Gefache mit zementärem Putz und Innenwand aus Bimssteinen???

31.08.2011 Ostseehaus



Hallo allerseits,

wir haben uns heute - mehr aus einer Laune heraus - ein altes Fachwerkhaus in einer schönen kleinen Stadt angesehen. Das Gebäude ist denkmalgeschützt und wir tragen uns mit dem Gedanken es zu kaufen. Allerdings ist der Kaufpreis sehr hoch und angeblich ist "alles gemacht". Bei dem Kaufpreis ginge es wirklich nur, wenn nichts mehr anfiele. Ich bin wahrlich kein Experte aber mir kommen da viele Dinge schon beim groben drübersehen spanisch vor. Bevor ich mich jetzt also mit einem kostenpflichtigen Experten auf den weiten Weg mache um das Gebäude genauer in Augenschein zu nehmen, möchte ich meine Beobachtungen mal hier ins Forum stellen.

Eventuell kann/mag ja jemand antworten. Am Ende hat es sich ja vielleicht schon erledigt, mit der Kaufabsicht.

1) Die Gefache schließen außen bündig mit den Balken ab. Gibt das nicht ein Problem mit ablaufendem Wasser o.ä. für die untere Balkenlage?

2) Die Gefache sind stellenweise lose bzw. an den Rändern platzt es ab. Dort ist dann grauer Putzgrund zu erkennen, also nehme ich mal stark einen zementären Putz an. Beißt sich das nicht mit dem Holz oder kann man sowas bedenkenlos machen? Für mich siehts eher nach Zementputz raus und Kalkputz oder Lehmputz rein aus.

3) Im Erdgeschoß ist innen hinter die Fachwerkwand eine Mauer aus Bimsziegeln (so die Angabe des Eigners) gesetzt. Das kann doch auch nicht gut sein, oder? Wandstärke ca. 10cm ohne Abstand direkt hinters Fachwerk gesetzt. (Mal ganz abgesehen vom mangelhaften Überbindemaß von 1/5)

4) Im Obergeschoss ist teilweise Kalksandvollstein als Gefachausmauerung verwendet worden, teilweise aber auch diese "Bimsziegel" (ich würde es eher Porenbeton-Steine nennen, von den Fotos her)

5) Fenster wurden seit 1995 nicht gestrichen. Im unteren Bereich wo die seitlichen Rahmenleisten auf die Bank treffen ist das graue, aufgerissene Holz zu sehen. Überstreichbar, oder Schrott?

Ich danke bereits im Voraus für zahlreiche Meldungen und Anregungen!

2)



na



Deine Beschreibung ist gut, die Detailfragen können nur vor Ort (2. Zement- oder Kalkputz) bzw. mittels Fotos geklärt werden (5.)



Fotos



Da ich heute erst aus Korbach zurück nach Mainz bin, werde ich so schnell keine Fotos bekommen.

Der vermutete "Zementputz" sieht mir ganz scharf nach einem Leichtputz aus, also mit diesen kleinen Styroporkügelchen drin. Das ganze wurde 1994-1995 eingebracht.

Wenn es Zementputz wäre, wäre das dann ein No-Go ?



Dann



dürfte es sich um einen Leichtputz oder um einen Dämmputz (sehr weich - benötigt deshalb einen Oberputz) handeln.
Der ist für Holz nicht schädlich. Problem gibt es nur bei Nässe und Holz - die vertragen sich nicht.



"alles" gemacht



Das ist, wie Ihnen Ihr Gefühl schon sagt und Sie vielleicht Leser dieses Forums sind, so eine 2schneidige Sache.

Sicher sind die Besitzer stolz und guten Glaubens alles richtig gemacht zu haben - aber die Realität sieht landauf und landab leider genau anders herum aus.

Die blanke Optik ist oft nur der Schein der trügt und die Schäden kommen nicht an die Oberfläche, weil die meisten dieser in der Wand- oder Konstruktionsmitte anfangen und erst nach "Abschluss" der Schädigungen zum Vorschein kommen.

1. Satz 1 eigentlich gut - Satz 2: Wie kommen sie darauf?

2. lose Gefache heissen: nicht gut! Da wurde falsch saniert. Grau deutet auf zementäre Stoffe hin - in dem Bereich ist Kalk die beste Wahl. - muss man sehen und dann entscheiden was zu tun sei.

3. die nächste Falle, die bauphysikalisch tödlich sein kann, sein wird.

4. bei den Gefachen kommt es auf die Fuge also den Mörtel an - primär

5. Nebenkriegsschauplatz - das Detail kann man nur vor Ort klären

Wenn das schon so teuer ist und Sie etwas zweifeln ist das schon kein gutes Zeichen.

Fotos wären evtl gut

FK





Morjen


In der Nähe ist der Jochen Sibert. Der saniert Fachwerkhäuser und ist auch hier im Forum vertreten.
Wenn du freundlich fragst, kann er vielleicht das Haus mal anschauen.

Fa. Wilfried Siebert
Inh. Jochen Siebert
Oberstrasse 68
34471 Volkmarsen-Ehringen

Tel. 0 56 93 - 2 39
Fax 0 56 93 - 2 32
eMail siebertstuck@aol.com

Sonst noch ein Architekt, der schon mehrere Fachwerkhäuser saniert hat und selbst in einenm wohnt:
HÜTHER ARCHITEKTEN
DIPL.-ING.ARCH. ANDREAS HÜTHER
STEINWEG 9
34317 HABICHTSWALD - EHLEN

TELEFON: 05606 - 564705
FAX: 05606 - 564706
MOBIL: 0177 - 5647050
E-MAIL: huether@huether-architekt.de



@ FK



Sorry, ich kenne auch graue Kalkputze. Diese Beschreibung erscheint mir dann doch etwas oberflächlich.



Ich empfehle da auch von einer Ferndiagnose abzusehen.



Der Kauf eines Hauses sollte schon ausführlich durchdacht und bewertet werden.

Hier im Forum gibt es genug negativ-Geschichten wo die Bausubstanz nicht geprüft wurde.

Hol Dir nen Berater dazu!

Grüße



Korbach und hoher Kaufpreis...?



(Liebe Korbacher, hört bitte mal weg...)

Hallo,

abgesehen von den technischen Aspekten habe ich bei Deiner Frage gleich beim ersten Lesen gedacht: Sehr hoher Kaufpreis? Und das in Korbach? Ich habe Freunde in Korbach - und mit dem Auto zieht es sich immer furchtbar da hinzukommen. Und zwar egal aus welcher Richtung man kommt... Bei Immobilien gelten die drei wichtigsten Kriterien: Lage, Lage und nochmal Lage. Besonders wenn Ihr aus einer Laune heraus das Haus angeschaut habt: Seid Ihr sicher, dass der Preis gerechtfertigt ist? Ein Preisniveau wie in Mainz würde ich in Korbach jedenfalls auf keinen Fall erwarten.

Grüße von einem WunschButzbacher (direkt an der A5, 20-30 min nördlich von FFM)



Danke!



Danke bis hierher für die Beiträge. Ich werde am Montag mal versuchen den Herrn Siebert zu erreichen, eventuell kann er ja etwas für mich herausfinden.

Der Preis für das Haus ist in der Tat sehr hoch und muß alleine schon wegen der Lage nach unten korrigiert werden...aber Korbach hat es uns eben angetan, so schnell mag ich da nicht aufgeben.

Aber zur Beruhigung aller: ohne das "GO!" eines Sachverständigen werde ich mir sicher kein Fachwerkhaus kaufen, erst recht kein zu teures...



Gefache mit zementärem Putz und Innenwand aus Bimssteinen???



Hallo Wunschkorbacher,

ich saniere seid bald 25 Jahren Fachwerkhäuser.
Deine Vorsicht kann ich nachvollziehen, wenn man so eine große Summe wie beim Hauskauf ausgeben will.
Allerdings: Wann ist das Haus denn saniert worden? 1995?
Wenn Deine Bedenken begründet wären, müsstest Du (auch als Laie)nach 16 Jahren schon massive Schäden sehen.

Zu Deinen Fragen:
1. Egal ob die Gefache etwas überstehen oder bündig abschließen: kleine Mengen Regenwasser werden immer eintreten.
Wichtig ist nur, dass das Wasser später wieder verdunsten kann. Und da ist der von Dir beschriebene Wandaufbau absolut richtig: Bimsstein und (Kalk-)Zementputz sind beide Diffusionsfähig, d.h. Wasser wird teilweise aufgenommmen aber auch wieder verdunstet.
Wir verwenden eigentlich schon seit Firmmengründung Bimsstein und Lehmsteine. Bei beinen gab es noch nie Probleme. Und der Putz ist dann bei Lehmsteinen ein Lehmputz oder bei Bimssteinen in der Regel ein Kalkzementputz. In die Gefache an sich kommt dann eine Dreiecksleiste, damit die Ausmauerung besser hält.
2. Ein Fachwerkhaus "arbeitet" nun mal. D.h. es gibt geringe "Bewegungen" aufgrund des Holzfachwekes. Dass man ab und zu mal kleinere arbeiten wie z.B. abgeplatzten Putz nachbessern muss, ist kein Mangel und lässt sich eigentlich auch vom Laien ausbessern. Zum Zementputz: siehe 1.
3. Wichtig ist, dass der Wandaufbau nirgend wo vollkommen dicht ist (also diffusionsfähig), eine Mauer von innen ist hier kein Problem.
FRAGE: Wie ist das Haus denn wärmegedämmt? Wenn es. z.B innen mit Polystyrol gedämmt ist, Folien verbaut worden sind, etc- das wäre das für mich ein NoGo.
4. ???
5. Holzfenster sollte man in der Tat ab und zu streichen.
Aber solange das Holz wieder trocknen kann (und Fenster sind in der Regel ja nach außen) ist das eher eine optische Sache.

Hast Du nicht mal ein paar Bilder und Daten von dem Haus?
Dann kann man hier vielleicht auch etwas zum Kaufpreis sagen.



Zementputz diffusionsfähig ???



Da ich selbst extreme Probleme aufgrund der feuchtigkeitssperrenden Wirkung von Zementputz habe, kann ich den vorherstehenden Beitag so nicht unkommentiert lassen, auch wenn es schon jede Menge Beiträge zu dem Thema gibt.
Ein feuchter Holzbalken (oder bei mir feuchtes Mauerwerk) trocknet so gut wie gar nicht durch eine Schicht Zementmörtel. Die Härte verträgt sich auch sehr schlecht mit den Bewegungen im Fachwerk.
Hier noch ein Link. Dort ist auch ein Beispiel für die Kombination Bimssteine und Zementmörtel.
http://www.deutsches-fachwerkzentrum.de/leitfaden/kap_012_00.html

Grüße,
Oliver