Heizung: Heizleisten und Wärmepumpe?

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Sanierung 1896

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Hallo zusammen,

wir haben ein FW-Haus von 1896 gekauft und müssen vieles sanieren. Außenwände: FW mit Lehm, darauf Putz, also kein sichtbares Fachwerk. Auch kein Denkmalschutz. Im Obergeschoss: außen mit Schiefer abgedeckt, kein großer Dachüberstand.

Mich sprechen die Argumente von Eisenschink an ("Fachwerkhäuser richtig heizen und renovieren"): Demnach kämen Heizleisten an den Außenwänden in Betracht (also Strahlungswärme über die Wände). Kann man das vernünftig auch mit regenerativen Mitteln hinbekommen, also Luft-Wärmepumpe oder ggf. Erdwärme?

Würde man das dann mit Außendämmung kombinieren?

Vielen Dank schon mal und beste Grüße

ein Fachwerklaie
 
Richtig beraten lassen!

Hi,

vorweg: Ich bin Heizungs- und Lüftungsbauer.

Ich würde mich zunächst richtig von einem vertrauenswürdigen Energieberater und/oder Bautechniker beraten lassen.

Außendämmung finde ich persönlich bauphysikalisch grausig. Ich weiß, dass ich dafür viel Gegenwind ernte aber ich finde eine mineralische Innendämmung besser.

Dort könnte man dann eine Flächenheizung aufbringen und dann klappts auch mit der Wärmepumpe. ;)

Und wenn Du innen Fachwerk sehen möchtest: Man kann kann die Balken mit Brettern in Stärke der Innendämmung plus Flächenheizung aufdoppeln. :)

Liebe Grüße, Mischa
 
Heizleisten vs. Wärmepumpe

Falsch ist, dass Heizleisten/Sockelleisten-Heizungen über Strahlungswärme heizen.
Die Heizleisten erzeugen hauptsächlich Konvektionswärme. D. h., sie erwärmen Luft, die durch sie durch strömt und vor den Wandflächen aufsteigt. Zum Teil erwärmt dieser Luftschleier die Wände, der größere Warmluftanteil rotiert als "Konvektionswalze" im Raum. Mit anderen Worten, der Raum wird hauptsächlich durch die erwärmte Luft beheizt.
Mischa hat schon recht, wenn er schreibt: "Dort könnte man dann eine Flächenheizung aufbringen und dann klappts auch mit der Wärmepumpe..." Die Wandflächenheizung heizt den Raum über Strahlungswärme und kann mit wesentlich niedrigerer VL-Temperatur betrieben werden.
Man kann zwar Heizleisten mit Wärmepumpen betreiben, genau wie Heizkörper. Aber ob die Wärmepumpe dann effizient arbeitet ist mehr als zu bezweifeln.

Generell ist eine Außendämmung effektiver als eine Innendämmung. Speziell an/in Fachwerkhäuser auch bauphysikalisch unkritischer, da es weniger Probleme mit Feuchtekondensation gibt.
D. .h, an Fw-Außenwänden kann eine Außendämmung dicker und somit besser dämmend gebaut werden als eine Innendämmung.
Die Frage ob Außen- oder Innendämmung gebaut werden soll/kann, ist eher individuell vom einzelnen Gebäude abhängig.
In deinem Fall müsste z. B. die Schieferfassade runter genommen werden, evtl. der Dachüberstand (meist an den Giebel) verlängert werden, usw..
Ich kann wieder nur Mischa bestätigen, sich zunächst von einem vertrauenswürdigen, vor allem in Sachen Fachwerkhäuser erfahrenen Energieberater und/oder Bauphysiker beraten zu lassen. Zumal ein vorlageberechtigter Energieberater auch hilft Bafa- und/oder KfW-Subventionen zu beantragen.

@Mischa Eine Außendämmung ist nicht bauphysikalisch grausig, wenn man die richtigen Dämmstoffe verwendet. ;-)

Gruß,
KH
 
Ein klares Plus für die Außendämmung

Eine Außendämmung ist in den meisten Fällen ohne Wärmebrücken vollflächig ausführbar. Wenn die Fenster in die Dämmebene gesetzt werden liegen die konstruktiven Problemfelder höchstens noch im Übergang zur Dachdämmung und Kellerdecke bzw. in der Sockeldämmung.

Bei einer Innendämmung stellt jede Decke und jede Innenwand die an eine Außenwand stößt sowie jedes Fenster ein konstruktive Herausforderung dar. Gerade bei Fachwerk ist ein völlig luftdichter Anschluss der Dämmebene an Balken nicht zu gewährleisten, sodass zur Vermeidung von Tauwasserschäden die Dämmstärke begrenzt und auf diffusionsoffene Dämmstoffe und Putze gesetzt wird.

Ich sehe die Verbinddung zwischen Wärmepumpen und Flächenheizungen egal ob Fußboden oder Wand nicht ganz so eng, da es immer auf den Wärmebedarf des Hauses ankommt.
Wenn ein Haus sehr gut wärmegedämmt ist, sinkt der Wärmebedarf gegenüber der Warmwasserbereitung immer mehr. Das heißt selbst bei Flächenheizungen muss ein größerer der Energie Wasser auf 50°-60° Grad aufheizen.
Moderne Heizungen steuern die Vorlauftemperatur nach dem Wärmebedarf. So wird in einem gut gedämmten Haus mit großen Heizkörpern kein 70° Grad heißes Wasser durch den Heizkreis gepumpt.
 
Danke!

Prima - vielen Dank schon mal. Ich bin ein Stück weiter. Professionelle Beratung ist klar, aber die funktioniert ja meist auch besser, wenn man schon ungefähr weiß, wo die Reise hingehen könnte.

Vielen Dank für die schnellen & hilfreichen Tipps!
 
Heizleistungsberechnung

Ich würde in jedem Fall eine ordentliche Heizleistungsberechnung machen (lassen) und dabei vom Worst Case ausgehen. Es gibt unglaublich viele Faktoren, die am Ende darüber entscheiden, wie gut ein Heizsystem in einem Altbau funktioniert oder nicht.

In unserem Fall hat sich herausgestellt, dass schon die verfügbare Wandfläche unseres Bauernhauses aufgrund der vielen Fenster extrem knapp bemessen wäre. Wir hätten kaum mehr ein Möbelstück an die Wand stellen dürfen. Am Ende habe ich mir nun den Nachteil der vielen Fenster (kleinere Räume mit ~12m² im Schnitt 3 Fenster, größere Räume mit ~17m² sogar 4 Fenster) zu Nutze gemacht und vor jedem Fenster einen Heizkörper geplant. Damit bleibt nicht nur die Symmetrie erhalten, die einen Großteil des Charmes alter Bauernhäuser ausmacht, sondern ich habe auch eine großzügig überdimensionierte Heizleistung bezogen auf durchschnittliche Vorlauftemperaturen. Das wiederum bedeutet, dass ich im Regelfall mit einer deutlich niedrigeren Vorlauftemperatur fahren kann.

Auch die lokalen Gegebenheiten müssen berücksichtigt werden. Pauschalaussagen wie "das funktioniert in der Regel beim Altbau" würde ich nie akzeptieren. Hier in Alpennähe hat sich schon so mancher verschätzt, weil seine Flächenheizung zwar unter Normalbedingungen ausreicht, doch wenn es mal eine Woche lang -20°C ist, reicht es nicht mehr.

Was bei Strahlungswärme/Flächenheizung noch zu berücksichtigen ist, ist die Winddichtheit des Altbaus. Ein Altbau ist in den seltensten Fällen so dicht, wie ein modernes Gebäude und sobald es irgendwo an der Außenhülle auch nur leicht zugig ist, wird es ungemütlich.

Das ist jetzt bitte nicht als Plädoyer gegen Flächenheizungen zu verstehen. Es gibt genug positive Fälle. Ich will nur deutlich machen, dass hier im Vergleich zu einem modernen Bau eine Vielzahl an Faktoren berücksichtigt werden müssen. Argumente wie "Ach, das kommt doch nur alle 10 Jahre mal vor" sind da völlig unangebracht, zumal wir gerade wegen des Klimawandels in den kommenden Jahrzehnten mit deutlich mehr Extremwetterereignissen rechnen müssen und die sind nicht unbedingt immer nur wärmer.

Viele Grüße
Tilman
 
Danke

Hallo zusammen,

vielen Dank auch von meiner Seite zu den Beiträgen - ganz besonders der Hinweis auf die individuellen Gegebenheiten.

Ich denke auch, dass Pauschalisierungen hier fehl am Platz sind, denn zu unterschiedlich ist die jeweilige Situation.

Mein Heizungsbauer hat mir bspw. vorgeschlagen:
- 4cm Innendämmung
- Wärmepumpe
- Heizleisten

Ich hatte bereits von Heizleisten gelesen und wollte bei ihm damals nachhaken, ob das Quatsch ist oder eine gute Idee sein kann - hab mich dann gefreut, dass er das selbst vorgeschlagen hat, mit dem Hinweis, dass er diese bereits bei mehreren Fachwerkhäusern in der Region mit ähnlichen Gegebenheiten eingebaut hat und weitgehend gute Erfahrungen damit gemacht hat. Auch Vorlauftemperaturen meinte er - bezogen auf mein konkretes Haus - dürften kein Problem darstellen (Haus: klein, niedrige Decken, Dämmung und ein Grundofen als Unterstützung).

Viele Grüße,
Falk
 
Noch 'n Tipp

Man kann Heizleisten und/oder Heizkörper auch mit Wand- und Fußbodenheizungsflächen kombinieren. Typischer Fall für eine zusätzliche FBH sind Bäder, wo es komfortabler sein kann wenn der Boden warm ist. Siehe dazu z. B. https://www.oventrop.com/Pools/File...x_de_2bfbedbd-3d9e-463b-bfd7-9ba9e23f72d3.pdf
Im Gegensatz zur FBH, für die nur eine max. VL-Temp. von ca. 30 - 35° als angenehm empfunden wird, kann eine WHZ auch mit höherer VL-Temp. betrieben werden. D. h., wenn z. B. die Leistung einer Heizleiste wegen räumlich bedingter Längenbeschränkung nicht ausreicht, kann man den Rücklauf zunächst als Heizschleifen in den Putz legen, bevor er zum Wärmeerzeuger zurück geführt wird.

Zur Problematik, die Tilman beschrieb: WHZ muss nicht unbedingt auf Außenwände installiert werden. Wenn die Außenwandflächen zu klein sind. kann man die Heizschleifen auch auf die Innenwände (und/oder die Decke) verteilen.
Letztendlich kommt es darauf an wie viel lfdm Rohr nach der Wärmebedarfsberechnung in einem Raum verlegt werden müssen. Wo diese lfdm "untergebracht" werden spielt keine große Rolle. Natürlich muss bei der Planung die Inneneinrichtung bedacht werden.

Gruß,
KH
 
Aus eigener Erfahrung

Hallo, wir haben in einem Haus von 1907 vor 20 Jahren Wandheizung (Beheizung mit Gastherme) eingebaut (leider nur die damals empfohlenen 40% der Raumgrundfläche als Heizfläche) und in einigen Räumen mit Heizleisten ergänzt. Der Strahlungseffekt der Heizleisten überzeugt mich heute nicht mehr so sehr. Seit 2 Jahren haben wir hier ein Jurahaus von ca. 1750 mit FB + Wandheizung im EG und reine Wandheizung im OG/DG hier mit ca. 70% der Wandfläche (Beheizung mit Luft WP). Dank der größeren Fläche und des engeren Schleifenabstandes als im anderen Haus ist die Wärme gleichmäßiger und angenehmer. Heizleisten können funktionieren, ich würde sie aber nicht mehr favorisieren.
 
Individuell ist das Stichwort

Wie man zusammenfassend sagen kann, kann man die Frage nach der passenden Heizung und Dämmung nie pauschal beantworten.

Also bleibt wirklich nur die hoffentlich gute Beratung vom Fachmann vor Ort.

Was man aber auch aus den Beiträgen heraus liest, ist, dass das bestmögliche Gefühl wohl oft mit einer Kombination aus Strahlungs- und Konvektionswärme erzeugt wird. Das entspricht auch meiner Erfahrung aus der Praxis.

Noch mal allgemein zum Thema Vorlauftemperaturen: Wenn schon eine Heizung verbaut ist bei der man die Vorlauftemperatur einstellen kann (in der Anleitung unter „Heizkennlinie“ suchen), einfach mal die Vorlauftemperatur absenken. Oft haben die Planer nämlich eher großzügig gerechnet und die Heizflächen/Heizkörper eher überdimensioniert. Größere Heizkörper, höherer Preis, höherer Umsatz, höherer Gewinn. Ihr versteht. Außerdem umgeht der Heizungsbetrieb das Gequängel der Bauherrin wenn „die Bude nicht warm“ wird. ;)
Man kann oft bei minus 20°C draußen noch mit 55°C Vorlauftemperaturen erstaunliche Behaglichkeit erzeugen. Zumindest wenn die Bausubstanz halbwegs gedämmt ist.

Hier hat man als Heizungsnutzer die volle Kontrolle und kann das mal testen. Und wenn dem so ist, dass die Wohnung trotz der niedrigen Vorlauftemperaturen und niedriger Außentemperatur und Wind noch angenehm bewohnt werden kann, dann kann man davon ausgehen, dass man auch mit einer Wärmepumpe keine bösen Überraschungen mehr erlebt.

Skeptisch bin ich noch bei den neuerlich angepriesenen Hochtemperatur-Wärmepumpen. Da habe ich persönlich noch zu wenig Einblick wie das Plus an Wärme erzeugt werden soll. Vermutlich kann diese Art WP einfach das Medium höher erhitzen aber die Kennzahl von 3-4 wird die in solchen Temperaturregionen bis 80°C sicher nicht mehr erreichen.

Da würde ich dann persönlich für die jährlichen 2 Wochen Knackkälte, wo hohe VL Temperaturen gebraucht werden, die alte Gas- oder Ölheizung als Backup hinter die Wärmepumpe klemmen um die VL- Temperatur anzuheben.

Ich spreche hier im letzten Fall nur von einer Übergangslösung. Denn eine ordentliche Wärmedämmung darf man nicht durch fossile Brennstoffe ersetzen. Aber manchmal ist man ja beim Bau und bei der Finanzierung an so gewisse Umstände gebunden und muss für eine Zeit lang Kompromisse eingehen. :)

Herzliche Grüße!
 
Re: Individuell ist das Stichwort

"Wie man zusammenfassend sagen kann, kann man die Frage nach der passenden Heizung und Dämmung nie pauschal beantworten. Also bleibt wirklich nur die hoffentlich gute Beratung vom Fachmann vor Ort."
Genau. Die Betonung liegt auf "hoffentlich"...gute Beratung..... ;-)

"...dass das bestmögliche Gefühl wohl oft mit einer Kombination aus Strahlungs- und Konvektionswärme erzeugt wird"
Einspruch. Konvektionswärme bedeutet immer die Luft wird erwärmt. Was oft (zu) trockene Luft bedeutet. Was oft zu Atemwegsproblemen führt. Strahlungswärme heizt Festkörper auf, also Gegenstände und Menschen. Die meisten kennen es wohl aus dem Winter-Urlaub, man kann bei Minusgraden im T-Shirt den Apres-Ski genießen, solange man in der Sonne sitzt. Eben weil die Sonne den Körper aufheizt. Genau den gleichen Effekt hat eine Flächen-/Strahlungsheizung.

"Oft haben die Planer nämlich eher großzügig gerechnet und die Heizflächen/Heizkörper eher überdimensioniert."
Im Nachhinein gesehen ist das sogar gut. Je größer die Heizfläche ist umso niedriger muss die VL-Temp. sein, um den Wärmebedarf eines Raumes zu erfüllen.
Deshalb geht man ja auch immer mehr zur Flächenheizung über.
Um es mal ganz extrem darzustellen: Würde man in einem Raum eine Fußboden- und Wandflächen- und Deckenheizung installieren, käme man wahrscheinlich (ich kenne keine Berechnungen) mit einer VL-Temp. von 25° aus um eine Raumtemperatur von 20° zu halten.

"Skeptisch bin ich noch bei den neuerlich angepriesenen Hochtemperatur-Wärmepumpen......Vermutlich kann diese Art WP einfach das Medium höher erhitzen aber die Kennzahl von 3-4 wird die in solchen Temperaturregionen bis 80°C sicher nicht mehr erreichen."
Sehe ich auch so und wurde mir von Heizungsbauer, die schon viele WP verbaut haben auch bestätigt.
Mag sein dass zukünftige Hochleistungs-WP effizienter werden, momentan heizen sie, wie die "gewöhnlichen" auch, halt mit Strom nach. Den "gewöhnlichen" gegenüber nur auf höherem Niveau.

"Da würde ich dann persönlich für die jährlichen 2 Wochen Knackkälte, wo hohe VL Temperaturen gebraucht werden, die alte Gas- oder Ölheizung als Backup hinter die Wärmepumpe klemmen"
Das hat aber keinen Sinn. Dann lieber diese Zeit die WP elektrisch zu heizen lassen. Deswegen das ganze Jahr die Festgebühren für einen Gasanschluss zu bezahlen oder einen Heizöltank rum stehen zu haben, ist am Ende teurer als der Mehrverbrauch an Strom. Selbst in der Zeit bis eine ordentliche Dämmung ums Häuschen ist.

"Aber manchmal ist man ja beim Bau und bei der Finanzierung an so gewisse Umstände gebunden und muss für eine Zeit lang Kompromisse eingehen."
Deshalb sollte man m. M. n. zuerst mit den "passiven Bauteilen", sprich der Gebäudedämmung, anfangen, bevor man in neue Technik investiert. Die Dämmung spart auch schon bei der noch vorhandenen alten Technik.

Gruß,
KH
 
Thema: Heizung: Heizleisten und Wärmepumpe?

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