Alten Aussenputz auf Fachwerk ausbessern. Fundament erneuern.

17.06.2015 net_seeker



Hallo liebe Forenmitglieder,

unser altes verputztes Fachwerkhaus anno 18-hundert irgendwann gab einen leichten Schaden am Fundament straßenseitig zu erkennen. Als ich den Schwellbalken im fraglichen Bereich abgefangen habe, stellte sich heraus, daß die Wand mit Balken und Ständern wohl eher von oben gehalten wurde als von dem alten "Fundament". Die Bruch-, Granit und Kalksandsteine waren lose mit Resten von wohl Kalkmörtel aber auch teilweise nur mit Lehm vermauert worden. Zusammengehalten wurde alles aber wohl nur noch von dem recht harten Aussenputz. Zum Glück sieht angrenzende Giebelwand mit Fundament besser aus, auch rechts wo eine Innenwand abzweigt ist das Fundament stabiler und die Wand hat dort auch keinen Schwellbalken (mehr?). Also alles in allem ein ziemlich abgegrenzter Bereich. Übrigens lagen die untersten Steine der Fundamentmauer in der Mitte auf dem nackigen Erdboden. Nur am Giebel und am Abzweig gehts evtl. etwas in die Tiefe.

Nun hab ich zwei Fragen:

1. die Schwellbalken ist unten auf ein paar Zentimeter morsch, man kommt aber recht schnell auf tragfähiges hartes, evtl. schon verkieseltes Holz wenn man prockelt. Besteht hier Bedarf zu behandeln, bevor er unten gesäubert auf ein Kalkmörtelbett abgelegt wird? Ich dachte an Leinöl oder mit Kalkmilch einstreichen um dem Pilz wegen. Hat da jemand Erfahrung? Ansonsten werd ich einfach unten etwas begradigen und auflegen.

2. Der Putz. Das eigentliche Thema. Alter mind. hundert Jahre, ich schätze 120 bis 150. Gabs damals schon Zement? Ich möchte halt der Optik wegen das alte "Gemisch" recht genau treffen, was das Bindemittel angeht vor allen Dingen. Den Sand aus der Umgebung hab ich ja hier - wir haben hier alles Sandboden drunter. Weiß jemand ob damals Trassmehl rangeschafft wurde hier in die Magdeburger Börde, oder ob Ende vorletzten Jahrhunderts Aussenputz als Zement-Kalkputz gemacht wurde? Der alte Putz ist recht hart, geht so gerade von den Sandsteinen ab wenn man flächig lang genug draufklopft. Farbe geht manchmal etwas ins bläuliche. Ansonsten hat er solange es ging versucht der wegrutschenden Mauer zu folgen, mit lauter kanz kleinen Rissen sich sozusagen "verbogen" - nicht immer gleich durchgebrochen! Sehr bemerkenswert.

Ich bin für jede Anregung dankbar !



Deine



"Abstützung" ist eine Katastrophe ! Die Schwelle gehört mit einem Kantholz waagerecht unterfüttert ,dieses stützt sich auf senkrechten Hölzern ab.
Oder Kantholzabschnitte und Keile verwenden,das was du da hast ,macht im Zweifel ganz schnell die Grätsche!



Das



kann ich so nicht stehen lassen. Danke für den Kommentar, Holzwurm.

Diese Art der Abstützung wurde gewählt, um den Schwellbalken nicht nur aus einer, sondern aus mindestens zwei Richtungen unter Kontrolle zu haben. Sieht man auf dem Foto evtl. etwas schlecht, aber die Fotomontage ist recht hochauflösend, mit mehrfach reinklicken kann man dann im Browser im Bild noch näher ranfahren.

Was man evtl. nicht sieht, sind einerseits die Kantensteine vom Gehweg, welche nach Prüfung sich als ordentlich dimensioniert herausgestellt haben. Die sind wohl dafür ausgelegt, daß auch mal ein 40 Tonner drüberfahren kann ohne das sich was bewegt. Da geh ich von untergelegten Querhölzern zu Lastverteilung mit den Kanthölzern in Richtung Schwellbalken weg. Die Kraft wird von den Kantensteinen wie gesagt großflächig in den Untergrund abgeführt - Über die Straße donnern täglich 15 Tonnentrecker, da tut sich auch nichts mehr.

Innen sieht man vielleicht nicht sofort, haben wir ca 1 Meter erhöhten Boden im Erdgeschoß. Da hab ich im 45 Grad Winkel freigegraben, eine dicke Bohle quer reingelegt, davon geh ich mit den kürzeren Kanthölzern von der anderen Seite an die Schwelle. Hier geht die Kraft ca. einen Meter unter Grundniveau ca. 45 Grad in verfestigtes Zeugs. Da kann nichts weggehen.

Wer genau hinsieht, erkennt einen kleinen Unterschied im Winkel der beiden Seiten der Abstützung, und das hat seinen guten Grund. Der untere Teil des Wandabschnittes mit dem Schwellbalken war ca. 10 - 12 cm nach außen gewandert. Ich habe mir lange darüber den Kopf zerbrochen, das in den Griff zu kriegen und mich eben für eine schräge Art der Abstützung entschieden. Dies hat den Vorteil, daß ich über das Kräftedreieck unterscheidliche Seitenkräfte einleiten kann. Innen stehen die Kanthölzer etwas, ein paar Grad, steiler. Dadurch ergibt sich nicht nur eine Kraft nach oben, sondern auch eine leicht nach innen.

Das Resultat ist ein mittlerweile deutlich hinter das Putzniveau zurückgewanderter Schwellbalken mit Wand.

Bei den ganzen Abstützungsgeschichten, macht Euch bewusst, daß es da mal leicht um zig Tonnen gehen kann. Bei mir hing wie gesagt der Schwellbalken eh schon in der Luft und wurde nur noch von den Ständern von oben gehalten - samt Ziegeln und Putz! Irritierend auch für mich anfangs, allerdings auch ein gutes Zeugnis über den Zustand der Hölzer und des oberen Rahmenbalkens. Ich hab hier allerdings nicht einfach wild drauflos abgestützt, sondern mir gründlich alles angeschaut, wirkenlassen, nachgedacht, Material besorgt, nochmal nachgedacht, und dann irgendwann gehandelt.

Der Knackpunkt bei so einer Dreiecksabstützung ist die Krafteinführung in den Balken. Ich geh da stumpf mit der Stirnfläche der Kanthölzer ran. Das ist sicherlich verbesserungswürdig, so ein Kantholz kann auch mal längs aufsplittern am Kopf wenn nur mittig Kraft eingeleitet wird auf die Stirnfläche - wie bei einem Axtschlag z.B. Also lieber ein Querholz unterlegen um gleichmässig zu verteilen. Ist aber nicht das Hauptproblem, das ist das Kippeln. Sobald der Schwellbalken sich anfangen würde um die Längsachse zu drehen, würden meine schrägen Hölzer abrutschen. Das Kräftedreicke ist nämlich hier kein Dreieck sondern ein Trapez mit sehr kurzem oberen Schenkel.

Auf Grund der noch guten Ständer und dem Mauerwerk drauf kippelt da aber nichts in diesem Fall. Alternativ gäbe es mehr Sicherheit, wenn ich die Kanthölzer unterm Balken durch verbinden würde, so daß nichts wegrutschen kann. Mach ich aber nicht, ich will ja auch noch Mauern. Ich kann da auch auf meinen Kanthölzern von allen Seiten gegenkloppen, da tut sich nichts mehr. Alles fest.

Hätte ich wie Holzwurm vorgeschlagen nur aus einer Richtung, von unten abgestützt, wäre die Wand evtl. einfach noch mehr rausgekommen. Durch die Abstützung mit Kräftedreieck hatte ich viel mehr Variationsmöglichkeiten - musste allerdings auch ein bischen mehr nachdenken. Und konnte endlich mal den 5 Tonnen Iveco-Hydraulikheber vernünftig einsetzen.



Ein Bild



sagt mehr als tausend Worte. Zur Veranschaulichung noch eine grafische Darstellung.

Nichtsdestotrotz ist meine Ausführung der Abstützung durchaus verbesserungswürdig. Mit sowas ist nicht zu spaßen, vor allem wenn noch andere Personen auf einer Baustelle rumspringen. Lieber einen Balken mehr und zusätzlich noch von unten abstützen, sicher ist sicher.

Nochmal vielen Dank an Holzwurm.



Der untere



Vorschlag ist keine Abstützung sondern eine Mausefalle.
Was Holzwurm Vorgeschlagen hat, sind mehrere Kanthölzer quer zum Schwellbalken, die dann seitlich neben der Wand unterbaut werden und so die Last der Schwelle abtragen.

Auch das Mauern ist so kein Problem, es wird einfach um die Querbalken rum die Schwelle untermauert, die Abstützung zurückgebaut und die entstandenen Lücken ausgemauert.

Grüße