Zement gegen Kalputz tauschen oder nicht

Hallo zusammen,

ich möchte dieses Jahr die Aussenfassade meines Fachwerkhauses streichen. Aktuell sind die Fachwerk Fächer mit Backsteinen ausgemauert. Darauf ist ein nicht Diffusionsofener Putz und darauf nochmal nicht Diffusionsoffene Farbe. Das Denkmalschutzamt was zur Besichtigung schon da war, fände es natürlich schön, wenn der Zementput runter kommt. Der Gutachter hingegen sagt, dass es der Aufwand nicht wert ist, den Putz runter zu machen. Der Putz ist so noch in einem guten zustand und müsste nur an 1-2 stellen ausgebessert werden. Der Gutachter, meinte auch, dass beim abmachen vom alten Putz, sich viele Steine lockern würden und man die Fachwerk fächer neu ausmauern müsste.

Was sagt ihr? Kann man es vertreten, den alten Putz zu lassen? Soll ich zumindest die Farbe abkratzen? Gibt es Nachteile wenn ich den alten Putz + Farbe lasse?


Gruß Flo

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| 19.06.17

Zementputz


1. Was meinen Sie mit "Zementputz"?
PI (Kalkputz) mit homöopatischen Zementzugaben,
PII (Kalkzementputz)
oder PIII (Zementputz)
2. Wie lange ist der jetzige Putz schon dran?
3. Wie sehen die Schäden am Putz aus?
4. Gibt es Schäden am Holz?
5. Sind weitere Sanierungsmaßnahmen (Innendämmung) geplant?
Immer vorher Gehirn einschalten
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 19.06.17

Zementputz


ZementputzDanke schon mal für die schnelle Antwort...

1. Genaue angaben zum Putz habe ich keine. Nur die Aussagen vom Denkmalschutzamt und vom Gutachter, dass der Putz Zementhaltig ist. Macht es Sinn hier eine Probe analysieren zu lassen um mehr Informationen zu bekommen?

2. Ich habe das Haus letztes Jahr gekauft. Davor war es ca. 25Jahre lang nicht bewohnt. Wie alt der Putz ist, kann ich nicht sagen. Da die Vorbesitzer sich ein neues Haus auf das Grundstück gebaut haben und mit dem Fachwerkhaus nichts gemacht haben, schätze ich dass der Putz min. 25-30Jahre alt ist (eher älter).

3. Teilweise Platzt der Putz an den ecken ab. Risse sind keine drin. Wenn ich den Putz abklopfe, finde ich ganz wenige stellen, die sich hohl anhören. Ansonsten haftet der Putz relativ gut an den Steinen. (siehe Bild)

4. Schäden am Holz kann ich keine Finden.

5. Ich habe vor das Haus komplett zu sanieren. Sehr wahrscheinlich wird von innen mit Lehmputz gedämmt und eine Wandheizung verbaut. (muss aber noch mit dem Heizungsbauer besprochen werden)


Anfang nächstes Jahr werden die Fenster getauscht, bis dahin hätte ich gerne das Fachwerk von außen "erneuert".

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| 19.06.17

Zementputz


Gut, damit kann ich was anfangen.
Der DS VERMUTET also das es "Zementputz" sei (wobei das Quatsch ist, mit Zementputz PIII putzt niemand so eine Fassade).
Gravierende Schäden die auf den Einsatz eines falschen Putzmaterials zurückzuführen sind gibt es nicht. Das wäre ein Grund den Putz auszutauschen, nicht bloß die vermutete Anwesenheit von etwas Zement im Putz (es kann auch NHL sein).
Ich dachte der DS hat eine seriöse, fachliche Begründung und nicht nur eine pseudoreligiöse.
Ich vermute das es ein normaler Kalkzementputz PII ist der da seit vielen Jahrzehnten seinen Dienst tut. Die paar kleinen Stellen sind normal; bei "reinem" Kalkputz so wie sich ihn viele Denkmalpfleger wünschen wären die Schäden im gleichen Zeitraum viel gravierender.
Will heißen: Der Putz funktioniert und das auch noch die nächsten Jahrzehnte.
Der Gutachter hat recht.
Es reicht die Fassade durchzureparieren und neu zu streichen.

Nach den geplanten Sanierungsmaßnahmen habe ich gefragt weil die eine Veränderung des physikalischen Systems "Außenwand" hervorrufen können und ein jahrzehntelang funktionierendes Bauteil plötzlich nicht mehr funktioniert.
Das sollte beachtet werden.
Bei Ihrem Vorhaben (Dämmung aus Holzfaser in Lehm gesetzt, Wandheizung) sehe ich erst einmal keine Gefahr für das Gefachholz denn um das geht es hier. Allerdings sollte die Dämmung nicht überdimensioniert werden ( ca. 80 mm maximal) und das Sichtfachwerk vor Schlagregen geschützt sein. Trotzdem sollte während der Planung dieses Bauteil sorgfältig analysiert und bewertet werden. Im Zweifelsfall hilft eine Feuchtesimulation mit einem Programm wie Delphin.
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 19.06.17

Zementputz und Innendämmung


Danke nochmals für die Ausführliche Antwort.

Der DS hat sich was baufachliche Dinge angeht, eigentlich eher zurück gehalten und wollte dazu wenig sagen. Deswegen habe ich da noch einen Fachmann dazugeholt habe. Mit diesem ging es aber eher um statische Sachen was den Zustand des Holzes angeht. Details wie Putz/Innendämmung usw. habe ich mit ihm nicht im Detail besprochen.


zu dem Außenputz:

Was mache ich mit der Farbe? Kann ich die so lassen und einfach eine dünne Schicht darüber Putzen. (um eine gleichmäßige Struktur zu erhalten). Oder besser die Farbe irgendwie runter kratzen und direkt auf den Putz überputzen. Ansonsten wird man die ausgebesserten stellen doch bestimmt gut sehen?!
Gibt es beim Kauf vom PII Kalkzementputz etwas zu beachten? Da gibt es ja auch wieder unterscheide was den Zementanteil angeht. Da ich ja aber kein Holz überputze, sollte es doch nicht so Problematisch sein?!?!


Der "Problematik" bei einer Veränderung des physikalischen Systems, bin ich mir bewusst. Darüber informiere ich mich in letzter Zeit ziemlich viel bzw. hole mir rat von entsprechenden experten. Das ganze Bauprojekt steht unter keinem Zeitlichen Druck, weswegen ich auch langsam an die Sache ran gehe.

Die Innendämmung wird wegen Lärmschutzmaßnahmen gefördert, weswegen von einem Architekten eine Wertermittlung für die Innendämmung gemacht wurde. Dieser hat die Innendämmung folgender Massen berechnet:

- Innendämmung aus Holzfaserplatten (vgl. Pavadentro 175kg/m³) D = 60mm N + F
- Lehm- /Kalkputz armiert geglättet
- Anstrich mit Bio-Silikafarbe

Mit Wandheizung komme ich dann ca. auf 80mm Innendämung (evtl. etwas mehr).

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| 20.06.17

Putzausbesserung


PII CSII, ein stinknormaler Kalkzement- bzw- NHL- Putz geeignet für außen, Körnung 0-2 mm. Mit einer Tüte kann man eine Menge Stellen ausbessern und zwar so das man es nicht sieht.
Der Bestandsputz wird nicht ÜBERPUTZT, der wird gestrichen. Mit was und wie- das sollte ein Maler vor Ort festlegen.
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 20.06.17

Putz-Bilder aus der Bilddatenbank: