Mauern aus Natursteinen und Erde / Ausblühungen




Moin, moin! (wie der Wahl-Oldenburger in Italien so sagt)

Mir stellt sich folgende Problematik bei der ich um Mithilfe bei der Lösung bitte:

Ich möchte eine Wohnung in einem italienischen Altstadthaus, welches ca. 200- 250 Jahre alt sein dürfte, sanieren. Die örtlichen Handwerker sind da natürlich auch willens gegen ein fürstliches Salär weiterzuhelfen, leider jedoch ohne Erfolg.

Es handelt sich um eine Art Erdgeschoss/Souterrain-Wohnung. Betritt man die Wohnung, so ist das Fußbodenniveau ca. 50 cm unterhalb des außenliegenden Vorplatzes. Allerdings steht das Haus am Rande eines Hügels, so daß auf der anderen Seite der Wohnung das "ebenerdige Fußbodenniveau" in einer Dachterrasse mündet, welche ca. 3,5 Meter über der dortigen Straße liegt.
Die Wände sind teilweise bis zu 2 Meter dick und aus Natursteinen und Erde aufgebaut. Teilweise (s. Foto) gibt es aber auch zugemauerte Nischen. Zwei große Zimmer sind z.Zt. noch mit dem alten Putz (sehr weicher stark sandender Putz) bestückt.
In einem anderem Zimmer hatte ich nun im letzten Jahr den Putz abgeschlagen, da er zum einen stark sandend war aber aber auch Ausblühungen zeigte. Darauf wurde von einem örtlichen Handwerker ein Kalk-Zement-Putz aufgetragen. Darauf sollte ein reiner Kalkputz aufgetragen werden. Wie ich mit meinen inzwischen besseren Italienisch-Kenntnissen herausgefunden habe, handelte es sich aber doch um einen Gipsputz (Gesso Scagliola) Nach nun 1,5 Jahren (die ich nicht vor Ort war) treten noch immer starke Ausblühungen aus. Wenn ich sie abfege, sind bereits nach 1 Woche wieder ca 1 cm "nachgewachsen".

Die Wohnung kann nicht beheizt werden und die Luftfeuchtigkeit
ist hier in Apulien meist so um die 80%. Nichtsdestotrotz herrscht in der Wohnung ein angenehmes Raumklima und die Temperatur sinkt nicht unter 15 Grad.

Ich vermute nun, daß in den Erdwänden soviel Feuchtigkeit ist, daß sie in die Wohnung "wandert" und dabei diverse Salze mit hinaustransportiert. Woher die Feuchtigkeit kommt bleibt mir ein Rätsel, da neben und über den betreffenden Wänden eine homogene Bebauung vorliegt, durch welche meines Erachtens kein Regentropfen in die entsprechenden Bereiche vordringen kann. Eine "Kapillarwirkung" scheint mir aufgrund der Lage auf einem Hügel doch auch recht unwahrscheinlich.

So nun kommt endlich meine Frage:
Wer hat eine gute Lösung, um die Ausblühungen zu stoppen?

Mein italienischer Nachbar hat EPS-Platten (wie Jackodur / Styrodur) von innen vor die Wand gesetzt und diese dann verputzt. Allerdings ist dieses auch erst 1 Monat her, so daß der Erfolg oder das Desaster noch abzuwarten bleibt.

Die zweite Innenmauer wäre vielleicht eine Lösung, doch was ist wenn die Feuchtigkeit auch in diese eindringt - zudem geht so viel Raum verloren.

Was ist in Bezug auf die Feuchtigkeit zu der EPS-Platten-Lösung zu sagen (vom Gefühl/den Materialien her sagt sie mir nicht zu) aber bei 2 Meter dicken Wänden brauche ich mir wahrscheinlich keine Sorgen zu machen, dass die Wand Schaden nimmt!? oder doch?

Vielen Dank für konstruktive Beiträge

Peter Welp



Hallo Peter,



Das mit den ESP Platten wird wohl im Desaster enden.

Zur Frage, bei 80% rel. Luftfeuchte (viel zu hoch) und einer Raumlufttemperatur von mindestens 15 °C Kondensiert der Wasserdampf aus der Raumluft auf allen Flächen die kälter sind als ca. 11,5 °C.
Durch diese Kondensation wird die Wand so feucht das die Salze in Lösung gehen und „wandern“. An den Stellen wo sie, wie auf dem Foto, sichtbar werden sinkt der Feuchtigkeit soweit das sie Auskristallisieren.

Das währe eine nach deinen Ausführungen wahrscheinliche Ursache.
Diese kannst du nur umgehen, wenn die Raumtemperatur angehoben wird und gleichzeitig die rel. LF um die 60% gesenkt wird.

Natürlich kann auch aufsteigende- oder seitlich eindringende Feuchte eine Uhrsache sein, das kann aus der ferne schlecht beurteilt werden.



Moin Peter,



Heizlüfter / Luftentfeuchter besorgen und v.a. lernen das Ganze mit italienischen Augen zu betrachten....;-).

Wenn du schon unbedingt verkleiden willst, dann besser mit Holz, diffusionsoffen lasiert/lackiert und am besten nur mit ein paar Schrauben abnehmbar zum in ein paar Jahren mal nachgucken.

Gruss, Boris



Ettringit



Ein Teil ihrer Ausblühungen wird auch Ettringit sein.Ihr Beitrag bestätigt leider auch wieder meine Vorortbeobachtungen in Italien, das die dortige Baukultur grossflächig und erschreckend den Bach runter gegangen ist.
Ich empfehle ihnen die Abnahme dieses Horrorputzaufbaues Kalk-Zement-Gipsputz und einen Putz Aufbau aus Kalkmörtel/kalkglätte mit frescal aufgebrachter Kalkfarbe.
Sollten sie dann immer noch Probleme mit hygroskopischer Feuchtigkeit haben, kehren sie die Oberflächenabscherungen ab und aplizieren bei Bedarf einfach wieder Kalkfarbe auf die Stelle . Langfristig am preiswertesten und Substanzschonendsten.



Sie



können ermitteln lassen, inwieweit und welche Wände tatsächlich mit Schadsalzen belastet sind. Sollte dies so sein,dann können Sie ja überlegen, ob Sie eine gründliche Entsalzung der Wände durchführen, und einen neuen Eintrag unterbinden. Erst dann werden Sie wohl Ruhe vor den Ausblühungen haben, und brauchen keine Platten o.ä. davor zu kleben.
mfG



Natursteinwände



Hallo,

die Wand wird noch so einige Jahre überdauern. Das mit den Salzen ist korrekt - auch dafür gibt es Lösungen. E-Mail





Hallo Peter,

es ist wie Herr Welsch schreibt: Runter mit dem Zeug und Kalkmörtel drauf. Viele italienische Häuser waren früher in Stall und Wohnbereich aufgeteilt, wobei sich der Stallbereich im Erdgeschoss/Souterrain befand und die Wohnebene im Obergeschoss/Hochpaterre.
Die Feuchtigkeit, die jene Salze zum Ausblühen treibt entsteht in den meisten Fällen durch Kondensatausfall, mangelnde Heizung und mangelnde Lüftung wenn das Haus nicht durchgängig bewohnt ist.
Die italienischen Sommertemperaturen, gepaart mit geöffneten Türen und Fenstern bringt reichlich Feuchtigkeit ins Haus, die an den kühleren Wandflächen auskondensiert . Im Winter sind viele Italienhausbesitzer natürlich nicht in Italien sondern kuscheln am deutschen Kamin und die Feuchtigkeit im italienischen Domizil verbleibt in den Wänden.
Das Schadensbild ist italienweit vertreten und dank dem sich auch dort immer weiter verbreitenden Gipsputz immer häufiger vorzufinden.

Das Bild zeigt "unsere Stallungen" vor dem Umbau.





doch der große Trost ist, dass wenn die Arbeiten einmal beendet sind ...





... der Aublick hemmungslos genossen werden kann :-)))))))) (extrabreites Grinsen)

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Danke für die Antworten - aber was ist mit dem alten Putz?



Vielen Dank ersteinmal für die vielen Antworten!

Mir stellt sich aber noch weiterhin die Frage, ob es sinnvoll ist, den noch vorhandenen alten Putz (vermutlich Kalkputz - ich tippe auf ca 100 Jahre alt) auf der Wand zulassen, angesichts der Tatsache, dass er zum einen eben auch leichte Ausblühungen zeigt und zum anderen auch recht weich ist, so daß ein Problem istdort auch mal einen Dübel an der gewünschten Stelle ordentlich und fest zu versenken.

Dabei frage ich mich auch, ob die ausgespülten Salze wohl überwiegend aus dem Putz kommen (was für die Beibehaltung des alten Putzes + eine neuen Lage Kalkputzes obendrauf spräche) oder ob die Salze mutmaßlich aus dem Erdreich eindringen.

Wenn ich nun wie vorgeschlagen die Feuchtigkeit der Raumluft absenke, führt dieses nicht dazu, daß der Transport der Feuchtigkeit aus den Mauern und somit der Transport der Salze noch verstärkt wird?

Ich würde mich vor allem über Rückmeldungen von Leuten mit konkreten Erfahrungen an und in süditalienischen Bauten freuen.

Die Luftfeuchtigkeit vor Ort ist nunmal sogegeben und da wollte ich auch nicht gegen anarbeiten (meine Name ist nicht Sysiphos ;-)

Herzliche Grüße

Peter Welp



"Brutalstmöglich" sagt man bei uns in Hessen :-))



Hallo Peter,

im Erdgeschoss und bereichsweise auch im Obergeschoss unseres Hauses (nahe PI) wurde sämtlicher Putz und lose Mörtellagen entfernt und nach dem Winter ausgebessert und neu verputzt. Der Fußboden wurde um bis zu 40cm angehoben und mit neuem Estrich versehen, dann Fliesenbelag.

Bei den gut 120qm des Erdgeschosses handelte es sich durchweg um Kuh-, Schweine- und vermutlich einem von außen zugänglichen Ziegenstall => also einmal alles – brutalstmöglich. Das Gebäude besitzt je Geschoss eine eigene Heizungs-/Klimaanlage, die auch im Winter für Mindestwärme sorgt und das wichtigste: Jemanden der sich ganzjährig darum kümmert, heizt, lüftet, kontrolliert, sich um den Garten kümmert ...

Nach nunmehr 3-4 Jahren – so gut wie keine Schäden.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Putzaustausch



hallo,
ich empfehle eine leistungsfaehigeren Kalkmoertel, optimiert fuer Feuchte und versalzte Waende mit mineralischem Leichtzuschlag. So was gibts neuerdings bei Hessler Kalk, mindestens 2 cm drauf und besser mehr.
Kalk-Oberputz und Kalkanstrich.
Gruss N. Hoepfer