Wandheizung und Dämmung am Bruchsteinhaus

11.01.2014



Liebe Leser,

ich stehe kurz vor dem Kauf eines alten Bruchsteinhauses von 1897. Das Haus soll nach dem Kauf komplett saniert werden. Es hat zwar ein ganz neues gedämmtes Dach erhalten aber leider noch sehr schlechte Energiewerte. Als besonders schwierig stellt sich die Dämmung der Außenwände da. Es soll aber keine Außendämmung sein. Hierzu habe ich bereits einige Überlegungen angestellt:
- Das Haus besitzt einen Hohlraum der (wenn möglich) mit einem biologischen Dämmstoff gefüllt werden soll. Dieses wird in den nächsten Tagen von einer Fachfirma geprüft.
- Alle Heizungen werden ausgebaut und durch Flächenheizungen (Wandheizungen) ersetzt

Nun meine Frage. Eín Architekt hat uns dazu geraten, hinter die Lehm-Wandheizung noch eine Innendämmung zum Beispiel mit Holzfaserplatten oder Korkplatten zu setzen.
Ein anderer Architekt hat uns aber dazu geraten, die Lehm-Wandheizung direkt auf die Innenwand zu setzen. So könnte die Wärme der Wandheizung gleichzeitig einer möglichen Feuchte in der Wand vorbeugen.

Was würdet ihr empfehlen? Hat jemand evtl. Erfahrungsberichte?

Wie häufig hier im Forum zu lesen, möchten auch wir bei der Sanierung nur biologische Materialien verwenden. Bei dem neuen Heizsystem möchten wir wahrscheinlich auf Erdwärme zurückgreifen.

Ich freue mich auf eure Anregungen und Tipps...



Jedwede...



...organische Stoffe würde ich keinesfalls im Wandhohlraum versenken. Sollte in diesem Bereich doch einmal Feuchte auftreten, sackt das Ganze zusammen, dämmt viel weniger als der Hohlraum vorher, und wird vielleicht auch noch Pilzfutter. Auch m Mineralwolle würde ich nicht einpusten. Und Sie hätten keinerlei Sanierungsmöglichkeit...

Sollten Hohlräume tatsächlich gedämmt werden, wäre ein Blähton wie z.B. Maxit Clay die bessere Wahl.

Als Innendämmung hat sich z. B. Holzweichfaserplatte mit Lehmputz bewährt. Architekt 2 war wohl nicht recht sattelfest. INNENwände? Kondensfeuchte entsteht bei der Kombination WH/HWPL nicht, und evtl. aufsteigende Feuchte muß verhindert statt weggeheizt werden. Also welcher Feuchte will er vorbeugen?

Grüße

Thomas



Beide Aussagen



... sind zunächst einmal richtig und widersprechen sich auch nicht. Eine Dämmung der Wand nach außen ist sinnvoll, da die "warme Ebene" natürlich die teuer eingekaufte Energie nicht nur in Richtung der innen liegenden Wohnräume transportiert, sondern eben halt auch in das noch viel kältere "Draußen".
Auf der anderen Seite hat eine beheizte trockene Wand tatsächlich ein geringeres Schadenspotential als eine feuchte. Es stellt sich allerdings die Frage ob man das (bekannte?) Problem nicht besser an der Wurzel packt und beseitigt, statt die Symptom zu bekämpfen...
Die Frage nach der Wärmeerzeugung ist nachgeschaltet zu betrachten, aber grundsätzlich bildet "Erdwärme" mit den eher großen Heizflächen ein gutes Team, da die Betriebstemperaturen eher gering ausfallen können, was der Wärmepumpe zu einer wirtschaftlichen Arbeitsweise verhilft...
Ob und wie und was in Bezug auf die Kerndämmung geht, lässt sich aus der Ferne nicht einschätzen... Aber was ist "biologisch" in diesem Zusammenhang?... Sand ist auch ganz doll "bio", kommt er ja zuhauf sozusagen freilebend in der Natur vor... die Eignung als Wärmedämmung ist allerdings eher bescheiden... außerdem lebt er nicht wirklich...

MfG,
Sebastian Hausleithner



Naja,



der Eine will unter der WH dämmen, der Andere nicht. Wenn das 'mal kein Widerspruch ist, was dann?

Ferner darf wohl auch eine moderat mit z.B. 5cm Holzweichfaser unter der WH gedämmte Wand eher als warm denn kalt betrachtet werden. Sie ist eine trockne Wand und bleibt das Sommers wie Winters auch, wenn keine außenliegenden Bauschäden dazukommen. Insofern ist die Aussage "So könnte die Wärme der Wandheizung gleichzeitig einer möglichen Feuchte in der Wand vorbeugen." zwar grundsätzlich nicht falsch, aber eben irrelevant. Und den Wärmeverlust der ungedämmten Wand kann der dämmophobe Planer garantiert nicht berechen, weil er da wohl kaum mehr als ein Bauchgefühl artikuliert hat...

Grüße

Thomas



Fischer



Hallo Zusammen und erstmal vielen Dank fuer die ersten Antworten und Meinungen.

Eine Kerndämmung ist höchstwahrscheinlich bei unserem Bruchsteinhaus nicht möglich, da die Abstände der Wände stark variieren. Mit "biologischen" Material meinte ich natürliche gängige organische Stoffe. Evtl soll aber zumindest die Decke zwischen Keller und Erdgeschoss gedämmt werden um möglicher Feuchte aus dem Keller vorzubeugen.

Die Vorbesitzer hatten nie Probleme mit Schimmel etc. Lediglich als das Dach undicht wurde ist Nässe in die Wände eingedrungen. Trocknet diese mit der Zeit weg? Das komplette Dach wurde bereits ausgetauscht und auch durchgängig gedämmt. Zuvor hatte das Haus einen ganz schlechten Energiewert.
Natürlich werden im Zuge der Sanierung auch alle Fenster ausgetauscht und durch neue ersetzt. Ich habe gehört das Wände nur fuer einen ganz kleinen Bruchteil (etwa 15%) des Energieverlustes verantwortlich sind- ist das so? Und macht dann eine Dämmung mit Holzweichfaserplatten oder Korkplatten Sinn?
Ich denke immer auch an den ökonomischen Wert. Man kann das Dämmen sicherlich auch schnell übertreiben ohne dadurch einen finanziellen Nutzen zu haben.
Noch eine kleine Frage. Würden die Dämmplatten direkt auf die momentane Wand (diese ist verputzt) geklebt oder muss man den alten Putz erst beseitigen und die Dämmplatten direkt auf die "Innenmauer" aufbringen?



"organische Stoffe"...



...sind pflanzlichen oder tierischen Ursprunges und haben in einer Kerndämmung sicherlich nicht gerade ihre bestmögliche Einbauposition.

Grüße

Thomas



Fischer



Stimmt,

Kork dient sowohl als Kerndämmung als auch zur Dämmung der Wand. Kork ist nicht pflanzlich? Und Holzweichfaserplatten?

Aber ist ja egal. Ich würde mich mehr über Tipps und Antworten freuen als über Verbesserungen meiner Ausdrucksweise.

Vielleicht hat ja noch jemand was fuer mich. Ich bin sehr dankbar über konstruktive Tipps!



Bitte lesen Sie doch 'mal,



was ich schreibe. Ich halte organische Materialien (einschließlich Kork) als problematisch in einer Kerndämmung. Und bevorzuge an dieser Stelle mineralische Dämmstoffe. Da passen denn auch keine Holzweichfaserplatten als Kerndämmung 'rein :-) Diese sind aber als Dämmung auf der Innenseite der Außenwand, insbesondere in Verbindung mit WH, gut bewährt.

Damit geht es hier nicht um "Ausdrucksweisen", sondern um reale Wandaufbauten sehr unterschiedlicher Ausbildung und Bauphysik.

Ein Vorteil der angetippten Kerndämmung mit Blähton wäre dessen Rieselfähigkeit. Gerade bei unregelmäßigen Hohlräumen in der Wand sollte, so diese in Verbindung stehen, eine gute Verteilung gegeben sein.

So Sie aber innen dämmen, würde ich als erstes prüfen, ob eine Kerndämmung nicht sowieso verzichtbar ist.

Grüße

Thomas



Hallo



einige Anregungen findest du auf meiner Webseite und wenn Fragen sind bin ich gern bereit sie dir zu beantworten. Die Erfahrungen die ich machte würde ich dir gern weitergeben. Ich stand vor einem ähnlichen Problem. vielleicht kann ich dir weiter helfen.
Mit freundlichem Gruß
die Lehmschwalbe



Ja



wir haben Erfahrungen mit Wandheizung mit und ohne dahinter liegender Dämmung. Auch bewohne ich selbst ein wandbeheiztes Fachwerkhaus mit Bruchsteinsockel, überwiegend mit einer leichten Innendämmung versehen.http://www.wandheizung.de/Denkmal-Fachwerkhaus.266.0.html

Von der Verwendung von Erdwärme kann ich Ihnen aus wirtschaftlichen Gründen abraten. Der Einsatz lohnt sich nur in einem sehr gut gedämmten Gebäude.

Grüße aus Koblenz



Ein pauschales "Nein"



... zu Erdwärmenutzung im Altbau ist mir denn doch, nunja, zu pauschal...
Es ist keine Frage der Gebäude-Heizlast (die bleibt ja rechnerisch gleich) sondern von der Wärmeerzeugung, der Umwandlung und Verteilung... Bei höheren Systemtemperaturen geht dann halt der COP der Wärmepumpe in die Knie, dies kann man durch zielgerechte Auslegung der Heizflächen und Gestaltung der Kollektoren und Grabungen/Bohrungen im Vorfeld beeinflussen...
Natürlich sollte dann die (Wand-)heizung nicht mit Vorlauf 45° oder so angefahren werden müssen...
In letzter Zeit fallen bei vielen Stromanbietern die "Nacht-" oder "Wärmepumpen-Tarife" weg, bzw. werden unattraktiv gestaltet... im Gegenzug ist die Gerätetechnik effektiver geworden und natürlich hat im EnEv- und kfw-Tralala eine WW-Heizung, die mit 35° und mehr "gefüttert" werden muss auch keinen Sinn und Berechtigung mehr... durch den Wegfall von Sperrzeiten kann ich den Puffer sparen und brauch auch keine zwei Zählergrundgebühren mehr... und logischerweise muss auch bedacht werden, dass eine komplette Wärmepumpenanlage beim Erstellen vielleicht um den Faktor 3 teuerer werden kann (im EFH), als Gas-Brennwert...

Über so etwas macht sich ein Fachplaner im Vorfeld Gedanken und spielt die Umsetzbarkeit planerisch durch... aber ein pauschales "Nein" ist so ersteinmal nicht korrekt...

MfG,
Sebastian Hausleithner



Hallo Sebastian Hausleithner,



tut mir wirklich leid wenn Ihnen das zu pauschal ist aber ich wollte ja Herr Fischer was mitteilen...

Meiner persönlich Meinung und auch nach den Erfahrungen die ich mit solchen Systemen im Altbau gemacht habe, kann ich aus wirtschaftlichen Gründen in Kombination mit einer Innendämmung NUR von einer Wärmepumpe abraten.

Grüße