Wärmedämmung einer (bisher) unterlüfteten Balken/-Dielenkonstruktion

26.09.2005



Guten Tag an die Fachleute hier,

ich befasse mich gegenwärtig mit den Vorbereitungen des Umbaus eines Holzhauses.

Die Konstruktion des Hauses ist einfach. Die Außenwände (Ständerwände in Holzbalkenkonstruktion) stehen auf einem Fundament und sind miteinander an den Ecken verschraubt.

Im Haus gibt es mittig zwei tragende Wände, welche ebenfalls auf Fundamenten stehen. Auf die Fundamente, die ca. 30 cm aus dem Boden herausragen, sind Balken aufgelegt. Auf diesen wurden schließlich nach Montage der sonstigen, nicht tragenden Innenwände, die Dielen genagelt.
In den Außenfundamenten sind Lufteinlässe, sodass die ganze Balken/-Dielenkonstruktion unterlüftet wird.

Nun die Fragen zum Bodenaufbau mit dem Ziel einer Wärmedämmung:

Auch nach langem Lesen zu Bodenaufbau, Dampfsperre, Blähton, Perlite usw. bin ich nämlich zu keinem befriedigenden Ergebnis gekommen.

Welches Füllmaterial (Schüttung) kann in die Hohlräume unter den Dielen (nach Entfernung dieser natürlich). Zu beachten ist, dass man nach Entfernung der Dielen auf die nackte Erde sieht. Grundwasser ist kein Problem. Unter dem Haus ist es m. E. trocken. Leider konnte ich noch nicht überall drunter sehen.

Sollte ich eine Dampfsperre verwenden? Wenn ja, an welcher Stelle im Bodenaufbau?

Bleiben die Lüftungslöcher im Fundament der Außenwände nach Einbringen der Schüttung offen?

Welcher Bodenaufbau (Trockenestrichplatten, OSD-Platten usw.) mit möglichst geringer Gesamthöhe wird für einen Aufbau auf den Balken vorgeschlagen? Ein Raum soll ein Bad werden. Hier bitte spezielle Vorschläge.

Ich danke recht herzlich. Eine Antwort würde mir echt weiterhelfen. Gern auch Kontakttelefonnummern zu Firmen, die ernsthaft an einer Beratung und nicht nur am Vertrieb eigener Produkte interessiert sind.


Thomas Rose
Leipzig



Hausumbau



Guten Tag Herr Rose,

beim Versuch auf Ihre Frage einzugehen,stellen sich mir gleich einige Probleme in den Weg, die Sie vielleicht ausräumen können:
- wie alt ist denn die Restsubstanz ?
- aus welchem Holz ist das Haus gebaut ?
- steht das Haus auf Sand oder auf bindigem Boden ?

Vorweg einige Grundsätze:
Die Fundamentsohle darf nirgends untergraben werden, es sei denn es wird eine durch statische Berechnung abgesicherte und ingenieurmäßig überwachte Unterfangung durchgeführt.
Durch diese Bedingung wird der mögliche Aushub begrenzt.
Eine Abdichtung gegen nicht drückendes Wasser ist immer erforderlich, selbst wenn er Boden trocken aussieht. D.h.Sie brauchen mindestens eine dichte Folienabklebung.
Von einer Unterlüftung halte ich nichts, weil
- damit Insekten und Nagetieren angelockt werden
- eben auch Feuchte Luft eingebracht wird.

Eine von unendlich vielen Möglichkeiten wäre es, ein Sandplanum herzustellen, Noppenbahn auszulegen und mit Thermozell (einem Leichtbeton Wärmeleitfähigkeit 0,10, Gewicht 250 kg/m³) aufzufüllen, soweit es geht. Darauf gehört ein Estrich als Oberboden, als Estrich auf Trennschicht oder als schwimmender Estrich, um Ausgleich der noch fehlenden Wärmedämmung. Die genauen Abmessungen lassen sich nur vor Ort festlegen. Es sind aber auch Dielen auf Kreuzlattung oder andere trockene Aufbauten denkbar.

Zur Dampfsperre: der Diffusionsstrom bei nicht unterkellerten Gebäuden ist - anders als bei Wänden von Wohnhäusern, die an die Außenluft Grenzen - immer von außen nach innen gerichtet. Die Noppenbahn genügt im beschriebenen Aufbau. Allgemein ist die Dampfbremse hier also nach außen zu legen. Sie ist sinnvoll, damit Teppiche mit möglicherweise dichtem Rücken auf dem Boden nicht verschimmeln.
Sollten Sie als erste Lage einen Unterbeton einbringen, was auch möglich wäre, käme hierauf die Dampfsperre (Bitumenschweißbahn mit Alu-Einlage z.B.)

Hier im Forum könen Sie Anregungen und Antworten auf spezifische Probleme bekommen und die dann diskutieren, aber niemand hier kann Ihnen eine komplexe Planung per e-mail anbieten. Ich rate Ihnen deshalb, schnellstens einen altbauerfahrenen Architekten in Ihrer Region zu konsultieren, der das dann umsetzen läßt und überwacht.

Gutes Gelingen !



Dampfsperre



Sehen die anderen hier im Forum das auch so, dass auf der Betonplatte eines nicht unterkellerten Gebäudes eine Dampfsperre aufgebracht werden sollte? Mit der Abdichtung, wie beschrieben, bin ich ja einverstanden - aber eine Dampfsperre. Ich habe bislang noch nie eine Bitumenbahn mit Alueinlage auf der Rohdecke Verlegen lassen.

Auch dass der Diffusionsstrom immer von außen nach innen gerichtet sein soll ist mir neu. Ich habe gelernt, dass hierzu ein Dampfdruckgefälle vorhanden sein muss. Bei 8°C Erdtemperatur und Wasser unter der Sohlplatte (=100% r.F.) liegt der Wasserdampfsättigungsdruck bei 1073 Pa, im Inneren bei 20°C und 50% r.F. bei 1170 Pa, also innen höher als außen. das Dampfdruckgefälle verläuft demnach von innen nach außen. Oder mache ich in der Betrachtung einen erheblichen Fehler? Ich bitte um Aufklärung.



Die Bausubstanz im Detail



Ich möchte an dieser Stelle die Bausubstanz und das Vorhaben etwas näher einbringen:

Bausubstanz:

Beim benannten Holzhaus handelt es sich um ein so genanntes Wächterhaus. Es wurde zu Kriegszeiten und auch danach für den schnellen Bau von Unterkünften verwendet. Wenn man es so sehen will, so ist es unter heutigen Gesichtspunkten ein Fertigteilhaus. Vorgefertigte Einzelelemente wurden zu einem Ganzen zusammengefügt. Die Fertigteilelemente der Außen- und Innenwände waren und sind nichts anderes als ein mit Holzbrettern verplankter, vernagelter Grundholzrahmen. Gesamtwandstärke ca. 100 mm. Das Haus steht seit über 50 Jahren.

Der Aufbau:

Auf das umlaufende Fundament (ca. 24 cm) wurden die Außenfertigteilelemente (jedes ca. 1.50 m breit und 2.15 hoch) aufgestellt und miteinander verbunden. Die Dielungsunterbalken wurden ebenfalls - alle in eine Richtung – im Abstand von ca. 50 cm auf dem Fundament aufgelegt, die Zwischenwände gestellt, Raum für Raum von oben die vorgefertigte Deckenholzkonstruktion aufgelegt und ebenfalls mit den aufgestellten Raum- und Außenwänden vernagelt. Auf die gesamte Hauskonstruktion wurde ein Walmdach (ca. 23°) gezimmert. Im Haus gibt es die in der Grundrisszeichnung bezeichneten festen Wände, welche ebenso auf einem Fundament stehen.
Raum für Raum wurden abschließend Dielung und Fußbodenleisten aufgenagelt. Diese Dielung ist bis heute absolut in Ordnung und dicht.


Die Außenwände wurden von 2001 bis 2003 Wand für Wand erneuert. Heute stehen dort Balkenständerwände. (80x80iger druckimprägnierte Balken in einem Aufbau vergleichbar mit Trockenbauständerwänden), die von Außen mit Zementfaserplatten und Innen ganz normal mit Gibskarton verkleidet wurde. In die Wand wurde eine Dämmung aus Glaswolle eingebracht. Auf den Zementfaserplatten wurde eine Grundierungsgage aufgeputzt und anschließen ein Kunstputz als Abschluss nach Außen aufgetragen. Diese Außenwände sind bis heute absolut trocken. Unter den Grundbalken der Ständerwände (und somit auch unter die Balkenenden der Dielungsunterbalken) wurde eine Bitumenschicht gegen das Fundament gelegt. Seither gibt es im Haus im Winter keine Minustemperaturen mehr.

Welches Holz konkret verbaut, wurde kann ich leider nicht sagen. Das Haus steht auf bindigem Boden.

Was ist das Ziel?

Dielung entfernen, Dielungsunterbalken ggf. ersetzten, neuer Bodenaufbau unter Beibehaltung der Balkenkonstruktion sowie eine Wärmedämmung.
Konkret also ein Unterboden unter Einschluss der Balken und auf den Balken ein stabile mit Fußbodenbelag belegbare 'Oberkonstruktion'. Man könnte es vergleichen, mit den hier im Forum beschriebenen Problemen eines Bodenaufbaus im Erdgeschoss eines nicht unterkellerten Fachwerkhauses. Ein Raum soll wie gesagt ein Bad werden. Alle Räume werden mit EVO-Wandheizungen beheizt.

Folgende Variante aus dem Forum ist gegenwärtig mein Favorit

1. Kies
2. Blähton oder Liapor (ggf. mit einer Zementmilch eingelassen)
3. Trockenestrichplatten (bzw. der im Bild dargestellte Bodenaufbau)

Herr Beckmann kommt m. E. in seinen Ausführungen zu einer ähnlichen Lösung. Sand, Dichtbahn und Leichtbeton klingen in dieser Reihenfolge plausibel. Nur denke ich (laienhaft), dass der eingelassene Leichtbeton auf das äußere Fundament drücken könnte.

Ich hoffe, dass ich alles ausführlich beschrieben habe und mit den eingestellten Bildern zumindest die Grundsubstanz umrissen ist. Ich danke an der Stelle auch schon mal für die schnellen Reaktionen.



Außenansicht des Hauses



ergänzend zur Bausubstanz



Bodenaufbau Bad - eine Variante



Im Bad sehe ich oberhalb der Balken in etwa diese Bodenkonstruktion vor...



Einsatz von Thermozell



http://www.thermozell.com/pages/download/leichtbeton-fertigmischung.pdf

Die hier beschriebenen Aufbauten sind wirklich mal etwas Genaues. Ich denke, es wird wohl Thermozell werden.

Einzige Frage, die sich noch ergibt: Was wird mit den Dielungsbalken? Sie müssen ja drin bleiben, da auf ihnen ja schließlich die Wände stehen.



Balken



können bei Verwendung von Thermozell drin bleiben.

Gruß