Ausbau Turm und Raum 16tes jh

05.07.2015 steve



Hallo

Ich habe kürzlich ein altes Chateau aus dem 16ten Jahrhundert gekauft. Ein Teil ist restauriert, die andere Hälfte möchte ich ausbauen.

Diese andere Hälfte besteht aus einem 8x8x8 grossen Raum (ich habe ihn "the cube" getauft), der ursprünglich zweigeschossig war. Dort angeschlossen ist ein Turm, ca. 10 m hoch. Die Wandstärken betragen 60-100 cm, gemauert aus Naturstein (eine Art Kalksandstein) mit Kalkmörtel. Das alles ist in ordentlichem Zustand und nicht denkmalgeschützt. Allerdings bröselt der Kalkmörtel innen doch recht heftig. Von aussen wurde alles bereits saniert.

Innen sind noch stellenweise Putzreste (weiss) zu sehen, teilweise kommen die Steine zum Vorschein.

Mein Ziel ist es, möglichst historisch ähnlich zu bauen, aber dann doch dauerhafte Materialien zu verwenden und auch einen minimalen Wärmeschutz zu erreichen.

Dazu jetzt ein paar Fragen:

Wurden in dieser Zeit Innenräume verputzt, wenn ja, womit und welche Farben wurden verwandt?

Angenommen, man würde innen verputzen, dann erwäge ich einen Silikatputz oder ein ähnliches Verfahren, was eine saubere Feuchtigkeitsabfuhr und einen Wärmerschutz erreicht. Ich denke an eine Schicht 3-6 cm. Ist das eine gute Idee oder gibt es da andere Verfahren, die sich besser eignen? Wie kann man erreichen, dass der Putz sich gut mit dem Kalkmörtel verbindet und nicht alles abbröselt?



Innenputz



Am besten Sie stellen ein paar Fotos von den Wänden ein. Dann brauchen Sie mehr Informationen über die Geschichte des Chateaus, insbesondere über Bauphasen und über die Nutzung des Raumes. In welcher Gegend liegt das Anwesen?





Die Geschichte ist schnell erklärt: Gebaut um 1550, liegt in der Haute-Saone, zur Franche-Comté gehörend, also zur Bauzeit noch nicht zu Frankreich. Das Gebäude wurde in einem Stück errichtet, Fotos kann ich leider keine einstellen, ich bin noch nicht Mitglied.

Die Räume wurden als Wohnräume genutzt, sie besitzen grosse Fenster (jeweils 3 m hoch), interessanter Weise nur auf der Ostseite. Die Nutzung als Chateau/Seigneurerie wurde schon im 18ten Jh aufgegeben, anschliessend Nutzung als Scheune/Bauernhaus. Die Kamine in diesem Raum wurden entwendet/verkauft, es ist geplant einen offenen Kamin mit Heizkammer(Polyflam) zu erstellen. Evtl. zusätzlich Anschluss an die Zentralheizung. Aber erst müssen einmal die Wände gemacht werden.



Renaissance



sollte wohl Verputz bedeuten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Architektur_der_Renaissance
Freigrafschaft Burgund gehörte bis zur Französischen Revolution bzw. Napoleon zu Württemberg. In Montbeliard/ Mömpelgard sind sie immer noch ziemlich stolz auf ihre Württembergische Zeit. Einflüsse aus dem Norden oder aus dem Süden könnten untersucht werden, aber in Burgund gibt es eine ziemlich ungebrochene Bautradition von der Römerzeit bis in die neueste Geschichte.



Wände mit Kalkputz sanieren?



Bevor der Putzaufbau überlegt wird sollte mMn das Heizsystem geplant werden sowie auch ggf Elektroinstallationen für Steckdosen, Schalter, Wandlampen.
So ein Raum mit dicken Steinwänden und enormer thermischer Masse wird kaum mit üblichen Heizkörpern beheizt werden können- auch wenn das Klima nicht sehr rauh ist.
Zudem würden Heizkörper optisch sehr störend wirken und Kamine sind denkbar ineffektiv.

Da wären Wandheizungsregister an allen Wänden und allenfalls eine leichte zusätzliche Bodentemperierung effektiver und können ggf auch später mit (Erd) wärmepumpen betrieben werden.

Die Wände sollten dazu vorher von innen gedämmt werden und können hinterher mit traditionellem Kalkputz und Kalkfarbe gestrichen werden.

Ich würde sehen welche Putze in ähnlichen Gebäuden in der Umgebung verwendet wurden, ob ggf Kalkbrennereien existieren und diese wie auch ggf Denkmalschützer befragen welche Betriebe solche verarbeiten.
Die kennen dann hoffentlich die örtlich vorhandenen Materialien und deren Verarbeitungstechniken.

Zuerst aber alles andere abklären wie auch ggf den Fußbodenaufbau und weitere Sanierungsschritte-Abbruch und lose Putzteile können natürlich schon entfent werden.

Was ist denn überhaupt an weiteren Sanierungen oder Umbauten geplant oder ist nichts weiter notwendig?
Was sagt der Denkmalschutz in Frankreich zu solchen Projekten?

Das Gebäude wird wohl mehrfach im Laufe der Jahrhunderte adaptiert worden sein- da ist dann ohnehin die Frage ob der Zustand zum Zeitpunkt der Erbauung oder der der letzten Stilepoche hergestellt wird.

Andreas Teich



Innenputz



zunächst einmal herzlichen Dank für die bisherigen Antworten. In der Tat sollte ich wohl noch mehr Hintergrundinformationen geben. Ich werde auch versuchen, später ein paar Fotos einzustellen.

Das Haus hat eine moderne Zentralheizung mit Brennwertkessel, sowie in der restaurierten Seite zwei schreckliche Eisenöfen, die in die historischen Kamine gestellt wurden. Leider lässt sich das nur mit grossem Aufwand rückgängig machen, weshalb ich mich auf die noch nicht restaurierte Seite konzentriere.

Eine "Grundversorgung" mittels Zentralheizung wäre also denkbar, ist aber nicht angestrebt.

Zur Heizung des Projektraumes (also im nicht restaurierten Teil, der jetzt ansteht), gäbe es folgende Optionen:

1) Grosser Kamin mit offenem Feuer plus geschlossener Kammer (Polyflam-system), sowie neues Kaminrohr bis über das Dach. Das ist die derzeit bevorzugte Variante, weil man damit eine kontrollierte Heizung hat mit einem brauchbaren Wirkungsgrad. Historisch ist das natürlich nicht, aber man kann eine offene Flamme mit einem ordentlichen Wirkungsgrad haben.

2) Wiederherstellung des alten offenen Kamins bis unters Dach, allerdings bei 10 m Raumhöhe nicht ganz einfach. Ausserdem müsste man dann konsequenter Weise auch einen historisch richtigen Kamin einbauen, was richtig teuer ist (ich habe Kamine für 25tsd Euro gesehen). Der Wirkungsgrad bei geschickter Frischluft-Zuführung sollte zufriedenstellend sein.

Der Boden besteht derzeit aus einer Art Lehm- und Mörtelstaub, über einem Gewölbekeller.

Wenn ich Variante 1 der Heizung nehme, würde ich Heizschläuche (Warmluft) auf den Boden Legen, das Ganze bis kurz unter Bodenniveau aufschütten und dann Eichendielen auf Lattung. In den Boden könnte man auch alle Leitungen legen, zumindest im EG.

Eine Innendämmung Strebe ich zwar an, aber das ist ja Gegenstand meiner Frage: Eine klassische Innendämmung mit Dampfsperre kommt eigentlich nicht in Frage, denn dann bekommt man grosse Probleme mit den Anschlüssen an Fenster und Türen. Daher dachte ich an eine Innendämmung mit Silikatplatten oder Putz, dann hat man eine Feuchtigkeitsableitung in die Wand. Allerdings stelle ich mir die Verbindung Silikat-Mörtel nicht ganz unproblematisch vor. Daher meine frage, ob das überhaupt geht.

Alternativ bleibt natürlich ein ganz normaler Putz ohne Isolierung. Wobei auch das nicht ganz unproblematisch scheint, wegen des Mörtels. Auch verfugen der Mauersteine wurde mir schon vorgeschlagen, aber ich glaube das wäre die schlechteste Lösung.



Fotos



jedes Foto einzeln?



noch ein Foto



Fenster mit Brüstung



Putz



Der unverputzte Streifen wurde von einem Deckenbalken verdeckt



ein früherer Ausgang



zu einem nicht mehr vorhandenen Turm



Innendämmung-Heizungssystem für Turm



Da gibt's für Putzer ein längeres Betätigungsfeld.
Alles lose entfernen, Fugen auswerfen, Vorspritz und mind 2 Lagen Putz.

Innendämmungen mit Dampfbremse wird praktisch gar nicht mehr ausgeführt.
Allenfalls solche mit Dampfbremse, was aber dann von den örtlichen klimatischen und auch den Innanraumtemperaturen und - Luftfeuchtewerten abhängt.

Silikatputze bringen hier keinen Vorteil gegenüber Kalkputzen- auch keine bessere Wärmedämmung.
Bei hoher Feuchtigkeit in der Wand wären Kalziumsilikatplatten evt möglich- jedoch zu teuer und schlechtere Wärmedämung.
Wenn wegen feuchter Wand Schimmelgefahren befürchtet werden könnten Mineralschaumplatten verwendet werden, die zumindest einen Dämmwert
wie Holzfaserplatten haben.
Bei nicht zu hoher innerer Luftfeuchtigkeit könnten 60 bis 80 mm Innendämmung mit Holzfaserplatten angebracht werden.

Das Heizsystem sollte auf Strahlungswärme beruhen und nicht auf Warmluft- diese steigt sofort auf und bringt durch hohe Thermik sehr viel Luftbewegung und - Verunreinigung mit sich und wäre ziemlich ineffektiv.

Bei einem Heizsystem mit niedrigen Wassertemperaturen könnte immer noch zu einem späteren Zeitpunkt ein Brennwertkessel oder Erdwärme nachgerüstet werden.
Wird die jetzige Brennwertheizung mit Gas oder Öl betrieben und mit welchen Temperaturen?

Dämmung des Bodens wäre sinnvoll.
Vorher eine dünne tragfähige Beton-/Estrichschicht,
darauf Feuchtigkeitssperre
Tragkonstruktion aus Holz
Dazwischen Dämmung ( Zellulose, Hanf etc)
Geölte Eichedielen verschrauben

Allenfalls noch darunter Rohre zur Bodentemperierung

Andreas Teich



Innenputz



Die Decke (n) sollte(n) wieder eingezogen werden, zumindestens teilweise (Galerie). So können die ursprünglichen Fenster wieder reaktiviert werden und genügend Licht in den Raum/Räume kommen.
Die Wände müssen neu verputzt werden, also alter Putz runter und neuer Putz drauf. Möglich wäre ein moderner Leichtputz mit dem größere Ebenheitsunterschiede ausgeglichen werden können und der die Dämmung verbessert. Als Oberputz eine Kalkglätte oder ein Gipsspachtel hoher Güte. Zu große Einzelflächen sollten aus gestalterischen und schalltechnischen Gründen durch Möblierung und/oder Oberflächengestaltung gegliedert werden.
Die Heizung hängt von der Nutzung ab. Da die sich vermutlich hauptsächlich im EG abspielt schlage ich hier eine Fußbodenheizung vor. Als Belag Keramikplatten (Cotto).





Sehr interessant, die verschiedenen Vorschläge! Wegen der Heizung mache ich mir im Augenblick keine grosse Sorgen.

Nochmal zum Putz: Wie stellt man sicher, dass der Putz auf dem bröseligen Mörtel hält?

Konzeptionell stellt sich mir im Augenblick die Frage, wie und ob ich eine Geschossdecke einziehe. ursprünglich waren vier Eichenbalken 9m x 0,6 x 0,6 eingezogen, was man wohl kaum wieder hinbekommt (wie sollen die da rein kommen, wo bekäme man die her?).

Angedacht habe ich folgendes: Eine Betondecke mit Bewehrung im EG, auf die dann einige Stützbalken aufgeständert werden. So könnte man die Kräfte verteilen und das Gewölbe entlasten bzw. von Lastspitzen schützen. Gibt es dazu bedenken?



Turmsanierung



Die Heizung ist natürlich der zweite Schritt-muß aber auch beim ersten Schritt schon berücksichtigt werden.

Loser Putz muß in jedem Fall entfernt werden- entweder mechanisch oder Sandstrahlen bzw ähnliche Verfahren oder Hochdruckreiniger- (Wasser ggf mit Plane auffangen u beseitigen).
Dann wie üblich Vorspritz zur Haftungsverbesserung und dann der übliche Putzaufbau, sodaß für Wanddämmungen eine ebene Fläche als Grundlage geschaffen wird.

Bei Wanddämmung müßten Kalkputez ausgetrocknet sein, bevor die Platten aufgeklebt werden, da anderenfalls der Kalk nicht karbonatisieren kann, bzw nur sehr verzögert.

Zur Reduzierung der Spannweiten könnten zuerst Diagonalbalken zur Überspannung der Ecken eingebaut werden.

Diese können dann als Auflager für darüber verlegte durchgehende lange Balken dienen.
Damit ließe sich dann eine umlaufende Balustrade herstellen.
Eiche wäre natürlich schöner- technisch wären andere Holzarten auch geeignet.

Pfosten und eine durchgehende Decke fände ich vom Raumgefühl her unschön, da der Turmcharakter dann verschwindet.

Statt Bodenplatte würde ich nur Einzelfundamente herstellen, dafür den Boden nur mit einer dünnen Beton/Estrichschicht versehen und mehr Dämmung einbauen.

Bei genügend umlaufenden wärmeabstrahlenden Flächen und ggf noch zusätzlicher Fußbodentemperierung sollte das genügen-auch in Anbetracht des gemäßigten Klimas.

Die Wände würde ich in jedem Fall mit einer Innendämmung versehen, da die anderenfalls gefühlsmäßig immer Kälte abstrahlen-(bzw zu schnell die Wärme ableiten), trotz evt.Fußbodenheizung.

Andreas Teich



Innenputz



Das mit der Decke ist Sache eines Statikers.
Betondecken nachträglich auf/in zweischaliges Bruchsteinmauerwerk zu setzen ist heikel; es kann zu Abrissen der inneren Schale und zum Einsturz kommen. Deshalb werden solche Lösungen nur ungern angefasst. Besser ist die Wiederherstellung der Holzbalkendecke, egal ob mit oder ohne Atrium bzw. Galerie. Die Balken können auf zwei Joche aus Stahl oder Holz aufgelegt werden die man mit separaten Stützen vor die Wände stellt. So ist das statische System und die moderne Bauphase sichtbar.
Bröseliger Putz muß runter!