Treppenhaussanierung Mietshaus um 1900 in WHV

08.05.2005



Nach Wechseln in der Eigentümergemeinschaft hat ein bisschen ein Umdenken eingesetzt, dass man ein Haus von 1898 (17 Wohnungen, Einzel-Denkmal lt. niedersächsischem Denkmalschutzgesetz)auch im Innern nicht einfach so ummodeln kann.

Fällig ist nun die Sanierung der Treppenhäuser, die Holztreppen sind noch erhalten, Geländer ebenso. Bausünden der Vergangenheit sind die Auswechslung der Fenster zum Hof mit diesen "wunderschönen" Plastikrahmen vor ca. 20 Jahren, ohne Sprossen, Kämpfer etc. Grausig. Nun ja, damit muss man jetzt leben. Jetzt geht es um den Anstrich der Wände.

Irgendein Pfiffikus ist vor ca 15 Jahre auf die Idee gekommen, die beiden Treppenhäuser mit Textiltapete zu tapezieren. Die sind natürlich hinne, werden entfernt und dann soll lt. Angebot des Malers ein Binderanstich drauf, in diesen "Flitter" eingestreut werden, um eine "Terrazzo ähnliche Anmutung zu erzielen", anschließend Abschluß mit Acryllack.

Mich grausts: Seit wann ist "Terrazzo" an den Wänden (meines Wissens ist das eine Technik zur Fußbodenherstellung), und dann "Flitter"?. Kann mir jemand helfen, wie die Trepenhäuser zu Beginn des 19. Jahrhunderts gestaltet waren (Farben, Aufbau). Die Damen und Herren des Denkmalschutzes haben nur dicke Backen gemacht, auf die häßlichen Fenster zum Hof verwiesen und dass damit das Treppenhaus eh ruiniert sei, insofern sie sich da nicht einmischen bräuchten.

Da in unserem Haus außerdem eine Menge Rasselbande herumtollt mit viel Besuch von draußen, die auch gerne die EDDINGS mal an den Wänden ausprobiert, ist "Binderfarbe und Flitter" auch nicht so geeignet, wenn mal was überstrichen werden muss.

Eignet sich Ölfarbe für Sockel bis ca. 1,30 m, dann "Bordüre" (profilierte Holzleiste), dann Binderfarbe?Welche Farbtöne waren aktuell? Literaturhinweise auf Bildbände von Treppenhäusern des "Bürgertums" um 1900?



Treppenhaus um 1900 etc.



hallöchen,
bin zwar (noch ) kein mitglied in eurer community - möchte dennoch mal eben eine antwort geben um evtl. helfen zu können.unser kürzlich erworbenes haus ist um 1924 erstanden und somit knapp 25 jahre älter als uwe´s haus.wir sind tapfer und versuchen soviel wie möglich vom urzustand zu behalten und noch schlimmer:wieder her zu stellen....(dazu an anderer stelle vielleicht mal mehr ...)
zum treppenhaus:holztreppen/geländer - treppen in schickem "ochsenblutrot" gehalten,geländer weiß (eher gilb ;-) )und lindgrüner handlauf.wand:mit sog. ölfarbe gestrichen und zwar auf eine höhe ca 1,30 ab boden in sagen wir mal hellbraun,dann folgt eine centimerbreite "borte" in dunklerem braun und der rest bis zur Decke ist beige.
hoffe ich konnte helfen,gruss tina



treppenhausanstrich



bei meinem rheinischen Dreifensterhaus ( Raum Aachen) war der Aufbau folgend
Sockel mit Linkrusta ( war so eine Art Prägetapete ) Holzleiste darüber, dann Bordüre, Wände darüber creme, Treppen holzfarben ( Buche ) lasiert
Da der Sockel an zu viele Stellen hinüber war, nun strukturfarbanstrich (plastik,abwaschbar, praktisch kaum sichtbares muster)beige,lässt sich auch gut ausbessern, Wände nun weiss ( eine Stufe abgetönt). Das lässt das ganze etwas grösser erscheinen.
Farbgestaltungshinweise gibt es in vielen Büchern, es ist aber sicher besser, auf regionaltypisches zu achten. Börödüre wurde analog der vorhandenen erneuert (Schablone)



Treppenhaussanierung Mietshaus um 1900 in WHV



Hallo zusammen,
danke für die Antworten. Haben uns ein bisschen weiter geholfen, der Tipp mit dem Ochsenblutrot war Gold wert (ist ja logisch, so sahen die Holzdielen im Innern der Wohnungen ja auch aus). In den Bibliotheken gibt es über Jugenstil-Architektur arg wenig, speziell Treppenhäuser, man stößt immer wieder auf die gleichen 4 - 5 Fotos und die haben dann bis auf zwei alle eine Sanierung hingelegt, wow, mit Gold, und Marmor und und und. Aber die beiden Fotos, die wir gesehen haben, zeigen einen ähnlichen Aufbau wie von Euch beschrieben. Danke!



Hallo,



ich kann einen Buchtipp geben. Das Buch "Leipzig Dekorative Wandmalerei in Bürgerhäusern" beschreibt anhand von vielen Bildern und verschiedenen Objekten den alten Glanz der Malerei. ISBN Nr.3-361-00524-8.
Gruß Mike





Hallo
bei den versandhaus manufaktum habe ich eine art geprägtes Linoleum gesehen, das angeblich in treppenhäusern zur wandsockelgestaltung eingesetzt wurde. von der zeit her könnte es evt. auch reinpassen. Es wirkt ein bischen wie dickes geprägtes leder. da lino ja eigentlich ein fußbodenmaterial ist, ist es sicher auch gut im sockelbereich, habe da aber keinerlei Erfahrung damit.
Viel spass beim planen



Farbtreppe?



Wieso lasst ihr den Farbaufbau nicht mal von einem Restaurator im Malerhandwerk untersuchen? Meistens wurde ja doch nur eine Farbschicht über die andere gelegt und durch vorsichtiges Freilegen mit Skalpell und Chemiekalien kann man die einzelnen Anstriche häufig wieder in umgekehrte Richtung freilegen (dadurch entsteht dann die sogenannte Farbtreppe). Da aber ein wenig Übung und erfahrung dazu gehört, wäre es besser einen freien Restaurator oder einen Restaurator im Malerhandwerk dazuzuholen. Wenn man genug Übungsflächen hat und nicht gerade ein Grobmotoriker ist, kann man sich aber auch gerne selber mal ausprobieren. Aber ich warne gleich: es ist zwar spannend, bleibt aber wahrscheinlich beim Versuch...
Bei Häusern aus dieser Zeit trifft man häufig bei etwa 10-30 cm unter der Deckenkante auf eine Schablonentechnik und bei 0,70-1,10 m vom Boden aus auf den Abschluß eines dunkler gefassten Sockels in Ölfarben, Elefantenhaut oder Wickeltechnik. Säulenvorlagen und Stuckelemente sind häufig nochmal abgesetzt.
Grüße aus Leipzig von
Martin Malangeri