Nassraumverträgliche Bodenaufbauvariante für Holzboden

05.02.2016 Wolfram B.



Servus Fachwerker!

Ich bitte um eure Meinung und Praxiserfahrung zu einigen Ideen für einen Fußbodenaufbau:

Wir sanieren nebenher ein altes Bauernhaus ohne Keller. Im Erdgeschoss sind neue Abflussleitungen verlegt worden und unsere Baufirma hat uns eine Sauberkeitsschicht ca. 12 cm stark gegossen. Unser Dachdecker hat mit Bitumensperrbahn abgedichtet, seitlich 15 cm über spätere FOK hochgezogen, Durchdringungen wurden mit Flüssigkunstoff abgedichtet.

Auf der Abdichtung werden nun die Heizleitungen, Elektroleitungen und die Abflusszuleitungen verlegt. Den Bodenaufbau wollen wir dann in Eigenleistung umsetzen. Es stehen 23-25 cm Raum zur Verfügung.

Ich schwanke zwischen drei Aufbauten, die ich hauptsächlich aus Vorschlägen hier aus dem Forum und Beispielen der Hersteller habe.

Alles gerechnet ab OK Abdichtung, darauf immer kurze Eichendielen (2 bis 2,4 m, 20 mm stark). Mit Dielenschrauben durch die Feder verschraubt.

1. Mehabit/OSB

- ca. 190 mm Mehabit
- 8 mm Holzfaserplatte (damit beim Verlegen der OSB nicht dauernd Material zwischen N + F kommt)
- 22 mm OSB oder 2x 15 mm OSB schwimmend im Kreuzverband, Fugen verleimt

2. Mehabit/Holzfaser

- ca. 170 mm Mehabit
- 50 mm DOSER-DHD mit zwischenliegender Lattung 60 x 48

3. Nicht Durckfeste Dämmung/Lattung/OSB

- 180 mm + Niveauausgleich: Fichte Kreuzlage (bei einer Lage könnten wir nicht Kreuz und quer mit den Leitungen fahren) nivelliert mit Holzstückchen, Achsabstand oben 40-60 cm, unten 100 cm.
- Dazwischen möglichst günstigen Dämmstoff z. B. Zellulose, Kokosfaser, Perlite
- 22 mm OSB

Rauhspund statt OSB möchte ich nicht verwenden, damit falls uns der Boden im Badezimmer einmal nicht mehr gefällt mit überschaubarem Aufwand auf etwas anderes umgestiegen werden könnte. Meine Frau ist etwas skeptisch, das war die einzige Möglichkeit die Idee „Holzboden im Bad“ durchzuboxen.

In den Nassbereichen würden mich eure Erfahrungen zusätzlich ganz besonders interessieren: Einige von euch haben ja schon viele solche Aufbauten umgesetzt. Stellt ihr z. B. die Badewanne/Dusche auf die Schüttung, respektive die OSB-Platten oder sollten die ohnedies auf dem Rohboden stehen?

Wir werden im Bad eine Trockenbauwand aufstellen, wo setzt man die z. B. bei der Lösung Mehabit/Holzfaser hin, erst ganz oben drauf? Dann ist die Abdichtung zwischen Dusche/Wand wieder schwierig?

Wie empfehlt ihr euren Kunden üblicherweise die Fugen im Bad bzw. die Anschlüsse zur Dusche/Badewanne abzudichten - wenn man da einfach ein „klassisches“ Abdichtungsband zwischen Duschtasse bzw. bodengleiche Dusche und OSB klebt, läuft das Wasser ja einfach dazwischen hinein, bei den Holzfaserplatten genauso.

Empfehlt ihr beim Wandanschluss im Bad z. B. Sockelleisten mit Dichtlippe oder muss man einfach extrem vorsichtig sein?

Vielleicht denke ich zu kompliziert. Deshalb würde mich über ein paar Praxistipps sehr freuen!

Beste Grüße
Wolfram





Ich konnte es noch nicht lassen und denke jetzt alle Beiträge zu diesem Thema hier im Forum studiert zu haben, das Interesse daran scheint ja ziemlich groß zu sein.

Zusätzlich habe ich mir mal das schöne Merkblatt „Bäder und Feuchträume im Holzbau und Trockenbau“ zu Gemüte geführt. Erste Erkenntnis: Weder OSB noch Holzfaserplatten sind als Untergrund für eine Abdichtung darin überhaupt zugelassen.

Das steht allerdings im Widerspruch zu manchen Abdichtungsprodukten, die explizit auf OSB verwendet werden dürfen bzw. zu Produkten wie wedi Fundo Ligno und Co (die ringsum gegen Holz abdichten). Nur weil OSB in einer Publikation nicht zugelassen ist wird man im Bad nicht anfangen auf Trockenestrichplatten zu Kleben oder gar zu verschrauben (hab ich auch schon gehört). Denke diese Verbindung wird sich früher oder später lösen, da wäre kleben noch verlässlicher.

In unseren Bädern gilt ja „Beanspruchungsklasse AO“. Dem Merkblatt, bzw. den darin zitierten Normen, zu folge sind der gesamte Bodenbereich und der Anschluss des Bodens an alle aufgehenden Wände abzudichten. Dort wo Spritzwasser anfällt ist (mit geeigneten Mitteln, Silikon ist keines davon) abzudichten und alle Durchdringungen sind mit Manschetten etc. abzudichten (schöne Skizzen illustrieren das).

Jetzt stelle ich mir allerdings folgende Frage: Gesetzt den Fall man ignoriert, dass OSB kein zugelassener Untergrund ist und nimmt ein Produkt, das auf OSB funktioniert. Ist es wirklich wünschenswert direkt unter den Dielen eine Abdichtung zu haben, die dann auch noch punktuell beim Verschrauben perforiert wird?

Durch Nut + Feder dringt bei normaler Nutzung (selbst wenn man sich Nass auf den Boden stellt und tropft) ohnehin nicht viel/kein Wasser bis zu den OSB-Platten. Hab ich da drunter jetzt lieber ein perforiertes Dichtvlies oder direkt die Platten?

Wenn man das jetzt zurück auf die Planung des Bodenaufbaus münzt: Ohne OSB-Zwischenschicht wird es im Bad meiner Meinung nach extrem schwierig eine gute und (weitgehend) regelkonforme Lösung hinzubekommen. Seht ihr das auch so?

Die hier im Forum häufig vorgeschlagenen Aufbauvarianten 1 + 2 (s.o.) werden im Bad also schwierig. Auf HWF/Traglattung kann man schlecht Abdichten und eine Badewanne auf schwimmende OSB-Platten und relativ hoch eingebrachte Schüttung zu stellen könnte zu ungleichen Setzungen und den gleichen Problemen wie auf schwimmendem Estrich führen. 100/60 Fichte + OSB, als obere Lage, hingegen könnte eine Badewanne bei angepasstem Achsabstand sicherlich tragen.



Badfußboden



Eins interessiert mich:
Warum muß es im Bad unbedingt Dielung sein?





Optik, Haptik, Wärme im Sommer (Fliesen ohne FBH = kalt), gleicher Bodenaufbau und gleicher Bodenbelag im Wohnbereich, weniger rutschgefahr, wie ich aus Erfahrungsberichten höre nicht wesentlich pflegeintensiver als Fliesen, keine Anschlussprobleme Fliesen/Holzboden, bei evtl. Schäden darunter etwas einfacher sanierbar.

Reihenfolge der Punkte ist keine Wertung.



Badfußboden



Ein guter Anfang.
Jetzt schreiben Sie dazu noch die Nachteile von Dielung im Bad EG.
Dann können Sie Vorteile und Nachteile gegeneinander abwägen, falls Ihnen jemand einen funktionierenden Aufbau nennen kann.

Von mir noch einige private Erfahrungen:
Ich habe ein Gästebad im EG das ich ab und an benutze, auch im Sommer. Fußboden ist gefliest.
Optik ist nun mal Geschmacksache, außerdem gibt es ein breites Angebot was Optik betrifft wenn man nicht gerade zu Obi geht. Schon die Römer hatten ihre Bäder gefliest und manchmal sehr geschmackvoll. Keiner von denen wäre auf die Idee gekommen Dielung ins Bad zu legen.
Was die Rutschgefahr betrifft- das ist kein Problem, es gibt rutschsichere Fliesen und es gibt Fußmatten fürs Bad. Die sind auch schön fußwarm beim Laufen. Auch im Sommer ist die Temperatur eines gedämmten Fliesenbodens nur ein paar Grad unter der Lufttemperatur. Wenns heiß ist kann man das auch als angenehm kühl empfinden.
Sie sehen vieles ist Ansichtssache. Wie sich solche Ansichten herausbilden- Mode ist etwas das von einigen wenigen festgelegt wird und die anderen machen es brav nach.
Was Reinigung und Pflege betrifft:
Wischen- das wars bei Fliesen. Wie sich Dielung vor der Dusche verhält wenn ich tropfenderweise draufstehe und mich abtrockne weiß ich nicht. Ich hoffe es gibt keine Wasserflecken.
Schäden darunter einfacher sanierbar? Bei mir im Bad kann es keine Schäden darunter geben, deshalb brauche ich darunter auch nicht sanieren. Es gibt keine Hohlräume und die Dämmung ist wasserabweisend und die Fliesen an sich schon wasserdicht, nur die fugen können geringe Mengen an Wasser aufnehmen. Dafür können die Fliesen nicht quellen wie Holz. Leitungen liegen bei mir nicht im Fußbodenaufbau.
Wie das bei Ihnen aussieht wenn Planschwasser durch die Dielenritzen nach unten entweder in den Aufbau oder unter die Dielen läuft weiß ich nicht, auch nicht wenn mal eine Leitung undicht wird.
Im OG auf Holzbalkendecke mag das noch angehen, die Decke kann kleine Mengen an Planschwasser wegstecken und auch nach unten wieder diffusiv abgeben. Das dürfte im EG nicht funktionieren.
Sie können natürlich immer genau daruf achten das die Dielung nicht nass wird wenn Sie aus der Wanne oder der Dusche steigen. Was tut man nicht alles für die Optik.
Noch mal kuz als Zusammenfassung:
Dielung im Bad auf Holzbalkendecke in den Obergeschossen und über einem beheizten Raum ja, im Erdgeschoss nein. Da ergibt es keinen Sinn.





Herr Böttcher, ich habe gerade ihre Publikation „Decken und Fußböden im Altbau - Teil 1“ gelesen. Sehr interessant und für mich vieles schlüssig! Zitat: „Damit nicht für jeden Raum ein anderer Fußbodenaufbau erforderlich ist wählt man einen entsprechend passenden Aufbau, das ist von der Funktionalität her der Zement- oder Gussasphaltestrich.“

Dem zufolge sollte ich vll. noch eine Variante hinzufügen:

ca. 150 mm Lastabtragende Schüttung
Schrenzlage
70 mm Estrich
Dielen geklebt

Das hätte aber einige Nachteile: Viel Baufeuchte, muss ewig trocknen, ich muss den Nachweis erbringen, dass der Boden trocken ist, ich muss dem Kleber vertrauen, das Problem mit der Abdichtung löst es nur bedingt, ich kann es nicht selbst machen, ich muss dem Schwind- und Kriechverhalten der Schüttung noch stärker vertrauen, geklebter Dielenböden fühlen sich noch härter/kälter an als auf noch ganz minimal schwingenden HWF oder OSB-Platten.

Gibt es da noch eine Aufbauvariante dazwischen, die ich aus den grundsätzlichen Fakten nicht abgeleitet habe, die aber verschraubten leicht federnden und ggf. abdichtbaren Boden zulässt?





Jetzt haben sich unsere Posts überschnitten. Vielen Dank für Ihre Überlegungen!

Darf ich anknüpfen, sagen wir, wir würden doch Fliesen oder einen anderen im Bad üblichen Boden verbauen z. B. Kautschukboden, dann gefiele mir die Variante 2. (Mehabit + HWF) eig. am besten im Rest der Wohnung. Nur wie überbrückt man die Höhendifferenz im Bereich des Badezimmers so, dass man dann noch irgendwo eine Trockenbauwand draufstellen kann.

Nachtrag, die Hausaufgabe hatte ich vergessen. Nachteile für mich: Holzboden im Bad braucht langfristig Pflege, Abdichtung schwierig möglich bzw. 100% Abdichtung bringt nichts wenn der Boden dann im Wasser steht, kein Professionist übernimmt den Einbau bzw. die Haftung für den korrekten Einbau.

Mehr ist mir leider nicht eingefallen, in unserem Fall sehe ich irgendwie mehr Vor- als Nachteile. Bei uns müssen die Leitungen leider im Boden verlaufen. Aber fugenlosen Kautschuk oder Kautschukfliesen hatte ich immer im Hinterkopf. Mir ist nur keine gute Variante eingefallen beide Bodenaufbauten zu verbinden.



Wie wäre es denn mit...



...einem Liaporestrich?
Alle Leitungen würden schön schlüssig eingebettet sein und eine Wärmedämmebene ist es gleichzeitig und selbstbaufreundlich.
Darauf kann man dann mit einer Lattung integriert einen Holzboden auf Kokosstreifen oder Hanfmatte auflegend herstellen.
OSB würde ich generell verwerfen, da es dampfdicht zu deklarieren ist.
Und gerade noch im Feuchtraum und EG





Danke für die Idee, Herr Mühle.

Die dampfbremsende Wirkung (bei 22 mm ca. sd = 4,4) der OSB-Platte sehe ich als positiven Punkt. Je weniger Feuchte Raumluft mir in die Fußbodenkonstruktion dringt, desto weniger Kondensat fällt an. Ein kapillaraktiver Dämmstoff sollte jedoch m.M.n. zum Einsatz kommen, Perlite wäre wohl eher nicht das richtige.

Oder sehe ich das falsch?

Der Dämmwert des Liaporestrich ist natürlich nur mäßig, als welches Element hätten Sie den gesehen? Als Ersatz für z . B. Mehabit? Weil man auf den Liaporestrich eine Trockenbauwand problemlos draufstellen könnte?





Wäre es denkbar eine (ca. 3m x 10 cm) Trockenbauwand inkl. Tür auf die Traglattung der Holzfaserplatten zu stellen bzw. zu verschrauben? Und im angrenzenden Bereich des Bades statt des Holzbodens z. B. Powerpanel TE, Abdichtung und Kautschuk zu verlegen? Auf den Trockenestrich dann Badewanne/Dusche. Oder reicht die Druckfestigkeit von Mehabit und HWF in der Praxis nicht aus um eine Badewanne tragen zu können?



Mehabit und HWF...



...darauf Trochembauwand?
Kritisch.
Mineralisch gebundener gedämmter Aufbau immer besser.
Am besten mich mal anrufen und wir schwatzeln mal gewisse Dinge durch.
Kann auch mit einem guten Baubiologen aufwarten.





Vielen Dank für das Angebot, Herr Mühle. Evtl. komme ich bei Zeiten darauf zurück. Vorerst würde ich gerne nur meine Gedanken und gesammelten Fakten sortieren ohne, dass noch eine persönliche Beratung, die wiederum der subjektiven Erfahrung des Beraters unterliegt, dazu kommt.

Ich habe mal eine ganz grobe Skizze gemacht.

ca. 165 mm MEHABIT
Doser DHD 50 mit Montageleiste 24 x 74

Darauf im Wohnraum
20 mm Eiche

Im Bad
18 mm Trockenestrich, verspachtelt und abgedichtet
3 mm Kautschukboden

Für die leichte Trennwand würde der Trockenbauer quer ein Schwellholz (z. B. 6/10) über mehrere Montageleisten verschrauben können. Der schleppende Verband der Doser Platten sollte im Idealfall so gelegt werden, dass direkt unter der Wand keine Fuge ist.

Kriecht die Schüttung z. B. im Bereich der Badewanne wirklich würde der Fußbodenaufbau zumindest gleichmäßig mitgehen. Dafür wären keine XPS-Wannenträger etc. notwendig und die Badewanne steht AUF der Abdichtung ohne Fuge. Die Dusche könnte man theoretisch komplett fugenlos, bodeneben ausführen (Kautschuk durchgelegt).

Was ich mich frage: Wen muss ich fragen ob der Aufbau technisch im Bereich des sinnvoll Machbaren liegt? Doser, Mehabit oder beide?

Der größte Nachteil des Bodenaufbaus ist einmal, dass er schwe**ne teuer ist. Dafür extrem gut gedämmt, was ohne Fußbodenheizung natürlich toll ist. Gut in Eigenleistung zu machen und ein super Unterbau für den Dielenboden.





Bzw. eig. wären in meinem Fall wohl andere, stumpfe Platten Latten wie ursprünglich geschrieben z. B. 60 x 48 oder 48 x 48 sinnvoller, weil die a) die Dielen besser halten als die 24er Brettchen (hält wohl trotzdem, sonst würden sie es nicht verkaufen) aber vor allem b) es erlauben das Schwellholz für die Trennwand ordentlich zu verschrauben.