Wandanschluss Feldstein-Fundament & Feuchtigkeit & Dämmung

02.02.2022 HS


Liebes Forum,
in unserem alten Bauernhaus (1900) haben wir aktuell eintretende Feuchtigkeit in einem Zimmer mit Aussenwand. Dieses Zimmer wurde kürzlich mit Lehmputz innen neu verputzt und trocknet eigentlich gut weg, nur jetzt treten auf Fussbodenhöhe neue Feuchtigkeitsflecken auf. Unsere Vermutung ist, dass von Aussen zwischen dem Feldstein-Fundament und Wandabschluss Feuchtigkeit eintritt bzw. auch ggfs zwischen den Feldsteinen an sich. Die Aussenwand ist eine Giebel-Wand und war auch schon Thema in dieser Frage: https://community.fachwerk.de/index.cfm/ly/1/0/forum/a/showForum/301558$.cfm

Nun ein neues Problem … ;) Die Giebelwand wird aktuell stark beregnet. Zwischen Wandabschluss und Feldstein-Fundament sind sichtbare Lücken und auch zwischen den Feldsteinen kann man viele Hohlräume erfühlen. Ich hänge dazu noch Fotos an.

Meine Fragen dazu wären:
- Als erste Maßnahme würden wir eine Abtropfkante aus Blech am Wandabschluss einarbeiten, damit Feuchtigkeit nicht direkt ins Feldstein-Fundament gelangt.
- Grundsätzlich müssen wir die Giebelwand sanieren. Hier wäre zum einen die Frage, welches Fugenmaterial für ein Feldstein-Fundament ratsam ist, welches auch gewissen Schutz gegen eintretende Feuchtigkeit bietet? Vermutlich wurde beim Bau Kalk/Sand Gemisch benutzt, was aber evtl. im Laufe der Zeit "ausgewaschen" wurde
- Im Zuge einer Sanierung denken wir auch über eine Aussendämmung nach. Der Vorteil wäre hier, dass wir mit einer Dämmschicht auch einen Überhang zum Feldsteinfundament erzeugen, so dass Feuchtigkeit abtropfen kann (die Abtropfkante kann in diesem Falle dann wieder entfernt werden). Dies hat unser Nachbar so realisiert. Hier wäre unsere Frage welches Dämm-Material für unser Haus (Wände aussen aus Backstein verputzt, Innen mit Lehmziegel, ebenfalls verputzt) gut harmoniert? Wir wollen hier keine kontraproduktive Dämmung anbringen.

Beide Giebelseiten, die auch – je nach Windrichtung – Wetterseiten mit Schlagregen sind, könnten unsere Meinung nach eine Dämmung gut vertragen. Entweder verputzt oder mit Schalung aus Holz. Vielleicht gibt es hierzu auch Empfehlungen oder Erfahrungen.

Besten Dank schon mal und Grüsse aus Brandenburg.



Feldsteinfundament


Feldsteinfundament

Der Wandanschluss zum Fundament bildet keine gute Abtropfkante, die Fugen zwischen den Feldsteinen sind ausgehöhlt. Man kann hier und da Finger komplett reinstecken.



Abtropfkante


Abtropfkante

So hat es unser Nachbar gelöst, mit entsprechendem Überhang. Dies könnte bei einer Dämmung der Wand auch bei uns umgesetzt werden.



Außendämmung



Wenn schon Dämmung dann inkl Sockel und Perimeter- also bis in ca 50 cm Tiefe.
Dh Flächen vorher glatt Verputzen und Perimeter u Sockelbereich bis etwa 50 cm über Geländehöhe am besten mit vollflächig angeklebten Glasschaumplatten dämmen.

Die darüberliegende Fassade kann zB mit Stegträgern, Zellulosedämmung und verputzen Holzfaserdämmplatten versehen werden- Teilbereiche könnten auch mit Holz verkleidet werden.
Stegträger gibts ab 16 cm Ausladung.
Fenster können dabei ganz außen in der Dämmebene eingesetzt werden, was dämmtechnisch und von der Nutzung her sinnvoll und gestalterisch am besten ist.



Re: Aussendämmung



Hallo Herr Teich,

vielen Dank für die Anmerkungen. Sie haben natürlich recht, einen Dämmung ohne den Sockel mit zu betrachten, ist in der Tat nur halb gedacht. Wir sind eigentlich Liebhaber sichtbarer Feldstein-Fundamente, aber eine Aussendämmung bietet da wahrscheinlich keine andere Lösung, als unter Putz legen und dämmen.
Noch zwei kurze Fragen:
- Welche Stärke an Dämmung wäre bei uns angeraten? Gibt es ggfs ein Bild für den Aufbau zu sehen?
- Ist diese Abtropfkante als Mittel gegen die aktuell eintretende Feuchtigkeit eine (kurzfristige) sinnvolle Lösung oder sollte man stattdessen lieber Wandabschluss und Feldsteinfundament neu verfugen und putzen (mit Hinblick auf eine spätere Dämmung)? Ich bekomme Zweifel, ob die Maßnahme mit der Blechkante jetzt so sinnvoll Ist?

Besten Dank und Grüsse



In welcher Höhe ist der Boden innen?



Wenn das Fundament feucht bleibt, kann dann innen überhaut ein Schaden entstehen?
Wie wird der Raum innen genutzt und auch wie beheizt?
Welches Material ist für das Fundament verwendet worden?



Ansichten Innen vorher


Ansichten Innen vorher

Hallo Herr Bromm,

danke für die Nachfrage. Ich hänge hier mal ein Foto des Fussboden-Aufbaus an. Die Aussenwand hatte schon früher einen Feuchtigkeitsschaden im Innenraum an der letzten Reihe des Holzfussbodens und der unteren Wand. Da vor dieser Aussenwand seit Jahrzehnten innen eine grosse Schrankwand stand, sind wir davon ausgegangen, dass durch die Kondensatfeuchte der Schaden entstanden ist. Der Holzfussboden war auch grossteils durch Teppich noch zusätzlich abgedeckt. Auf dem Foto ist auch zu sehen, dass unter dem Fussboden eine trockene Sandfüllung liegt. Wir haben dies jetzt so gelassen und nur die letzte Reihe des Holzfussbodens durch passende Dielen bis zum zweiten Lagerholz geflickt.



Ansicht innen nachher


Ansicht innen nachher

Hier jetzt ein aktuelles Bild mit dem reparierten Fussboden und neuem Lehmputz. Genau auf der Höhe wo die Feuchtigkeitsstellen sichtbar sind, endet das Feldsteinfundament bzw. ist der Übergang zum Abschluss der verputzten Aussenwand. Daher unsere Vermutung, dass hier horizontal längs dieses Überganges Feuchtigkeit von aussen eintritt. Zumindest passt die Höhe und der durchlässige Zustand der Aussenwand zur Vermutung. Auch der Altschaden ist wahrscheinlich nicht nur durch die Schrankwand und Kondensat entstanden. Dies ist jetzt allerdings alles auch nur unsere Vermutung und ein Versuch dies abzustellen.

Beheizt wird dieses Wohnzimmer über klassische Heizkörper (unter dem Fenster), die Mitte der 90er Jahre im Haus verbaut wurden. Ansonsten existiert im Raum noch ein älterer Kachelofen, der aktuell aber nicht im Betrieb ist und auch erst durch Sanierung des Abzugs wieder betrieben werden könnte. Der Raum ist aktuell aber normal warm und beheizt.

Der neue Lehmputz ist überall gut getrocknet, nur an der besagten Stelle ist im Nachgang wieder Feuchtigkeit aufgetreten, dies passt zur "feuchten" Jahreszeit hier (Dez-Feb) mit relativ viel Schlagregen an der Aussen/Giebelwand (Wetterseite).

Freue mich über Anmerkungen.

Beste Grüsse



Dies liest sich so einfach..



"Der Raum ist aktuell aber normal warm und beheizt.
Was ist denn normalwarm?
Was bedeutet konkret beheizt?
-------------
Also, bei mir geht die Wärme immer nach oben und unten ist es somit kälter.
Mit einfachen Messgeräten z.B. TH503 kann man die Raumtemperatur aber auch die relative Feuchte ermitteln.
Über Taupunkttabellen kann man dann den Feuchtegehalt fesstellen. Wenn dieser feststeht kann daraus ermittelt werden ob bei den Temperaturen am Boden- Wandanschluss Tauwasser ausfallen kann.



Raumtemperatur



Hallo Herr Bromm,

die Raumtemperatur liegt bei 18 Grad, die Luftfeuchtigkeit bei 50%. Beides analog gemessen, anderes war mir nicht möglich. Mir ist leider noch nicht ganz klar, was der alternative Erklärungsansatz für die Feuchtigkeit in der einen Wand ist?

Beste Grüsse



Nicht immer so einfach...



..denn, wo - in welcher Höhe sind 18° ?
Und welche Schwankungen ergeben sich bezogen auf die Luftfeuchte?
Was war die höchste Temperatur oder auch die Feuchte.
Der größte Fehler bei der Bewertung ist, dass nur ein Wert ermittelt wird.
Wenn man hier etwas brauchbares bewertet, sollte über einen längeren Zeitraum - ich denke an Wochen - mit Hilfe eines Datenloggers sowohl die Feuchte als auch die Raum-, aber auch die "kalte Boden-Wandtemperatur gemessen werden. Dies nicht nur innen sondern auch außen.

Dazu: Ein Hygrometer bzw. Thermo-Hygrometer mit einer Datenlogger-Funktion speichert die Feuchtigkeitswerte und Temperaturwerte in einem aus wählbaren Intervall über einen längeren Zeitraum. Mit dem Datenlogger können also Langzeitmessungen bzw. Langzeitaufzeichnungen durchgeführt werden. Die Aufzeichnung mit so einem Hygrometer kann dann an einem PC mit der mitgelieferten Software oder einer zusätzlichen Software, wie beispielsweise Excel, analysiert werden. So kann z.B. festgestellt werden, ob eine zu hohe Luftfeuchtigkeit an bestimmten Tagen auftritt.
Siehe auch:
http://www.hygrometer-ratgeber.de/hygrometer-datenlogger/