Leitungswasserschaden - wie Kosten berechnen?

Hallo zusammen!

Wir hatten im Dezember einen Leitungswasserschaden in unserem noch-nicht-fertig-renovierten Fachwerkhaus. Der Schaden:
Dielenboden aufgequollen, Lehmputz abgefallen, Lehmdecke runtergekommen, riesen Sauerei, alles quackenass und das im Winter :-(
Ein Herr von unserer Versicherung war da und will den Schaden so irgendwie pi mal Daumen bewerten.

Da wir alles selber machen und gemacht haben, noch nicht alles fertig ist und auch nicht so 08/15 bauen ist das natürlich nicht ganz einfach, aber vielleicht hat hier ja jemand Erfahrung, wie man 20 qm runtergekommene Lehmdecke bewertet und total verzogene Eichen bzw. Douglasiemassivdielen und x qm Unter-/Oberputz?

Weiß zudem jemand, ob sich so Dielen (meist stehende Jahresringe, schwimmend verlegt auf Uko) sich wieder zurück in Form bringen lassen oder sie das irgendwann selber tun?

Ist schon doof genug so ein Schaden (und wir können rein gar nichts dazu - war ne kaputte Armatur am Waschbecken), aber der Versicherungsmensch möchte uns für alles zusammen 2500 Euro geben - für im Einzelnen:

ca. 25 qm Dielenboden (verteilt in 3 Räumen, Material und Arbeit)
ca. 20qm Decke (Material und Arbeit)
Gebäudetrocknung (geliehenes Gerät, Strom und Gas)

Was würdet ihr tun?

Danke für alle Tipps!

Gruß aus Nordhessen,
Mira


Mira Hennecke | 09.01.08

Ich hatte


im vergangenen Jahr mit etlichen solcher Schäden zu tun. Der Werdegang war eigentlich bei allen Versicherern der gleiche: Schadensmeldung, Besichtigung und Schadensaufnahme durch einen Sachverständigen, Angebotsabgabe für die Reperatur, Prüfung der Angebote durch den Sachverständigen und Erteilung des Auftrags durch den Bauherrn. Nach Fertigstellung und Abnahme problemlose Bezahlung durch die Versicherung. Bei Eigenleistung werden in der Regel die Kosten eines Handwerkerangebots ohne MwSt. anerkannt. Oder es werden Stundensätze gerechnet, einfach mal den Versicherer fragen.
Vor allem Demontage und Trocknung durch eine Fachfirma machen lassen. Dann hat man auch die Sicherheit, dass alles trocken ist, da regelmässig Kontrollmessungen durchgeführt und dokumentiert werden.
MfG
dasMaurer
alt und neu ist kein widerspruch
Mitglied der Fachwerk.de Community
Maurermeister | | 09.01.08

Mal als Beispiel


Für Wiederherstellung von ca 20 qm schwimmender Estrich mit Fliesen, ca 30 qm GK-Wand und ca 15 qm Wandfliesen und diverse kleinere Arbeiten hatte ich 5.800.00 € plus MwSt veranschlagt, dazu die Kosten für Demontage und Trocknung und die Kosten für die Installationsreparatur, durch andere Firmen ausgeführt. Alles in allem schätze ich den Gesamtschaden auf ca 10.000,00 €. Ich denk mal, das wird sich bei Euch in einer ähnlichen Grössenordnung bewegen.
MfG
dasMaurer
alt und neu ist kein widerspruch
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Maurermeister | | 09.01.08

Vielen Dank ...


... für die prompte Beantwortung!
D.h. wir werden einen Kostenvoranschlag einholen - ist immer etwas doof, wenn man den Schaden gar nicht von einem Handwerker reparieren lassen will.

Vielen Dank,
Mira hennecke


Mira Hennecke | 10.01.08

Bestellt bitte


einen eigenen vereidigten Sachverständigen. Eine Handwerkerrechnung gilt gegenüber der Einschätzung des Versicherungsheinis (war das ein Sachverständiger oder halt so ein Policenverkäufer?) nichts. So die Versicherung nicht schon einen echten Sachverständigen geschickt hat, müsste sie auch die Kosten Eueres Sachverständigen übernehmen.

Zunächst muß (ganz richtig) geprüft werden, was womit getrocknet werden muß. Die Dielung, wenn verzogen, gewölbt etc. ist nicht zu retten. Ein krummes Brett bleibt ein krummes Brett. Ist das eine massive Dielung oder 3-Schichtaufbau?

Die schwimmende Verlegung von massiver Dielung wäre (Entschuldigung) Pfusch. Selbst wenn Ihr die zuweilen angebotenen Klammersysteme verwendet habt; Ihr seht, was dabei herauskommt. Zu einem neuen Bodenaufbau berate ich Euch hier oder auch telefonisch gern.

Waren die Wände schon gestrichen? Auch das ist eine Schadensposition.

Unabhängig ob Eigenleistung oder nicht, die Wiederherstellungskosten könnt Ihr lt. Gutachten bezahlt bekommen.

Je nach Funktion der Räume und Umfang der Arbeiten könnt Ihr vielleicht (kleine Kinder?) für eine Weile nicht in der Wohnung wohnen. Das bedeutet Ersatz der ortsüblichen Pensionskosten.

Nochmal ganz deutlich: Egal ob Ihr den Gutachter letztendlich selbst bezahlt, oder die Versicherung; ohne einen versierten Gutachter büßt Ihr viel Geld ein.

Grüße

Thomas
Holz schwimmt immer oben
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Restauratio GmbH | | 10.01.08

Hallo,


Angebote könnt Ihr Euch nach Schadensaufnahme durch den Sachverständigen einholen. Und das sollte schleunigst geschehen, eh von dem Schaden nix mehr zu sehen ist. Wundert mich schon ein wenig, denn im der Regel schickt die Versicherung gleich nach der Schadensmeldung einen Sachverständigen raus, der zum einen den Schaden begutachtet und zum anderen über die weitere Vorgehensweise informiert.
MfG
dasMaurer
alt und neu ist kein widerspruch
Mitglied der Fachwerk.de Community
Maurermeister | | 11.01.08

Genau deshalb...


...einen eigenen Gutachter bestellen.

Ich hatte vor einigen Jahren einen dieser bösen Wasserschäden: leicht undichte Heizleitung im Bodenaufbau, muss über Jahre ganz wenig getropft oder vielmehr gedampft haben, bis dann plötzlich der Boden nachgab. Ein junger Hausschwamm, sozusagen. 3 Wochen nach der Sanierung tropfte es aus der Decke im darunterliegenden Raum. Der Reparaturversuch an der Leitung war missglückt, wieder eine undichte Lötstelle. Also noch 'mal alles rausreißen, trocknen, Dielung erneuern. Und das alles in einer vermieteten Wohnung.

Ich hatte am Tage nach der Schadensentdeckung einen eigenen Gutachter im Hause, den die Versicherung auch zahlen musste. Ihr Gutachter kam hinterher. Die Differenz zwischen beiden Gutachten betrug 8000 EUR, die ich denn mit geringen Abstrichen durchsetzen konnte.

Der Gutachter des Versicherten wird dann von der Versicherung gezahlt werden müssen, wenn diese noch keinen eigenen vor Ort hatte. War schon der Gutachter der Versicherung da, zahlt sie den Gutachter des Versicherten häufig nicht. Merke: Ein Versicherungsvertreter ist kein Gutachter.

Grüße

Thomas
Holz schwimmt immer oben
Mitglied der Fachwerk.de Community
Restauratio GmbH | | 11.01.08

Vielen Dank ...


... an alle für ihre guten Tipps!
Wir haben uns geeinigt mit der Versicherung - "Profies" hätten wahrscheinlich mehr "herausquetschen" können, aber wir sind ganz zufrieden!

Der Lehm trocknet auch schon ganz gut und wie der Boden sich entwickelt werde ich erst in einigen Wochen sagen können.

Wir haben übriegens in mehreren Räumen Eichendielen mit Breiten bis zu 40 cm schwimmend verlegt und es sieht super aus und verhält sich absolut unproblematisch!

Ist halt kein Laminat - aber will das schon ;-)
Wir bewunderten die alten Böden in diversen Freilichtmuseen und sind dem mit unserer Technik schon sehr nahe gekommen - es fehlen nur noch 200 Jahre Patina - aber da arbeiten wir auch dran ;-)

Es ist zum Glück etwas anderes, wenn man für sich baut, als wenn man einem bauherren gegenübersteht, der zwar "alles so wie im Museum" haben möchte, dann aber bei einem Trocknungsriss oder einer Fuge zwischen den Dielen gleich Regress fordert - wir haben "jedes Brett liebgewonnen", wir haben es aus dem Wald geholt, ins Sägewerk gebracht, in der Schreinerei veredelt, ..., über die ersten Flecken geflucht, den 10. Fleck aber schon willkommengeheißen, weil jetzt heißt er Patina.

Sicher nix für Rigipser und Silikonfreaks, aber für Menschen mit Freude an den Eigenheiten eines Materials der Königsweg!

Trockene Grüsse ;-)

Mira


Mira hennecke | 15.01.08

Wasserschaden Fachwerkhaus


Liebe Mira, ich habe so katastrophalen Erfahrungen mit Leitungswasserschaden, Versicherung und Schimmelpilzfolgeschäden, auch mit Sachverständigen, dass ich Dir gerne Ratschläge geben würde. Auch ein staatlich vereidigter Gutachter muss kein guter Gutachter sein.
Kümmert Euch!
Melde Dich gerne per Email. Wir können dann telefonieren.
ina


bine | 21.02.08