Porenbeton Gefache bewerten durch Gutachter

02.10.2019 wal*ter



Hallo Forums-Team,

wir interessieren uns für ein Fachwerkhaus von ca.1800, zu 90% unseren Wünschen entspricht und auch mit viel Aufwand und vermutlich Herzblut saniert wurde. Wir sind absolute Laien bei dem Thema und lesen uns gerade ein. Auf den ersten Blick muss man an dem Haus vorerst nichts mehr machen, es wäre „einzugsfertig“ .

Die Frage zu Gefachen aus Porenbeton wird hier im Forum ja mehrheitlich negativ bewertet. In Ratgebern wird dies aber als durchaus gangbarer Weg gesehen oder auch ausdrücklich empfohlen. Das Haus wurde 2012 nach Angaben des Besitzers teils in Eigenleistung, teils mit Fachfirmen mit „Ytong und einem flexiblen Kleber, innengedämmt mit Kombiplatten 3cm Styrodor und 12mm Gipskarton“ saniert. Teile der Balken wurden mit Consolan gestrichen. Mehr Infos kann ich sicher noch einholen.

Das Haus steht nun in dieser Form seit 6 Jahren. Kann ein Gutachter etwaige Feuchtigkeitsschäden (oder andere Schäden) aufgrund einer eventuell falschen Sanierung bereits sehen? Kann also eine Aussage wie „wenn bis jetzt nichts aufgetreten ist, dann bleibt es auch so“ getroffen werden oder kann sich das auch erst nach vielen Jahren zeigen und momentan sieht alles sehr gut aus.
Welche Prüfungen wären notwendig, um eine Aussage zu treffen?

Vielen Dank für die Hilfe!



Abraten



Nein, man kann wenn man jetzt Schäden feststellt diese aufzeigen.
Man kann aber nicht sagen, dass wenn bis jetzt keine Schäden sichtbar sind, auch in den nächsten Jahren keine Schäden auftreten.
Was man sagen kann - der Aufbau funktioniert nicht dauerhaft.
Der Hauptgrund ist die Styrodur-GKB Plattte. Diese Konstruktion ist so schadträchtig, das das tragende Fachwerk dahinter durch Kondensat über kurz oder Lang Schaden nehmen wird. Die Porenbetonausfachung ist dann so steif und kann mit dem anfallenden Kondensat so schlecht umgehen, das sich die Schäden verstärken und die Gefache sich lösen werden.
Wann und wie stark das auftritt hängt von vielen Randbedingungen ab. Himmelsrichtung, Bewitterung, Dachüberstand, Beschichtung des Holzes (hier auch nicht optimal) usw usw.
Ich habe es erlebt das dies nach weniger als 5 Jahren schon zu Totalausfällen geführt hat aber auch das es nach 12 Jahre erst kleine Anzeichen gab.

Zum Porenbeton, dass sogar vom Hersteller für diese Anwendung immer noch empfohlen wird, ist, meiner Meinung nach zu sagen, dass es funktionieren kann. Problem dabei ist die schwierige Befestigung im Gefach mit geeigneten Material (Nägel, Zementkleber usw sind ungeeignet) und das grundsätzlich zu steife Verhalten bei der Bewegung des Fachwerks. Dadurch werden selbst kleine Problemstellen rasch zu Großen. Lehm ist hier viel hilfreicher indem es flexibler reagiert und an kleine Schadstellen durch rasche Ableitung und Verteilung auftretender Feuchtigkeit das Holz noch lange gesund hält.

Wenn ich nicht immer Mitleid mit den schönen Häusrn hätte würde ich mich bei diesen Verbauungen freuen auch in den nächsten 20 Jahren noch Häuser sanieren zu können. Viel Glück bei der weiteren Suche - M.Mattonet - Ingenieurbüro Bergisches Land.



Vielen Dank



Hallo Herr Mattonet, vielen Dank für Ihre Antwort, das hilft uns sehr.Leider bestätigt dies auch meine "laienhaften" Befürchtungen. Kann man ganz grob abschätzen, was eine Korrektur dieser Isolation kosten würde? Das Haus hat 130qm Wohnfläche über 2 Stockwerke pus isoliertes Dach.(angenommen, das Gebälk ist noch in Ordnung)?



Schwer



Ganz grob mal ein paar Preise (Netto/m²) von, in meiner Gegend ortsüblichen Handwerkern:
Gefache abbrechen & entsorgen - ab ca. 50,-€
Gefach ausmauern inkl. Dreieckleisten usw. - ab ca. 120,- €
Kalkputz außen - ab ca. 80,- €
Gerüst, Baustelleneinrichtung, nebenkosten, Putzvorbereitungen, Unterputz, Oberputz ggf. Innendämmung und/oder Wandheizung. Lehmfarbe, Kalkfarbe usw. kommen noch dazu.

Manches ist gut in Eigenleistung machbar. Manches kann man zeigen.
Alles ist sanierbar aber nicht alles wirtschaftlich lohnenswert.
Alles Gute - M.Mattonet - Ingenieurbüro Bergisches Land.