung späteren Schimmelschäden vorgreifen könnte. Oft hört man ja von Rechtstreitereien zwischen Mieter und Vermieter eben wegen diesem Thema. Ganz von den Folgekosten der Schimmelbeseitigung zu schweigen…

Beste Grüße und ein schönes Wochenende an Alle





Hallo,

Ich will mal einige Einzelaspekte herausgreifen.
Fenster: Ma kann die Originalfenster nachbauen, kein Problem; ca. 450,00 €/m² netto.
Man kann es aber auch so machen, wie ich beschrieben hatte.
Das würde das aussehen erhalten.

Innendämmung von etwa 5 cm, mehr würde ich nicht spendieren wollen), erhöht die Oberflächentemperatur der Wand, insbesondere in Verbindung mit Wandheizung, weswegen schon Raumtemperaturen von 18 Grad mit leichter Bekleidung als angenehm empfunden werden. Das käme einer Energieeinsparung von etwa 20% gleich, bei gorßen Fenstern noch einmal 15 %, Einzelmaßnahmen, die noch rauszufinden sind, weitere 20%. Zielgröße sollte ein Verbrauch bei diesem Haustyp von ca. 100 kWh/m²a sein.

Luftwärmepumepe: Zu teuer wegen des Stromverbrauchs; die jahresarbeitszahl wird durch den Primärenergieeinsatzfaktor auf 1,0 gekürzt. Also keine Primärenergieersparnis und wegen des Stromverbrauchs auch keine Kostenersparnis.

Mikro-BHKWs: Ich schicke an Ihre mailadresse mal ein paar Infos.

Lüftung: Habe beste Erfahrungen mit bedarfsgesteuerter automatischer Wohnungslüftung (keine Luftkanäle, die verdrecken nur).

Grüße vom Niederrhein



hmm...



Danke für die Unterlagen Herr Beckmann,
per Mail habe ich Ihnen ja bereits geantwortet.
Wie stark würde denn ein Dämmputz außen 5cm und innen meinetwegen auch 5cm dämmen? Der Ug Wert des Klimasan ist doch sehr gut. Wie wird dann die Wandheizung aufgebracht? Auf dem Klimasan? Wie viel cm nimmt diese zusätzlich in Anspruch?

Die automatische Belüftung ohne Luftkanäle bedeutet sicherlich, dass jeder Raum einzeln mit einem Gerät ausgestatte werden muss. Das könnte u.U. Probleme bereiten, da ich zumindest auf einer Hauseite keine Veränderungen an der Fassade vornhemen darf. Irgendwo muss ich ja aber die Luft ein- und ableiten.





Hallo,

die Dämmwerte sind ungefähr

Klimasan Putz 0,10
Weichfaserplatte 0,045 - 0,065
dazwischen diverse Putz- und Steinschichten, darauf innen auch.
Die genauen Gebrauchsanweisungen, wie der Innenputz auf Heizung und Dämmplatten aufzubringen ist, finden Sie in den Katalogen von Roth oder Variotherm. Die feinheiten liegen bei der Befestigung und der Wandvorbehandlung.

Lüftung: Es gibt sehr unterschiedliche Konzepte, denen aber gemeinsam ist, das die Luft in zu belüftende Räume eingelassen wird, z.B. durch Fensterrahmen oder Rolladenkästen, das Haus anschließend durchströmt und in sogenannten Ablufträumen (Bad oder WC, Küche) gesammelt
und zentral ausgeblasen wird: durch einen 125er Wandauslaß oder durch ein Lüftungsrohr im Schacht. (System von aerotec z.B.). Der Charme des Systems ist der, mit wenigen Teilen auszukomenn und nahezu wartungsfrei zu sein. Colt und Mitsubishi haben spezielle Systeme für die Schulraumlüftung, die ich bei einer Umnutzung aber nicht präferieren würde, sie sind auf zu hohe Leistung angelegt.

Grüße vom Niederrhein