Angelaufene Fensterscheiben trotz Lehmwände und Wandheizung

01.12.2010



Hallo Fachwerkfreunde,

wir haben unser Fachwerkhaus kpl. ökol. und diffusionsoffen saniert. D.h. im Falle unseres bewohnten Fachwerkgeschosses im OG, dass die Außenwände aus einer 11er Fachwerkwand, welche mit einer Innendämmung - 24er Holzhackschnitzel/Lehmvorsatzschale mit in Lehmputz verlegter Wandheizung versehen sind, bestehen. Sowohl die Außen- als auch die Innenfarbe ist ein diffusionsoffener Anstrich. Die Geschossdecken sind ebenfalls alle gedämmt.

Wir wohnen nunmehr seit einem Jahr in unserer Wohnung. Alle Nebenräume im EG, teils im OG, beheizen wir im Winter mit.

Jetzt wo die Heizperiode angefangen hat und die Temperaturen im Außenbereich auf Minusgrade gefallen sind, stellen wir fest, dass unsere Isolierglas-Holzfenster (U=1,3) ständig angelaufen sind. Da wir eine Sprossenaufteilung mit 8 Feldern haben, sammelt sich auf jeder Sprosse das Wasser und wir müssen diese ständig abwischen. Unsere Raumtemperaturen liegen im Durchschnitt bei 20°C. Gelüftet wird regelmäßig.

Was könnte eine mögliche Ursache dafür sein, dass trotz gedämmter Lehmwände, einem diffisonsoffener Wandaufbau und den Isolierglasfenstern, die Fenster ständig wieder beschlagen?

Ich bedanke mich im Voraus für Eure Antworten.
Katrin



Kondensat



1. Wie hoch ist die rel. Luftfeuchtigkeit bei 20°C?
2. Was heißt: "Gelüftet wird regelmäßig?
3. Bitte den Wandaufbau etwas genauer, (Schichtstärken)
4. Sichtfachwerk?
5. Womit ist das Fachwerk ausgefacht?
6. Gibt es Räume in denen die Fenster mehr beschlagen als in anderen?

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



24 cm



Lehmvorsatzschale und dann Wandheizung in Lehmputz? Das sind fast 30 cm Lehm, der wird in einem Jahr mit grosser Wahrscheinlichkeit noch nicht komplett durchgetrocknet sein. Allerdings waren eure Dämmassnahmen so erfolgreich, dass die Fensterscheiben jetzt die mit Abstand schwächste Stelle darstellen, an der das Kondensat ausfällt. Verstärkt stosslüften und fröhlich weiterheizen. Erst wenn´s im nächsten Winter wieder auftritt, würd ich mir Gedanken machen.
MfG
dasMaurer



Lehm alleine hilft wohl nicht ...



Mein mit Lehm und Wandheizung neu aufgebautes DG zeigt den gleichen Effekt. Beide Zimmer sind Kinderzimmer. Früh morgens ist ein Menge Kondenswasser innen in den Fenstern und sogar teilweise gefroren im Fensterfalz zwischen Rahmen und Flügel. Die Zimmer sind halt mächtig dicht geraten.
Da sich nachts schlecht lüftet, steigt die Luftfeuchtigkeit wohl stärker an, als der Lehm wegpuffern kann.
Einmal trockenwischen und querlüften - gut ists, bis die Kids abends wieder ins Bettchen steigen.

Ich habe mich damit abgefunden.



Lüftung



Hallo Katrin,

wenn die Außenwände mit Wandheizung belegt sind, wird zumindest der obere Bereich des Lehms durchgetrocknet sein.

Der diffusionsoffene Wandaufbau hat mit diesem Problem nichts zu tun. Die Fenster sind einfach so kalt, dass der Taupunkt unterschritten wird.

Denkt mal über den Einbau einer Lüftung nach. Bayernlüfter z.B.

"Regelmäßig lüften" ist uneffektiv und teuer.

Viele Grüße
Wolfgang



Danke an alle die geantwortet haben!



@ Herr Konmayer:
Die genaue Luftfeuchtigkeit im Raum, kann ich leider nicht definieren, da wir kein Hygrometer besitzen. Die Luftfeuchtigkeit kommt mir aber gefühlsmäßig nicht sehr hoch vor.

Ich denke, dass wir noch etwas an der Lüftungsintensität machen können, 1x am Tag längeres Stoßlüftung und ansonsten nur mal kurz, reicht wahrscheinlich nicht aus.

Wandaufbau von außen nach innen:
ca. 11,5cm Fachwerkwand - Staken mit Strohlehm
20cm Holzhackschnitzel/Lehm Vorsatzschale (Rohdichte ca.800kg/cm³)
Wandheizung in 3cm Lehmputz
U-Wert ca. 0,6 W/(m2K)

Die Fenster beschlagen in allen Räumen gleichermaßen!

@ Herr Warnecke:
Die Vorsatzschale hatte ausreichend Zeit zum Austrocknen, ich denke, dass ist nicht das Problem.
Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass durch die Wandheizung die "Feuchtigkeit", welche sich im Herbst in den Wandoberflächen gesammelt hat bzw. durch den Lehm aufgenommen wurde, nunmehr am Anfang der Heizperiode aus den Wänden gedrückt wird und sich an der schwächsten Stelle den Fenstern (wie von Ihnen bereits erwähnt) niederschlägt. Ich kann mich im Dunkeln daran erinnern, dass wir letzten Winter das gleiche Problem hatte und es sich nach einer gewissen Zeit gelegt hat.


Ich denke, wir werden uns mal ein Hygrometer zulegen, um erstmal zu prüfen, wie hoch die Luftfeuchtigkeit wirklich ist und noch etwas "mehr" durchlüften.

Könnte es event. auch sein, dass etwas mit dem K-Wert 1,3 W/(m2K)der Fenster nicht stimmt? Wie kann ich dies prüfen?





Hallo Katrin,

ich denke da kommen verschiedene Dinge zusammen.

Zum einen liegen die rechnerischen U-Werte ausreichend weit auseinander um sagen zu können, dass die Fenster hinsichtlich dieses Wertes die "schwächeren" Bauteile sind, tiefer abkühlen als die Wände, und somit Kondensat hier ausfällt und weniger in den Wänden. Dies ist auch gut so und ist ein Hinweis vermehrt zu lüften.

Es kann durchaus sein, das in der Übergangszeit vor dem Anschalten der Heizung eben auch Feuchtigkeit in den Wänden ausfällt, was aber kein wesentliches Problem darstellen sollte. Diese Feuchtigkeit wird mit dem Anschalten der Wandheizung über einen gewissen Zeitraum vermehrt aus der Wand getrieben und fällt eben am Fenster aus.

Der Trick beim Lüften ist nicht die einmalige Stoßlüftung, sondern die mehrmalige. Am wirksamsten ist eine kurze Stoßlüftung, bzw. bei höherem Feuchtegehalt mehrere. Aber: Der Abtransport, der von der ausgewechselten Luft aufgenommenen Feuchtigkeit, geschieht immer erst mit der nächsten Stoßlüftung.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Kondensat am Fenster



Hallo!
Aus lebenspraktischer Erfahrung kann ich sagen:

Kondensat fiel in meinem Elternhaus an, es fiel in meinem Haus mit alten einfachverglasten Fenstern und fällt mit den neuen doppeltverglasten Fenstern an. ...Nur daß es jetzt nicht mehr gefroren ist.

Ich werde weiterhin damit leben.
Gruß P



Damit Leben...



ist sicherlich richtig, aber man kann zumindestens ein wenig dagegen tun bzw. etwas dagegen unternehmen! Ich könnte mir vorstellen, dass die ständige Feuchtigkeit nicht gut für die Holzfenster ist.

Ich habe gestern einen interessanten Artikel eines hier im Forum bekannten Bauingeneurs gelesen und kann dies hier

"Der Trick beim Lüften ist nicht die einmalige Stoßlüftung, sondern die mehrmalige. Am wirksamsten ist eine kurze Stoßlüftung, bzw. bei höherem Feuchtegehalt mehrere. Aber: Der Abtransport der von der ausgewechselten Luft aufgenommenen Feuchtigkeit geschieht immer erst mit der nächsten Stoßlüftung."

rein aus der Logik heraus beständigen und werde meine Lüftungsgewohnheiten entsprechend anpassen. Ein Versuch ist es wert!



Damit Leben ...



ist sicherlich richtig, aber man kann zumindest ein wenig dagegen tun bzw. etwas dagegen unternehmen! Ich könnte mir vorstellen, dass die ständige Feuchtigkeit nicht gut für die Holzfenster ist.

Ich habe gestern einen interessanten Artikel eines hier im Forum bekannten Bauingenieurs gelesen und kann dies hier

"Der Trick beim Lüften ist nicht die einmalige Stoßlüftung, sondern die mehrmalige. Am wirksamsten ist eine kurze Stoßlüftung, bzw. bei höherem Feuchtegehalt mehrere. Aber: Der Abtransport der von der ausgewechselten Luft aufgenommenen Feuchtigkeit geschieht immer erst mit der nächsten Stoßlüftung."

rein aus der Logik heraus bestätigen und werde meine Lüftungsgewohnheiten entsprechend anpassen. Ein Versuch ist es wert!



zu hohe Luftfeuchitgkeit



Ich hatte die gleiche Probleme auch direkt nach der Renovierung. Hab hier mal gelesen das die Feuchtigkeit irgendwie raus muss. Kannst dann dauerhaft die obere innere Gummilippe rausnehmen und die untere außere Gummilippe. Somit findet immer ein minimaler Luftaustausch statt, ohne das es mächtig zieht.
Ich hab sie nicht rausgenommen, sondern die Fenster nicht ganz geschlossen, also den Griff nicht ganz runtergemacht, das hat schon geholfen!! Selbst eben ausprobieren wieviel Luft entweicht.



Das kann...



...auch ganz schnell zu Schimmel und Kondensat im Falz führen. An den Dichtungen würde ich keinesfalls 'rumspielen.

Grüße

Thomas





Genau. Tauwasser an den Scheiben ist eine sichtbare Ermahnung zum Luftwechsel. An Rahmen und Glas bemerkt man dies und kann entsprechend Lüften und wischen. Bei Tauwasserausfall in der Falz kann das unbemerkt schimmeln und auch faulen.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer





Gleiches Gebäude, nächste Kälteperiode. Inzwischen werden erste Verfärbungen in den Fügungen sichtbar.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Randverbund



Hallo zusammen,

die Fenster mit einem U-Wert von 1,3 sind zwar schon gut, aber wichtig ist auch die Ausführung des Randverbundes beim Fenster (Einbindung des Glases in den Rahmen). Das Tauwasser fällt immer an der schwächsten Stelle aus - Sie werden selten Tauwasserausfall auf der gesamten Scheibe haben. Inwieweit Ihre Fenster einen guten Randverbund aufweisen - kann ich nicht beurteilen - dort herrschen die tieftsen Temperaturen. Bei noch besseren Fenstern besteht ebenfalls ein besserer Randverbund. Bei einem U-Wert von 1,3 werden Sie auch durch die beste Lüftungsanlage nicht um einen Tauwasserausfall bei hohen Minusgraden herumkommen. Falls Sie einen Bauingenieur oder Architekten bei der Hand haben, dann sehen Sie sich bitte mal die Tabelle "Taupunkttemperatur in Abhängigkeit von Temperatur und relativer Feuchte" an. Dort können Sie ganz einfach und schnell den Tauwasserausfall logisch nachvollziehen. Mildern würde sich dieser Umstand - wären direkt unter den Fenstern Heizkörper - dann würde die warme Luft gleich mehr Feuchtigkeit aufnehmen können bzw. das Fenster an sich wäre durch die anströmende Luft wärmer und die Taupunkttemperatur höher. Aber Sie haben ja eine Wandheizung und müssen versuchen das Problem mit ihren Gegebenheiten zu mildern. Viel Glück dabei.

Gruß aus der Lausitz



Schwierig



Generell schwieriges Thema. Wir haben leider das gleiche erfahren - bei unseren Holzfenstern tropft regelrecht das Kondensat! Viel Lüften hilft da sehr, was im Winter leider ein bisschen schwierig ist. Am besten man wendet sich mal an den Experten. [url=www.hessl.at]Hier[/url] eine sehr gute Adresse!