Altbau, Dielen auf Balken über Erdreich

17.02.2020 Ninne



Hallo, ich bitte hier um Rat oder Ideen.
Ich habe eine EG-Altbauwohnung gekauft und muss sie sanieren lassen (u.a. gibt es kein Bad). Die finanziellen Möglichkeiten sind begrenzt.
Hier hat über 50 Jahre eine Familie gelebt. Der Flur-/Küchenbereich hat irgendwann Kacheln auf Estrich erhalten und vor 20 Jahren wurde eine Gasheizung eingebaut.
Nachdem wir Teppichböden und Laminat entfernt hatten, war in den Wohnräumen Dielen auf Balken, darunter eine Luftschicht mit Außenbelüftung, dann Erdboden.
Wir haben eine Diele am Übergang der Zimmer hochgenommen und das Foto gemacht. Auf den ersten Blick sieht alles ganz intakt aus, allerdings möchte ich noch im Bereich der Außenwände nachsehen.
Nun meine Frage:
Für einen Fußboden-Neuaufbau, wie hier häufig beschrieben, reicht das Geld nicht aus. Am Liebsten würde ich die Dielen Abschleifen und alles belassen. Aber gibt es trotzdem die Möglichkeit, etwas Wärmedämmung einzubringen, zum Beispiel durch eine Einschüttung von Perlite o.ä.??
Danke für Ihre Beiträge dazu!



EG- Wohnung



na, Deinen Fehler beim Kaufprojekt wirst Du ja schon selber entdeckt haben, ist somit Geschichte und läßt sich nicht mehr ändern.
Was ich auf dem Foto nicht erkennen kann, woraus besteht der Boden, auf dem jetzt die Ziegel und die Balken liegen und ist der trocken?
Diese Bauform war eine Zeitlang der neueste Schrei, um das Weggammeln der Dielung im EG zu verhindern. Und funktioniert, wenn man die Anforderungen an Behaglichkeit ( Fußkälte) und Energieeinsparung mal vergißt. Die Schwierigkeit besteht darin, die Feuchte aus dem Zwischenraum rauszuhalten. Schüttet man Perlite rein und läßt die Seitenlüftungen offen, ist die Dämmung wirkungslos, weil sie trotzdem von kalter Luft durchströmt wird. Schließt man die Öffnungen, erhöht sich die Luftfeuchte und die Gefahr der Schimmelbildung an Balken und Unterseite der Dielung besteht. Vielleicht ist es ein Kompromiß ( aber ob das funktioniert weiß ich nicht, vielleicht gibt es da hier im Forum Erfahrungen dazu), wenn man an den Lüftungen ( Foto davon wäre auch gut) so eine Art Verschlußklappen anbringt, die im Winter geschlossen werden und ab Frühjahr geöffnet werden, damit die Feuchte im Sommer und Herbst ablüften kann. Wobei auch hier die Gefahr von zusätzlicher Kondensfeuchte bei schwülem Wetter auf dem kalten Erdreich besteht. Wenn es Zeit gäbe, würde ich sagen, mal eine Saison ausprobieren und ein Feuchtemeßgerät im Zwischenraum platzieren.



Das hatte ich schon befürchtet...



Danke für die Antwort. Der Maurer, der die Öffnung nach unten gemacht hatte, sagte, es sei trockenes Erdreich. Kann man es gar nicht ein bisschen wärmer hinkriegen?
Gibt es andere Stoffe zum Schütten, die noch Luft zirkulieren lassen?
Oder macht es vielleicht Sinn, die Füllung geringer, nicht bis Unterkante der Dielen, zu machen und vielleicht die Mauer-Lüftungsöffnung vor der Schüttung so abzugrenzen, dass die Verbindung zur verbleibenden Luftschicht bestehen bleibt?



Dämmung



ein Dämmstoff selbst wärmt ja nicht, er verhindert bzw erschwert, das Wärme aus dem Raum x in den Raum y wandert. Wenn der Dämmstoff weiter durchlüftet wird, im Winter eben mit kalter Luft, ist er wirkungslos, weil die kalte Luft ja trotzdem an die Dielenunterseite kommt. Freilich kann man die Öffnungen verschließen und Perlite einschütten, es besteht aber die Gefahr, dass nun durch die fehlende Belüftung sich die Erde auffeuchtet und damit dann Balken und Dielen auch in Mitleidenschaft gezogen werden. Was anderes wäre es, wenn man z.B. eine Teichfolie auf die Erde gelegt bekommt, aber das kann ich mir nun gar nicht vorstellen, wie das umsetzbar wäre.



Rechtliche Lage



was mir gerade noch einfällt: Wenn es sich um eine Eigentumswohnung in einem Mehrfamilienhaus handelt, könnte es sein, dass solche Bauvorhaben, wie die Dämmung des Bodens eine Sache ist, die die Eigentümergemeinschaft was angeht und auch von denen getragen werden muss , allerdings bin ich auf diesem Gebiet kein Fachmann



Lieber belassen!



Alle Umbaumaßnahmen, soweit sie ordentlich ausgeführt werden, kosten schon einiges an Geld. Halbe Lösungen, die ohne Abdichtungsarbeiten erfolgen, bringen mehr Schaden als Geld. Des Weiteren hat ja mein Vorredner schon gesagt, gehören euch nicht der Boden, das Fundament, die Heizkörper, die Eingangstür, die Zimmerdecken etc. Ihr dürft also nicht einfach sanieren, wie es bspw. bei einem Eigenheim möglich ist. Euer Makler oder der Vorbesitzer hat euch bestimmt einen Teilungsplan gegeben. Schaut da mal rein und stimmt ggf. Sanierungsmaßnahmen mit der Eigentümergemeinschaft ab.

Schaut auch mal nach, ob an irgendeiner Stelle Ratten oder ähnliches Ungeziefer einen Zugang von außen hat. Auf den Bilder sieht es so aus, als wäre da Mäuse- oder eher Rattenkot zu sehen.

Mein Tipp: Alles so belassen, und die Bodenöberfläche diffusionsoffen gestalten und ggf. mit Kork dämmen oder belegen oder eben fußwarme Auslegware nutzen. Plastiköberflächen, wie bspw. Vinyl, Laminat oder Linoleum sind nicht empfehlenswert, da es dann zu Schimmelbildung kommen kann.



Erdberührter Dielenboden



Du kannst versuchen eine dickeres Plastikfolienstück zwischen 2 Balken zu legen und am Rand anzukleben oder irgendwie abzudichten.
Dann einige Tage liegen lassen und sehen ob sich Kondensat gebildet hat.
Besser wäre es ein Hygrometer unter die Folie zu legen und die Werte zu beobachten.
Zellulose einblasen ist von den Materialkosten her am günstigsten und nimmt aufgrund der Salze eher Feuchtigkeit auf.
Wenn alles u.U. wieder beseitigt werden soll könntest du Foliensäcke aus diffusionsoffener Folie/Winddichtung etc herstellen und diese in jedes Feld einschieben und dann mit Zellulose vollblasen lassen ( evt klappt’s auch mit einem Laubbläser).

Du kannst auch versuchen vorsichtig alle Dielen aufzunehmen und unter alles eine günstige Teich- oder dicke PE- Folie zu legen- am Rand hochziehen und dann zu dämmen.
Das wäre technisch die dauerhafteste und beste Lösung.
Dielen nur ölen



Wenn...



...Sie das Geld hätten, den Hohlraum mit Perlite zu füllen (sinnlos), dann sollte es auch für einen Leichtbeton (wärmedämmend!) und eine Sperrschicht reichen. Die darauf zu verlegende Dielung m. Unterbau kann ja durchaus einfach sein. Wofür, wenn nicht für Wohnraumfußböden, sollte man sich ein paar Scheine borgen? Die Zinsen werden geringer sein, als Euer Verlust an Heizwärme zzgl. der Apothekenkosten für kalte Füsse...

Was Ihr jetzt nicht macht, wird lange nicht, wenn erst eingeräumt. Und Ihr werdet Euch denn auch ebensolange darüber ärgern. Wozu in eine Wohnung ziehen, in der es wie Hechtsuppe zieht.

Den lustigen Folientest des Herrn Teich können Sie getrost auslassen. Auch Ihr Boden wird, wenn die Verdunstungsmöglichkeit nach oben entfällt, alsbald erdfeucht sein. Auf die Kapillarwirkung ist Verlass.

Seine Dämmempfehlungen hingegen sind schlicht irre.

Grüße

Thomas



Fußboden dämmen



Wir haben auch ein Haus mit Fußboden auf dem Erdbereich. Es sind bei uns mehr als 50cm. Dielen abschleifen ist sinnlos, da Du die Dielen sichtbar haben willst. Dadurch hast du wirklich einen kalten Fußboden. Wir haben einen dicken Wollteppich. Uns wurde geraten:Fußboden aufnehmen, unter die Balken Bretten befestigen und dazwischen dämmen. Aber den Fußboden aufnehmen bedeutet, dass die Bretter in Nut und Feder nicht heil bleiben



Erdberührten Boden dämmen



Die Belüftungsöffnungen würde ich verschließen, da diese eine viel zu starke Auskühlung bewirken.
Bestehende Holzdielen nicht mit dichten Belägen abdecken,
da dies eine mögliche Austrocknung behindert.

Die Möglichkeiten hängen von vielen Faktoren ab, die hier keinem bekannt sind.
Welche Empfehlung bei euch am sinnvollsten umsetzbar ist kann daher nicht gesagt werden.

Rechtliche Situation der Eigentümer
Zustand und Qualität der Unterkonstruktion und der Dielen- Nut und Feder oder Glattkant?
Höhe des Bodens über Außenniveau,
Art des Untergrundmaterials, auch der tieferen Schichten:,Schotter, Sand, Lehm etc,?
-davon hängt es ab ob Feuchtigkeitsweiterleitung durch Kapillarität möglich ist
Größe der zu sanierenden Räume
Gibts Hilfe oder ist Eigenleistung möglich?
Wie sind die angrenzenden Wände aufgebaut und sind Dämmarbeiten sinnvoll?
Welches Heizungssystem besteht und sind spätere Änderungen vorgesehen?

(lustige Folientests können durchaus erste Anhaltspunkte, auch zur Estrichfeuchte geben und Foliensäcke mit Einblasdämmstoffen werden schon seit Jahrzehnten zur nachträglichen Zwischensparrendämmung eingesetzt)- von vornherein etwas ablehnen nimmt evt überlegenswerte Möglichkeiten.

Ihr solltet Fachleute zur vor Ort Beratung hinzuziehen-
auch wenn’s etwas kosten sollte ist’s viel günstiger als eine falsche Lösung umzusetzen.

In Hamburg oder im Umland gibts sicher welche, ggf auch IG Bauernhaus ansprechen.



Und wenn...



...man günstig eine gebrauchte Hüpfburg bekommt, kann man auch die unter die Balken stopfen und aufpusten :-)

Es ist weder empfehlenswert, mit dem Laubbläser eine Zellulose- Party zu feiern, noch aufzupustende Dämmstoffwürste unter die Balken zu bringen. Letzteres mag als Speziallösung für die Erhaltung historisch wertvoller Bausubstanz herhalten. Preislich angemessen wird sie für die Fragestellerin wohl kaum sein.

Es braucht auch nicht die IG Bauernhaus, um einen Fußbodenneuaufbau zu realisieren.

Im Zuge der Umsetzung eines komplexen Sanierungsprojektes wäre ein altbauerfahrener Fachplaner sinnvoll. Aber genau das ist ja aus Geldgründen gerade nicht anstehend.

Grüße

Thomas



Nachtrag und Frage



Ganz vielen Dank für die ganzen Gedanken und Ratschläge, die ja teilweise doch ziemlich konträr sind. Einige Ergänzungen:

Die Außen- und Streifenfundamente sind 140 cm tief.
Es gibt keinen Hinweis auf Tiere in dem freiliegenden Bereich.
Auf dem Erdboden ist eine Schicht Magerbeton, die beim Reingreifen tlw. etwas kaputt ist. An der von uns geöffneten Stelle ist der Fußboden dellenförmig gering abgesackt (1 cm?).
Die rechtliche Sitution ist bekannt, Austausch mit der WEG-Verwaltung besteht.

Nun zwei weitere Fragen:
- Was ist zu halten von der Empfehlung einer Firma, den gesamten Zwischenraum unterhalb des Fußbodens dicht vollstopfenzu lassen mit einer hydrophobierten Glaswolle? Ich erwarte gerade ein Angebot dafür.
- Wie wäre es denn, nur über den Dielen einen möglichst dicken Holzfußboden zu Verlegen (oder - wenn sie ablösbar sind - unterhalb der Dielen eine dicke Holzschicht)? Wenn sinnvoll - welches Material?



Fußbodendämmung



Statt Glaswolle nimmst du besser hydrophobierte Perlite, Glasschaumgranulat o.ä.., billiger ist EPS Granulat, welches auch für Kerndämmung zugelassen ist.

Glaswolle läßt sich ohnehin nicht dicht an die Unterkonstruktion verlegen



Der "additive" Baustil:



Immer noch eine Lage drauf.

"Und wie wäre es, über den Dielen einen möglichst dicken Holzfußboden zu verlegen"

Ziemlich albern wäre es, wozu soll das gut sein? Winddicht wird's nicht. Hinreichend gedämmt auch nicht. Immerhin, das Geld für den möglichst dicken Holzfußboden seid Ihr ja bereit aufzubringen.

Wenn das Erdreich plötzlich zu Magerbeton geworden ist, um so besser. Demontiert die alten Dielen (meistens sind diese nicht erhaltenswert) , und die Balkenlage (möglicherweise wiederverwendbar). Verschließt die Luftlöcher nach außen, und verlegt eine Schweißbahn (Dachdeckerarbeit) oder selbstverklebende PE Bahn (Eigenleistung). In jedem Falle an der Wand hochgezogen bis UK Dielung. Und solltet Ihr dem Magerbeton nicht trauen, ein waagerecht abgezogener Unterbeton kostet nicht die Welt.

Darauf könnt Ihr mit Balkenlage und Blähton dazwischen oder mit Holzweichfaserplatten und eingebetteten Lagerhölzern (bei wenig tragfähigem Untergrund besser eine gute Basis für die neue Dielung schaffen.

Und Ihr habt statt einem zweifelhaftem Heimwerkerpfriem einen gut gedämmten und dauerhaften Holzfußboden, ohne wesentlich mehr Geld auszugeben.

Große Erfolge wünscht

Thomas