Dämmung, woher kommt die Feuchtigkeit?

03.07.2008



Die Materialien wie Holzweichfaserplatten und Steinwolle sind bevorzugt für die Fachwerksdämmung von ausen, da sie die Feuchtigkeit von innen nach ausen durchlassen.
Woher kommt die Feuchtigkeit und wohin geht die Feuchte, wenn ich auf die Dämmung einen Putz aufbringe der noch mit Farbe bestrichen wird und so das Haus wieder in eine "Plastiktüte" verpackt?
Wer kann mir bei meinem Unverständnis weiterhlefen?

Danke
Gruß
Klaus



moin,



die im Sytem verwendeten Materialien müssen aufeinander abgestimmt sein, sonst macht das alles ja keinen Sinn. Will heissen wenn wir ein offenes System verwenden muss natürlich auch der Putz und die Schlussbeschichtung die gleichen Eigenschaften aufweisen.
Alles klar?



WDVS



Wenn Sie keine Eigenkreationen entwickeln, sich einen guten Fachbetrieb zur Seite stellen und von den Holzweichfaserherstellern zugelassene WDVS-Systeme einsetzen, kann eigentlich nicht mehr viel schief gehen.
Die Putze (Kleber), Anstriche sind auf die Holzweichfaserplattendifussion abgestimmt und ermöglichen, dass die Kapillarfeuchte ungehindert hindurch kann und abgelüftet wird.
Die Feuchte entsteht durch Temperaturunterschiede und durch die Gebäudenutzung (Atmung, Kochen, Waschen, Pflanzen,eben alles, was Feuchte hervorruft!).

Atmende Grüße
Udo Mühle



Dampfdruckgefälle



Hallo Klaus,
Das Dampfdruckgefälle geht immer von der warmen zur kalten Seite. Der "Motor" ist die Temperaturdifferenz.
Im Extremfall würde der Aussenanstrich Blasen werfen ,
so groß ist der Dampfdruck.
Viele Grüße



und wenn ich lüfte?



Ich habe nun schon vielen Handwerken gehört, dass ich mein Haus genügend Lüften muss um Schimmel zu vermeiden.
Ich plane auch eine abluftanlage in Küche und Bad zu instalieren, welche die feuchte Luft aus den räumen zieht.

Die Innenseite der Ausenwände plane ich zum mit Kalkzement zu verputzen. Diese nimmt auch Feuchtigkeit auf und giebt diese wieder an den Raum ab, und nicht durch die Wand ins Freie wenn ich das richtig verstanden habe.

Zudem planen wir einen Holzofen, als Zusatzheizung für dei Wärmepume zu betreiben, welche ja auch Luftfeuchtigkeit reduziert.

Unser Haus ist zum Teil Fachwerk. Der Anbei ist aus Unipor (Poroton) gemauert.



Ihre Putzentscheidung...



...geht in die falsche Richtung!
Kalkzementputz verhält sich leider nicht so, wie Sie es wünschen.
Auch auf die Fachwerkwandbereiche diesen zu verarbeiten, sehen wir als eher sehr kritisch an.
Er ist zu starr und außerdem ein sehr schlechter feuchteregulator.
Hier eigenen sich reine Kalkputze wesentlich besser.
Z.B. die von Hessler Kalk.
Ihre Herangehensweise an die Situation Feuchteregulierung/Difussionsverhalten ist leider nur von schwachen Eltern und zeugt von wenig Sachverstand.
Und was die bisherigen Handwerkerantworten:
Zitat von Ihnen: "Ich habe nun schon vielen Handwerken gehört, dass ich mein Haus genügend lüften muss um Schimmel zu vermeiden." betrifft, so sind Sie eben nicht von guten fachkundigen Personal umgeben gewesen.
Bei richtiger Herangehensweise, richtiger Materialauswahl (Lehmputze/Kalkputze für innen), benötigen Sie weder eine technische Investition für Abluftanlagen und u.U. auch keinen Beistellverbrennungsofen.
Trotzdem bedarf es einer guten fachlichen Begleitung Ihrer Lösungsfindung, die nur durch eine Begehung mit Ihnen am Objekt erarbeitet werden kann.
Sonst wird es eine Odyssee, die dem Hause sicherlich nicht gut tun wird.
Hier ein Plattformer aus Ihrer näheren Region, den Sie sicherlich zu Ihren Fragen konsultieren könnten.

Treffinger Fachbetrieb für Denkmalpflege
Jürgen Treffinger

75038 Oberderdingen
Tel.: 07258-930080
Fax : 07258-930079
eMail: info@sanierungs-treffinger.de

Zu weiteren Fragen stehe ich Ihnen ebenfalls gern mit Rat und Tat telefonisch zur Verfügung.

Handwerklicher Gruß
Udo Mühle



Darüber wurde schon 1000x im Forum debattiert



Das Problem ist, dass heute keine richtige Fachberatung mehr zu finden ist. Die Hausbesitzer verlassen sich auf die Ausagen der unkompetenten Baumarkt-Mitarbeiter, irgendwelcher Schwarzarbeiter oder auch Handwerksmeistern, die ausschließlich moderne Baustoffe verarbeiten können und von Bauphysik keine Ahnung haben. Klaus sollte sich mit entsprechender Literatur aus dem Öko-Bereich, speziell Fachwerkbereich eindecken und einen Naturbaustoff-Verarbeiter aus seiner Nähe kontaktieren.





Hallo Herr Jaißle,

Zur erste Frage: Wie kommt die Feuchtigkeit in die Wand? Ganz so einfach ist dies nicht beschrieben, da es mittlerweile so viele Möglichkeiten auf Grund der vielen Materialien und der Baumängel gibt. Kurz und knapp und grob kann man jedoch sagen (und sich dies sinnbildlich vor Augen führen), dass z.B. auf Grund eines Temperaturgefälles die wärmere Luft zur kälteren fließen und sich entspannen möchte. Gleichgerichtet der dem Fluß (Richtung) der Temperatur ist immer der Fluß (Richtung) der Feuchtigkeit (es gibt wenige Ausnahmen). Also wenn es innen warm ist und sie die entsprechenden Baustoffe haben, die es zulassen, geht mit dem Ausgleich der Temperatur immer etwas Luftfeuchtigkeit in die Wand. Laut Untersuchungen und nach alten Baumaterialien und alten Lüftungsgewohnheiten sind es glaube ich ca. 2 – 4 % der im Raum anstehenden Feuchte, was durch die Wand nach außen wandert. Wenn wir uns vor Augen führen was diese 2 – 4 % an realistischen Schäden verursachen ist diese Größenordnung schon sehr gewaltig. Ich schätze bei den heute schlechten Lüftungsgewohnheiten und dichten Fenstern wird die %-Zahl sicher etwas gestiegen sein. Aber egal. Wichtig ist zu beachten, dass die Feuchtigkeit nicht nur per Dampfdiffusion durch die Wand wandert, sondern auch kapillar weitergeleitet wird. Und das letztere ist die wichtigere Eigenschaft. Stellen sie sich vor sie sind jetzt das Wasser (egal ob in dampf- oder flüssiger form), sie treffen auf die Oberfläche kondensieren zu gewissen teilen aus und wandern als Dampf und kapillares Wasser weiter durch die Wand. Es kann spannend sein. Was würden sie machen, wenn sie auf die Holzweichfasern treffen, und was wenn sie in den Putz eindringen und auf einmal auf eine Schicht treffen die es Ihnen nur sehr schwer erlaubt in beiden Formen weiter zu marschieren. Sie als Wasser im Material werden sich dagegen wehren. Neue Putze sind meist wenig kapillar leitfähig, also geht es nur per Dampfform weiter. Und dann kommt die dichte Farbe. Putz und Farbaufbauten habenteilweise einen Diffusionswiderstand von bis zu über 200. Ihre Holzfaserweichdämmung hat einen Wert von lediglich nur ca. 5. ist Ihnen der Begriff Diffusionswiderstand bekannt (grob: Widerstand, den der Baustoff dem Wasserdampf auf einem Meter entgegensetzt, um durch ihn hindurchzugehen, im Verhältnis zur Luft). Letztlich verbleibt immer ein Teil in der Konstruktion.

Zur zweiten: wie können Sie sich weiterhelfen. Auch hier ganz grob ohne das Objekt zu kennen: Bauen Sie so diffusionsoffen wie nur möglich und vor allem mit kapillar wasserleitenden Baustoffen. Meine Meinung: wenn Sie dämmen, dann nur außen mit einer Holzverschalung auf der Wetter- und der Nordseite. Sieht auch bei einem Fachwerkhaus schöner aus. Zumal es verhindert effektiv die Grün- und Schwarzverfärbung an gedämmten Fassaden!

Zur Dritten: ein richtiger Fachmann (Architekt oder Bauingenieur) der eine gute Vorortberatung durchführt und der sich umfassend mit der Bauphysik und logischer Weise zwangsläufig mit der Baubiologie auskennt. Hier können Sie nur gewisse Informationen auffassen und selbst auswerten und den Bezug zu Ihrem Objekt herstellen. Ob dies auf Ihr Haus jedoch auch im detail zutrifft sollten Sie durch einen unabhängigen Dritten prüfen lassen. Man kann schnell viel falsch machen. Leider gibt es heutzutage wenig Firmen, die sich wirklich umfassend mit der Bauphysik richtig gut auskennen. Alle hier beteiligten könnten sicher die eine oder andere Schote erzählen.

Ich drücke Ihnen die Daumen
Und viel Spaß
Michael reisinger



nächster Versuch



Danke für die vielen Rückmeldungen.
Die zitierten Aussagen stammen nicht von Baumarksmitarbeitern sondern von professionellen Handwerken. Ja aber da kann ich zustimmen.
Ich hab den Eindruck dass es auch unter denen nicht viele gibt die sich auskennen! Was arbeitet die dann überhaut in dem Bereich wenn die nur ihr 0815 Varianten haben?
Ihr seht, mich hat das ganze schon viel Zeit und Nerven gekostet, da ich nun endlich eine Entscheidung treffen muss/will. Ich denke, dass ich nun einen Handwerker gefundne haben der sich mit der Materie auskennt. Nächst Woche werde ich nochmals einen Termin mit einem Fachmann haben der mir hier bei Fachwerk.de vorgeschlagen wurde.

Frage noch an Michael: du hast in deinem Profil stehen, dass man auf Ziegel verzichten kann. Warum? ist Ziegel (Poroton, HLZ...) nicht ein sehr alter und bewährter Baustoff?
Ich hab ca. 90 % der Sandsteinriegel in den Außenwänden herausgeschmissen und mit HLZ(Kleineres Format) ausgemauert, da die Sandsteine alle zuerst hätten stabilisiert werden müssen mit einem extra Putz, sowohl innen als auch außen? Sag mir, dass diese, nicht die beste Lösung war!





Hallo so schnell wieder,

was sind Sandsteinriegel? Und wo haben Sie was rausgeschmissen? Ich dachte es geht um Dämmung? Sorry aber bitte etwas genauer erklären. Danke.

Ja, ich nehme seit gut fast 10 Jahren keine Ziegel mehr, weil ich von diesem Baustoff nicht überzeugt bin. Zum einen haben wir viel im Sanierungsbereich zu tun, wo der Ziegel z.B. im direkten Kontakt mit den Bruchsteinwänden nicht funktionieren würde, weil er zu viel Wasser ziehen würde. Zum anderen frage ich mich, ob der Ziegel bei so viel Luftanteil sich überhaupt noch Ziegel schimpfen dürfte. Da wir auch bei Neubauten kaum noch Dichtungen einbauen und viele Objekte betreut haben, wo Hochwasser ein echtes Problem ist, kann ich auch dort keine wasserspeichernden Ziegel verwenden. Einmal eingedrungenes Wasser kann auf Grund der „verkehrten“ Kapillarität des Ziegels nur wieder schwer heraus. Und so stand bei einigen Häusern noch Jahre nach dem Elbehochwasser in den Hohlkammern der Ziegel. Zudem sind mir die Formate sehr widersinnig. Auf Grund der anstehenden größeren Wärme an der Außenhaut verwölben sich diese und so kommen die wunderschönen Rissbilder zustande die man in allen Bundesländern schon seit Jahren beobachten kann. Und natürlich wird dies durch die Klebetechnik und die in meinen Augen völlig ungeeigneten Zahnverfugung verstärkt.

Aber Sie haben ja kleinformatige Ziegel verwendet, die bessere Lösung also. Und vielleicht haben sie noch Ziegel, wo die Stege noch etwas dicker sind, so dass wir noch von Ziegel sprechen. Ganz so falsch haben sie intuitiv nicht gehandelt. Haben Sie damit das Gefache ausgesetzt oder nur Wandteile erneuert. Was sind für Putze geplant.
......

Viele Grüße zu später Stund
Michael reisinger



Kalkputz ist



für die Innenwände geplant. Jedoch weis ich den Preis noch nicht und bin am überlegen ob ich nur die Innenseite der Außenwände mit dem Kalk verputzen lassen soll.
Im oberen Stock planen wir eine Wandheizung, da hab ich mich noch nicht informiert welches dazu der richtige Putz ist.

Aber zurück zur der Außenwand,
Die Felder zwischen den Wandbalken waren mit Sandsteinstücken und Lehm ausgemauert. Diese Steine habe ich entfernt um innen wie außen einen besseren Untergrund z.E. für das Dämmaterial zu haben z.A. für den Innenputz.



Kalk vs. Lehm



Die Entscheidungen für die Materialien Kalk oder Lehm hängen stets auch von Ihrem Anspruch ab.
Bei den Kalkputzen ist es leider nicht immer das, was auf der Verpackung steht. Viele chemische (künstliche) Zusätze, die angeblich viele Verbesserungen bringen sollen.
Großanbieter sind damit gemeint und deren Produktpaletten.
Leider auch bei den Lehmputzen haben sich einige der Großproduzenten darauf gestürzt, dem Markt einiges an "Öko" noch abzuringen. Doch hier sind die Materialunterschiede zu wirklichen Lehmputzherstellern noch gravierender!
Die Entscheidung, zu welchem Material sie eher tendieren wollen, sollten Sie durch verschiedene Begehungen in Objekten mit derartigen Materialien ergründen.
Bei Wandheizung macht der Lehmputzaufbau wesentlich mehr Sinn und hat auch klimatische Vorteile.

Schönes Wochende
Udo Mühle



Steinwolle und Lehme



vielen Dank für eure Rückmeldungen.
Die letzten Wochen bin ich vor lauter Hausbauen nicht zum Schreiben gekommen.
Der Tipp mit Herrn Treffinger aus Oberdertingen war sehr gut. Er hat mich mit einem Ökobaustoffhändler (in meinem Ort) in Verbindung gebracht.
Wir werden das Haus ausen mit Steinwolle dämmen lassen und die Innenwände mit Lehm selbst verputzen.

Danke nochmals an alle.

P.s. der Baustoffhändler ist Herr Steinhausen in 74397 Pfaffenhofen 07046 881275





nur als Tipp, sichern sie sich ab, dass Ihnen einer den Vorschlag mit der außenseitigen Mineralwolldämmung unterschreibt. Aller spätestens in 10 Jahren werden Sie die Fassade überarbeiten. Damit Sie dann Diesen auch rechtlich greifen können, sollte dies Ihnen einiges Wert sein, denn die Kosten die in 10 Jahren für die Fassadenüberarbeitung notwendig werden, sind annähern errechenbar und auf 10 Jahre hoch zu multiplizieren. Das wird schon ein Sümmchen sein. (Nur wer schreibt der bleibt). Mit offenen Augen kann man überall die Mängel mit schwarzen und grünen Fassaden ersehen. Und ich hoffe, dass immer Bauherren rigoroser gegen Planungspfusch vorgehen. Auf meiner Homepage ist unter Publikationen/Meißner Amtsblatt dazu einiges beschrieben.

Abendliche Grüße
Michael Reisinger



Bitte keine Steinwolle verwenden!



Außen bitte keine Steinwolle einsetzen.
Hat Ihnen das der entsprechende Naturbaustoffhändler empfohlen?
Wir würden, ohne das Objekt und auch die vor-Ort-Situation zu kennen, eine Holzweichfaserdämmung favorisieren.
Diese in ein Lehmbett homogen angebracht und nachher verputzt oder verschalt, ist sicher nachhaltiger, als die empfohlene Lösung.
Und noch etwas.
Bevor die Außendämmung aufgebracht wird, sollten die Innenwandbereiche fertiggestellt sein, damit die hohe Putzfeuchte abdiffundieren kann.
Stehe auch gern zu weiteren Beratungsgesprächen zur Verfügung.

handwerklicher Gruß

Udo Mühle