Wandheizung mit Rücklauftemperaturbegrenzer

08.01.2022 Alqualonde


Hallo zusammen,

Erstmal vorneweg vielen Dank für die vielen nützlichen Tipps die ich in diesem Forum schon einholen konnte. Nun wende ich mich, bevor ich meinen Heizungsbauer um seine Meinung bitte, in einer konkreten Frage an euch.

Wir befinden uns derzeit in einem Umbau eines Sandstein gemauerten Häuschens mit Baujahr 1847 und befassen uns mit der Frage der Wärmeübertragung.
Im Moment wird das spätere Wohnzimmer mit etwa 32m² renoviert (Balken in Holzbalkendecke erneuert, vorgelagerte Wände entfernt etc) während das restliche Haus bewohnt wird.

Die Heizung ist eine Junkers Cerapur 14-5 Gasbrennwerttherme mit bestehenden Heizkörpern im Haus. Das Haus wird im Bauverlauf von aussen mit Mineralwolle gedämmt auf 0,24 W/m²K.

Da wir uns mittlerweile gegen eine vollwertige Fußbodenheizung entschieden haben (teurer Mischer, Aufwand) habe ich gelesen, dass es Flächenheizungen im Hochtemperaturheizkreis mit Rücklauftemperaturbegrenzer gibt. Wir könnten uns vorstellen, dass gerade im Bereich des Esstisches mit Eckbank eine Wandheizung und über der Couch eine Deckenheizung schön sein könnte. Zwei Heizkörper würden wir dennoch im Raum positionieren, auch wenn sich einer etwas hinter der Couch verstecken müsste.

Jetzt fragen wir uns:

Steht hier Aufwand und Nutzen in einem sinnvollen Verhältnis?
Funktioniert das System? (Gleichmäßige Wärmeverteilung, Risse in Kalk- bzw Lehmputz etc)
Sind die Ruheberreiche durch die Strahlungswärme angenehm temperiert, während die Raumtemperatur reduziert werden kann?
Werden so die größeren Transmissionswärmeverluste ca. 100W/m² vs. 60W/m² ausgeglichen?
Wird das System mit ca. 40cm Sandstein hinter der Wandheizung und dann Dämmung unangenehm träge?

Puh, viele Fragen aber vielleicht nimmt sich jemand die Zeit uns weiterzuhelfen

Vielen Dank dafür!

Philipp





Ungemischte Heizkreise kann man ohne weiteres mit einem RTL-Ventil ergänzend mit Niedertemperatur-Heizflächen ausrüsten.

Dadurch können Komfortzonen geschaffen werden.

Die technisch wie wirtschaftlich einwandfreie Funktion der Heizung ist dem Meinungsstreit nicht zugänglich, sondern Ergebnis ordnungsgemäßer Auslegung und Betriebsweise.

Ein optimaler Betrieb und Verbrauch sichert auch in Zukunft maximale Freiheit bei den wirtschaftlichen Dispositionen.

Was sind den die derzeitigen Systemtemperaturen bzw. was ist nach der energetischen Modernisierung geplant?

Bei Brennwertnutzung wird man üblicherweise mit 55 / 45 °C im Altbau ggf. 60 / 45 °C planen.

Hast du Verbrauchsabrechnungen für Brennstoff um eine überschlägige, vereinfachte Heizlastberechnug nach Verbrauchsverfahren zu machen? Oder gibt es einen Wärmeschutznachweis für die geplante Sanierung?

Für eine gleichmäßige Wärmeverteilung sollte die Spreizung zwischen Vor- und Rücklauf nicht zu groß sein, da die Wärmeübertragung sich logarithmisch zur Temperaturdifferenz verhält.

Dem kann im Einzelfall mit angepasster Verlegung der Heizleitungen auf den Flächen begegnet werden.

Wenn diese Rahmenbedingungen klar sind, kann abgeleitet werden was technisch notwendig ist.
Danach erbringt ein Kosten- / Nutzenvergleich woran man mit der heiztechnischen Ausstattungsalternative ist.



Seltsames Phänomen



Ein grundsätzliches Problem der Wandflächenheizung (WHZ) ist, dass viele Heizungsbauer sich nicht ran trauen, oder erst mal überhaupt nicht wissen wie man sie installiert.
Obwohl jeder Heizungsbauer Fußbodenheizungen anbietet und baut, habe ich auf meinen Baustellen immer wieder festgestellt, dass wenn es um WHZ geht, erstaunlicherweise die Installateure unsicher wurden und/oder gleich ablehnten. Das nur mal am Rande, weil ich es bis heute nicht verstehe.......

Um auf den Eingangsbeitrag einzugehen: Ich lese daraus, dass angedacht ist die WHZ "nur" als zusätzliche Heizquelle für "Komfortzonen/Ruhebereiche" anzusehen. Diese Herangehensweise erachte ich als grundsätzlich falsch. Eine WHZ ist, genau wie eine FBH, eine vollwertige Heizquelle. Es ist im Prinzip ja auch nichts anderes, eben eine Flächenheizung. Anders gesagt, ein Raum der mit einer korrekt dimensionierten WHZ beheizt wird, benötigt keinen Heizkörper mehr. Genau deswegen kann die Vorlauftemperatur niedriger gefahren und die Raumtemperatur um 1 - 2 ° niedriger gehalten werden, ohne dass es ungemütlich wird.

Eine WHZ ist nicht so träge wie eine FBH, weil die WHZ nur eingeputzt wird und somit nicht, wie bei der FBH, erst eine dicke Estrichmasse aufheizen muss, bevor sie in den Raum strahlt.
Die WHZ kann man noch reaktionsschneller bauen, wenn man hinter die Heizregister eine 2 cm dicke Innendämmung montiert. Diese verlangsamt, dass die Wandmasse auch aufgeheizt wird, die nachher, genau wie die Estrichmasse, nachheizt.
In wie weit diese Innendämmung notwendig, bzw. im konkreten Fall sinnvoll ist, hängt von den übrigen Gegebenheiten des Gebäudes ab, z. B. Größe, Anzahl und geografischen Ausrichtung, sprich Sonneneinstrahlung/solarer Eintrag der Fensterflächen, dem U-Wert der Wände/Decken, Luftdichtigkeit, usw..

Ich würde mir bei vorhandener Außendämmung keine zusätzliche Innendämmung hinter die WHZ bauen. Zum Einen hat eine Innendämmung den Nachteil dass man nicht "einfach so" schwere Gegenstände (Bücherregale, große Spiegel, Gardinenstangen, usw) an die Wand schrauben kann, zum Anderen, weil ich nach über 30 Jahren FBH-Erfahrung zu der Überzeugung gekommen bin, dass sich selbst diese so einstellen lässt, dass die Räume nicht überhitzt werden. Was für die flinkere WHZ erst recht gilt. Nach einer gewissen Zeit des "Nachjustierens", was durchaus 2-3 Heizperioden dauern kann, stellt sich eine ausgeglichene Raumtemperatur ein.

Zusätzlich zu dem was Mario schon schrieb, sei noch gesagt: Es macht wenig Sinn die VL-Temperatur auf 45 - 60° hoch zu heizen, wenn in den Räumen nur ein VL von 28 - 35° gebraucht wird. Was i. d. R. sowohl für FBH als auch für WHZ gilt. Allein deswegen ist eine Kombination von WHZ und HK in einem Raum unsinnig. Dies gilt vor allem für den Moment wo ein Haus entweder im Ganzen oder sukzessive, über einen definierten Zeitraum, Zimmer für Zimmer renoviert/saniert wird. Meiner Meinung nach sollte man im Hinblick auf die jetzt schon absehbaren Energiepreissteigerungen eine Heizung "zukunftsfähig" planen. D. h., die Installationen in den Räumen bei der Gelegenheit auf jeden Fall auf Flächenheizung umrüsten und die Heizquelle zur Not erst wenn sie sowieso ausgetauscht werden muss. Argumente wie Mischer/Heizkreisverteiler zu teuer, usw. halte ich für zu kurzfristig gedacht, wenn man bedenkt, dass 1° Temperaturreduzierung des VL ca. 6 % Heizenergieeinsparung ergibt. Hochgerechnet auf die Lebensdauer einer Heizung ist das am falschen Ende gespart.

Für handwerklich einigermaßen Begabte noch der Tipp, die Verlegung der Rohre für eine WHZ ist wirklich kein Hexenwerk. Man kann viel Geld sparen, wenn man diese Arbeiten selbst macht. Gerade weil viele Installateure selbst unsicher sind, hat man oft die Möglichkeit mit denen den Deal zu machen, dass sie das RTL noch selbst ans Heizsystem anschließen, die Heizregister aber in Eigenleistung verlegt werden. Dazu brauchts nur eine Bohrmaschine, ein Akkuschrauber und eine Wasserwaage um die Montageschienen an der Wand zu befestigen, eine kleine Eisensäge (Puksäge) oder Rohrschere um die Aluverbundrohre abzulängen und eine Biegefeder die zum Durchmesser der Rohre passt (gibt für kleines Geld z. B. bei Ebay), wer die Rohre auch noch selbst am RTL anschließen will, braucht noch ein Kalibrierwerkzeug für die Rohre und einen Satz Schraubenschlüssel für die Verschraubungen. Man kann die Rohre natürlich auch montieren bevor das RTL installiert wird, dann kann der Profi die Heizschlangen gleich mit anschließen.

Gruß,
KH



Vielen Dank



Vielen Dank für die ausführlichen Antworten, das hilft mir schon als weiter.

@Mario: Die Vorlauftemperatur liegt bei vom Heizungsbauer eingestellten 50°C, während sich der Verbrauch die letzten Jahr um die 125kwh/m²*a bewegt. Allerdings selektiv beheizt und eher kühl als warm...
In einem Onlinerechner für die Heizlast habe ich für diesen Raum nach Sanierung etwa 3kW berechnet bekommen. Ein Wärmeschutznachweis existiert nicht.
Diesen Teil verstehe ich leider nicht: Für eine gleichmäßige Wärmeverteilung sollte die Spreizung zwischen Vor- und Rücklauf nicht zu groß sein, da die Wärmeübertragung sich logarithmisch zur Temperaturdifferenz verhält.
Soll das heißen, dass bei zu großer Differenz ein angleichen der Temperatur trotz paralleler Verlegung von Vor- und Rücklauf schwierig werden kann und deshalb das Ventil nicht öffnet? Oder geht es um die Übertragung der Wärme in den Raum?

@Karl-Heinz Hubel: Ja, ich hatte mir vorgestellt, nur die Komfortbereiche mit Flächenheizung auszustatten, da mich für den restlichen Raum die subjektiven Nachteile wie Aufstellen von Schränken und Aufhängen von Bildern stören. Vorteilhaft sehe ich die Wandheizung im Bereich der Eckbank, da so die Nähe zur Wand als angenehm empfunden werden kann.
Ursprünglich war unser Plan das gesamte Haus, Erdgeschoss FBH und 1.OG mit Wandheizung auszustatten. Nicht zuletzt wegen der vermuteten Zukunftsfähigkeit von Niedertemperatursystemen. Hier hat der Heizungsbauer aber abgewunken. Dennoch habe ich um ein Vefgleichsangebot gebeten und dabei festgestellt, dass alleine der Mischer mit 2300€ zu Buche schlägt. Insgesamt lag die Differenz bei ca. 7000€ für den ersten Raum. Weitere Räume sind dann günstiger. Zudem hätte gerne die bestehende Bodenplatte herausgenommen, ausschachtet und tiefer gelegt um eine vernünftige Dämmung zu erreichen. Diese drei Punkte haben dann dazu geführt über eine "abgespeckte" Lösung nachzudenken und da so sowieso im Haus mit unterschiedlichen Temperaturen gefahren werden müsste dachte ich, dass ich dann auch in einem Raum mischen könnte und mich nur auf besonders vorteilhafte Bereiche konzentriere.

Könnte ich alternativ überhaupt den gesamten Raum mit Wandheizungen, welche durch Rücklauftemperaturbegrenzer gedrosselt werden beheizen? (Ca. 3KW, 32m² und 2,3m Raumhöhe)
Nächste Woche kommt die Energieexpertin wegen eine BAFA Einzelmaßnahme, die werde ich in Punkto Zukunftssicherheit nochmal fragen.

Vielen Dank für eure Zeit!
Philipp



RTL



Hallo Philipp,

ja das geht.
Kurz zur Erklärung: RTL-Ventile sind ursprünglich dazu entwickelt worden um z. B. in einem Bad nachträglich an den vorhandenen Rücklauf eines Heizkörpers eine FBH einzurichten. (Komfortzone.. ;-) ... )
Da aber gerade FBH mit max 45 - 48° beheizt werden dürfen muss man den RL des Heizkörpers runter kriegen. Dazu dient der Rücklauftemperaturbegrenzer RTL (return temperature limiter). Der Name/Begriff ist eigentlich falsch, denn ein RTL drosselt im Prinzip nur die Durchflussmenge abhängig von der RL-Temperatur, ist also kein "Mischer" im eigentlichen Sinn, sondern nur eine Art Thermostatventil, das "nach innen", sprich die Temp. des durchströmenden Wassers misst.
Mehr dazu siehe z. B. hier: https://www.oventrop.com/Pools/Files/hbtd/de/db_1024363_de_ade97cac_f3c8_4296_bfb6_c8b15eb47df6_pdf_ade97cac-f3c8-4296-bfb6-c8b15eb47df6.pdf

Im Gegensatz zur FBH kann man aber eine WHZ mit einer höheren Vorlauftempertur anfahren. D. h., man könnte durchaus auch den VL eines Heizkörperkreises direkt durch die WHZ fließen lassen. Was praktisch aber völliger Unsinn ist. Wer würde sich schon vor eine 50 ° "heiße" Wand setzen und irgendwann würden sich z. B. auch Schrankrückwände durch Risse im Holz bemerkbar machen, usw..
Um auf deine Frage zurückzukommen, ich sage ja, eine WHZ ist eine an die Wand hochgeklappte FBH. Sprich eine vollwertige Raumheizung. Ist ein Raum so lang dass die Wärmestrahlung nicht bis zum anderen Ende reicht, muss man halt auf beiden Seiten eine Heizfläche installieren. Eine WHZ muss auch nicht zwingend an eine Außenwand.
Die einzigen Nachteile sind die die du genannt hast: hinter großen Schränken/Schrankwänden ist die Wärmestrahlung "eingesperrt", sie muss erst diese Möbel aufheizen, damit diese den Raum heizen und man kann nicht "einfach mal so und irgendwo" einen Nagel in die Wand klopfen. Aber auch dazu gibt es Lösungen. Entweder man verlegt die Heizregister nur bis in eine gewisse Höhe, z. B. nur bis Höhe Fensterbänke, verteilt die benötigte Heizleistung dafür auf mehr Wände, oder man sucht die Rohre in der Wand, z. B. mit Infrarotthermometer, Temperaturmessstreifen, o. ä., bevor man Löcher in die Wand macht, oder man hat die Lage der Rohre vorm Verputzen fotografiert (mit Zollstock aufm Foto) und weiß somit wo sie sind, bzw. kann von Fixpunkten (Raumecke, Fensternische) aus nachmessen. Man muss halt immer nur daran denken...... was der eigentliche Knackpunkt ist.....

Genau deshalb ist mein absoluter Favorit nach wie vor die FBH. Da die am wenigsten "stört" und am wenigsten zu gestellt wird (wenn man nicht gerade einen großen dicken Perser auslegt ;-) ). Danach kommt für mich aber gleich die WHZ, für den Fall das eine FBH nicht möglich ist.

Gruß,
KH

PS: Aha, noch ein "Profi" der bei der WHZ abgewunken hat.... ;-)

Nachträglich editiert wegen Rechtschreibfehler.





Das Problem von Flächenheizungen mit hoher Temperaturspreizung ist das ein großer Teil der Wärmemenge auf den ersten Metern der Heizleitung abgegeben wird und es so zu ungleichmäßiger Wärmeabgabe über die Fläche führt, zumal bei gleicher Leistung der Massenstrom auf niedrige Werte sinkt.

Je höher die Temperaturdifferenz des Heizwasser desto höher ist der Wärmeübergang an die Umgebung.

Bei Radiatoren ist das in etwa so wie wenn sich das untere Drittel vom Heizkörper "kühl" anfühlt.

Der Vorteil einer Flächenheizung an der Wand statt am Fussboden ist das man nicht auf die maximalen Oberflächentemperaturen begrenzt ist und deswegen mehr Leistung auf weniger Fläche bringen kann. Insofern könnte großen Systemtemperaturen auch mit großzügigen Verlegeabständen bei der Kreisauslegung entsprochen werden, was aber wie dargetan nur begrenzt zu optimalen Ergebnissen führt.



Dankeschön!



Und wieder einmal stelle ich fest, dass es angenehm ist, wenn in einem Forum eine hohe Fachexpertise, aber auch eine gewisse Höflichkeit herrscht!

Die Tage kommt die Energieberaterin vorbei und dann bin ich mal gespannt was sie so spricht. Mit dem hier geschriebenen und Ihrer Fachkenntnis, wird sich sicherlich eine vernünftige Entscheidung treffen lassen.

LG Philipp