Wasserschaden beim Aufbau des neuen Dachstuhls

19.08.2011



Hallo,
ich bin neu hier und habe keine Ahnung, deswegen hoffe ich, dass irgendjemand mir eine qualifizierte Antwort geben kann: Mein Mann und ich haben uns im Harz ein Fachwerkhaus gekauft, genaues Alter unbekannt, kein Denkmalschutz. Der Dachstuhl wird nun komplett neu aufgebaut. Der Abriss war heute vor drei Wochen, gestern sind die Balken für den Fußboden aufs Dach gekommen. Die ganze Zeit über war das "Flachdach" mit Planen abgedeckt, der Regen hat seinen Weg gefunden. Am freigelegten Gebälk in der Wohnung meines Vaters (1. Etage) läuft das Wasser so runter, schepp! Der Holzboden beginnt sich zu heben, Tapeten hängen teilweise an den Ecken herunter, heute habe ich auch an unserer Decke im EG die ersten Wasserschäden entdeckt. Die Laune ist im Keller!
Der Zimmermann gibt an, er habe eine Versicherung, bisher ist aber kein Schaden von ihm gemeldet worden.
Was ich eigentlich wissen möchte: mir kommt als "Laiin" die Zeit des Aufbaus sehr lange vor. OK, es hat zwischendurch geregnet, der August war nicht so trocken wie üblich. Nächste Woche Freitag soll Richtfest sein. Aber vier Wochen? Und müssen wir besondere Vorkehrungen treffen, weil ja doch erheblich Wasser ins Innere des Hauses geflossen ist?
Herzlichen Dank für eine Antwort aus dem Tropfsteinhaus



Dachtragwerk



Haben Sie Termine vereinbart?
Gibt es Planungsunterlagen oder eine Baugenehmigung?
Gibt es ihrerseits eine schriftliche Aufforderung an die Firma mit Terminstellung, die Baustelle mit Arbeitskräften und Material zu besetzen und weiterzuarbeiten?
Haben Sie ein Bautagebuch geführt, in dem mindestens die Besetzung der Baustelle mit AK und das Wetter dokumentiert wird?
Haben Sie schon Teilrechnungen beglichen?
Haben Sie die Firma schriftlich aufgefordert, eine Stellungnahme mit Terminstellung zur Beseitigung der Schäden abzugeben?
Haben Sie einen Baubetreuer?

Viele Grüße



Oh je



Hallo Herr Böttcher,
hm, wir haben eine Baugenehmigung, und ein Architekt hat wegen Statik usw. alles berechnet und dann den Antrag gestellt, er begleitet den Bau aber nicht.
Und jetzt kommen die vielen NEINS.
Terminlich sollte "alles zügig" gehen (jetzt komme ich mir auch sehr hirnlos vor...), schriftlich ist die Firma bisher nicht aufgefordert worden. Gerade sind die Zimmermänner da und haben sich den Schaden nochmals angesehen, recht kommentarlos, mein Mann hat den Chef dann aufgefordert (noch mündlich) unverzüglich seine Versicherung zu benachrichtigen, damit ein Sachverständiger sich den Schaden anguckt.
Das Problem ist wohl eher ein emotionales, denn mein Mann kommt sehr gut (Freundschaft) mit dem Zimmermann klar, was ein Hemmnis darstellt, wenn es um sachliche Dinge geht. Ich sehe das eher anders, denn wir lassen hier nicht von irgendjemanden dieses große Projekt privat machen, sondern haben uns auf eine fachgerechte Ausführung verlassen. Wie gesagt, schriftlich ist leider nichts vereinbart.
Vielleicht wäre es bei diesem Vorhaben doch besser gewesen, den Architekten beizubehalten. Fragt sich, was im Endeffekt teurer ist...
Meinen Sie, das Ding ist in den Sand gesetzt oder müssen wir eine völlig andere Kursrichtung einschlagen?
Beste Grüße
Beate Wiersch



Besser die Laune im Keller als das Wasser ...



Hallo Frau Wiersch,

"Kursrichtung" ist nett gesagt. Wenn Sie den Versicherer des Zimmermanns kennen rufen Sie dort an. Der Versicherer wendet sich dann an seinen Versicherungsnehmer zwecks Klärung.

Bedenklicher ist aber, dass der Bau nicht geleitet wird. Eine Baugenehmigung ist nur der Beginn eines Vorhabens. Vor dem Baubeginn muss bei der zuständigen Behörde eine Baubeginnsanzeige (mit Vorlage der Statik, Wärmeschutzberechnung etc.) gestellt werden. In dieser wird der Bauleiter und das Ausführende Unternehmen benannt. Die Baubeginnsanzeige kann nur stellen, wer bauvorlageberechtigt ist.

Nach dem Ende der Maßnahme muss eine Fertigstellungsanzeige gestellt werden.
Möglicherweise ist Ihr Zimmermann vorlageberechtigt. Wenn die Anzeigen nicht gestellt werden geht die Baubehörde davon aus, dass nicht gebaut wird/wurde. Nach einer Frist von etwa 3 Jahren (Gültigkeit der Baugenehmigung) wandern die Akten in die Presse ... und faktisch ist ein Schwarzbau errichtet worden – trotz Baugenehmigung.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Es regnet weiter



Hallo Herr Kornmeyer,
nachdem ich nun gerade wieder Wasser aufgewischt und alles fotografiert habe, lese ich Ihre Mail. Danke.
Ich glaube schon, dass alles so gelaufen ist. Zumindest ist der Zimmermann mit dem Architekten in Kontakt und der Architekt besteht auf Balkenstärke usw., eben so, wie er es umfangreich errechnet hat (Nicht nur Statik, sondern das ganze Programm.) Recht so! Da der Kontakt besteht und der Architekt einen sehr gewissenhaften Eindruck macht, glaube ich nicht, dass er meinen Mann auf diesen Sachverhalt nicht hingewiesen hat. Ich hoffe, denn ich habe bis letzte Woche in Essen gelebt und von vielen Dingen nur am Rande etwas mitbekommen.
Herzliche Grüße und sorry, wenn das alles sehr dumm klingt. Das überrollt uns jetzt und wir wollten nicht am falschen Ende sparen, sondern einer Firma aus dem Dorf etwas Gutes tun.
Beste Grüße
Beate Wiersch



Nachtrag



Alles ist formal korrekt gelaufen, sagt mein Gatte. Der Zimmermann ist der Bauleiter. Nun ja.
Was raten Sie uns denn, im Haus gegen das Wasser zu tun oder trocknet das mit der Zeit so ab, weil es Fachwerk ist und somit eh gelüftet oder hinterlüftet oder wie auch immer wird?



Dachtragwerk



Na ja, wenn Ihr Gatte das so sagt und der Zimmerer der Bauleiter ist, fällt mir erst mal nichts mehr ein. Dann ist ja alles in Ordnung und wird seinen Gang gehen.

Viele Grüße

p.s. Wenn nicht können Sie oder Ihr Gatte mich ja mal anrufen, ich wohne in der Nähe.





Hallo,

mich interessiert mal, wer denn, obwohl er weiß, dass es im August bei uns gewaltige Monsunregen gibt, den Wetterschutz unterlassen hat. Ein Fall für die Haftpflichtversicherung, finde ich, nur wessen ?

Grüße vom Niederrhein



die



Zimmerfirma arbeitet an ihrem Eigentum und hat es vor Schäden zu schützen. Die Frage nach den kosten für einen solchen vielleicht aufwändigen Schutz ist eine ganz andere. Ich habe schon Häuser gesehen, die standen während der Bauzeit in einem großen Zelt aus Gerüst+Plane. Bekanntest beispiel war die Frauenkirche. Ich würde dem Bauleiter durchaus eine zusätzliche Schadensmeldung schicken. Persönlich !



Vielen Dank



für die Beteiligung. Die Versicherung des Bauleiters ist nun informiert und schickt nächste Woche einen Sachverständigen.
Eigentlich wollte ich doch nur wissen, ob man eine grobe Hausnummer für die Dauer des Aufbaus eines neuen Dachstuhls geben kann und ob gegen das eingedrungene Wasser etwas unternommen werden muss, um Folgeschäden zu vermeiden. Es hätte ja sein können, dass Experten mir sagen, man müsse z.B. immer mit mind. vier Wochen rechnen. Ich habe nämlich noch nie einen Dachstuhl neu errichten lassen...
Nun geht es wohl den Weg über die Versicherung - hoffentlich. Notfalls kann ich mich ja auch an den Architekten hier vor Ort wenden, damit der uns einen Tipp geben kann und mal einen Blick auf den bisherigen Schlamassel wirft. Und wenn das auch nichts bringt, wende ich mich an Sie, lieber Herr Böttcher...
Beim nächsten Hausbau bzw. der nächsten Sanierung gehen wir sicherlich anders an vieles heran. Das meiste hat bis jetzt ja auch hervorragend geklappt.
Es ist jetzt trocken und ab morgen winkt eine Schönwetterfront. In diesem Sinne an alle ein schönes Wochenende und nochmals danke
Beate Wiersch



Vier Wochen



sind eine lange Zeit, um einen neuen Dachstuhl nebst Balkenlage auf ein bestehendes FW-Haus zu errichten.
Man hätte im Vorfeld alle nötigen Maße nehmen, das Bauholz zurichten und dann innerhalb von drei Tagen nach dem Abbuch das Gewerk aufstellen können, zumal das Haus auch noch bewohnt ist.

Viele Grüße



Doch noch eine Antwort



Sehr geehrter Herr Schobig,
herzlichen Dank für diese Angabe! So stelle ich mir das als Laie eigentlich auch vor, denn es ist ja höchste Eile geboten und die Angaben zum Dachstuhl lagen vom Architekten ja auch bereits vor. Mit so einer Angabe kann ich mich auch nicht immer wieder vertrösten lassen, sondern selbstbewusster auftreten. Wir hätten uns vorher genauer informieren müssen, aber wir haben dem Zimmerer eben vertraut, der uns ja auch stets versicherte, dass alles schnell gehen müsse. Da er bereits gute Arbeit für uns geleistet hat (Balkon angebaut), hatten wir keine Zweifel. Die Hoffnung stirbt zuletzt, der junge Mann ist gerade am Anfang seiner Selbstständigkeit, wir hoffen, wir zahlen nicht zu viel Lehrgeld...
Nochmals danke und einen schönen Sonntag noch



Beate



Du kannst Deinem Zimmermann ja mal dieses Forum empfehlen, vielleicht hilft das bei seiner beginnenden Selbstständigkeit. Dümmer wird er dabei keinesfalls. Er wäre gern willkommen. Trotz seines Fehlers bei Dir....