Fachwerk erneuern

23.11.2004



Hallo,
Ich beabsichtige ein Fachwerkhaus zu kaufen, dessen Fachwerkrückseite stark lediert ist. Es sieht hier so aus, als müssten die Balken auf 3 Meter Höhe und 10 Meter Länge ausgetauscht werden. Um die Sanierungskosten zu planen und einen groben Ablaufplan zu erstellen, bräuchte ich als erstes eine grobe Einschätzung der Kosten dieser Wand.
Wer von ihnen hat schon ähnliche Baustellen gehabt und könnte mir so eine grobe Zahl nennen, mit der ich ungefähr rechnen kann? Ich brauche erstmal keinen konkreten Kostenvoranschlag.
Eigenleistung würde ich natürlich auch erbringen, wie z.B. Gefache leeren und wieder füllen etc...

vielen Dank,
Olaf Sacher



Fachwerkwand erneuern



Bei uns (Sachsen-Anhalt) kostet der Abbund Fachwerk im Altbestand incl. Anschlüsse an bestehendes Fachwerk um 33,00 € (brutto), zzgl. Bauholz, Baustelleneinrichtung u.s.w. Dazu kommen natürlich notwendige weitere Arbeiten, die aus der Ferne nicht zu beurteilen sind.

Wir empfehlen auf jeden Fall die Begutachtung durch ein Planungsbüro oder Fachmann, welche dann auch die Gesamtmaßnahme überschauen und entsprechend beraten können.



Fachwerkreparatur



Guten Tag
nach Durchsicht meiner Literatur komme ich auf folgende Kostenschätzungen: Fachwerk, Tragkonstruktion instandsetzen, Erneuerung von Holzteile in Nadelholz 12 x 14 cm (besser wäre 14 x 16) Schwellen, Sohlen, Riegel, Stützen, icl. Ausbau, Schuttbeseitigung, Beiarbeiten der Ausfachung und Beiputz.
ohne Abfangung von 53 - 67 €/m.
mit Abfangung von 109 bis 150 €/m.
Nach m² sehen die Preise wie folgt aus(incl. komplette Ausfachungen)
112 bis 156 €/m² mit Ziegelausfachung und Nadelholz.
118 bis 154 €/m² mit Lehmsteinausfachung und Nadelholz.
Preise mit Hartholz könnte ich auch geben falls gewünscht.
Mit freundlichen Grüßen





vielen Dank für die ersten 2 Antworten. Um den Fall aus der Ferne ein wenig zu konkretisieren:
Es ist ein 2 geschossiges Haus, die hintere Wand ist eine Fachwerkwand, wo sich die Balken schon durchbiegen und sich dadurch die komplette Wand absenkt, dadurch gibts natürlich auch diverse Risse im Haus, da die Balken der Decken ja auf der Aussenwand liegen.
Das Fachwerk sieht halt so aus, als müßte das komplette erste Geschoss erneuert werden. Dies wären die ca. 30m², die ich erwähnte.
Was die Holzart angeht, so wäre Hartholz sicher die länger währende Variante, allerdings kenne ich den Preisunterschied nicht. Wie hoch ist dieser denn? Und wie unterschiedlich ist die Lebensdauer? Wenn auch das Nadelholz wieder 100 Jahre hält und dafür die Hälfte kostet...
So wie ich aus Ihrer (Herr Hamesse) Antwort sehen kann, könnte die Sanierung der Wand also 3000-5000 € kosten. Vielleicht auch ein bischen mehr, aber in diesem Rahmen? Wie gesagt würde ich auch noch Eigenleistung erbringen.
Nochmals vielen Dank für die Antworten, das Hilft schon ein bischen weiter.

mit freundlichen Grüßen,
Olaf Sacher



Fachwerkwand sanieren



Guten Tag Olaf Sacher

Es ist erstmal zu ermitteln Wieviel laufende Meter Abbund in der Fachwerkwand sind und dann sind noch folgende Punkte zu beachten
1. Deckenbalken Anschlüsse
2. Bruchsteinmauerwerk
3. Abstützungsmaßnahmen wie werden diese ausgeführt
4. welche Holz in Holzverbindungen werden hergestellt
5. Befestigungsmittel wie z. B. Holznägel
6. welche Holzart wird verwendet Eiche oder Fichte oder Holz in Zweitverwendung
7. Gefachausmauerung Lehmsteine oder Ziegel
8. außen und Innenputz
9. Innendämmungen
10. Installationen und und und
diese Punkte sollte man im Vorfeld klären damit man ein ungefähren Preis angeben kann es wäre vielleicht sehr hilfreich wenn sie ein Foto von der geschädigten Wand hier ins Forum stellen.

Ich glaube es wird ihnen nichts nützen
wenn man jetzt schreibt der Quadratmeter fertige Fachwerkwand inkl. der Ausfachung und aller Nebenarbeiten kostet zwischen 450 und 850 € pro Quadratmeter Sie sehen hier sind natürlich sehr große Unterschiede aber das ist so bei einer Schätzung ohne genaue Angaben





Guten Tag Andreas Vollack,
Erst einmal danke für die Auskunft.
Einige Fragen kann ich schonmal beantworten, aber die erste Frage muss ich mal gleich stellen. Wie kommt es, dass so große Unterschiede bei den Angaben hier entstehen?
Vielleicht habe ich aber auch die Aussage Von Herrn Hamesse falsch interpretiert(max. ca. 156€ pro m²).
Jetzt zu ihren Fragen:
Foto habe ich leider nicht mehr von der Wand, ist verloren gegangen, ich werde mich aber schleunigst um neue Fotos mit Details von der Wand bemühen. Nur so viel schon mal, es handelt sich um eine zweifach verriegelte Fachwerkkonstruktionen mit Ziegelausfachungen.
- zu den Deckenbalken, die meisten sahen noch ganz gut aus. Sind sichtbar von aussen auf den Querbalken.
- Abstützungsmaßnahmen. Kann ich vielleicht schon vorher vornehmen. Müßt ich mich natürlich erstmal kundig machen, wie man das macht. Rumfuschen wäre da sicher die falsche Maßnahme ;-)
- Bruchsteinwand? Sieht nicht so aus. Nur das Fundament ist mit Feldsteinen errichtet.
- Holzverbindungen werde ich auf den Fotos versuchen sichtbar zu machen.
- Was die zu verwendende Holzart angeht, so würd ich natürlich die günstigste Variante anstreben. Wenn ich an gebrauchtes Holz käme, warum nicht. Dazu vielleicht noch: Auf dem Grundstück steht eine teils eingefallene Scheune, vielleicht kann man Holz von dieser verwenden. Sie ist so aufgebaut: ca. 2,5 Meter gemauert (Ziegel im Reichsformat)darauf ca. 1 Meter Fachwerk, danach das Dach (was davon übrig ist). Teile der Scheune wollte nach Möglichkeit stehen lassen, die restlichen Baustoffe für das Haus nutzen.
Wie gesagt, die Gefache sind mit Ziegel (auch Reichsformat) ausgemauert. Hier würde ich die Gefache selbst leeren und auch wieder selbst ausmauern, um die Kosten zu senken.
Auch die Innendämmung un den Innen-und Aussenputz würde ich selbst übernehmen wollen.

so, ich hoffe ich konnte das Bild schon etwas genauer zeichnen und vielleicht hilfts die Kosten pro m² etwas genauer zu bestimmen. Ja und ganz besonders würde mich der Unterschied von 156€/m² zu 450€ und 850€ interessieren.
Danke schonmal
Olaf Sacher



Fachwerk erneuern



Jetz kommt man langsam ins Eingemachte! Aber erst noch eine Frage: Es scheint dass das OG abgesackt ist, wie ist es dann mit dem EG?
Die Preisunterschiede beruhen auf mehrere Faktoren: 1. Die regionale Faktoren. Der Preisindex im Baugewerbe variiert in Deutschland von 0,8 bis 1,23 je nach Region. D.h. eine Differenz von 43% zwischen Niedrig- und Höchstpreise.
2. Der Unterschied des Materials. Eiche kostet mehr als Nadelholz, und hier gibt es wieder Qualitätsmerkmale: Sog. Mondphasenholz ist Teurer als "normales" Holz.
3. Bearbeitungsunterschiede. Eine große Abbundfirma mit KVH arbeitet preiswerter (oder billiger) als einen guten Dorfzimmerer der sein Holz richtig aussucht und nach Zimmermannsmethode einbaut.
Ich habe in meine Preislisten weiter gestöbert und fand heraus das eine "Fachwerkwand aus Hartholz, mit ausgesteiften Holzverbindungen, mit Ausfachung aus Strohlehm auf Stakung, d = 15 cm und eine innere Leichtlehmschale im Verbund" bis 396 € / m² kosten kann.
Dies ist ein Preis nach DIN 276, Kostengruppe 331 (trag. Außenwände).
Der Preis hängt von Ihrer Region ab und ob sich dort einige Zimmereien befinden, bei welchen Sie nach Angebote fragen können. Das komplexe Gefüge einer Fachwerkwand lässt sich nicht pauschallieren. Aber Hinweise und Schätzungen sind am Anfang immer Gut, auch wenn die Sache verwirrend aussieht.
m.f.g





ok, vielen Dank. Ich werd ja eh nicht drum herum kommen, einen Zimmermann zufragen. Aber eine ungefähre Vorstellung hab ich ja schonmal. Wie groß sind denn die Preisunterschiede bei Hartholz und Nadelholz? Und was ist Mondphasenholz?

Grüße,
Olaf Sacher



Fachwerk



Hierfür muss ich mich eine andere Literatur bedienen, die folgende Preise sind allerdings für den Neubau gedacht.
Beispiel Bauschnittholz NH 14/14 S 10 Gkl II (Fehlkantig)liefern: 205 bis 282 €/m³.
Beispiel Bauschnittholz Eiche 20/20 S 10 Gkl II (Fehlkantig)
liefern: 720 bis 865 € / m³.
Abbund für sichtbare Holzteile, max 20/20: 5,20 - 9,50 €/m.
Wie vor jedoch für Holzteile max. 16/16: 6,10 bis 11,80€/m.
Für Abbund und Einbau scheint es egal zu sein ob NH oder Eiche, nur bei der Lieferung nach m³ ist die Differenz groß.
Dazu kommen Abbruch, Anpassungen, Abfangung, Kleinholz, Ausfachung, Gerüst, etc...
Mondphasenholz ist, kurz gesagt, Holz dass an einer bestimmten Zeitpunkt geschlagen wird und 3 Monate lang mit Wipfel nach unten liegen gelassen. Bevorzugt sind die Wintermonate. Dieses Holz ist, vermutlich durch ihre geschlossene Strukturen, resistent gegen Ungeziefer und es bleibt stabil. Aber es gibt ganze Bücher darüber...
m.f.g.



Abstützung



Hallo,
So wie es aussieht, gehts mit dem Kauf schon wieder etwas vorran. Allerdings kommen mir große Zweifel, weil mir auch der eine oder andere Freund rät, lieber die Finger davon zu lassen, da das Haus nach viel Arbeit und Ärger aussieht. ;-)
Eine wichtige Frage kommt bei der Fachwerkwand auf: Wie kann man die Wand abstützen, ohne den ganzen Dachstuhl etc. abzunehmen? Der Dachstuhl ansich sieht nämlich noch gut aus und die zusätzlichen Kosten wären nicht tragbar. Der Bau soll nach und nach stattfinden.
Wird das Haus einfach innen über die beiden Stockwerke abgestützt?
Und wie gut läßt sich das Absacken der hinteren Fachwerkwand korrigieren?

viele Grüße aus Liebenwalde
Olaf Sacher



Fachwerkfassade



Hallo,
Es sieht zwar etwas abenteuerlich aus, das Haus auf Stelzen zu setzen um eine Fassade zu renovieren, ist aber für eine gute Zimerei kein Problem. Innen werden die Deckenbalken gestützt, damit auch den Dachstuhl, außen werden Streben an das Haus gesetzt damit die freie Bereiche nicht umkippen.
Das ist der Vorteil des Fachwerkes gegenüber Mauerwerk, es arbeitet wie ein Gefüge. Was Ihre andere Frage betrifft, müssten Sie einen Fachmann vor Ort Fragen, dass er Sie eine ausführliche Liste der Arbeiten aufstellt zusammen mit eine Kostenschätzung nach Gewerke oder Bauteile (nicht Pauschal nach m² NFL oder m³ UBR). Umso ausgiebig diese Arbeit ist umso wenig gibt es grosse Differenzen am Ende zwischen Schätzung und reale Summe.
m.f.g.



Abfangen und Sichern des Fachwerkgefüges!





Abfangen und Sichern des Fachwerkgefüges!



Hallo Olaf Sacher,

kann meinem Vorredner nur zustimmen!
bei der Sicherung und Abstützung des Fachwerkes sollte man sich unbedingt fachlichen Beistand hinzunehmen!
Erfahrungen retten in den meisten Fällen auch Leben!
Also bevor man irgendetwas an den Wänden oder der Balkenlage verändert, das Fachwerkgefüge sichern und abstützen! Auch sollte man die Innenwände und Giebelspitzen mit einbeziehen, also verschwertern!

Holz her Holz her

Michael



also Abstützen geht...



Das is ja schon mal eine gute Nachricht. Vielen Dank. Allein werde ich das natürlich nicht machen. Da muss ein Fachmann ran. Ich kann da höchstens helfend zur Seite stehen. Man will ja nicht, dass einem das Haus auf den Kopf fällt ;-)

danke erstmal
Olaf Sacher