Welcher Fenstertyp ist der richtige?

27.11.2010



Hallo zusammen.
Wir haben unser Haus an der Bergstraße letztes Jahr gekauft.
Heute haben wir alte Fotos der urprünglichen Eigentümerfamilie erhalten. Was würdet Ihr sagen welche Fenster da mal ursprünglich verbaut waren? Laut Aussage der damaligen Eigentümerin soll das Haus Bj. 1890 sein. Allerdings denke ich, es ist wohl eher älter als jünger....
Das Bild ist die Gaube zum Innenhof. Das nächste Bild frontal (Nur im OG interessant).

Bin mal gespannt!

Grüße Markus



Grundsätzlich



waren zu der Zeit zweiflügelige, nach aussen öffnende Fenster mit Sprossenverglasung, bei anspruchsvolleren Räumen mit Fensterladen der technische Standard.
Ein paar kompetente Tischler können Fenster bauen, die heutigem technischen Standard genügen und der damaligen Optik entsprechen. Fast alle Fensterhersteller bieten Fenster mit Sprossenverglasung an, die der damaligen Optik ähnlich sind. Was man da nun wählt, bleibt dem persönlichen Geschmack und der Tiefe des Geldbeutels überlassen ;-)).
MfG
dasMaurer



Hmm



irgendwo hatten wir hier mal eine Diskussion mit dem Ergebnis, daß Fenster dieser Größe bis zu einem ungefähren Baujahr eigentlich nie ohne Oberlicht gebaut wurden. Mir sieht es auch so aus als ob das Gaubenfenste ursprünglich ebenfalls zwei (aufgesetzte) Sprossen gehabt hätte, von denen zum Aufnahmezeitpunkt bereits eine verschwunden war.

Im Übrigen öffnen zumindest die Fenster im zweiten Bild ganz eindeutig nach innen. Beim ersten bin ich mir nicht ganz sicher, würde aber meinen es öffnet ebenfalls nach innen.

In ländlichen Regionen wurden hier in Österreich noch bis Ende der 1920er nach außen aufschlagende Fenster verbaut, in Wien schon um 1890 eher nach innen aufschlagende, allerdings bis zum 1. Weltkrieg oftmals nur auf der repräsentativen Straßenseite, hofseitig immer noch nach außen aufschlagende. Heute sind nach außen aufschlagende Fenster in der Stadt zu Raritäten geworden, die meisten wurden in den 1970ern mehr oder weniger elegant "umgesetzt", im 4. OG ist das Putzen eines klassischen Altwiener Kastenfensters doch schon ein beeindruckender Hochseilakt und Wendeflügel waren damals noch nicht wirklich verbreitet.



Kastenfenster?!



Ist das Fenster in der Gaube vielleicht ein Kastenfenster?

@Ulrich Warnecke: Ich dachte nach aussen öffnende Fenster wären nur bis etwa Ende der ersten Hälfte des 19. Jh gebräuchlich gewesen.



Tja



um zu sagen ob das ein Kastenfenster ist oder nicht spiegelt die Scheibe zu sehr. Ich muß aber meine Aussagen aus dem letzten Beitrag etwas revidieren, das Gaubenfenster öffnet sicher ebenfalls nach innen und ich bin mir nicht sicher ob es jemals eine zweite Sprosse unten hatte. Aber irgendwie wirkt der von außen gesehen rechte Flügel seltsam. Daß der linke kleiner wirkt dürfte dem Aufnahmewinkel geschuldet sein, die Laibung verdeckt einen Teil des Flügels, aber wieso ist der rechte so viel dunkler? Farbe oder doch Lichteffekt weil er weiter innen sitzt?

Was mich auch irritiert: der enorm breite Kämpfer.



Die Fenster im Giebel sind mit Sicherheit die Originalfenster !



--- weil die Fenster noch Bleisprossen haben. -- Freilich ist das Foto nicht besonders gut, aber ich bin mir sicher,
daß es Bleisprossen hat.
-
Das Gaubenfenster ist KEIN Kastenfenster, sondern ein Einfachverglastes mit Außenfutter und Zierbekleidung.
-
Der Fensteräquator verläuft in Deutschland nördlich der Gürtellinie Hannover.
Umso näher man der Küste kommt, umso häufiger trifft man bei alten Häusern auf auswärts öffnende Fenster.
-
Die Begründung : Durch den ständig herrschenden Wind im Norden,
wurden die Fensterflügel durch Diesen fest an die Blendrahmen gedrückt und schlossen dadurch dichter.
-
In der Region Bergstraße gab es mit Sicherheit niemals auswärtsöffnende Fenster.
-
Allerdings kamen in ganz Deutschland um 1900 herum die
Vorhängefenster ( auch Wintervorsatzfenster genannt )
auf.
-
Diese nachträglich mit Sturmhaken montierten Fenster
kann man in etwa mit Kastenfenstern vergleichen, weil dadurch eine 2. Scheibenebene und ein Luftpolster geschaffen wurde, welches eine deutlich bessere Wärmedämmung brachte.
-
Über Fenstervarianten, welche in Österreich einst üblich waren, kann ich mich nicht äußern.
-
Nur habe ich inzwischen gelernt ( oder es so verstanden ) ,
daß die Fenster in Österreich von neu auf als Kastenfenster
gebaut und eingebaut wurden.
-
Dabei öffnen die äußeren Flügel auswärts und die Inneren einwärts.
-
Beste Grüße, A. Milling



@ Kellergassenkatze --



--- der extrem breite Kämpfer irritiert mich auch sehr stark -- aber ich glaube, daß das Gaubenfenster keinesfalls
ein Orginalfenster ist.
-
Im Gegenteil : Ich denke, daß dieses Fenster aus
2 alten Fensterfragmenten zusammengebastelt wurde.
-
Nun, bauen war schon immer teuer.
-
Beste Grüße, A. Milling



Mit Ausnahme



von Bauernhäusern mit sehr kleinen Fenstern beziehungsweise subalternen Räumen (WC, Stiegenhaus, eventuell Souterrain-Lagerräume) kenne ich in Österreich in Häusern aus den letzten 200 Jahren tatsächlich nur Kastenfenster, wobei um 1890 in städtischen Regionen allmählich welche mit nach innen aufschlagenden Außenflügeln aufkamen, allerdings noch keineswegs ausschließlich. Unser Nachbarhaus ist von 1912 und hatte ursprünglich hofseitig noch nach außen öffenende Außenfenster, straßenseitig immer nach innen. Unser Haus und das andere Nachbarhaus (beide Bj. 1914) hatten auch hofseitig immer schon nach innen öffnende Außenfenster, mit Ausnahme der Oberlichten, welche beim Nachbarn bis heute nach außen öffnen (bei uns seit Ende der 70er nicht mehr).

Jetzt aber genug Themenverfehlung, zurück zum Ursprungsthema. Beim straßenseitigen Fenster könnte es sich durchaus um Bleisprossen handeln, beim Gaubenfenster würde ich für Holz plädieren. Bastelarbeit aus zwei Resten würde einiges erklären!

In Anbetracht der Asymmetrie und grob unterschiedlichen Größe verglichen mit dem EG könnte ich mir gut vorstellen, daß keines der Fenster im OG wirklich original ist sondern dort ursprünglich (wenn überhaupt) eine kleine Dachbodenluke im Giebel war.

Um wirklich viel über die Originale sagen zu können fehlt mir der regionale Hintergrund, aber ich persönlich würde sehr kleine zweiflügelige Fenster (in der Größe der EG-Fenster) mit zwei Sprossen vermuten, die Scheiben ohne Kitt in den leimlos zusammengesetzten Flügel eingesetzt. Wahrscheinlich nach innen öffnend und mit Klappläden (ähnlich wie im OG). Das ist aber pur ins Blaue geraten!

Nachtrag: doch nicht gar so ins Blaue geraten, im EG sieht man noch die Beschläge für Klappläden (allerdings zweiflügelige, nicht einflügelige wie im OG). Und mit Klappläden sind nach außen öffnende Fenster noch unwahrscheinlicher.



Vor 200 Jahren --



-- gab es Österreich noch gar nicht - also auch keine
österreichischen >Kastenfenster. -- Beste Grüße, Kater Andreas.



Wie meinen?



Österreich als geographische Bezeichnung (in der lateinischen Form Austria) gibt es seit etwa dem 14. Jahrhundert, in der deutschen Form noch früher. Was darunter zu verstehen ist unterliegt ziemlich starken zeitlichen Schwankungen.
Seit 1804 (also mehr als 200 Jahren) gibt es das Kaiserreich Österreich, das unter anderem sämtliche Gebiete des heutigen Österreichs umfaßte. Die "österreichischen Länder", also die Erbländer des Hauses Habsburg gehen in einer (grob gesehen) ähnlichen Ausdehnung noch viel weiter (Spätmittelalter) zurück.

Leg dich nie über solche Themen mit einem Historiker an *grins*
Ich baue ja auch keine Fenster (auch wenn das ganz hoch oben auf der Liste an Dingen die ich gerne können würde steht). ;-)



@Kater Andreas



Ach du weiche Kacke ,
da ist der "Kater Andreas" aber mal voll in die Katzenscheiße getreten .
Stell dich in die Ecke und schäm Dich , Mietzekater Andy !



Ich..



..bin zwar kein Fensterbauer und auch kein Historiker, aber ein Haus im Kreis Bergstraße habe ich auch :-)
Bei uns sind zwei Fenstertypen verbaut und wurde u.a. durch Fotografien als original Fenster identifiziert:
Die Abmessungen sind bei beiden BxH=800x1300
1. Zweiflüglig, nach innen öffnend mit einer Sprosse. Natürlich einfachverglast, die Sprosse glasteilend.
2. Zweiflüglig wie oben jedoch mit separatem Kipp-Oberlicht. Der untere Fensterflügel hat hier keine Sprosse.

Wir hatten überall die Erste Variante, außer in einem Raum: Der wurde ganz ursprünglich als Gastraum genutzt, war mal eine "Witschaft", da waren die Kipp-Oberlichter sicher praktisch zum Lüften.

Ich würde also ganz unfachmännisch mal nicht ausschließen, dass durchaus zwei verscheidene Varianten Originale sein können.
Kompetent beraten wurden wir durch Schreinerei Hartnagel in Einhausen, das ist dann wohl auch in Eurer Nähe!
Die werden bei uns auch die neuen Fenster einbauen, welche Variante hängt vom Geldbeutel ab, wenn es denn geht natürlich die 2.!

Viele Grüße
Michael



Naja, Kellergassenkatze, --



-- Da war ich in meinem letzten Beitrag wohl etwas BISSIG -
( sollte etwas lustiger rüberkommen ) - *schmunzel* --
Kannst gerne bei mir ein Fensterbau - Praktikum machen, wenn Du möchtest ! -- Allerdings haben wir VIER weiße Hochlandterrier, welche Katzen überhaupt nicht leiden können ! - Aber die Edelköter kriegen wir schon gebändigt ! - Beste Grüße aus Nordsachsen in Mitteldeutschland, Andreas, der Halbschreckliche.



Danke für die



rege Beteiligung! Also kann jedoch keiner anhand der Bilder sagen, das Haus ist z. B. Gründerzeit, damals wurden hier in der Region Bergstraße die oder die Fenster verbaut....?

Was mich zu den Fensterläden führt. Die Läden auf dem 2. Bild im OG, meint Ihr die waren original? Zumindest gibt es in der Nachbarschaft viele Häuser mit ähnlichen Läden.



Bin auch noch in der Fensterfindungsphase....



....doch dazu gibt es später mehr......

Was war denn zuerst da, die Holzsprosse oder die Bleisprosse?

Region Bonn



Die allerersten " Fenster " waren Rahmen , welche aus Weidenruten --



-- und dergleichen mittels Tiersehnen zusammengebunden und mit transparent gegerbten Tierhäuten bespannt waren. --
Diese "Rahmen" stellte man einst in die Fensteröffnungen
der Behausungen, und keilte sie fest, sobald der Winter vor der Tür stand und frohr.- Es hat bis heute noch Niemand herausgefunden, ob zuerst die Henne oder das Ei da war.
-
Holzsprossen bei Fenstern - oder Bleisprossen ? - Ganz einfach ! Holzsprossen sind wesentlich stabiler als die
filigranen Bleiruten , welche zwar deutlich schmaler sind, als Holzsprossen, - aber die Glassscheiben nicht einmal vor dem kleinsten Fingerdruck vor dem Zerspringen bewahren können.



Bei meinem Beitrag



hatte ich eigentlich auch gehofft, daß er mit dem gleichen breiten Grinser gelesen wird mit dem ich ihn geschrieben habe :-D

Das Praktikumsangebot klingt äußerst verlockend, wenn nur nicht die Entfernung wäre... Katze bin ich nur virtuell, ich denke also die Hunde hätten mit meiner realen Person wenig Probleme *ggg*



@ Markus, ---



--- weiter "oben" schrieb ich bereits, daß die Giebelfenster des Hauses noch die Orginalen sein müssten -
weil sie höchstwarscheinlich Bleisprossen hatten - ( leider
schwer erkennbar ) - nur die optisch wahrnehmbare Sprossenbreite( schmale) und die durch Bleioxyd abgeblätterte Farbe deuten daraufhin, daß es Bleisprossen waren. --- Am Wichtigsten für mich ist die Tatsache , daß das linke Gaubenfenster im linken oberen Drittel einen kleinen Lüftungsflügel hatte ! ( endeutig erkennbar )
-- dies ist für mich der Beweis, daß das Haus in seiner Entstehungszeit keine Kastenfenster eingebaut bekam.



Zur Symmetrie der Läden



Allzu symmetrisch ist das Haus schon aufgrund der gesamten Fensteranordnung nicht. Was aber System zu haben scheint: bei den eng zusammenstehenden Fenstern gab es je Fenster nur einen einteiligen Laden, der im geschlossenen Zustand den Eindruck eines zusammengehörigen Fensters erweckt (in sich sind die Läden im OG ja nochmals mittig geteilt). Nur das einzelne Fenster unten links hatte geteilte Läden, jeweils links und rechts angeschlagen.

Auf die Farbe zum Zeitpunkt des Fotos würde ich nicht zu viel geben, das ist (würde ich meinen) deutlich nach dem 2. Weltkrieg aufgenommen (das Ding in der Nähe des Giebels, rechts vom Dachständer der Stromzuleitung, ist ziemlich eindeutig eine Fernsehantenne), vielleicht frühe 1960er.

Auf jeden Fall würde ich meinen, daß die Fenster im OG straßenseitig nicht zur gleichen Zeit entstanden sind wie die im EG, die Fensterbänke (hoffe mit der Bezeichnung ist klar worum es geht) sind deutlich unterschiedlich (oben massiver).




Schon gelesen?

raus oder ned?