Holzbalkendecke

22.02.2007



Hallo an alle,
ich bin im Moment dabei, unser Dachgeschoss zu renovieren. Neben einem neuen Dach und damit verbunden einer neuen Dämmung (habe mich für eine konventionelle Vollsparrendämmung entschieden), soll auch der Boden des Dachgeschosses überarbeitet werden.
Unser Haus ist von 1910 und der Aufbau des vorhandenen Dachgeschossbodens stellt sich wie folgt dar:
Deckenbalken 12 x 24 cm, die über die ganze Tiefe des Hauses liegen. Insgesamt überspannen sie 10,3 m und liegen ungefähr in der Mitte (5,3 m und 5 m) auf einem Querbalken auf. Der lichte Raum zwischen den Balken beträgt zwischen 70 und 75 cm. Von unten sind eine Spalierlattendecke und eine Rigipsdecke montiert. Zwischen den Balken befinden sich Bretter auf denen Pappe und eine Schüttung (sieht aus wie grober Sand) aufgebracht sind. Auf die Balken sind Dielen genagelt. Die Balken hängen leider durch (in der einen Raumhälfte 5 cm und in der anderen 3 cm) und schwingen! Die vorhandene Schieflage nach der Beseitigung des Durchhangs würde ich akzeptieren.
Nachdem ich die auf die Dielen genagelte 16 mm Spanplatte entfernt habe, suche ich nun nach einer Lösung, um die Dielen zu ersetzen (Beschädigt und sehr große Lücken zwischen den Dielen).
Erste Idee eines Zimmermanns war, gegen das Schwingen von unten jeweils in der Mitte des überspannten Bereiches einen Stahlträger einzuziehen und damit die Balken wieder hoch zu drücken. Leider würde ich damit auch die Räume im darunter liegenden Geschoss „beschädigen“.
Ein weiterer Vorschlag ist, auf die Seiten der Balken eine Verstärkung von 6x14 cm aufzuschrauben und damit das Durchhängen auszugleichen. Auf diese Ausgleichsbalken kämen als Trennlage 10 mm Trittschallstreifen. Die neuen Dielen (24 cm) würden mit Konstruktionshölzern, die schwimmend auf der Schüttung liegen, verschraubt. Bei dieser Lösung befürchte ich jedoch das Schwingen der Decke nicht in den Griff zu bekommen.
Als weitere Variante wurde mir vorgeschlagen, auf die seitlich aufgeschraubten Ausgleichsbalken OSB-Platten zu verschrauben um damit eine statische Scheibe zu erlangen. Kann ich dann darauf eine Diele Verlegen (welche Unterkonstruktion wäre erforderlich?), oder ist dann nur Fertigparkett oder Teppich möglich?
Um einen zu hohen Aufbau zu vermeiden, sollte ich möglicherweise erst die vorhandenen Dielen verschrauben und darauf Platten verschrauben. Damit hätte ich aber den Durchhang nicht ausgeglichen und könnte nur Teppich verlegen, hätte aber gern Dielen oder Parkett.
Leider bin ich aus den vielen Bodenvarianten die bisher im Forum diskutiert wurden nicht schlau geworden. Bisher habe ich in unserer Umgebung auch kein Architekturbüro oder einen Statiker gefunden, die auf Altbausanierung spezialisiert sind und mir bei der Lösung meines Bodenproblems weiterhelfen könnten.



Holzbalkendecke



Hallo Uwe,
die Decke ist definitiv unterbemessen, wenn der Boden als Aufenthaltsraum genutzt werden soll.
Selbst nach den alten Zimmererregeln hätte die Profilbreite min. 18 statt 12 cm betragen müssen.
Du musst Dir einen Architekten oder Planer suchen, der die Decke nachrechnet und eine Verstärkung plant. Der kann Dir dann auch bei den vielen anderen Details, die noch zu lösen sind, helfen.
Eine Statik aus der Ferne zu rechnen geht nun mal nicht bzw. wäre unverantwortlich.

Viele Grüße
Georg Böttcher



Holzbalkendecke



Hallo Georg,
danke für die klare Einschätzung!
Kann denn jemand einen Statiker oder Architekten in unserer Nähe (PLZ 45897) empfehlen, der sich mit Holzbalkendecken auskennt?

Uwe Neukirchen



Decke



halte ich nicht für hoffnungslos unterdimensioniert, es ist sogar noch etwas Luft drin (Kollege Böttcher: falsche Spannung am Taschenrechner anliegen ?). Deckenbalken zum Dachboden sind bei diesem Baujahr in unserer Gegend oft sogar nur 12 oder 13 mal 16 (bei allerdings kürzeren Spannweiten), die sind bei Ihnen grenzwertig und können das starke Schwingen bedingen,
Das Schwingen kann auch andere Ursachen haben, als da wären
- verfaulte Balkenköpfe
- unterdimensionierte Pfetten, die meistens das eigentliche Problem sind.
Die Lösung mit Verstärkung 4 / 16 würde ich bevorzugen, darauf dann Rauhspund vernagelt, damit stünde die Scheibe wieder. OSB würde bei den krummen Maßen in durchschnittlichen Dachgeschossen zuviel Verschnitt und vielleicht damit auch ungenügende Schraubenzahl bedeuten.
Unbedingt Pfetten und Balkenköpfe ansehe lassen !
Wenn Sie in Gelsenkirchen niemanden finden, rufen Sie mich an, damit ich Ihnen einen Statiker aus Essen schicken kann.
Auf Rauhspund dann Trittschalldämmung, Perlcon-Floor (bringt F90 von oben) und Ihre geliebte Landhausdiele.
Von unten packen Sie bitte an Federschienen abgehängt noch 2 mal 12,5 oder 12,5 + 20 mm GKF-Platte drunter (Forderung nach F 60 bzw. F 90 im Mehrfalmilienhaus mittlerer Höhe mit mehr als 2 Wohnungen. Die Feuerwehr wird es Ihnen danken.

Grüße



Holzbalkendecke



Mein Taschenrechner war nicht kaputt,
ich habe den Balkenquerschnitt mit einer alten Zimmererregel im Kopf überschlagen:
h Balken in cm = l Balken in m x 4 + 4 cm Sicherheit
gerechnet. Das ergibt eine Höhe von 24 cm.
Bei H/b = 5/7 ergibt sich eine Breite von 18 cm.
Nach dem Hinweis von Herrn Beckmann habe ich mal in die alte, damals geltende DIN 104 geschaut, in der es Tabellen für die Bemessung von Holzbalken für Kleinhäuser gibt.
Bei 3,5 kN/m² Gesamtbelastung (2,0 EL + 1,5 VL) und 5 m Spannweite steht dort ein erforderliches Profil von 14/20.
Ein Vergleich der Widerstandsmomente ergab, das Herr Beckmann Recht hat. Ihr Profil 12/24 hat ein höheres Wy als das Profil nach Tabelle. (1152 cm³ zu 937 cm³).
Ihre Decke ist nicht unterbemessen.
Trotzdem sollten Sie sich mit einem Planer bzw. Statiker in Verbindung setzen.

Viele Grüße
Georg Böttcher



Holzbalkendecke



Vielen Dank an Herr Böttcher und Herrn Beckmann.
Ich werde das freundliche Angebot von Herrn Beckmann mir bei der Suche nach einem Stadtiker zu helfen, in der kommenden Woche annehmen.

Uwe Neukirchen