Schimmel, kann ich noch etwas machen?

18.07.2006



Unser Altbau wurde letzte Woche (von Dienstag bis Donnerstag) mit einer ersten Lage Lehmputz mit Stroh "begradigt". Der Lehm wurde mit einer Pumpe (also relativ viel Wasser) auf die Wand gebracht und ist wohl teilweise bis zu 5cm dick (bzw. einige extreme Stellen bis zu 10cm). Während der Verarbeitung und danach waren alle Fenster nur angekippt. Das ist wohl ein Fehler gewesen wie ich jetzt weiss, da ich gestern kleine Stellen (alle ca. 2-3 cm gross) mit Schimmel entdeckt habe. Soweit ich das sehe gibt es weisse Stellen, die wie Pusteblumen aussehen, dann kleine grüne Knollen, etwas rosaartiges unten auf einer Wand (10cm breit und fast 50cm lang) und eine kleine Stelle (weniger als 5cm) mit schwarzem Schimmel.

Jetzt sind alle Fenster komplett offen und bleiben es auch bis auf die Schlafzeiten. Das als erste Hilfe. Aber gibt es noch etwas was ich tun kann? Ich habe hier z.B. gelesen das abtöten mit Essig etwas bringen könnte. Oder halt alternativ die entsprechenden Stellen abtragen.

Sobald der Lehm durchgetrocknet ist soll eine zweite Schicht Lehm mit Stroh die ca. 1cm dick sein soll mit Gewebe aufgebracht werden. Und danach nochmal 0,5cm Lehmfeinputz.



Lüften und nochmals lüften,



,die Feuchte Luft muß raus aus dem Haus. Notfalls mit einem großen Ventilator die feuchtschwangere Luft rausblasen.
Frage: welcher Lehmbauer hat bei Ihnen bis zu 10cm Lehmputz in 1 Putzlage aufgespritzt? Welche Putzmischung?
Ich habe Befürchtung, daß der 10cm dicke Lehmputz noch reißen wird!
Zum Glück haben wir jetzt einen heißen Sommer!



stellen Sie einige Bilder von den beschriebenen



Schimmel-Knollen-rosaartigen Stellen hier ein.
Dann kann evtl. eine Aussage aus der Ferne gemacht werden.



lüften mach ich jetzt ja hoffentlich richtig.



Das mit den Rissen wurde vorausgesagt, daher soll ja in die nächste Lage Gewebe eingezogen werden. Die Risse bilden sich jetzt bereits bei den Balken (die mit Heraklith beplankt wurden). Und soweit ich das als Laie sehen kann trocknet der Lehm auch ganz gut. Es gibt schon einige helle Stellen. Die 10cm sind eigentlich nur an den Stellen wo das Ständerwerk ist und der alte Zementputz komplett rausgefallen ist.

Zum Thema Lüften. Ich war gerade nochmal in der Wohnung und jetzt wo alle Fenster komplett geöffnet sind ist ein deutlicher Zug zu spüren. Schade das mir das nicht vorher deutlich gesagt wurde.

Der Lehmbauer war: http://www.wohnen-mit-lehm.de. Als Putz wurde fertiger Lehmputz von Claytec im BigBag benutzt. Welche genau kann ich nicht sagen.

Die Bilder sind nicht so aussagekräftig, weil die Stellen doch noch sehr klein sind. Im Beitrag ist nur das Bild zum weissen Schimmel, bei meiner Person sind die anderen Bilder hinterlegt. http://fachwerkhaus.historisches-fachwerk.com/fachwerk/index.cfm/ly/1/0/image/a/showPicture/8286$.cfm



Erstmal ganz ruhig bleiben !



Guten Tag Claas Hilbrecht
wenn auf dem Lehmputz Pilze wachsen ist es schonmal ein gutes Zeichen dass es sich um einen Natur Baustoff handelt!
Nun zu den Trocknungszeiten im Lehmbau Mann geht davon aus einem Millimeter Trocknung pro Tag das heißt bei 10 cm kann man davon ausgehen das es ca. 100 Tage Trocknungszeit benötigt.
Ich würde den Lehmputz erstmal trocknen lassen ( natürlich immer Lüften) und dann wenn er ausgetrocknet ist hat der Pilz auch keine Grundlage mehr zum wachsen

Mit zimmerlichem Gruß
Andreas Vollack
aus Hann. Münden



hmm, pro mm einen Tag



Gut, dann erstmal keine Panik. Aber wenn Sie das mit dem einem mm pro Tag sagen fällt mir noch etwas ein. Es ist geplant das die neuen Fenster mit einem Innenfutter versehen werden. Der Platz zwischen Wand und Futter soll mit Lehm vollständig gefüllt werden. Das wären aber gut und gerne 20cm bis 25cm. Das würde dann ja heissen das es eine halbe Ewigkeit dauert bis das durchgetrocknet ist. Ich sollte also den Spalt vorher auffüllen damit eine annehmbare Trockungszeit erreicht wird.



@ Claas Hilbrecht



Sie meinen den Spalt zwischen Fenster-Futter und Fachwerkbalken oder? Der dürfte doch höchstens ein bis zwei Zentimeter breit sein? Wenn nicht dann sollte man sich Gedanken darüber machen wie man diese Fuge schließen kann.
Es gibt nämlich nicht immer eine Standardlösung für jedes Problem dieses Detail sollten Sie mit Ihrem Lehmbauer nochmals besprechen damit man nicht solange Trocknungszeiten in Kauf nehmen muss.

Mit zimmerlichem Gruß
Andreas Vollack
aus Hann. Münden



nicht Balken, sondern Mauerwerk



Die Aussenwände sind bei mir massiv gemauert. Das Haus ist Baujahr 1904. Ich denke zwischen Mauerwerk und Futter können auch gut 5-10cm sein. Der alte Putz ist ja runtergekommen. Ich werde das aber in jedem Fall ansprechen. Eventuell kann man das ja mit irgendwas auffüllen bis auf ein paar cm.



Wieso ??



Wieso sind dann die Fenster beziehungsweise Türen nicht größer gemacht worden ?? oder hat das Mauerwerk einen Anschlag ?
und bitte nicht die fuge mit irgendwas ausfüllen sondern dieses Detail richtig planen!!

Mit zimmerlichem Gruß
Andreas Vollack
aus Hann. Münden



Viel hilft viel!



DasLüften wird sich noch ne weile hinziehen, denn wenn mal die oberfläche hart und trocken ist kann die innere Feuchte nicht mehr gut über die Oberfläche ablüften und sucht sich andere Wege über Holzbalken etc ... und das wird sich als nicht sehr günstig erweisen ....
wobei sich die Schimmelzellen und Mycele im inneren weiterbilden werden

Lehm in so dicken Schichten auf oder einzubringen ist eine ... (kopfschüttel)
Ich habe schon bauten erlebt, bei denen dünnere Schichten wieder demontiert wurden weil der Lehm nicht trocken geworden ist ... da hat sich dann der tolle "Gesundbaustoff" zum Gift und Schimmellager gewandelt ... aber der kompetente Lehmbauer wird das schon wieder auf die Reihe kriegen ...

Ist halt schade, dass solche Sachen dem an sich guten Produkt nicht gerade zuträglich sind ... wie gesagt: die meisten denken: ein bisschen Pampe auf die Wand machen kann doch nicht so schwer sein und dann schwimmen sie auch auf der Selfmadeökowave, fast keine vollendeten Baumaßnahmen und ordentliche Projekte ... immer nur Versuche ... auf Kosten und Gesundheit und der Geldbeutel der Bauherren ...

Ich wäre damit ein bisschen vorsichtig ... habe da schon genug gesehen von diesen tollen "IchmachallesÖkohandwerkern" ... und gehört noch viel mehr ...

und Herr Vollack - hat sicher einen Scherz gemacht als er schieb: wenn auf dem Lehmputz Pilze wachsen ist es schonmal ein gutes Zeichen dass es sich um einen Natur Baustoff handelt! ... nicht dass Sie jetzt denken aller Schimmel ist gut weil natürlich ... ein "guter" Tapetenkleister schafft locker noch viel mehr Schimmel auf die Wand zu bringen!

Also: Den Schimmel nicht verharmlosen ... !

FK



Besuch war da ...



@Andreas Vollack: Ich kenne die Fachbegriffe nicht, aber das "Loch" für das Fenster ist kleiner als das Mauerwerk an sich. Das Fenster passt also quasi nicht durch das Loch durch sondern "liegt" dagegen. Das Futter soll extra relativ "eng" am eigentlichen Glas sein damit die Fenster im gekippten Zustand keine Gefahr für unsere Katzen darstellen. Wenn der Spalt wie jetzt 5cm-7cm gross ist könnten die Katzen sich dort einklemmen, mit den geplanten 1,5cm-2cm ist das nicht mehr möglich. Da der Lehmbauer gerade da war fragte ich auch ob es nicht ein Problem mit den Trockungszeiten gibt. Er meinte nein. Irgendwie sagt jeder was anderes...

@FK: Tja, der Lehmbauer war gerade da und meinte das mit dem Schimmel ist kein Problem. Die kleinen Stellen sind unproblematisch und verschwinden nach aufbringen der nächsten Schicht. Und die soll wohl wegen der guten Trockung evtl. schon in 2 Wochen aufgebracht werden. Dazu kann ich nicht viel sagen ausser das der Lehm heute wirklich deutlich heller geworden ist. Ich habe auch schon fleissig gegoogelt. Das blöde ist das man halt zwei Meinungen hat. Die einen sagen das es kein Problem ist wenn es danach trocken ist, die anderen sagen jeder Schimmel ist ein Problem zu jeder Zeit. Nochmal zum Thema Schichtdicke. Die 10cm sind nur da zu finden wo die alten Holzständer tief im Mauerwerk sitzen und der alte Putz weg ist. Und die 5cm sind an den Stellen zu finden wo unterschiedlich dicke Steine verarbeitet worden sind. Im Durchschnitt liegt die Putzdicke wohl bei 2cm bis 2,5cm.

Ich frage mich jetzt natürlich wer Recht hat. Das ist wohl das Schicksal von Bauherren, hinterher weiss man immer was man nie wieder macht ...



ein paar Tage später



So, nach ein paar Tagen kann ich sagen das sich der Schimmel nicht weiter ausgebreitet hat. Und nach ein wenig umhorchen fand ich einen Leidengenossen. Der hatte das Problem vor 4 Jahren und hat es radikal mit einem Bunsenbrenner gelöst. Er hat einfach die Schimmelflecken abgebrannt. Und genau das habe ich jetzt auch gemacht. Wichter als das abbrennen ist wohl aber die Querlüftung und das im Moment extrem heisse und trockene Wetter. Man sieht beinahe täglich wie die Wände heller werden.