Lehmschlagschicht in oberster Geschossdecke

05.04.2013



Hallo,
meine Frage ist: Gilt eine Decke mit einer Lehmschlagschicht im Sinne der EnEv 2009 als ungedämmt?



Ich denke ...



... dass es hier um die Frage nach der Pflicht zur nachträglichen Dämmung geht, oder?

Also:
Es besteht keine Pflicht zur nachträglichen Dämmung, wenn die oberste Geschossdecke oder das Dach bereits über eine durchgehende, allenfalls durch Balken oder Sparren unterbrochene Schicht eines Dämmstoffes verfügt oder die Decke den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2:2003-07 erfüllt. Dieser beträgt 0,90 m²K/W für Decken unter nicht ausgebauten Dachräumen, bekriechbaren oder noch niedrigeren Räumen sowie belüfteten Räumen zwischen Dachschrägen und Abseitenwänden bei ausgebauten Dachräumen bzw. 1,20 m²K/W für Decken und Dächer, die Aufenthaltsräume gegen die Außenluft abgrenzen.

Nach den vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung am 30.07.2009 bekanntgegebenen Regeln zur Datenaufnahme und Datenverwendung im Wohn- und Nichtwohngebäudebestand kann davon ausgegangen werden, dass seit 1969 errichtete massive Deckenkonstruktionen sowie Holzbalkendecken aller Baualtersklassen dem v. g. Mindestwärmeschutz für Decken unter nicht ausgebauten Dachräumen, bekriechbaren oder noch niedrigeren Räumen sowie belüfteten Räumen zwischen Dachschrägen und Abseitenwänden bei ausgebauten Dachräumen entsprechen.

Das heißt, dass Holzbalkendecken mit Lehmschlagfüllungen als gedämmte Decken gelten.


i. V. Dirk Meisinger



Ich denke ...



... daß eine oberste GEschossdecke zu einem nicht gedämmten Dachgeschoss, die lediglich mit einem Fehlboden und einem Lehmschlag verfüllt und vielleicht noch unterseitig mit Heraklithplatten/Putz oder Pliesterlatten/Putz verkleidet worden ist, einen äußerst bescheidenen Dämmwert besitzt, der sich um die 1,6-1,9 W/m2K bewegen dürfte.

Von Mindestwärmeschutz kann da keine Rede sein. Die Dämmung der oberste Geschosssdecke ist die preiswerteste und effizienteste aller energetischen Sanierungsvarianten -vorausgesetzt, man verzichtet dauerhaft auf einen DG-Ausbau.

Zudem geht´s auch nicht darum, sich um jeden Preis um die Anforderungen aus der EnEv zu mogeln und zu rechnen, sondern darum, für sich und das Bauwerk möglichst gute Lebensbedingungen zu schaffen. Dazu gehört auch eine ausreichende Wärmedämmung, die die Taupunktproblematik löst, ungewollte Konvektion im Bauteil verhindert und für den Bewohner eine angenehme Wohnatmosphäre schafft.

Um auf die FRage zurückzukommen: zwei Jahre nach Erwerb des Hauses muss der Käufer die oberste Geschossdecke auf einen Wert von 0,3 W/m2K gebracht haben. Die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme vorausgesetzt.

Aber Gebäudedämmung ist eben mehr als "nur" eine reine Amortisationsbetrachtung.





...und wirtschaftlih ist das, wie geschrieben, in jedem Fall. Also: die nächste heizkostenrechnung kommt bestimmt.

Grüße



Dämmung oberster Geschossdecken gegen unbeheizte Dachräume



Beflügelt durch die in der EnEV 2009 verankerte Pflicht zur Dämmung oberster Geschossdecken gegen unbeheizte Dachräume - Stichwort "Dämmpflicht 2012" - liegt das dämmen oberster Geschossdecken voll im Trend.

Viele Hauseigentümer sind der Meinung, dass mit relativ wenig Einsatz - sowohl finanziell wie auch arbeitsmäßig - mit der Dämmung oberster Geschossdecken gegen unbeheizte Dachräume eine deutliche Verbesserung der energetischen Bilanz erzielt werden kann.
Auch wird häufig davon ausgegangen, dass nur geringe oder gar keine Maßnahmen bzw. Veränderungen am vorhandenen Bestand erforderlich sind.
Was liegt also näher, als in den Baumarkt zu fahren, dort den "passenden" Dämmstoff und bei Bedarf noch Span- oder OSB-Platten zu kaufen, das Ganze geschwind nach Hause zu schaffen und im Kreise der Familie oder mit Unterstützung aus dem Freundeskreis bzw. der Nachbarschaft zu verbauen. - Geht ja ganz fix und macht mit ein paar leckeren Bierchen sogar noch Spaß.

Das kann gutgehen, muss es aber nicht. - Sach- sowie fachlich richtig und damit zielführend ist dieses Verfahren leider nur in den seltensten Fällen!

Was bei der Dämmung oberster Geschossdecken gegen unbeheizte Dachräume nämlich oftmals völlig unbeachtet bleibt bzw. nicht berücksichtigt wird und sich dann früher oder später rächt: Die klimatischen Verhältnisse im Dachbodenraum verändern sich! - Und das hat Folgen, die nicht zu unterschätzen sind!

Hierzu sollte man Folgendes wissen:

In der Heizperiode lassen Decken über beheizten Räumen je nach ihrem Wärmedurchlasswiderstand mehr oder weniger Wärme in darüber befindliche unbeheizte Dachräume durch. Sie wirken dabei quasi wie eine Fußbodenheizung. Folglich herrschen selbst in eigentlich unbeheizten Dachräumen immer höhere Temperaturen als außerhalb der Gebäudehülle, sprich des Daches.
Hinzu kommt, dass die Dachkonstruktion (Dachstuhl, Pfetten, Sparren, Dachlatten, Dachziegel u. a.) durch die vom Luftwechsel unabhängige Strahlungswärme, die die Decke abgibt, kontinuierlich erwärmt wird und daher immer etwas höhere Temperaturen aufweist als die Außenluft.
Andererseits sind ältere Decken nie luftdicht. In der Folge werden über die nach oben strömende warme Luft zum Teil erhebliche Feuchtemengen in den Dachraum eingetragen.
Im Regelfall ist dies alles bauphysikalisch so gut wie nie ein Problem, denn der Dachboden wird praktisch immer - wie vorab erläutert - trockengeheizt und der Luftwechsel durch die Fugen des Daches ist groß genug, um Feuchte auszulüften. - Die Kehrseite der Medaillie ist allerdings ein hoher Energiebedarf.

Wenn nun die "Fußbodenheizung" durch das Aufbringen einer Dämmung außer Betrieb gesetzt wird, hat dies weitreichende Konsequenzen:
Die Lufttemperatur im Dachraum sinkt und die Strahlungswärme entfällt. - Dies wird daran ersichtlich, dass eingetragener Flugschnee erst anfängt abzutauen, wenn die Außentemperatur über den Gefrierpunkt steigt. Auch vereisen die Holzbauteile und die Unterseite der Dacheindeckung rascher und häufiger als früher.

Wenn dann noch der Versuch unternommen worden ist bzw. wird, durch Bekleidungen der Dachunterseite und den Einbau von Isolierglasfenstern und -dachluken die Wärmeverluste noch weiter zu minimieren und gleichzeitig den Eintrag von Staub und Feuchte von außen zu unterbinden, ist der bauphysikalische GAU vorprogrammiert.

Von nun an wird mit der aus dem beheizten Gebäuteteil in den Dachraum zwangsläufig einströmenden warmen Innenluft Feuchte eingetragen, die in Folge des eingeschränkten Luftwechsels nicht mehr ausreichend abtransportiert werden kann und demzufolge frühzeitiger und in größeren Mengen als vorher an kalten Bauteilen kondensiert.
Dies gilt im Übrigen auch bei geringen Feuchteströmen. - Und die hat man eigentlich immer. Zum Beispiel über Dachbodenzugänge wie ausklappbare bzw. faltbare Bodentreppen und Spalten an diversen durch die Decke führenden Bauteilen wie Schornsteinen, Abwasser-, Lüftungsleitungen, Kabeln u. ä.
Das etwas nicht stimmt, wird spätestens dann ersichtlich, wenn sich an Verkleidungen oder Holzbauteilen Schimmelpilzkolonien entwickeln, unter Umständen sogar Wassertropfen oder Vereisungen an der Innenseite der Dachhaut bilden.

Und noch ein Problem:
Während alte Dachfußböden, wie z. B. einfache Bretterbeläge ohne Nut und Feder oder Dielungen, einen regen Luftaustausch zwischen den unter ihnen befindlichen Schichten und dem gut durchlüfteten Dachraum ermöglichen, sind die "modernen" Baustoffe von heute, wie z. B. Span- oder OSB-Platten, relativ luftdicht.
Wird nun auf einem vorhandenen Bodenbelag eine Dämmung und abschließend eine verhältnismäßig luftdichte Abdeckung aufgebracht, können unter dem alten Bodenbelag befindliche Hohlräume nicht mehr ausreichend in vertikaler Richtung be- und entlüftet werden. Lediglich über seitliche Undichtigkeiten oder gar Öffnungen, z. B. an den Traufseiten, findet dann noch eine Belüftung statt und dies ist bei älteren Gebäuden konstruktiv bedingt eigentlich immer der Fall!
Wenn jedoch von den Seiten her Kaltluft einströmt, d. h. die Hohlräume stark auskühlen, kann es in ihnen zur Kondensatbildung kommen. Hohe Holzfeuchte, Fäulnis, Schimmelbildung und schlimmstenfalls der echte Hausschwamm können dann die Folge sein!
In der Praxis ist auch zu beobachten, dass sich die warme feuchte Luft aus den Deckenzwischenräumen, sozusagen den Weg des geringsten Widerstandes suchend, durch Risse und Löcher in den seitlichen Anschlüssen den Weg ins Freie bahnt. Begünstigt durch den beim Austreten entstehenden Druckabfall kondensiert die Feuchtigkeit dann schlagartig an den angrenzenden Bauteilen. Meist sind dies Sparrenfüße und Deckenbalkenköpfe. Bei Minusgraden sind zentimeterstarke Vereisungen dann keine Seltenheit und aus Dachkästen hängende Eiszapfen sind eindeutige Warnsignale, Indiz dafür, dass hier etwas im Argen liegt!
Besonders massiv treten derartige Erscheinungen auf, wenn Dämmungen auf hohl liegenden alten Bodenbelägen (Bretter, Dielen u. a.) aufgebracht, die traufseitigen Öffnungen der Hohlräume jedoch nicht gut luftdichtverschlossen und abgedämmt werden.
Abgesehen von den bauschädlichen Auswirkungen wird auch die deckenoberseitige Dämmung ad absurdum geführt! - Oberhalb von stark belüfteten Luftschichten angeordnete Bauteile, d. h. auch Dämmungen sind nämlich energetisch wirkungslos! - Die Einzigen, denen sie etwas bringen, sind der Hersteller, der Händler und der verarbeitende Betrieb.

Letztendlich kann aber auch der nicht fachgerechte Einbau eines Bodenbelages fatale Folgen haben:
Spanplatten und OSB-Platten werden in der Regel mit einer extrem niedrigen Holzfeuchte gefertigt. Diese kann zum Zeitpunkt des Einbaus durchaus rd. 5 % betragen. Nach dem Einbau kann sich die Feuchte jedoch erheblich erhöhen, was zu einem Quellen, d. h. insbesondere zu Längen- und Breitenzunahmen führt.
An den Bodenflächenrändern sind demnach in Abhängigkeit von den Abmessungen der Bodenfläche ausreichend breit dimensionierte Fugen, sprich Bewegungsspielräume vorzusehen, die die Ausdehnungen problemlos aufnehmen können.
Geschieht dies nicht, können die enormen Kräfte, die beim Quellen auftreten, erheblichen Schaden anrichten. Fußpfetten werden, u. U. mitsamt ihren Ankern, gewaltsam nach außen gedrückt oder der gesamte Boden wölbt sich auf und stemmt alles auf ihm Gelagerte bzw. Aufgebaute in die Höhe.

Alle diese Aspekte und Faktoren haben Einfluss auf die Wahl des Dämmstoffes, die Bestimmung des konstruktiven Aufbaus und die Festlegung der begleitenden Baumaßnahmen wie z. B. das nachträgliche Einziehen einer luftdichten Ebene, das Abdichten von Fugen an die Decke durchdringenden Bauteilen, das höhenmäßige Anpassen von Bodenzugängen etc.

Hierüber wird doch wohl recht deutlich, dass die Planung und der Einbau einer Dämmung von Decken unter unbeheizten Dachräumen kein Kinderspiel ist.
Und: Jeder Einzelfall ist ein Unikat und als solches zu behandeln. Zu groß ist die bauliche Komplexität und die Breite der Nutzungsanforderungen, als dass hier mit einheitlichen Rezepturen gearbeitet werden kann.
Die Frage "wie und womit soll ich dämmen" wird von keinem gewissenhaften Verkäufer im Baumarkt oder Baufachhandel mit hinreichender Bestimmtheit beantwortet werden können.

Quelle:
http://www.meisinger-ingenieurleistungen.de/index.php/bauberatung/78-daemmung-oberster-geschossdecken-gegen-unbeheizte-dachraeume


i. V. Dirk Meisinger