Schwellbalken ersetzen....

05.09.2003



bei der Sanierung meines Hauses ist ein total verrotteter Schwellbalken zum Vorschein gekommen. Kann man anstatt eines neuen Balkens dort auch einen Streifen Beton eingießen (mit Armierung)? Der Balken hat keine Zugkräfte zu tragen und liegt auf dem massiv gemauerten UG auf. Er trägt die Deckenbaken, die wiederum dann das Fachwerk OG tragen. Auf die Optik kommt es nicht an, da das Fachwerk nicht sichtbar ist.

Welche Methode ist die Beste:

- neuen Eichenbalken einsetzen, von unten mit Teerpappe gegen
Feuchtigkeit schützen?

- Eisenträger einsetzen, verhindert gleichzeitig aufsteigende
Feuchtigkeit.

- Betonträger eingießen. Wie viel Armierung muß da rein?





hallo, ein fachwerk ist kein massiver baukörper, sondern ein dynamisches gebilde. alles starre widerspricht also den regeln dieser Architektur und führt zu schäden. denn sie müssten ja zwischen der neuen beton- oder eisenschwelle irgendeine Verbindung schaffen, und das ginge wohl nur durch starre eisen/winkel, die dann die feinen bewegungen des hauskörpers nicht mehr aufnehmen können. spannungsrisse wären die folge bis hin zur gefährdung der statik. also: altes Holz raus, neues am besten altes holz rein und handwerklich verzapfen. teerpappe kann, muss aber nicht sein, möglichst aber als sandwich zwischen satten kalkmörtel- oder lehmschichten.
p.s: Es gibt fachwerkhäuser aus eiche, die stehen seit 500 jahren oder länger wie der sprichwörtliche Baum im wald. brücken aus stahlbeton müssen nach 50 jahren abgerissen oder generalsaniert werden. und der eisenträger rostet still vor sich hin ...



aber:



auf diesem Balken liegen jetzt nur die Deckenbalken und dies könnten doch genausogut auf etwas anderem liegen, verzapft ist da nix und unter diesem Balken ist eh festes starres Massivmauerwerk.





sorry, da haben wir uns missverstanden. ich ging davon aus, dass sie die Schwelle ersetzen wollen, auf dem das fachwerk ruht. sie meinen vermutlich die fünfkantschwelle zwischen erd- und obergeschoss? auch hier gibt es statische aufgaben. beschreiben sie doch noch einmal etwas genauer!
gruß gf



1 Sack Beton + Feldsteine



Hallo,

ich habs bei mir wie Herr Wenger in seinem Vorschlag gemacht.
Ein Balken (Fichte) auf dem ein Deckenbalken aus Eichenholz auflag, war recht angegammelt.
Struktur: Mittelwand - waagrechter Auflagerbalken - Deckenbalken.
Auf dem Auflagerbalken bei mir wirken keinerlei Kräfte, bis auf den Druck senkrecht von oben durch den Deckenbalken. Hier muß man wirklich sicher sein, Im Zweifelsfall Statiker fragen.
Bevor ich das halbe Haus abreiße, hab ich das Gammelstück raus und mit Beton+Steinen aufgefüllt.
Der Eichendeckenbalken sieht noch wie neu aus (170Jahre). Schade, daß nicht das ganze Fachwerk aus Eiche ist.
Ist zwar Pfusch, aber mein Beton und die Steine halten sicher nochmal 170 Jahre ohne das halbe Haus abzureißen (nein, es ist hier nichts feucht, Schäden sind vor Jahren durch bekloppte Fenstereinrahmungen entstanden, die das Wasser ins Fachwerk leiteten).
Grüße, Rainer



Sanierung



Hallo Herr Dengler,
die von Ihnen gewählt Methode ist durchaus ausführbar. Die Frage wieviel Armierung in die Stahlbetonschwelle rein muss sollten sie sich von einem Statiker beantworten lassen, der Ihnen auch gleich die Vorgehensweise bei der Sanierung erläutern soll. Es geht hier nämlich um einen Sachverhalt, der die Standsicherheit Ihres Gebäudes betrifft. Dies kann nicht durch ein paar Zeilen im Forum gelöst werden. Hier ist Ortseinsicht von Nöten.
Falls Ihr Gebäude denkmalgeschützt ist, ist es sowieso Ihre Pflicht vor irgenwelchen Aktivitäten mit der zuständigen Denkmalschutzbehörde Kontakt aufzunehmen und die Erlaubnis einzuholen. Diese werden Ihnen dann sicherlich auch noch nützliche Vorschläge machen.
Vom Standpunkt des Fachwerkliebhabers aus gesehen sollten sie aber von Ihrer Betonsanierung absehen, denn dies wird Ihrem Gebäude nicht gerecht, auch wenn das Fachwerk nicht sichtbar ist. Ich würde Ihnen raten in der Art wie es Herr Flegel vorgeschlagen hat die Schwelle zu ersetzen und dies von einem im Umgang mit historischer Bausubstanz erfahrenen Zimmerer ausführen zu lassen.
Viele Grüße Johann Müller