erste Erfahrungen mit Kalkputz

22.11.2011 joerjen



Hallo Leute,

nach vielem Lesen und Fragen habe ich nun meine ersten Erfahrungen mit Kalkputz gemacht. Die Mischung war 1:3 mit Weißkalkhydrat und ich bin positiv überrascht, wie gut sich das eigentlich machte.

Zum einen habe ich dabei eine ziemlich wellige Wand (Altbestand) verputzt - diese war bereits mal überputzt und gestrichen. Ich habe sie mit einem Straßenbesen abgefegt, gut vorgenäßt und nochmal gefegt...die Farbe war fest und der alte Putz auch. Die Wand ließ sich gut Verputzen und auch das Anwerfen gelang mir nach kurzer Eingewöhnung relativ gut (nach meinem Empfinden). Die Schichtstärke pendelte dabei von knapp 1cm bis über 3cm. Ich habe die Fläche mit dem Richtscheit soweit begradigt und dann nach dem ersten Ansteifen mit dem Holzbrett abgerieben. Das war am Freitag und bis jetzt ist alles noch dran - keine Risse und keine hohl klingenden Stellen (ausser eine, an der eine Verteilerdose sitzt)...ich habe regelmäßig nachgefeuchtet.

Die zweite Wand war aus Poroton und unverputzt. Hier habe ich jede Menge vorgenäßt und direkt vor dem Verputzen dann nochmal feeucht gemacht. Auch hier ließ sich der Putz sehr gut anwerfen und abziehen, allerdings merkt man schnell beim Reiben, dass dem Putz die Feuchtigkeit entzogen wurde. Hier macht es sich besser, wenn der Putz noch "dünner" angemischt wird...das kostete erstmal Überwindung, ließ sich dann aber sehr gut anwerfen und verarbeiten...gerade beim Reiben.

Wenn nun nicht irgendwelche Schadensfälle auftreten, bin ich erstmal zufrieden - die Wände sind nicht 100% perfekt gerade und eben, sondern auch mal in einem Bereich 3-4mm "bauchig", aber für die ersten Arbeiten bin ich sehr zufrieden.

Fummelig werden sicherlich noch die Türdurchgänge und Fensterfaschen werden, aber das hat nichts mit dem Putz selbst zu tun.

Entgegen aller Warnungen und Hinweise der Baustoffhändler, verschiedener Maurer und Putzer, dass sich Kalkputz bescheiden bis gar nicht Verarbeiten läßt...entweder war es bei mir pures Glück, oder die Leute haben sowas noch nicht wirklich verarbeitet.

Ich für meinen Teil kann erstmal nur positives berichten. Und vom Preis her fällt mir nichts günstigeres ein - außer gar nicht putzen :-).

Zum Abschluß wollte ich die Wände noch weißen, aber erst wenn alle Wände und Ecken verputzt sind - ich weiß, auf den frischen Putz wäre es am besten, aber dann müßte ich Stück für Stück Pinseln...

Welches Mischungsverhältnis zwischen Weißkalkhydrat und Wasser wäre am besten dafür geeignet, bzw. was sollte man noch mit in die Kalkfarbe rühren, um die Wischfestigkeit zu erhöhen? Ich hatte irgendwann mal ein Rezept von Herrn Böttcher gelesen, finde es aber nicht mehr.

Sollte ich mich entschließen, noch einen Feinputz aufzubringen, so würde ich diesen auch im Verhältnis 1:3 mischen (mit Feinsand 0-0.5mm) - ist das so richtig? Wird dieser dann nur mit der Glättekelle aufgetragen und nach dem Anziehen verrieben?

Ich danke Euch allen schonmal für Eure Infos.



Kalkputz



Hallo
Ich arbeite bereits seit längerem mit der Fertigmischung eines bekannten Herstellers aus Mittelfranken. Dabei verwende ich den Kalkputz teils zum Mauern (die alte Wand ist ebenfalls mit Luftkalk gemauert) und zum Verputzen.

Die Frage bezüglich der Firmen:
Man muss schon ein paar Sachen gegenüber einem gipshaltigem Putz beachten: immer schön nassmachen, dann vollflächig vorspritzen mit einer groben Körnung und dann den Grundputz anwerfen und abziehen. Wenn der Grundputz auch der Oberputz werden soll, den Grundputz am besten nicht zu grob wählen, weil der beim Abtrocknen reißt. Trocknen lassen und dann abfilzen. Ist der Grundputz etwas gröber, reißt sieser ein bisschen. Diese Risse dann etwas auskratzen und dann nachfilzen. Normalerweise wird aber als Oberputz eine feinere Körnung (0,5 oder 1) verwendet, der dann mit der Glättkelle aufgezogen wird (also nicht anwerfen), dann wenn er etwas trocken ist abfilzen.
Normalerweise wird vom Verreiben Abstand genommen, da der Putz dann zu sehr verdichtet wird. Bei mehrlagigen Arbeiten verwendet man einen sogenannten Rabott, um die untere Lage etwas einzuebnen. Dieser reißt die Sinterschicht dieser Lage auf, damit die Wasseraufnahmefähigkeit zwischen den Lagen gegeben ist. Durch das Abfilzen erreicht man ebenfalss diesen Effekt.
Die meisten Sachen sind zwar den Firmen bekannt, aber mit dem vollflächigen Vorspritz aus Kalkmörtel, richtig nassmachen, Arbeiten ohne Grundierung, Abwarten bis die Lage fest aber noch etwas feucht ist um danach die nächste aufzutragen, das kennen die meisten nicht, weiß ich aus eigener Erfahrung.
Traurig aber wahr.



Kalkputz



Hallo Joerjen,
hier im Schnellgang ein paar Tipps zum Putzen:
Nie zu dick bzw. mit zu steifem Mörtel in einer Lage auftragen. Das wird nicht eben und kostet viel Kraft beim Glätten.
Zuerst wird ein Egalisierungs- bzw. Unterputz aufgetragen (ich lasse hier den Vorspritz mal weg). Damit werden Vertiefungen und Dellen in der Wand abgeglichen, um eine weitgehend ebene Fläche zu erzielen. Wenn eine Lage nicht reicht, dann eben mit einer zweiten Lage weiter ausgleichen In den Mörtelansatz ruhig ein wenig Zement zugeben (1 Kelle pro Fass reicht)
Nach dem Antrocknen kann eine weitere Schicht als Oberputz aufgetragen werden, Dicke ca. 10 mm. Klassischerweise wird der Putz dann mit der Kardätsche und dem Reibebrett geglättet bzw. ausgerieben. Nach dem Antrocknen kann man mit Kalkschlämpe (Weißkalkhydrat in Wasser aufgeschlämmt) und einem Annetzer (Malerbürste) die Oberfläche verwaschen. Dabei werden kleine Sandkörnchen gebunden und die Oberfläche mit Bindemittel angereichert. Die Struktur wird glatter, der nächste Farbauftrag fällt dadurch sparsamer aus.
Der Kalk bindet gemeinsam mit dem noch feuchten Putz ab (al fresco).
Falls die Oberfläche noch glatter und ebener werden soll dann kann man den angetrockneten Putz (ohne Kalkschlämpe!) mit einem Gitterrabot weiter ebnen. Fehlstellen und kleine Dellen werden mit einer Glättkelle ausgespachtelt und nach dem Antrocknen nachrabotiert. Dann kann man einen Feinputz bzw. Glättspachtel auftragen.
Folgende Grundregeln immer beachten:
- der Untergrund sollte immer härter sein als die folgende Putzschicht.
- wenn möglich feucht in feucht arbeiten,
- Mörtel nicht zu dick anrühren, mit so einer "Bärenscheiße" kriegt man keine glatte Fläche, dafür Sehnenscheidenentzündung.
- beim Ausreiben nicht zu lange und zu heftig reiben, damit wird Bindemittel und Feinkorn an die Oberfläche transportiert. Risse können auftreten.
- eine ebene Fläche erreicht man durch gleichmäßige Mörtelkonsistenz und gleichmäßigen Druck beim Reiben bzw. Auftragen. Deshalb ist eine gleichmäßige Schichtdicke wichtig.

Viele Grüße





Hallo Jim,

ich habe weder bei der Wand des Altbestandes, noch beim Poroton vorgespritzt, da es laut einiger Erfahrener hier nicht notwendig sei. Bisher kann ich auch nichts gegenteiliges Berichten. Ich habe normalen Sand verwendet...die größten "Steine" darin sind 3-4mm groß und diesen Putz habe ich nur einlagig aufgetragen und verrieben. Wie gesagt, das war am Freitag und bis jetzt haben sich keine Risse gebildet. Ich habe aber 2-3 mal am Tag leicht angefeuchtet.

Auch bei der Porotonmauer hatte ich nicht den Eindruck, dass hier ein Vorspritzen notwendig wäre...gut vorgenäßt und den Mörtel etwas dünner eingestellt machte einen guten Eindruck :-)...und auch hier ist bisher alles schadensfrei...ich werde beobachten und berichten.

Soweit ich das in Erinnerung habe, sollte auch bei anderen Putzen entsprechend vorgenäßt werden, damit die nicht gleich nach dem Anwerfen ausgehungert sind.

@Georg Böttcher
Das mit der unterschiedlichen Schichtdicke ergab sich im Eifer des Gefechtes :-). Angestrebt war es erst anders und ich werde sehen, wie sich das entwickelt.

Zu dick habe ich den Mörtel nicht angemischt, der ging gut und leicht von der Kelle, nur beim Poroton habe ich festgestellt, dass sich ein wenig mehr Wasser nachher besser nacharbeiten ließ.

Wie schon geschrieben, es waren meine ersten Erfahrungen und die habe ich bewußt in die Kellerräume verlegt und bisher bin ich von der Handhabung her zufrieden und der Rest wird sich mit Versuch und Irrtum zeigen müssen. Über Tipps bin ich, wie immer, sehr dankbar.





Hallo Joerjen,
ich bin vor gut eineinhalb Jahren genauso vorgegangen und hab gute Erfahrungen gemacht. Ich bin absolut von der Vorgehensweise und dem Material überzeugt auch weil es super günstig ist.

>>>Entgegen aller Warnungen und Hinweise der Baustoffhändler, verschiedener Maurer und Putzer, dass sich Kalkputz bescheiden bis gar nicht verarbeiten läßt...entweder war es bei mir pures Glück, oder die Leute haben sowas noch nicht wirklich verarbeitet.
>>>

Ja klar, wie kann es sein, dass ein Amateur da dazwischen funkt. Und ich kann mich nicht erinnern, dass ein von mir gefrager Putzer/Stuckateur genau dieses Material verarbeiten wollte. Immerhin braucht es auch etwas Zeit. Vorbereitung des Untergrundes, Fugen auskratzen, Wand nässen, die ganzen Schichten aufbringen. Das muss heute alles viel schneller gehen... So meine persönliche Erfahrung.
Damit ist man fast dazu gezwungen es selbst zu machen. Und oh Wunder, wenn man die Zeit hat und sich an ein paar Grundregeln hält, ist es doch nicht so schwer und kritisch.
Also weiter so und viel Erfolg!
Grüße,
Waldemar