Nachtrag: Hanfdämmung 2011

03.12.2014



Hallo liebe Mitstreiter. Wir hatten 2011 das Dach mit Hanf gedämmt mit einer "improvisierten" Hinterlüftungsebene und innenseitig mit OSB3 als Dampfbremse. Da ich kürzlich noch einmal angeschrieben wurde wegen meiner Erfahrungen mit dieser Dämmung, kann ich heute nur sagen. Es hat alles wunderbar geklappt. Im Winter warm, im Sommer schön kühl (bislang selbst bei Rekordhitze nur 25 Grad. Früher waren es auf der Südseite mit den 8cm Mineralwolle auch schon mal über 40 (kein Scherz). Schön leise ist es auch geworden. Und das Wichtigste: Keinerlei Schäden durch Schimmel. Erst vor ein paar Wochen hat ein Dachdecker noch diverse Stellen bei einer Dachbegehung kontrolliert, was dank fehlender Unterspannbahn aktuell sehr leicht zu prüfen ist. Der Hanf ist nach drei Jahren immer noch "furztrocken" (auch von der Unterseite). Hier der link auf den damaligen treat: http://www.fachwerk.de/fachwerkhaus/wissen/aussen-anschluss-171096.html

Vielen dank noch mal für Eure Hilfe!
Raimund





@Raimund,

herzlichen Dank für diesen Nachtrag, auf den ich nach längerer Pause in diesem Forum zufällig, also gänzlich ungezielt, eben gestoßen bin. Ich hatte Deinen damaligen Thread nicht verfolgt, habe mich aber vor zwei Jahren mit der Thematik Innensparrendämmung recht intensiv befasst. Wir hatten damals das Vorhaben aufs Eis gelegt, weil uns v.a. diese Einwände dagegen zu stehen schienen: 1. Verkleinerung des Dachraums insbesondere der stehhohen Fläche infolge der notwendigen Aufdoppelung der Sparren. 2. Das Risiko von Feuchteschäden in der Dämmung (wir haben keine Unterspannbahn o.ä., die Ziegel sind vom Dachraum aus offen sichtbar.).

Über die in Deinem Ursprungsthread geführte Diskussion bin ich nun auf hanffaser.de gestoßen und lese dort, dass Hanf direkt an die Ziegel gestopft werden könne, im Altbau würde das häufig und prinzipiell problemlos gemacht werden. Das hatte ich bisher zu keinem Dämmstoff gehört.

Dieser Hinweis eröffnet mir eine gänzlich neue Sicht auf das immer noch nicht ganz verworfene Vorhaben. Damit wäre die Dämmung erheblich unaufwändiger, und wir könnten wohl mit geringerer Aufdoppelung der Sparren hinkommen.

Wenn ich es richtig verstehe, habt Ihr den Hanf auch ohne Unterspannbahn verstopft, allerdings mit recht großzügiger Hinterlüftungsebene.

Meine Fragen an Dich:

Habt Ihr damals auch erwogen, direkt an die Ziegel zu dämmen, wenn nein, warum nicht, und wenn ja, warum habt Ihr es anders gemacht?

Wie dick ist Eure Hanfdämmung ausgefallen, um die von Dir bechriebenen guten Dämmwerte zu erzielen?

Vielen Dank,
Gruß Elander



Verlegung



Hallo Elander,

wir wollten eine Hinterlüftung schaffen, um eventuelle Nässe sicher abzulüften. Da das Dach weder eine Konterlattung, noch eine Zuluft/Abluft besaß, wurde zunächst mit durchlaufendenden senkrechten Dachlatten rechts und links ein Abstand von 5cm zur Ziegellattung geschaffen. Dann haben wir jeden zweiten Ziegel unten und oben durch Lüfterziegel ersetzt, um eine vernünftige Hinterlüftung zu haben. Wenn durch ein Fenster eine Unterbrechung ensteht, sind dort entsprechend auch Ent- und Belüftung gesetzt worden. Die Unterspannbahn haben wir raus genommen. Sie war größtenteils nur noch Brösel (durch die Hitze). Das Dach hat allerdings auch eine ausreichende Neigung. Bei einer Bewässerung mit Schlauch haben wir außerdem geprüft, ob irgendwo Wasser rein drücken könnte. Dem war nicht so. Die Ziegel werden allerdings kappilar von den Rändern leicht feucht. Daher hielten wir einen direkten Kontakt nicht für so gut, zumal dann keine Hinterlüftung möglich gewesen wäre. Die Sparren selbst wurden dann mit Hanf dazwischen gedämmt. Dann kommt innen eine Konterlattung (Ankernägel!) mit noch einer Lage Hanf von der Rolle quer. Darauf verschraubt folgen die OSB3-Platten (wasserfest verleimt!) mit Nut-Feder. Die Stöße sind mit Tescon-Gewebeband überklebt. Alle Seitenränder und zum Fußboden hin wurden ebenfalls mit einem Spezialband von Tescon eingeputzt. Dann eine GK Platte für den Brandschutz innen. Wichtig: Vorher den Statiker fragen, ob das Dach die Last trägt. Die OSB3 Platten wiegen enorm!.

Viele Grüße!
Raimund



Aufbau



Hier noch das Bild vom Aufbau als Schema.





Besten Dank, @Raimund, für den prompten Nach-Nachtrag. Die Skizze ist auch sehr hilfreich. Ich sehe, dass Ihr doch eine mächtige Dämmstärke gewählt habt. Unser Raum unterm nicht so steilen Walmdach würde da schwerlich mitspielen.

Ich habe heute noch einmal ein Bedenken gegen die Gegen-die Ziegel-Verstopfung des Hanfs erfahren: was in Norddeutschland gut funktionieren mag könnte in unseren Breiten (Südwest) wegen ggf. länger währender Schneelastperioden zu Problemen führen - was Du auch befürchtet hast, Feuchtwerden der Ziegel. Vielleicht würde eine relativ einfach auszuführende Verlattung zwischen den Sparren, quer zu den Ziegel-tragenden Dachlatten, die für etwas Luft zwischen Ziegeln und Hanf sorgt, ausreichend vorbeugen. Mir gefällt jedenfalls das Material und die Philosophie der Firma, insofern wirklich eine neue Perspektive.

Ich sage deshalb noch einmal meinen herzlichen Dank und wünsche weiterhin trockenes wohliges Klima unter Eurem Dach.

Gruß Elander



Warum nicht?



Halllo Elander,

genau so haben wir auch die Hinterlüftung realisiert und zugleich verhindert, dass Feuchtigkeit von der Ziegel "konzentriert" in den Hanf zieht. Die Hanfmatten sind in sich selbst sehr fest (sie werden mit einer Art Brotmesser geschnitten" und verbiegen sich kaum). Von daher reichte in den Sparrenfeldern rechts und links eine Dachlatte als Abstandhalter. Wenn die Dicke der Sparren z.B. nur 8cm oder 10cm her gibt, würde ich mir keine Gedanken machen und einfach dünner dämmen. Prüft kein Mensch und "O-Ton" unser örtliches Bauamt: Das haben wir noch nie irgendwo nach EnEv geprüft, das ist uns schlicht egal. Und von der Energieersparnis... mehr als 5cm Dämmung sind ja nett, aber rechnen sich auf 100 Jahre nie. Sehr aufschlussreich dazu auf jeden Fall die homepage von Herrn Konrad Fischer. Den größten "Effekt" bringt tatsächlich die OSB3-Platte, welche weiter Feuchte reguliert, aber Luftdicht eingebaut ist. Kein Scherz. Viele Grüße! Raimund



Danke, @Raimund.



Die Enev ist uns auch egal, allenfalls beim Hausverkauf vielleicht von Belang. Aber ob 5 cm ausreichend Behaglichkeit, ohne zuviel Heizbedarf, und insbesondere Hitzeschutz im Sommer brächten, wäre die Frage. Unsere Sparren haben knappe 11 cm, ganz ohne Aufdoppelung käme es, denke ich, wohl nicht hin.

Den Hanf hielte ich in stopfbarer Ausführung für leichter verarbeitbar, das Zuschneiden entfällt, nur dass es eben 2-3 Querlatten je Sparrenfeld bräuchte, damit zwischen Hanf und Ziegeln tatsächlich ein Luftraum entstünde.

Die Frage der Dampfbremse erscheint mir mindestens so wichtig. Einer OSB3-Platte würde ich auch mehr vertrauen als diesen verklebten Pappen oder sonstwelchem Kunstmaterial.

Als wir uns vor zwei Jahren schon einmal mit der Dachdämmung befasst hatten, hat uns die eigene Ratlosigkeit zwischen den Positionen der Fachwelt am Ende Abstand nehmen lassen. Die Fotos der Dämmfolgen des K. Fischer hatten uns vollends entmutigt. Ich neige zwar ungleich mehr zu seiner Skepsis als zu den Sorglos-Versprechen der Dämmstoffindustrie, aus dem reinen Gefühl heraus. Aber sein Ansatz erscheint mir doch sehr radikal, und es fehlt mir, habe es jedenfalls nicht gefunden, seine konkrete Alternative, wenn man sich damit nicht begnügen will:

"4. Wie dämmt man ein Dachgeschoß?

Indem man erst mal prüft, ob angesichts der Verbrauchszahlen oder den Ausbauabsichten eines Kaltdachs eine Dämmung überhaupt Sinn macht oder unabdingbar ist. Und wenn ja: Nur mit sorptionsfähigen Baustoffen, die die zwangsweise anfallende Feuchte durch Kondensat und eventuelle Belastung durch Flugschnee und Regeneintrieb schadensfrei aufnehmen und verkraften. Wichtig ist auch der sommerliche und winterliche Wärmeschutz - einseitige Temperaturerhöhungen sollen nicht ungebremst auf die andere Seite "durchschlagen". Die Begriffe, um die es vorzugsweise geht, heißen "Temperaturamplitudendämpfung" und "Phasenverschiebung". Im Klartext: Hohe einseitige Temperaturen sollen nur als geringe Temperatur auf die andere Seite und - der kritische Sommerfall - erst dann auf der anderen Seite spürbar werden, wenn man sie durch kühle Nachtluft "bekämpfen" kann. Was bleibt da über? Massives Holz und massiver Ziegelstein, und auf keinen Fall irgendwelche Kondensatfallen wie übliche Dämmstoffe und Folien (Dampfsperren, Dampfbremsen). http://www.konrad-fischer-info.de/7wdvs18.htm."

Also, insofern hat mich Deine Erfahrung, wie gesagt, noch einmal neu in die Überlegungen einsteigen lassen. Der Dachboden ist für die bisherige Nutzung als Rumpelraum einfach zu schön, die Andersartigkeit, die Abgehobenheit, die Himmelsnähe, die Ausblicke. Andererseits hat die Dachkonstruktion das Haus 80 Jahre trocken gehalten, und das wollen wir nicht aufs Spiel setzen.

Gruß Elander



Dachdämmung



Mein Dachgeschoss habe ich vor 15 Jahren mit Mineralwolle und Gipskarton gedämmt, ohne die auf den Fotos von K. Fischer beschwordenen Dämmfolgen. Es funktioniert problemlos.
Woran liegt das?
Konrad Fischer dokumentiert nur die Fälle wo es durch Dummheit, Faulheit, Unwissen und mangelnde Erfahrung zu Schäden gekommen ist. Wenn seine Begründung stimmt dann müssten ALLE gedämmten Dächer egal ob mangelfrei oder nicht so aussehen.
Das tun sie nicht.
Dämmung ja, aber richtig, das heißt Beachtung der technischen Regeln, der örtlichen Gegebenheiten, keinen Dämmstoffoverkill, vorzugsweise Holzfaserdämmstoffe.
Ganz wichtig:
Beim Bauen und damit auch beim Dachdämmen gibt es nur sehr wenig allgemeinseligmachende Wahrheiten.
Jeder Fall ist einzeln, individuell und ganzheitlich zu betrachten. Einfach mal so nachmachen was der andere gemacht hat kann nach hinten losgehen.



Dachdämmung



Ich habe bei meinen Dächern am Gebäude von 1910 vor fast 20 Jahren eine Vollschalung aus 24 mm Fichte N+F Brettern verlegt,
darüber die Unterdachbahn DeltaMaxx von Dörken,
innenseitig Dampfbremse und Holzfaserplatte und Gipsfaserplatten.

Hohlräume selber mit Zellulose ausgeblasen.

Als Bedachung teils Naturschiefer oder Tonpfannen auf Lattung und Konterlattung.

Bisher gab es keinerlei Schäden.

KF ist sicher ok was das Hinterfragen von evt. Maßnahmen betrifft- das ist aber ohnehin die übliche Vorgehensweise.

Und daß nicht jedes Gebäude mit Styropor einzupacken ist ist eh klar- ich würde das gar nicht anwenden..

Zu behaupten mit Dämmung braucht man mehr Energie und ähnliche Äußerungen sind natürlich auch ein geschicktes Marketinginstrument um Aufmerksamkeit zu erregen und Stundensätze von jenseits 150,-€ zu bekommen.

Niemand würde zuhören wenn nur gesagt wird Dämmung ist Super- das Gegenteil zu behaupten ist schon spektakulärer.

Andreas Teich



Ergänzung



Kleiner Nachtrag: Wir hatten früher Mineralwolle (8cm) drin, die war lecker pechschwarz. Nässeschäden am Holz gab es zwar keine, aber die Allergiebelastung meiner Mutter, die hochgradig gegen Schimmel allergisch ist, ging jeden Herbst wie nach der Stoppuhr los. Davon ist nun nichts mehr zu spüren.

Der Hanf ist aber wie gesagt jetzt auch in keinerlei Folien verpackt. Weder Dampfbremse (statt dessen die dicke OSB3-Platte), noch Unterspannbahn, weil bei der Dachneigung schlicht nicht erforderlich.

Von daher kann - was auch immer nachts kondensieren mag, kann ungehindert sofort wieder nach außen hin abtrocknen und weglüften. Wie gesagt, bislang nicht den Hauch eines Nässeproblems. Im Grunde würden vermutlich 4-6 cm Holz in zwei Nut-Federlattungen für sich genommen bereits bestens funktionieren (siehe diverse nordische Nachbarländer).

Was die Kritik an Herrn Fischer betrifft. Ich selbst verwalte mehr als hundert Wohnungen und durch meinen Job als Rechtsanwalt habe ich ständig mit Baumängeln zu tun. Ein WDVS würde ich mir nie auf eines meiner Objekte pappen. Dafür kenne ich zu viele Fälle, wo es schief gegangen ist... (ganz unabhängig von der Frage, ob es überhaupt Energie sparen würde). Nur meine Meinung, keine Empfehlung ;-)

Viele Grüße
Raimund



Dachdämmung



Warum war die Mineralwolle schwarz?