Kauf oder Nichtkauf, das ist hier die Frage

07.09.2009


vor ca. 5 Jahren haben wir ein wunderschönen Neubau errichtet, nachdem wir uns gegen ein Fachwerkhaus entschieden haben. Nun ist uns das Haus doch zu groß und zufälliger Weise - nachdem wir nun den Verkauf des Hauses fast beschlossen haben - ist uns eine wunderschöne Fachwerkanlage mit Innenhof, Wohnhaus und Scheune angeboten worden. Verliebt haben wir uns sofort und über beide Ohren - nun steht die Entscheidung aus - kaufen oder nicht kaufen - Herz oder Geld quasi - noch sieht alles toll aus, da es auch neu "renoviert" worden ist, aber was kommt nach dem Kauf. Kann man sich hier irgendwie recht kostenlos einen Hauch von Ahnung verschaffen, was eigentlich auf uns zukommen. Vor der Arbeit sind wir nicht bange, da mein Mann auch ein gottbegnadeter Maurer ist. Wir haben jedoch Angst, uns selbst mit dem Kauf unbewust ein Grab zu schaufeln. Über jede Anregung und jeden Tipp bin ich sehr dankbar.
Mit schönen Dank im Voraus.





Hier würde wahrscheinlich jeder den Fachwerkhof vorziehen.
Das euch damit auch viel arbeit ins Haus steht versteht sich ja von selber.
Einen "Hauch von Ahnung" gibt es hier gratis, ebenso wie Anregungen und Tips, jedoch keine ausführliche Beratung.
Vielleicht solltet ihr vor dem Kauf den Hof mal mit jemandem besichtigen der Ahnung davon hat und euch event. vor großem Schaden bewahrt.
Wär schön mal die ein oder anderen Bilder vom Hof zu sehen.



Kauf Fachwerkhaus



Hallo Agione,
ich schicke Euch Unterlagen als Entscheidungshilfe per Email, da für das Forum zu umfangreich.

Viele Grüße



Schau, als ob Du es für Deinen Freund kaufen müsstest ...



EFH in Neusiedlung mit gedecktem Sitzplatz, Gartenfeuerstelle aus Waschbeton und Carport sowie 120 m2 Zierrasen gegen Wohnen im Fachwerk mit Innenhof und Scheune - wer muss sich da noch lange entscheiden.
Folgendes wäre zu hinterfragen:
a) Wie sind Eure Ansprüche bezüglich grossen, hellen Räumen, Raumhöhe, senkrechten Wänden usw, Wellnesszonen und laborartiger Küche?
b) Warum wird das Fachwerkhaus verkauft? Neu renoviert und nun verkauft - guck mal genauer hin, warum. Es muss nicht, aber kann auf Baumurks oder Pfusch bei der Sanierung hindeuten.
c) Wie sieht die Sache finanziell aus?
d) Sagen euch die im Innenausbau verwendeten Materialien zu?

Du brauchst viele Wörter wie wunderschön, verliebt, gottbegnadet - bleib mal ein bisschen realistisch, sonst kommt nach 3 oder 5 Jahren nochmal eine andere Liegenschaft, weil das Fachwerkhaus doch zu arbeitsaufwendig oder zu verwinkelt oder zu sonst etwas ist. Üblicherweise fällt die Entscheidung, ob Fachwerkhaus oder Altbau, vor der ersten eigenen Immobilie.
Dem Rat, das Anwesen doch einmal mit einem fachkundigen Kollegen oder auch gegen Honorar in Begleitung eines Experten zu besichtigen, ist nichts beizufügen.
Auch für die Preisverhandlungen ist es nützlich, die "Verliebtheit über beide Ohren" dem Verkäufer gegenüber nicht so sehr durchblicken zu lassen.



Den Ausführungen...



...der "Vorschreiber" ist eigentlich nichts hinzu zufügen.
Außer...das ein Fachwerkhaus mit Nebengelass und möglicherweise großem Grundstück eben meißtens doch größer ist als ein heutiger Neubau.

Du schreibst, dass euer Neubau zu groß ist?

Ansonsten kann ich Jens Paulsen nur Recht geben. Man muß mit krummen Wänden und etwas "rustikalerer" Lebensweise, vielleicht weniger "Sterilität" als im Neubau zurechtkommen (zumindestens dann, wenn der Fachwerkbau noch halbwegs authentisch ist).



eines vielleicht noch,



deutsche Winter sind lang. Heizkosten sind ein Thema, auch, daß es bei allen Kosten "mummelig warm" wird.
Von Zimmerofen zu Zimmerofen zu rennen, ständig füttern, Asche raus und trotzdem kalt kann einem in einer schwachen Stunde schon mal die Tränen in die Augen treiben...ehrlich.

Gruß...J.



Ein Gespräch



mit den Vorbewohnern (Besitzern?) macht euch denk ich am besten klar, wie sich's rund ums Jahr dort anfühlt - Wieso sind die weggezogen?.

Gruss, Boris

P.S: Alte Häuser und Wollpullover waren schon immer gute Freunde.....





Vielen lieben Dank für die vielen Antworten. Wenn die Anlage als solche von Interesse ist, unter www.embgenbroich-immobilien.de ist diese zu finden, bitte unter suche: 53881 eingeben. Objekt ist in Euskirchen-Kirchheim.
Zwischenzeitlich haben wir die "Alteingesessenen" zum Haus befragt, es stand 2 Jahre leer, bevor es "renoviert" worden ist. Das Haus soll schon immer feucht gewesen sein, Grund hierfür ist wohl der im Haus befindliche Brunnen, nur mit Naturstein abgemauert. Das Gebälk ist mit einer Art schwarzer Latexfarbe überstrichen, die Struktur des Holzes kann man zumindest nicht mehr sehen oder füllen, die Balken sind glatt. Wir haben heimlich etwas abgepidelt - für uns Leihen sehen diese recht morsch aus :O( Die Frage ist - wie viel morsch ist gut... Und bitte - nur weil wir einen Neubau bezogen haben, richtet nicht so streng über uns ;O) wir sind ja willig uns zu bessern.
Mit einem schönen Gruß, Agnes



wenn gewollt..



steh ich zur Verfügung und schaus mir an.

mit Gruß Karl Schmitz



Morsche Balken



Da gibt's den berühmten Schraubenziehertest - mal reinrammen. Geht er durch wie Butter, ist der Balken hinüber. Bleibt's bei 1 oder weniger als 2 cm, ist der Balken noch tragfähig.

Aber lasst euch nicht dabei erwischen!

stt



Schraubenziehertest!



@s.trapp
das mag zuweilen funktionieren. Allerdings nur dann, wenn der Balken bis zur (oder von der) Außenseite (her) geschädigt ist.

Ich hatte bei mir Balken, die hätten den "Schraubenziehertest" mit bravour bestanden (weil die äußeren 5 cm intakt waren) aber dennoch fast zur Gänze "dahingeschieden" waren.

[pubimg 13319]

Kann also funktionieren, ist aber auch kein Garant für ein intaktes Fachwerk.

Ich würde da eher auf die "Klopfmethode" setzen. Also mit einem Hammer oder ähnlichem die Balken der Länge nach abklopfen. Die schadhaften Stellen lassen sich wunderbar durch einen etwas "pappigen" Klang ermitteln.

Außerdem reagieren Verkäufer zuweilen etwas "empfindlich" wenn Käufer versucht mit einem Schraubendreher Löcher in seine Balken zu kloppen!

Grüße
Martin Wittwar



Danke



Ist doch immer wieder schön, wenn man etwas Neues lernt.

Danke

stt



Aber gerne doch!



...wozu "tummeln" wir uns denn sonst hier ;-)



Wenn ihr dann



mit Hammer und Schraubenzieher die Bude richtig "präpariert" habt, könnt ihr sicher den Preis drücken! Besser noch Strohmann/frau mit Beil vorschicken.


;-) Boris



Wie meinen?



@Boris Webler
...kann deinen Beitrag momentan nicht so recht "einordnen". Hast du am Ende ein Fachwerkhaus zu verkaufen und fürchtest schraubenzieher- und hammerbewaffnete Käuferscharen?

Ich muß keines mehr kaufen, kann aber aus der Sanierungsarbeit meines Hauses berichten. Und da war die "Hammermethode" zur Lokalisierung von schadhaftem Fachwerk und zur Kalkulation der anstehenden Arbeiten und Kosten äußerst hilfreich!

Hast du andere Erfahrungen??

Deinem Profil nach bist du ja immer auf der Suche nach der einfachen Lösung. Der Hammer wäre eine solche für diesen Zweck ;-)(noch dazu eine "schadlose" am Bestand)



Ich hab mir halt vorgestellt



wie die zwei unter den Augen des Maklers durch die Bude flitzen und das frisch gestrichene Gebälk malträtieren...
Methodisch sicher einwandfrei, aber auch beim Autokauf nicht gern gesehen!

Mal ohne Flachs: Sicher darfst du bei einem Besichtigungstermin mal hier und da vorsichtig klopfen und auch an einer unauffälligen Stelle mal reinstechen, aber was sagt dir das? Noch dazu als Laie? "Könnten Sie die Stelle mal freilegen, da hört sich das komisch an..?" Etwas unrealistisch, oder?

Gruss, Boris



Und?...



...wie würdest du vorgehen, wenn du vor der Entscheidung stündest die ein Haus zu kaufen?

Einen Gutachter mitnehmen der mittels "Röntgenblick" den Zustand beurteilen kann?

Mal Hand aufs Herz: Wenn mir der Verkäufer untersagen würde dass ich gegen die Balken klopfe muß schon etwas im Argen sein und man sollte Vorsicht walten lassen.

Wenn es nichts zu verbergen gibt, sollte die eine oder andere Klopfprobe kein Problem sein. Im Übrigen weiß ja auch der Verkäufer nicht alles ;-)

Ein anwesender Makler wäre mir da übrigens völlig Wurscht.



wir waren zu dritt



Wir war'n zu dritt als wir mit dem Makler durchgingen. Und einer hat sich eben das Gebälk vorgenommen. War kein Problem.

stt



@Martin: Mir guten, fachkundigen Rat ins Haus holen.



Ich bin vorm Kauf unseres Hauses 3x mit befreundeten Handwerkern durchgelaufen, die mir beim gucken und kalkulieren geholfen haben. Die Besitzer waren auch sehr offen und Auskunftsbereit, den Makler konnte man branchentypisch in der Pfeife rauchen, aber den brauchte ich ja nur zum Tür aufschliessen..;-)

Dein Tipp ist Gold wert und Röntgenblick ist natürlich Quatsch, ich sach nur Klopfen sagt dem Laien nix! Wenn die nicht wissen wie sich ein alter/neuer/wurmstichiger/fauler/Eichen/Fichten Balken anhört, was wollen die dann beurteilen?

Wenn die tatsächlich in einem dauerfeuchten Haus die Balken zugespachtelt und mit Latex gestrichen haben, sag ich: Finger wech!

Grüsse, Boris





Es ist wahnsinn, wieviel ich - kleine Unwissende - in der letzen Woche gelernt und gelacht habe ich diesem Forum. Erst einmal, vielen lieben Dank - ich habe seit einer Woche kein Fernsehn mehr geschaut und freute mich immer wieder auf dieses Forum.
Zwischenzeitlich habe ich Kontakt mit der Denkmalbehörde aufgenommen und einige befreundete Handwerker um Rat und Blick gebeten. Auch wurde mir Hilfe seitens dieses Forums angeboten, die wir gerne in Anspruch nehmen werden, allerdings erst, wenn die "Vorhut" ihre Meinung kund getan hat. Eines ist sicher, so ein Fachwerkhaus bringt viel Aufregung und Wallung ins Leben. Zwischenzeitlich haben wir zwei Familienkriesen, drei Ehekriesen, mehrfache Nachfragen zu unserem psychischen Gesundheitszustandt etc. hinter uns gebracht. Und ich schaue morgens zwischenzeitlich selbst verunsichert in den Spiegel und frage mich: bis du wirklich verrückt geworden?



Das falsche Forrum ...



wenns um Ehekrisen geht. Das Thema ist aber ernst zu nehmen, sonst sitzt Du (oder er) in einer Ruine und alles, was ihr zusammen aufgebaut habt, ist zum Teufel. Mir sind da morsche Balken lieber, da weiss ich wenigstens, worauf ich mich einlasse.
Ob der Partner bei einer Instandstellung des selbstbewohnten Hauses in Eigenleistung mitmacht, solltest Du unbedingt vorher wissen. Es sind einige Jahre Leben auf der Baustelle angesagt, und da hilft Ausdauer und Geduld mehr als Enthusiasmus. Manchmal zehrt das schon ganz schön. So ruckzuck wie in gewissen Sendungen, wo die dicke Tine mit Akkuschrauber, Farbeimer und Hilfstrupp anrückt und am Wochenende drauf gibts Freudentränen beim Einzug, geht es nämlich meistens nicht.