Kaufen oder nicht?




Hallo an alle,

ich bin ganz neu hier, obwohl ich immer mal wieder hier lese.
Wir suchen seit Jahren nach einem bezahlbaren Haus in entsprechender Lage, vorzugsweise Fachwerk.
Jetzt wird bei uns eines angeboten, dessen Lage und Grundstück perfekt sind, allerdings ist fraglich, ob das ganze bezahlbar bleibt und da wollte ich mal nach euren Erfahrungen fragen, bevor wir einen Gutachter bestellen und 600 bis 700€ in den Sand setzen, für etwas was von vornherein utopisch ist.
Mir ist natürlich klar, dass jede Angabe nur ein ungefährer Richtwert sein kann, aber 20.000 mehr könnte schon einen Ausschlag geben.
Zum Haus:
Es ist ungefähr Baujahr 1800, kein Denkmalschutz, zuletzt ist vermutlich in den 50er, 60er Jahren etwas daran gemacht worden. Außen sind Platten vor das Fachwerk gehängt, die möglicherweise Asbest enthalten.
Es gibt keine Badezimmer, lediglich eine alte Dusche in der Küche, Toilette draußen, mit Sickergrube, keine Heizung, dafür 3 Schornsteine. Im Prinzip muss alles gemacht werden, wie bei einem Rohbau mit Dach.
Am Dach muss einiges ausgebessert werden (Tonziegeleindeckung), Ziegel wären aber noch reichlich vorhanden, regendicht ist es auch. Wir würden es nicht dämmen, sondern die Dachbodendecke.
In den Räumen müsste sehr wahrscheinlich der Putz ausgebessert werden und der größte Teil der Fußbodenbeläde einschließlich Estrich oder ähnliches.
Wasserleitungen und Elektroleitungen müssten neu verlegt werden, Anschluss ist aber vorhanden.
Das was wir vom Gebälk sehen konnten, sah sehr gut aus, steinhart, augenscheinlich keine Feuchtigkeit oder Parasitenbefall und trotz enorm viel Dreck und alten Tapeten usw roch es nicht muffig oder feucht. Bei den uralten Fenstern aber auch gut belüftet. Klar, letztendlich muss das aber ein Gutachter klären. Und da ergibt sich dann auch meine Frage...
Ich habe nach einigen Recherchen einen Plan für die einzelnen Gewerke aufgestellt und komme auf etwa 100.000 €, vorausgesetzt die Statik ist noch ok, keine Feuchtigkeit und Grundgerüst in Ordnung. Ist das halbwegs realistisch oder liegt man damit völlig daneben?
Über Antworten würde ich mich sehr freuen.

Liebe Grüße Erin

Nachtrag, da vergessen:

Das Haus hat etwa 180 qm, 2 Vollgeschosse, allerdings mit einer Deckenhöhe von etwa nur 2m ( stört uns nicht, wir sind klein ;-) ) und eben Dachboden, den wir aber nicht brauchen. Dämmung an der Außenwand ist nicht vorgesehen.



Fachwerkhaus lohnenswert ?



es kommt natürlich darauf an, ob der Kaufpreis sehr günstig ist,
ob euch die Lage gefällt und es ggf wieder vermietet oder verkauft werden könnte

Habt ihr die Möglichkeit viel Eigenleistung zu erbringen?

Welchen Wohnstandard wollt ihr erreichen oder könnt ihr euch in der Hinsicht bescheiden?
Gibts Brennholz günstig zu kaufen und sind Öfen ok für euch, bzw kennt ihr das von bisherigen Wohnungen?

Habt ihr Termine wann ihr einziehen müßt ?

Könnt ihr 1/2 bis 2 Jahr sanieren und dann erst einziehen oder zB erst eine Etage sanieren, dann einziehen und danach die 2.Etage sanieren?

Was unter den Fassadenplatten ist läßt sich kaum vermuten.
Wenn die die Fassade immer geschützt haben kann der Zustand darunter sehr gut sein, wenn die damals nur Schädigungen abdecken sollte kannst schlecht sein- da kann man nur spekulieren.
Kannst du Fotos machen?
Wenn du ales für die Handwerker vorbereitest, daß diese nur die reinen Sanitär- und Elektroarbeiten machen müssen und einfacherer Standard akzeptiert wird sollten meiner Meinung nach 100.000,- für eine Grundsanierung genügen, sofern keine Substanzschäden vorliegen.

Andreas Teich



Dämmung der Aussenwände nicht vorgesehen ?



... dann bitte im Interesse der Umwelt auch keine Heizung vorsehen.

Was ist Ihr Anspruch - ein bezahlbares, wohnliches Haus, oder ein "originalgetreu" zugiges Denkmal ?

EUR 100k für ein Haus bei dem ALLES neu gemacht werden muss - etwas über EUR 500 pro m2 ? Das wird nur mit viel Glück und erheblicher Eigenleistung funktionieren. Knappe Reserven sind da keine gute Voraussetzung, und wenn alles gemacht werden muss, ist es schwierig in Phasen zu machen.

Einige Stichworte:

- kein Denkmalschutz - gut...

- Asbestzementplatten vor dem Fachwerk - Kaufpreis auf Landwert minus Asbestsanierung drücken... (was bei Asbestplatten aussen nicht so schlimm ist wie drinnen)

- Keine Badezimmer - erheblicher Kostenfaktor.

- Toilette mit Sickergrube - ist das noch konform ? Aussenbereich ? Kanalisationsanschluss oder Kleinkläranlage kann sehr teuer werden... Wäre eine Komposttoilette möglich ?

- Am Dach muss einiges ausgebessert werden - dann bitte nicht kleckern, sondern ein anständiges Unterdach (z.B. 35 mm Holzweichfaser) einbauen damit man ordentlich dämmen kann (siehe unten). Dämmung zwischen den Sparren, und zwischen der Traglattung für die raumseitige Verkleidung.

- Putz auszubessern: Gipserarbeiten können erstaunlich teuer werden, wenn man es nicht selber machen kann. Da ist auch die Frage wie man die Aussenwände dämmen will.

- Böden: Ist das Haus unterkellert ? Wenn nein, würde ich davon ausgehen dass man den Bodenaufbau im Erdgeschoss von Grund auf neu machen sollte.

- Gebälk: am besten zur Kontrolle Abklopfen, aber mit Ueberraschungen ist sowieso zu rechnen.

- Fenster: je nach Anspruch an Denkmalechtheit ein erheblicher Kostenpunkt.

- Deckenhöhe: auch kleine Leute haben Recht auf Luft und Licht. Ich würde mir also überlegen, die Decke zum Dachboden zu öffnen. Es könnte interessant sein, den Wohn & Kochbereich oben mit offenem Grundriss zu haben, unten Schlafräume.

- Heizung: Wieviel und was es braucht, hängt sehr von der Qualität der Dämmung und dem Grundriss (offen / geschlossen) ab. Zwischen einem offenen "Ein-Ofen-Haus" und einer konventionellen Heizung mit Heizkörpern in jedem Raum gibt es alles.

- Dämmung an der Aussenwand - würde ich auf keinen Fall weglassen. Nicht denkmalechte, aber bauphysikalisch und energetisch solide Variante von aussen nach innen:

Holzschalung

Hinterlüftung

Windpapier

Holzweichfaser

bestehendes Fachwerk, Ausfachung entfernen und durch Zellulose oder flexible Holzfaserdämmung ersetzen

OSB als Versteifung und Dampfbremse, dampfdicht abgeklebt

Installationsebene (elektrisch, Wasser), ausgedämmt

Gipsfaserplatte als raumseitiger Abschluss

Drum rechne, wer sich langfristig bindet. Mieten ist meist billiger...





Hallo,

und danke für die Antworten! :-) Liest sich ja erstmal sehr verschieden...dann will ich mal versuchen, das meiste zu beantworten.
@Andreas

Zunächst, ja, das Grundstück ist es wert, nicht nur ideell, sondern auch so. Ohne die Altbauten darauf, würde es sicher das doppelte kosten.

Eigenleistung würden wir natürlich bringen, definitiv Maler- und Verlegarbeiten, mit Anleitung Verputzen innen und wir würden alles rausbringen/-reißen was raus muss, auch die Fenster + Dämmung der Obergeschossdecke. Gegebenenfalls noch fliesen, einen Teil der Sanitärobjekte anbringen, Rohre und Leitungen verkleiden. Sind aber im Grunde alles Kleinigkeiten. Die "großen" Sachen müssten schon vom Fachbetrieb gemacht werden, die meisten kenne ich allerdings und kann mich darauf verlassen, dass alles vernünftig und zu moderaten Preisen erledigt wird.

Wir brauchen keinen gehobenen Standard, normale Ausstattung reicht. Wenigstens einen Ofen soll es auf jeden Fall geben, Holz ist hier nicht das Problem (Vorharz),machen wir zum Teil auch selbst, was aber nicht heißen soll, dass es keine Heizung geben soll.

Termine gibt es nicht, für die Sanierung würden wir etwa ein Jahr veranschlagen, mehr sollte es aber nicht sein. Erstmal eine Etage fertig machen würde auch gehen, wir wollen ohnehin nicht gleich alle Räume komplett sanieren, aber vorbereitet sollten sie sein.

Tja...die Fassade...soweit zu sehen ist es darunter zwar trocken, aber die Lehmausfachung bröselt, kein Kalkputz. Das müsste aber dann, wie gesagt, ein Gutachter klären, den wir bestellen würden, wenn wir das Gefühl haben, es wäre finanziell machbar. Danke für deine Einschätzung! :-)

@yogumon

100.000 war meine Berechnung anhand der hier ortsüblichen Preise, Reserve wäre da schon noch vorhanden, nur sollte es die Rechnung nicht bei weitem übersteigen.

Die Toilette würde natürlich nicht im Außenbereich bleiben, sondern ein vernünftiges Badezimmer eingebaut werden ;-) Das ist lediglich der Ist-Zustand. Der Vorteil, den ich darin sehe, ich erspare mir viel Arbeit und Entsorgungskosten, weil ich kein 40Jahre altes Schmuddelbad rausreißen und entsorgen muss, ebensowenig wie alte Rohrleitungen. Ich bin ein Optimist, ich weiß. Und ja, es gibt einen Abwasseranschluss.

Das Dach soll nicht gedämmt werden, dafür die Geschossdecke, in Eigenleistung.

Zum Thema Dämmung, natürlich kommt außen etwas vor, eventuell Holzschalung, das muss man sehen und hängt auch von der Meinung des Fachmanns ab. Kann sein, dass wir uns hier falsch verstehen, ich sprach von herkömmlicher Dämmung.
Wir wohnen jetzt übrigens auch in einen Fachwerkhaus, mit Lehmwänden und auch außen lediglich abgehängt. Klar haben wir keinen Niedrigenergie-Standard, aber der Verbrauch ist ok. Es ist nicht unser Anspruch das Haus komplett dicht zu bekommen (ist das bei Fachwerk überhaupt möglich?), eher den Fokus auf erneuerbare Energien zu legen. Da ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen.

Zur Deckenhöhe muss ich sagen, dass mir das so sehr gut gefällt. Haben wir jetzt auch. Zum Dachboden öffnen hat natürlich auch etwas, würde hier aber den Proportionen schaden.

Das Haus ist teilunterkellert, eben der typische "Kriechkeller", inwieweit man da was machen muss und in welchen Umfang weiß ich leider gar nicht.

Danke für die Antwort, wieder etwas zum Nachdenken und recherchieren.



Fachwerkhaus sanieren



Wenn es kosten- und wertmäßig so aussieht wie du es schilderst sollte so ein Projekt machbar sein.
Auf jeden Fall ist so ein unsaniertes Projekt besser einschätzbar als ein teilsaniertes bei dem alle Untergründe verborgen sind und eine Sanierung-auch eine schlechte- doch fast immer den Preis hebt.
Wie du schon geschrieben hast sparst du dir den Abriß von schlechten Einbauten.
Je nachdem ob es sich um eine Sicht- Fachwerkfassade handelt -dann Innendämmung verwenden-ließe sich so ein Gebäude auch mit einer Außendämmung mit Holzträgern, Zellulose und Holzverschalung versehen.
Tips zur Ausführung gibt es hier reichlich und Ausführungsbeispiele- wobei die Auffassungen teils sehr unterschiedlich sind und häufig auch widersprechen.
Da muß sich dann jeder das heraussuchen was seinen Vorstellungen am Nächsten kommt.
Zu Lehmputz gibts auch Seminare- evt lohnt sich die Teilnahme bei so einem umfangreicheren Projekt.

Ansonsten hilft gute Planung sehr weiter- sowohl in technischer Hinsicht wie auch dabei Kosten zu sparen.

Zuerst wäre eine sehr sorgfältige Dokumentation sinnvoll mit Aufnahme aller Schäden und Besonderheiten.
Daraus ergibt sich schon manches
Sobald du Bilder hast helfen die natürlich sehr weiter zur Beurteilung und Einschätzung des Aufwandes.
Andreas Teich



Lieber Erin,



wenn umfangreiche Eigenleistungen möglich sind, und dazu würde ich auch eine moderate Innendämmung zählen, UND Zeit genug ist (einige Räume fertgstellen, und dann wohnen und bauen), dann solltet Ihr Euch erstens bewusst sein, daß Ihr bewegte Jahre vor Euch habt - und zweitens Richtung Kauf steuern. Weil offenbar die Lage für Euch stimmt.

Georg Böttcher ist in Euerer Nähe aktiv und ein sehr empfehlenswerter Ansprechpartner für eine Einschätzung des Hauses im Vorfeld des Kaufes und bodenständige Ratschläge zur Sanierung. Seine Adresse findet Ihr hier im Forum.

Viel Erfolg, und haltet doch die "Gemeinde" auf dem Laufenden, wenn's weitergeht.

Grüße

Thomas



Hallo



und dankeschön :-)

Da will noch einiges überlegt sein, stelle ich fest. Beim Punkt Dämmung/Fachwerk bin ich definitiv etwas überfordert.

Zu dem Thema habe ich in den letzten Jahren einiges gelesen, meist sehr widersprüchliches und bin dann irgendwann zu dem Schluss gekommen, dass es "ungefährlicher" ist nicht zu dämmen(abgesehen von Dach und Geschossdecke), Stichwort Schimmel usw
Jetzt bin ich natürlich kein Experte und hier empfehlen alle eine Dämmung, also muss ich da noch mal in mich gehen...
An sich wäre eine Innendämmung insofern kein Problem, als das ich mir das handwerklich selbst zutraue und genug Platz wäre, andererseits würde das Haus außen so oder so wieder abgehängt werden, da macht es also mehr Sinn, würde aber auch teurer.

Zum Thema Planung würden wir, wie schon gesagt, erstmal einen Gutachter bestellen, der idealerweise, im Falle eines Kaufes auch eine Baubetreung bzw Begleitung übernimmt. Das sind zwar auch wieder extra Kosten, aber die sind gut investiert, denke ich. Vielleicht käme hier dann Georg Böttcher in Frage oder Andreas Vollack, je nachdem.

Lehmputzseminar klingt hervoragend, da werde ich auf jeden Fall mal Informationen einholen.

Was Fotos angeht, muss ich das mal mit dem Makler klären, das Haus wird nämlich nicht von privat verkauft, sondern über das Amtsgericht (keine Versteigerung). Beim Preis würden wir auch noch verhandeln wollen, da doch vieles entsorgt werden muss und zumindest ein altes Stallgebäude abgerissen werden muss.
Das Haus spielt in der Werteermittlung übrigens keine Rolle mehr, eher wurde davon ausgegangen, dass ein potentieller Käufer alles abreißt und neu baut.

Vielen Dank für eure Tipps und Meinungen! Es scheint zumindest machbar, mit viel Schweiß und Zeit :-) Also werde ich morgen mal Erkundigungen zwecks Gutachter einholen und dann sehen wir weiter. Ich halte euch auf dem Laufenden...

Liebe Grüße
Erin



Kaufentscheidung



Bevor Ihr die Kaufentscheidung trefft, solltet Ihr gemeinsam mit einem Fachmann das Haus besichtigen.
Eine Erstbesichtigung muss auch keine 600-700€ kosten. Und wenn, das Geld ist nicht in den Sand gesetzt.
Denkmalschutz ist übrigens kein Problem; aber das steht hier nicht zur Debatte.
Je weniger ein altes Haus verbaut ist, desto besser. Oft wird bei Umbauten die Substanz unnötig geschädigt und durch falsche Materialwahl eine "Verschlimmbesserung" erreicht.
Die oberste Geschossdecke zu dämmen ist eine sinnvolle Maßnahme.
Fehlende Wasser- und Elektroleitungen sind oft ein Vorteil.
Ich wohne am Rande des Vorharzes; bei Fragen einfach melden, in meinem Profil sind weitere Infos.
SG
Paul



Kaufentscheidung



Erin,

sie kaufen ein Grundstück, das für sie günstig ist, weil sie die Abräumkosten nicht habe und es sanieren wollen.

Das liest sich für mich: Ich kaufe Ambiente, aber keine real zu bewertende Bausubstanz.

Es kann etwas von dem Vorhandenen verwertet werden, aber es muss aber auch viel zur Seite geräumt werden, um etwas neu zu machen.

Zwischen Daumen und Zeigefinger bedeutet das Kosten wie bei einem Neubau.

Gerade habe ich ein Fachwerkgebäude in der von ihnen genannten Größe neu erstellt. Es wurde alles in Eigenleistung (Ausnahme: Elektroverkabelung, Heizungsanbindung und Estrich) gemacht. Die Kenntnisse und die erforderlichen Maschinen sind vorhanden. Es wurde nicht luxuriös gebaut, trotzdem war fast der doppelt Betrag wie sie ihn genannt haben erforderlich. Hinzu kamen mindestens 5000 Stunden Muskelhypothek die wir eingesetzt haben.

Mein Rat: Holen sie (Herr Böttcher in diesem Forum) einen sehr kompletten Mann, vor der Vertragsunterzeichnung zu einem Gespräch und lassen sie sich ein Konzept erarbeiten.

Das Haus muss den heutigen Ansprüchen genügen. Auch wenn sie es anders sehen. Es ist auch eine Geldanlage und wenn es nicht ordentlich gemacht wird, bekommen sie im Fall der Fälle, wo sie verkaufen wollen oder müssen, ihren Einsatz nicht zurück.

Heinz-Josef



Wert



Nochmal hallo,

@Heinz-Josef

ich scheine vielleicht etwas blauäugig und vermutlich bin das zu einem gewissen Teil auch, was speziell das Fachwerk angeht.
Ich kenne mich relativ gut aus, was die Kosten eines Ausbaus eines normalen Einfamilienhauses angeht,d.h. die Preise für die Gewerke (hiesige Handwerker) liegen mir vor. Was ich nicht weiß, wie das im Speziellen für ein altes Fachwerkhaus aussieht bzw inwieweit sich die Preisschraube durch die besonderen Begebenheiten oder Vorbereitungen nach oben schraubt. Deswegen habe ich mich angemeldet ;-)
Meine Frage hier diente erstmal dazu, uns klazuwerden ob wir überhaupt einen Gutachter bestellen sollen oder ob das Vorhaben sowieso völlig utopisch ist. Ohne fachliche Beratung kaufen wir definitiv nicht! Voraussetzung ist unbedingt, dass die Grundsubstanz in Ordnung ist.

Was nun das Grundstück angeht, es hat ca 2800qm, liegt abseits der Hauptstraße, aber dennoch im Zentrum. Der Quadratmeterpreis liegt hier bei 70-80€, wir würden es für 80.000 bekommen. Nun muss zwar irgendwann der Stall mal weg, aber es ist nicht zwingend in den nächsten Jahren erforderlich. Möglich wäre auch, einen Teil des Grundstücks irgendwann zu verkaufen, problemlos möglich, da es sich um ein Eckgrundstück handelt, welches nahezu quadratisch und von 2 Seiten komplett zugänglich ist.
Die Frage des Wertes stellt sich für mich also nicht.

Ein Neubau wäre natürlich auch möglich, aber das hätte für mich persönlich nicht dieselbe Wohnqualität.

Wir werden das alles aber genau abwägen, bevor wir uns entscheiden, weswegen ich Ihre kritische Einschätzung durchaus schätze. Danke! :-)

@Paul

Danke für dein Angebot, sollten wir uns in dieses Unternehmen stürzen, wird sicher noch einiges an Fragen kommen ;-) So ähnlich wie bei euch könnte ich mir das auch vorstellen.
Ich denke auch, dass es ein großer Vorteil ist, dass an diesem Haus noch nicht herumgepfuscht wurde. Ich erhoffe mir davon, dass dadurch nichts irreparabel beschädigt worden ist. Wenn man es sieht, allerdings kaum vorstellbar, dass es bis vor 2 Jahren noch bewohnt war.

Relevant vielleicht auch noch, dass wir keinerlei Grundrissänderungen vornehmen müssten.

Liebe Grüße
Erin



Sanierungsaufwand



Der reine Materialaufwand bei der Sanierung eines Fachwerkhauses ist ja kaum höher als bei einem anderen Gebäude.

Der wesentliche Unterschied liegt im höheren Arbeitsaufwand
wenn eine schonende, auf das Gebäude rücksichtnehmende Sanierung stattfinden soll.
Diese Zusatzarbeiten können aber weitestgehend von euch vorgenommen werden, sodaß im Wesentlichen die normalen Kosten anfallen- die ihr wohl teilweise schon ermittelt habt.

Wenn die Balken soweit sichtbar ok sind, das Dach nicht längere Zeit undicht war, Schwellenbereiche und Eckpfosten nicht verrottet und der Kaufpreis so günstig ist wie du es schreibst und euch das Gebäude auch gefällt und von der Aufteilung paßt würde ich es nehmen.

Alle anderen Arbeiten fallen bei jedem Altbau an und wenn ohnehin von einer weitgehenden Komplettsanierung ausgegangen wird kann es kaum große Überraschungen geben, die euch den Kauf bereuen lassen.
Sobald ihr Bilder habt könnt ihr die zeigen, damit sich's genauer beurteilen läßt.

Nur unter Kosten- und Wirtschaftlichkeitsgesichtpunkten ist eine solche Immnbilie ohnehin nicht zu beurteilen- zumindest wenn sich's nicht um ein zu vermietendes Renditeobjekt handelt, was ja hier nicht der Fall ist..

Andreas Teich



Danke



Danke dir Andreas :-)

Dann werde ich jetzt mal Makler und Fachmann kontaktieren und dann heißts abwarten...

und danke an alle, werde berichten, sobald sich etwas tut.

Liebe Grüße
Erin



Denkmal



Von wem habt ihr denn die Information, dass das kein Denkmal ist? Das solte auf jeden Fall vorher abgeklärt werden. Nicht, dass ihr loslegt und dann Probleme mit dem Denkmalamt bekommt, weil das doch unter Denkmalschutz steht.

Wobei ihr auch einmal bei dem Termin mit dem Gutachter besprechen könntet, ob es nicht vielleicht sogar sinnvoll ist, mit dem Denkmalamt zu sprechen, um das Haus eintragen zu lassen. Das hängt davon ab, wie der Denkmalschützer bei euch drauf ist, und was ihr vorhabt. Aber bei so einem Vorhaben könnten die Möglichkeiten zu steuerlichen Abschreibung interessant sein.





Als Kaufinteressent kannst Du beim Denkmalamt fragen, wie es um die Einstufung bestellt ist.
Bei wesentlichen Änderungen ist auch das Bauamt zuständig, wenn ihr etwas macht, dass einer Genehmigung bedurft hätte (Bauanzeige, Bauantrag...) und die nicht habt, wird ein Baustop verfügt.
Finanzierung: Wenn ihr 100.000 € habt, dann könnt ihr die verbauen oder, ihr nehmt einen Kredit über 100.000 € auf, der ca. 1 % Zinsen pro Jahr kostet plus 1 % Tilgung, wären dann 2000 € pro Jahr. Habt ihr aber eure 100.000 € verbraucht, bekommt ihr in der Bauphase diese Konditionen nicht mehr, dann werden es in der Regel über 3 %, vorausgesetzt ihr habt sichere Anstellungsverhältnisse.
Seid ihr fertig mit bauen und habt noch viel Geld über, könnt ihr die Zinsbelastung durch Sondertilgung schnell runterfahren und ihr habt keine schlaflosen Nächte, weil es anders als gedacht kam.





abgesehen von der eigentlichen Bausubstanz gibt es aber noch andere Dinge zu klären.

Wenn die Asbestplatten runter sollen und kein Denkmalschutz vorliegt, tritt m.W. die EnEv in Kraft. Damit werden wesentliche Aspekte in Dämmung und Heizung vorgeschrieben. Dass eine ungedämmte Fassade so belassen werden kann, ist -soweit ich weiß- nicht möglich.
Wenn aber ohnehin wieder eine Verschalung angebracht werden soll, wäre ein Außendämmung sicher geeigneter.
Wenn man dann mit Öfen heizen möchte, müssen die Züge soweit o.k. sein, dass der Schorni das schließlich abnehmen kann.

Dann wäre zu klären, was mit den Fenstern / Türen / Dachüberstand geschehen muss.....

Das gleiche gilt für das Abwasser. Ich finde es erstaunlich, dass es innerhalb einer geschlossenen Bebauung noch eine Sickergrube gibt. Nun gibt es da auch unterschiedliche Varianten. Ob das alles so bleiben kann, wenn man Eingriffe an den Abwasserleitungen vornimmt (Einbau eines Badezimmers im Haus, wahrscheinlich deutlich mehr Abwassereintag) muss man mit dem kommunalen Unternehmen klären, dass für die Abwasserentsorgung zuständig ist.
auf 2800 qm können die Rohrleitungen bis zum Anschluss an der Straße schon recht lang sein.

Schließlich gilt es auch noch zu klären, ob es irgendwelche Lasten im Grundbuch gibt und ob mit den Nebengebäuden alles soweit klar ist, dass sie abgerissen werden können und was das dann kostet.
Die Abbrucharbeiten in unserem Haus (alte Böden entfernen, ein paar Fächer, alte Wandbekleidungen, oller Teerpappenbehang, alte Plaste-Fenster und Türen, u.v.a.m.) haben incl. Entsorgung knapp 25.000€ gekostet. Nun ist das Haus selbst bei uns größer, es gab aber keine Nebengebäude zum abreißen.
Dass man das auch alles selbst abreißen kann steht außer Frage, man muss den Mist aber auch loswerden.
Wenn man kein hierfür zertifiziertes Unternehmen ist, muss man bei den Entsorgern u.U. sehr tief in die Tasche greifen.
(der letzte Container unsortierte Abfälle hat 480€ gekostet !) Auskunft gibt die Gebührenordnung des zuständiegn Abfall Entsorgungsbetriebes.

Schließlich sind nach dem Abriss der Anbauten u.U. noch größere Außenarbeiten nötig.

So ein altes Haus ist kein Sparmodell:
bei uns haben Heizung/Gas/Sanitär/Elektro pro qm etwa 200€ gekostet, das sind im wesentlichen Sachen, die man nicht selbst machen kann.

Ein Gutachter/Planer ist ein muss in so einem Fall, der wird nach der Prüfung einen ungefähren qm Preis nennen können.

Zum Abschluss kann man sich nochmal bei der Gemeinde erkundigen, ob in Zukunft Arbeiten an der Straße geplant sind. Die könnten auf die Anlieger umgelegt werden.
2800 qm Eckgrundstück hat viele Meter Straße!

Gutes Gelingen wünscht

GE



Ein kurzes Update



Moin zusammen,

zum Thema Denkmal: Ich war mir zwar relativ sicher, dass das Haus nicht unter Denkmalschutz steht, habe aber trotzdem aufgrund eurer Posts mal die Behörde angerufen. Es steht nicht unter Denkmalschutz, gelohnt hat sich der Anruf aber in anderer Hinsicht, ich bekomme ein paar Adressen, die vielleicht hilfreich sind, dann kann man auch überlegen, ob sich Denkmalschutz vielleicht sogar lohnt.

@Matthias

Danke für deinen Tipp zur Finanzierung! Das hatte ich so noch nicht auf dem Schirm, sollte aber in jedem Fall mit bedacht werden.

@GEhlerding

Ja...EnEv ist ein Problem, zumindest wenn wir uns für die Variante ohne Dämmung entscheiden würden, die unser Favorit wäre. Da warte ich aber ab, was der Gutachter sagt.

Der Schornsteinfeger muss dann natürlich auch sofort kommen, zwecks Überprüfung. Den kann ich aber vorab schon mal fragen, wir kennen ihn relativ gut und er kennt hier jeden Abzug :-)

Abwasser ist schon geklärt, wir waren wegen diverser Fragen bei der Gemeinde, in der Hinsicht sind Dörfer praktisch und unkompliziert. Es gibt bisher auch keinerlei Anliegerbeiträge wegen Strassenerneuerung.
Die Sickergrube ist ohnehin draußen, da wäre noch zu klären, was und inwieweit da was passieren muss, abpumpen kann man da sicherlich nichts mehr so ohne weiteres.

Lasten im Grundbuch gibt es nicht, Abriss ist aber definitiv eine Hausnummer...was es kosten wird, weiß ich bereits, aber dank des Anrufs bei der Denkmalbehörde, weiß ich jetzt auch, dass das nicht so einfach wird, wie vom Makler dargestellt, hier gibt es nämlich archäologische Interessen zu beachten, will heißen, vorher kommt jemand und es wird geprüft.

Die Entsorgung wird einiges kosten, schon richtig, wobei da im Haus selbst nicht viel zusammen kommt, zum Glück. Bei den kleinen Nebengebäuden gibt es nicht viel zu befürchten, Backstein, Holz und Ziegel, völlig verrückt, aber da stehen schon Leute auf der Matte, die die Steine haben wollen.Wobei da vorerst gar nichts weg muss, ein bisschen Lagerplatz braucht man ja auch noch und Material zum Ausbessern ist mehr als genug vorhanden.
Was ganz anderes ist natürlich das große Stallgebäude, s.o., zumal das auch laufende Kosten sind, wenn man es erstmal stehen lässt (Entwässerung/Regenwasser).

Nichtsdestotrotz, ist das natürlich ein Mammutprojekt und selbst wenn man meint, man hätte alles bedacht, kommt sicher noch so einiges auf einen zu.

Danke für eure Antworten, so wird die Liste länger und das ist auch gut so!

Liebe Grüße
erin



Moin,



ich habe mal ein paar Fotos auf dem Profil hochgeladen, allerdings nur von außen, wir warten noch auf den Makler.
Fotografiert habe ich jetzt alles was einigermaßen interessant erscheint bzw wo man überhaupt etwas sehen kann, vielleicht sagt es ja dem einen oder anderen was, z.B. ob die Abhängung Asbest enthalten könnte.

Ansonsten sind wir immer noch am Rechnen und Fachleute für besondere Gewerke in der Umgebung am ausfindig machen.
Es bleibt spannend!

Liebe Grüße
Erin