Drainage-/Lüftungsanschlu an Kamin anschließen....

13.06.2007



Hallo zusammen,

ich lese hier öfters davon, eine Drainage / Belüftung des Bodens im Innen- und Außenbereich zur Mauertrocknung an den Kamin anschzuschließen (damit da ein beständiger Zug drin herrscht). Vorhin habe ich mich mit meinem Bezirksschornsteinfegermeister (BSSFM) unterhalten und wir kamen auch auf dieses Thema.
Aussage des BSSFM: Schlichtweg verboten!
Weiterhin würde die kalte Luft dazu führen, dass das Rauchgas im Kamin kondensiert (mit den bekannten unschönen Folgen).

Kann/darf/sollte eine Drainage nur an einen eigenen "Drainagenkamin" angeschlossen werden?
Da würde man dann doche eher ein Gebläse nehmen, oder?

Gruß Markus



Drainage/Lüftungsanschluß an Kamin...



Lieber Markus,
wenn Du so was hier im Forum liest, heißt das noch lange nicht, das dies ein bewährtes System ist, empfohlen wird geschweige denn irgend einen Nutzen hat, wie Entfeuchtungsputze und Getreidezement.
Der Glaube, Fundamente von außen belüften und damit trocknen zu können, ist Nonsens.

Warum?

1. Um Luft an die Fundamente heranzuführen, muß ich Sie freilegen. Das kann allenfalls ein kleiner, linienförmiger Bereich an der Außenfläche sein. Schon um das zu bewerkstelligen, muß ich das Fundament außen freischachten! Dann kann ich auch außen eine senkreche Abdichtung einbauen. Größere Flächen freizulegen birgt die Gefahr eines partiellen Grundbruchs, da ich die Mantelreibung am Fundament einseitig mindere.
Egal, was ich anstelle, da ein bisschen Luft entlang wehen zu lassen, bringt nichts. Nach jedem Regen ist der Status quo wieder hergestellt.

2. Wie soll die Belüftung dieses kleinen Teils des Fundamentes überhaupt funktionieren?
Ich gehe mal davon aus, das die Baugrube mit nicht bindigem Boden, also Sand und Kies, verfüllt wurde. Dieser Boden stellt bodenmechanisch ein 3- Phasensystem dar, bestehend aus Bodenteilchen wie Kies, Sand, Schluff, Wasser in Form von Haftwasser als kapillarer Film an den Bodenteilchen und Luft, hier als Gemisch von Luft und Wasserdampf. Ein Boden ohne Luft, also ein 2- Phasen- System, wäre praktisch gasdicht.
Zuviel Reibung:
Ich müßte Luft unter Überdruck über ein durchlässiges Rohr an das Fundament blasen. Die ausgeblasene Luft müsste sich dann ihren Weg durch das umgebende Erdmaterial nach oben suchen. Versuche einmal, in 2 m Tiefe Luft in die Erde zu blasen! Der Boden ist durch die hohe Reibung praktisch luftdicht, die hindurchdiffundierenden Mengen sind vernachlässigbar, egal wie hoch der Druck ist. Strömungsgeschwindigkeiten werden max. im Bereich vom m pro min erzielbar sein, schneller wäre auch gefährlich, da es dann zum Verfrachten von Kleinstteilchen kommen kann.
Nun,Deine Variante ist ja, in dem Rohr Unterdruck zu erzeugen und so Luft von Oben nachströmen zu lassen. Mal abgesehen von der Durchsatzleistung und dem Druckgefälle, warum sollte die Luft durch die Erde in den Schornstein strömen und nicht durch Deinen Ofen, der mit seinen Abgasen den Schornstein ziehen lässt?

Sättigungsfeuchte:
Aber bleiben wir mal dabei. Du stellst einen kräftige Vakuumpumpe auf und evakuierst Dein Rohr. Was hat der Luftstrom mit dem Fundament zu tun? Vielleicht strömt ja ein bisschen daran vorbei, was würde passieren?
Im Sommer würde die wärmere, Feuchte Luft im Erdreich abkühlen, überschüssiges Wasser kondensiert. Bis diese Luft eventuell an der Fundamentoberfläche entlangstreicht, hat sie längst den Status der Luft im Boden angenommen, also deren Temperatur und deren Luftfeuchte. Ein Trocknungseffekt kann so nicht entstehen, warum auch? Die Oberfläche des Fundamentes beträgt nur einen Bruchteil der Oberfläche der Bodenteilchen, also Sand- und Kieskörner. Ergebnis: Du würdest Kondenswasser in die oberen Bodenschichten leiten, also nix mit Trocknen.
Im Winter würde kalte, aber trockenere Luft die Temperatur im Boden absenken und etwas Feuchte abtransportieren.
Aber kalte Luft ans Fundament führen, das ja deshalb so tief liegt, damit es frostfrei bleibt, ist doch blöd, oder?

3.Und nicht zu vergessen Dein Dränrohr:
Bei jedem Regen würde es sich mit Wasser füllen. Die Funktion einer Dränung ist, die Kellerwand drucklos zu halten, allenthalben noch in der Melioration Grundwässer abzusenken.
Bei jedem stärkeren Regen funktioniert Dein Rohr als Bewässerungsleitung für das Fundament!

Zuletzt ein Vorschlag zur Güte:
Lass die Gleichgewichtsfeuchte im Boden und im Fundament so, wie sie ist.

Leg Dein Dränrohr, schließ einen Lüfter an, lass aber eine oberirdischen Zuftöffnung.
Die angesaugte Luft kannst Du über eine Luftleitung ins Schlafzimmer führen. Wenns mal wieder Abends zu heiß zum Einschlafen ist, Knöpfchen drücken, ein paar m³ Luft, die statt 28°C nur 22 °C haben wirken Wunder!

Viele Grüße
Georg