Lehm-Edelputz auf Gipsfaserplatte im Wintergarten?

13.06.2011



Ein Wohnwintergarten ist schon was Tolles, leider sind aber alle Außenwände und das Dach aus Glas, der Fußboden aus glasierten Fliesen ... somit bleibt nur die Anbauwand, um die extremen Schwankungen der rel. Luftfeuchtigkeit auszugleichen. Die Temperaturschwankungen im Tag-/Nachtverlauf können häufiger schon mal >20° überschreiten. Die einzige Alternative ausfallendes Kondensat zu verhindern ist ist ablüften... oder halt heizen...;-(

Uns wurde nun Lehmusan-Edelputz empfohlen. Der soll ein hohes Feuchtigkeitsspeichervermögen besitzen, da dieser Lehmputz einen sehr hohen Anteil gemahlende Muschelschalen enthalten.

Können 2-3mm Edelputz wirklich nennenswerte Auswirkungen auf den Feuchtigkeitshaushalt im Wintergarten haben? Ist Lemputz auf Gipsfaserplatten an einer ehem. Außenwand unbedenklich? Der Anbieter meint, tiefer als 2mm ginge die Feuchtigkeit nicht in den Lehmputz, somit bestände für den Gips darunter keine Gefahr...

Ganz, ganz lieben Dank für Tipps und Anregungen!

Pauline





Ich sag mal nein!

1. Wie weit Feuchtigkeit in den Lehmputz eindringt hängt von der Wassermenge ab die anfällt.
2. Ob der überhaupt Wasser aufnimmt hängt davon ab, ob das auch dort anfällt.

Das Kondensat wird wohl eher an den kälteren verglasten Außenwänden als an der massiven Wand zum Haus ausfallen.

Lehm ist kein Allheilmittel.

Grüße
Oliver Struve





Ach ja…

Die einzige Alternative ausfallendes Kondensat zu verhindern ist nicht entweder ablüften oder halt heizen sondern die richtige Kombination aus beidem.

Grüße
Oliver Struve



90 m³ Raumluft - 13m² Anbauwand



Hallo Oliver Struve,

ganz lieben Dank für die superschnelle Antwort. Stimmt, Kondensat bildet sich zuerst an den "kältesten" Bauteilen, wozu die Anbauwand sicherlich nicht gehören dürfte. Schließlich wird sie durch (auch difuse) Sonneneinstrahlung erwärmt und kühlt nicht so schnell aus, wie die Gläser...auch wenn sog. "höchdämmende"...;-(

Der Wiga hat rd. 90 m³ Raumluft und die zu verputzende Anbauwand rd. 13m². Bei rd. 50% rel. Luftfeuchtigkeit und 28° enthält die Raumluft rd. 1,2 Liter Wasser. Sinkt die Temperatur auf 8° kann die Luft bei gleicher rel. Luftfeuchte nur noch rd. 350ml. Wasser speichern. Nach den Vorstellungen des Lehmputz-Anbieters würde der dann übrige knappe Liter Wasser wohl von dem Putz aufgenommen... der Lehmputz sorgt ja für eine gleichbleibende rel. Luftfeuchtigkeit von 45-50% ... klingt alles etwas zu enfach oder? Wenn der Lehmputz wirklich verhindern, würde, dass die rel. Luftfeuchtigkeit im Wiga über 50% steigt, wäre ja alles in Butter...

Entscheident ist ja, ob eines der Bauteile im Wintergarten kälter als der jeweilige Taupunkt ist, also rd. 16° tagsüber und rd. -2° nachts... natürlich nur, wenn die rel. Luftfeuchte nicht über 50% steigt...





Nee

das Lehm dafür sorgt das die rel. LF auf einem Level von 45- 50% bleibt ist Blödsinn.
Das funktioniert bei einem Haus bei dem das Verhältnis Masse und Fläche von Lehm zum Raumvolumen stimmt. Das aber auch nur solange wie die Nutzung im Rahmen ist.

Die Feuchtigkeit die der Lehm aufnimmt (das macht der aus der Luft, nicht von beschlagenen Fensterscheiben) muss er auch wieder abgeben können.

So können mit Lehm Feuchtespitzen gepuffert werden, die dann ein relativ konstantes Raumklima bewirken, mehr nicht.

Wie gesagt die relative Konstanz hängt auch maßgeblich von der Nutzung ab.
Nutzung= Heiz- und Lüftverhalten.

Grüße
Oliver Struve



Lehmedelputz auf Gipsfaser...



...kommt mir so ein bisschen vor wie Blattgold auf einem Pferdeapfel :-)

Spaß beiseite, 3mm Putz klimatisieren nicht, wie sollte das wohl gehen?

Zudem agiert der Hersteller mit Albernheiten: "hohes Feuchtigkeitsspeichervermögen" durch "gemahlende Muschelschalen"? Ganz bestimmt nicht.

"tiefer als 2mm ginge die Feuchtigkeit nicht in den Lehmputz" Unsinn.

Sie sind ja selber schon skeptisch in die Sache gestartet, mit dem dünnen Putz verbraten Sie nur Geld.

Vielleicht brächte eine Vorsatzwand aus Lehmsteinen etwas, Grundlage des Ganzen ist aber tatsächlich ein ausgewogenes Verhältnis von Heizen und Lüften. Wie ist das mit Pflanzen? Ist Euer Wintergarten gleichzeitig ein Gewächshaus?

Grüße

Thomas



Richtig ist,



das Lehm bei Feuchtigkeitsschwankungen sehr schnell die Feuchtigkeit einlagert bzw. wieder abgibt. Nur fehlt da dem Edelputz die Masse bei einer Auftargsstärke von 2-3 mm.

Besser wäre es schwere Lehmbauplatten zu verwenden die mit Lehmedelputz abgespachtelt wreden. Auch kann man im Bodenbereich statt Fliesen Holz nehmen.

Grüße Gerd



upps, Missverständlich ausgedrückt?



neee, der Wiga hat keine beschlagenen Fensterscheiben, die durch einen Lehmputz verhindert werden sollen ... da werde das Verputzen der Glasscheiben wohl auch die bessere Alternative...;-)

Klar, dass das Nutzungsverhalten in erster Linie entscheident für das Raumklima ist und der Putz aufgenommene Feuchtigkeit wieder abgeben können muss, sonst durchfeuchtet ja das Bauteil. Das Abgeben dürfte wohl bei den starken Temperaturschwankungen im Tag-/Nachtrythmus (ggf. auch mal über mehrere Tage) eher kein Problem sein... außer evtl. an besonders schwülen Tagen im Hochsommer. Mehr schon die Frage, ob der Lehmputz auch rel. Luftfeuchtigkeiten von deutlich unter 20% ab kann, ohne dass es zu Rissbildung kommt. Z. B. im Winter, wenn schon rel. tockene, -10°/-15° kalte Außenluft in den Wintergarten nachströhmt, sich auf 25° erwärmt und dem Lehmputz den Großteil seiner Feuchtigkeit entzieht?

Also meine Kern-Frage war/ist, ob Lehmputz für so extreme Rahmenbedingungen (5° - >30°, <20% - 65% rel. Luftfeuchte, intensive Sonneneinstrahlung auf die Wand etc.) wie in einem Wintergarten nun mal üblich, überhaupt geeignet ist? Der Wiga ist übrigens thermisch vom Wohnraum getrennt!

Sind bei rd. 40kg Lehmputz auf 12mm Gipsfaserplatten und rd. 90m³ Raumluft überhaupt nennenswerte Unterschieder zu einem mineralischen Scheibenputz oder gar "echtem Kratzputz" im Raumklima zu erwarten?

Da Letzteres wohl eher mit nein beantwort wurde, ist natürlich die Beantwortung der Kern-Frage am wichtigsten. Ob die nachstehenden Werbeaussagen realistisch sind, ist interessant zu wissen, aber nicht elementar...

LEHMUSAN erlangt durch den Einsatz von gemahlenen Muscheln viele Vorteile, nicht nur Frischeduft, der sich spürbar in der Raumluft auswirkt, sondern auch das schieferartige Übereinanderlegen der gemahlenen Muscheln bietet erhebliche Vorteile in der Aushärtung des Putzes.
• Lehm bindet durch seine „Plättchenstruktur“ relativ schnell Feuchtigkeit, hat als Bindemittel die größte Oberfläche unter allen bekannten Baustoffen und ist daher in der Lage Temperaturunterschiede auszugleichen.
• Lehmoberflächen laden sich elektrostatisch nicht auf, dadurch wird der Ionenhaushalt der Luft reguliert, das Staubaufkommen in der Luft sinkt auf ein Minimum.
• Lehm löst keine Allergien aus, weil er hautfreundlich und schadstofffrei ist.
• Trockener Lehm wirkt antibakteriell und abweisend gegen Schädlinge.
• Regulierung des Raumklimas, selbst in geringen Schichtdicken auf den Idealwert von 45 – 55 %.
• Geringe Lohnkosten, da das Anrühren des Oberputzes an der Baustelle nicht anfällt.
• Frühe und enorme Oberflächenfestigkeit, kein Abrieb.
• Viele Gestaltungsmöglichkeiten in der Oberputzstruktur.
• Gefahr der Rissbildung durch den Einsatz von Muschelmehl minimiert.
• Enorme Wirkung gegen Schimmel und Pilzbildung im Raum

Da mich die Verwendung von natürlichen Baustoffen (kann man bei Gipsfaserplatten ja durchaus auch drüber streiten) interessiert, ist natürlich am wichtigesten, ob sie für den geplanten Verwendungszweck denn überhaupt geeignet sind oder riskannt erscheinen....

LG
Pauline



Im Prinzhip



stimmen die Aussagen, wobei die Aussagen auch nahezu die Eigenschaften eines Klakfeinputzes beschreiben.

Irritierend finde ich das das Material schon fertig angerührt sein soll.

Und warum das Muschelpigment die Rissbildung unterdrücken soll kann ich nicht nachvollziehen.

Nur sollte man bedenken, dass 40 kg Putz nicht viel ist.

Der ersten 2-3 cm sind für das Raumklima aktivierbar, 2 mm kaum spürbar.

Grundsäzlich ist Lehm ein elastisches Material das mit Feuchtigkeitsschwankungen gut umgehen kann.

Aber überlegt doch mal, anstatt den Gipsplatten Lehmplatten zu verwenden.

Grüße Gerd



Gipsfaserplatten sind bauseits schon ne Weile vorhanden....



... der beste aller Ehemänner und ich konnten uns bisher nur noch nicht auf die Oberflächengestaltung einigen...

Da wegreißen der Vorsatzschale (dahinter Installationsebene) und mit Lehmplatten neu machen wohl ausscheiden dürfte, bleibt die Entscheidung zwischen mineralischem und Lehmputz. Wobei mit Letzterem die meisten Handwerker in der Umgebung noch wenig bis keine Erfahrung haben... oder eher nicht mehr...;-)

Der von mehreren Anbietern aufgrund der breiten Farbpalette empfohlene Kunststoffputz macht m. E. da ja wohl am wenigsten Sinn, richtig?