Wie feucht sind feuchte Wände wirklich?

19.04.2009



Also ich habe mir einen alten (1820) Hof gekauft und stehe nun im Stallhaus vor dem Problem Salpeter und habe mir folgende Gedanken gemacht, siehe Überschrift, denn innen ist der Stall, Naturstein, Ziegelgewölbe mit Zementputz wohl zu DDR Zeiten verputzt worden. Dieser Putz bröselt nun Gott sei Dank ab und ich habe es sehr leicht die Steine freizulegen und möchte einen Kalkputz aufziehen.
Erster Rat , Haus trocken legen, wegen dem Salpeter... meine Gedanken nun...
Konnte sich erst durch den Zementputz der Salpeter derart bilden weil die Feuchtigkeit quasi eingeschlossen wurde und wenn das so wäre würde dann nicht der Kalkputz alles wieder so regulieren wie es einmal angedacht war, weil die Fachleute vor zweihundert Jahren ja auch schon wussten was Feuchte Wände sind. Würde ich nicht durch eine Trockenlegung den gesamten ursprünglichen Aufbau derart Verändern das mir das Haus auseinanderbröselt, weil zu trocken?
Ich gehe einfach davon aus das die Fachleute von damals die örtlichen Gegebenheiten kannten und die Höfe ja fast für die Ewigkeit gebaut werden sollten.
Also kurz: Kann die ursprüngliche Methode eine heilende Wirkung auf die natürliche Wandfeuchte herstellen?
P.S. Natürlich weiß ich das kaputte Steine nicht wieder zusammenwachsen



@ Gedanken



Hallo, das mit der Feuchtigkeit und dem Zement stimmt. Dahinter sammelt sich die Feuchtigkeit und die Salze. Dadurch steigt der Feuchtigkeitshorizont nach oben. Das bedeutet, dass im Mauerwerk und der Fuge Feuchtigkeit und Salze stecken. Kalkputze regulieren derart, dass die Feuchtigkeit schneller nach aussen tritt, damit aber auch die Salze an der Putzoberflaeche kristallisieren.
Daher entweder einen Kalk-Opferputz vorschalten, der ein grossteil der Salze mitaufnimmt, oder einen leistungsfaehigeren Kalkputz, wie z. B. klimasan RK, der die Salze im Putz mit aufnimmt und in aller Regel dies dann ausreicht.
Auch Hessler Kalk hat etwas derartiges in der Entwicklung.
Ganz so einfach ist es nicht. Was soll denn aus dem Stall werden. Denn Stall ist nicht Wohnung!
Gruss N. Hoepfer





Den Putz entfernen, das Mauerwerk mit Opferputz das Mauerwerk entsalzen.
Dann Wände Kalken oder mit reinem Kalkmörtel verputzen.

Grüsse Thomas





Bei alten Stallgebäuden sind die Ursachen die Nitrate aus den Hinterlassenschaften der Viehhaltung.
Da die Nitrate Wasser anziehen gehen sie bei einer relativer Luftfeuchte, ab ca. 50% in Lösung ohne das es andere Ursachen wie aufsteigende Feuchtigkeit braucht. Unter den 50% Kristallisieren sie aus. Die Ursache des Salpeter ist der Zementputz nicht, er verhindert aber maßgeblich die Heilung. Ich würde den sperrenden Zementputz abnehmen und die Salzkristalle abfegen besser absaugen. Um diesen Vorgang zu beschleunigen kann man die Wand, immer wenn die Salze entfernt wurden befeuchten und auf die nächsten Ausblühungen warten. Von der späteren Nutzung hängt die Auswahl des Verputzes ab und ob man diese Entsalzung so nach Gefühl macht oder messtechnisch kontrolliert.
Da eine unverputzte Wand eine größere Oberfläche hat als eine verputzte, empfehle ich mit dem Verputzen so lange wie möglich zu warten. Und wenn dann geputzt wird die Fugen vorher auskratzen.



Feuchte Wände



Bei dieser Problematik- wie feucht sind Wände wirklich- muß ich immer an meinen alten Lehrmeister denken.
Der definierte das so:
Trocken ist die Abwesenheit von Wasser in tropfbar- flüssiger Form.
Wenn man ein Löschpapier o.ä. mit der Hand an die Wand oder den Fußboden drückt und es verfärbt sich nicht durch Wasseraufnahme, dann war die Wand nach seiner Auffassung trocken.
Dann kannte er noch den Begriff staubtrocken.
Wenn man mit einer Bürste oder einem Pinsel über die Oberfläche fährt und es entstehen lose Staubpartikel, dann war das eben staubtrocken.
Bei dieser Unterscheidung spielt es keine Rolle, wie die Wärmeleitfähigkeit des Bauteils ist oder wie groß die volumen- oder massebezogene Materialfeuchte im Bauteil denn nun wirklich ist.
Heute definiert man den Begriff "Trocken" mit der einbaubedingten Ausgleichsfeuchte eines Baumaterials.

Viele Grüße



Danke für die Antworten !



Also das Stallgebäude bleibt Stall für meine zwei Pferde. Ich habe heute fleißig Putz abgeklopft. Die Natursteine im Stall bleiben in Zukunft sichtbar, sie sind zu schön und brauchen sich nicht zu verstecken. Für den Rest habe ich vorerst folgende Endscheidung getroffen.
Ich verzichte auf einen neuen Putz und lass das Mauerwerk nach dem Abklopfen ruhen. Im Sommer sind meine Tiere Tag und Nacht auf Weide so hat der Stall Ruhe zum auslüften und trocknen.
Auch habe ich heute bemerkt das nicht alle Wände ursprünglich in diesen Stalltrakt vorhanden waren, d.h. die vormals vorgesehene Zirkulation der Luft kann gar nicht stattfinden, weil zugemauert. Also werde ich diese Wände abtragen und hoffe mit der ursprünglich angedachten Zirkulation wieder etwas mehr Trockenheit ins Spiel zu bringen.

@ Herr? Baust
DANKE!!! für den Tipp mit den immer wieder Naßmachen, wäre mir nicht im Traum eingefallen... und ich warte mit dem neuen Putz aber wie lange????? Bis keine Ausblühungen mehr zu sehen sind?
Mir persönlich ist es wichtiger Ruhe in den Stalltrakt zu bringen als einen schönen Putz und meinen Tieren, glaube ich, ist es fast egal.
Und wenn dann verputzt wird verwende ich Kalkputz, ich glaube es ist das optimalste was ich tun kann.



Das wird schwierig



Sie nutzen dieses Objekt zur Tierhaltung weiter, das heißt weiterer Eintrag von Nitraten.
Wenn Sie das Schadensbild auch außen stört, wovon ich ausgehe, müssen Sie verhindern das weitere Nitrate ins Mauerwerk reinkommen. Das heißt es müsste eine Wasserundurchlässige Wanne in den Stall gebaut werden.
Diese könnte aus WU (wasserundurchlässiger) Beton, als Vorsatzschale vor das Mauerwerk und als Bodenplatte im Bereich wo die Tiere stehen ausgeführt werden.
Oder, WU Bodenplatte rein, die Wände Homogen Verputzen, im gefährdeten bereich, ca. 1m hoch, mit Mineralischer Dichtungsschlämme Abdichten und dann eine Bitumen-Acrylat-Dispersion aufbringen. Diese Abdichtung muss aber mechanisch geschützt werden, z.B. durch Holzbeplankung. Beide Varianten natürlich mit kontrollierter Fäkalien Ableitung.
Hierzu werden wir aber mit Sicherheit im Forum noch einige Anregungen bekommen.



@Herr Baust



Also, von außen ist nichts an Nässe zu sehen, da bis ca. 3m Höhe mit Naturstein gebaut wurde, nur innen im Stall. Der stand fast 10 Jahre verschlossen und verammelt ungenutzt und salpeterte so vor sich hin d.h. es sind nur die Innenwände betroffen. Deshalb meine vage Hoffnung bei ausreichender Lüftung und Befreiung des Mauerwerkes inkl. Wiederherstellung der ursprünglichen Raumaufteilung das Problem in den Griff zu bekommen.
Vielen Dank für das Interesse, wir werden sehen...

Conny Blauschmidt





Wenn das so ist würde ich versuchen soviel Salze wie möglich rauszubekommen und dann die Wände mit Kalkmörtel neu verfugen, eventuell, je nach Nitrat Belastung, dann noch hydrophobieren.



@ hydro... was?



Das klingt ja... was bitte ist hydrophobieren ??????????????????????





Hydrophobieren heißt soviel wie imprägnieren.
Es gibt Lösungsmittelfreie Mittel z.B. als Alkalsilikate. Sie sind nach Aushärtung stark Wasser abweisend, diffusionsoffen, transparent und werden gestrichen oder gespritzt.



Hallo,



es gibt noch eine Möglichkeit, wie Sie die Nitrate und anderen Schadsalze sicher aus dem Mauerwerk bekommen, und gleichzeitig verhindern dass neue eindringen. Schauen Sie einfach mal in mein Profil. Wenn Sie Fragen haben, bin ich gern bereit diese zu beanworten, soweit es mir in diesem Forum möglich ist.
sommerliche Grüße, A.Hoppe