Effektivität der Wärmedämmung

15.03.2005


Wieviel Heizkostenersparniss bringt eine Außenwanddämmung (z.B.: 10cm - 035 oder 12cm - 040) wirklich? Man hört da sehr unterschiedliche Angaben.
Vielen Dank
Holger Kern





Hallo,

Heizkostenersparung ist nicht alles. Wenn Sie die Dämmung auf ein Altbau einbauen möchten, so wette ich jetzt schon, dass Sie nach ca. 7 Jahren so einige Probleme mit Schimmel, feuchten Wänden etc. bekommen. Die Fälle häufen sich leider. Es ist daher besser richtig zu lüften. In dem man die Feuchte Luft nach außen schickt, kann man bis so ca. 30 % Energiekosten sparen. Das wird die Dämmung vielleicht grad mal bei 30 cm schaffen.

Was haben Sie vor?

Viele Grüße
Michael Reisinger





Interessante Fragestellung! Die Frage wäre noch besser wenn sie lauten würde:
Bringt eine Dämmung eine Kostenersparnis? – Ich denke auf gar keinen Fall! Das Gegenteil ist der Fall!

Es wurde schon wirklich viel geschrieben!

Richtig ist auch, dass eine versprochene Energieeinsparung nicht alles ist.

Dazu ein Gedanke: In den letzten 30 Jahren ist laut Statistischem Bundesamt die Menge der in der Bundesrepublik zu Heizzwecken verbrauchten Brennstoffe nicht gesunken.
Leider habe ich auf die Schnelle die Quelle nicht gefunden. Bei Bedarf reiche ich sie nach.

Wenn man wirklich alle ideologischen Gesichtspunkte außer acht lässt, und die Rechnung einmal rein buchhalterisch aufmacht, sieht die Sache mit der Dämmung ganz finster aus!

Nicht nur, dass der betriebene finanzielle Aufwand sich die nächsten 20 Jahre nicht rechnen wird. Die ganze Sache wird für den Hauseigentümer als Investor zu einem finanziellen Fiasko. Er(der Eigentümer) investiert, versucht dann die Miete anzuheben, oder hofft bei Eigennutzung durch Energieeinsparung die Mittel wieder zu erwirtschaften.
Selbst wenn das wirklich klappen sollte, was ich persönlich bezweifle. Es kommen ganz andere zusätzliche Ausgaben auf ihn zu. Schimmel an den Fensterstürzen und in Ecken. Vergammelte Fassade(kein Schmutz aus der Luft, sondern Schimmel), absaufende Dämmungen in Dachausbauten, durchhängende Dachstühle….
Von den gesundheitlichen Schäden der Bewohner rede ich schon gar nicht mehr!
Sick building syndrom zu Deutsch Hauskrankheit! Asthma, Pseudokrupp, Allergien…
Einiges kann man im gedämmten Haus auch mit einer richtigen Heizung entschärfen!
Strahlungswärme kann man auch in Fertigteilhäusern durch Heizleisten nachträglich ohne großen finanziellen Aufwand erzeugen. Die Belüftung kann man verbessern, indem man die Dichtungen der Fenster etwas zurückschneidet, nicht indem man eine Zwangslüftung einbaut. Die kostet ein Vermögen, verbraucht nur zusätzlichen Strom und in den Lüftungskanälen wuchert nur neuer Schimmel. Glauben Sie nicht? Es gibt Filter? Richtig, und je feiner der Filter ist, umso feiner ist der durchgehende Staub, umso lungengängiger ist er! Außerdem gibt es auch dafür schon wieder Firmen, die sich mit der Reinigung von Lüftungsanlagen eine goldene Nase verdienen!
Den Schimmel kann man beseitigen, indem man die Dämmung wieder entsorgt. Den Dachstuhl kann man reparieren, die Wände werden wieder trocknen. Vorausgesetzt das Haus ist solide gebaut. Aber das ist heute auch nicht mehr modern.

Ich freue mich schon auf die Sanierung von der Sanierung.

Im Übrigen versuchen Sie doch mal jemanden zu finden, der in den letzten Jahrzehnten seine Heizölrechnungen aufgehoben hat, und zwischendurch gedämmt hat.
Und dann setzten Sie sich mal wie ein Buchhalter hin und rechnen Sie nach!
Anschaffungskosten + Zinsen – Heizkostenersparnis abgezinst + weitere Ausgaben für Beseitigung von Schäden = ?

Dann noch ein Hinweis für diejenigen, die der Meinung sind, nur nachhaltiges Wirtschaften rettet unseren Kindern die Welt von morgen und übermorgen. Erstens hab ich in einem gesunden Haus ein gesundes Kind! Jetzt!

Wenn meine germanischen Vorfahren zu Zeiten als sie noch mit dem Lendenschurz auf dem Bärenfell gehockt haben und Met soffen, beschlossen hätten nur noch nachhaltig so viel Holz zu verbrennen wie nachwächst, müsste auch ich wohl noch im Lendenschurz Met saufen.
Konnten sich unsere Ururgroßeltern vorstellen, dass es Brennstoffzellen und Kernspaltung Energie liefern werden?
Können Sie sich vorstellen, wie wir in 50-70-100 Jahren unsere Energie „gewinnen“?

Halten Sie Ihr Geld zusammen, denken Sie daran, dass Ihr Haus noch ein paar Jahre machen soll und denken Sie auch an die Gesundheit Ihrer Kinder!

Bild: Bauschaden an einem mit Gasbeton gebauten Haus.
Im Normalfall wäre gar nicht aufgefallen, dass der Putz anfängt zu gammeln. Das Haus wäre gleichmäßig grau geworden. Da jedoch an den Fugen mehr Wärme nach außen gelangt, und dort die Wand trockner ist, gammeln die Bereiche nicht.
Ähnliches können Sie bei Styroporgedämmten Häusern beobachten. Dort sind kleine saubere Punkte an den stellen an denen die Klemmscheiben die Styroporplatten halten.
Auch immer wieder sehr schön sind die Bereiche des Putzes über den Fenstern von Dauerlüftern. Die entweichende Warmluft ist sehr feucht und hällt den Putz über dem Fenstersturz immer schön feucht. Der Sturz kühlt gleichzeitig ab und die Folge ist Schimmel innen und außen. Das ganze sieht teilweise so schlimm aus, dass man denkt im Haus habe es gebrannt!
Aber für jeden unnützen Fehler gibt es eine teuere Lösung. Fassadenfarbe mit Lotuseffekt oder fungiziden Bestandteilen! Glückwunsch!





HEIZKOSTEN-ERSPARNIS durch AUSSENDÄMMUNG

Die gestellte Frage von Herrn Kern kann man so pauschal nicht beantworten. Zur Quantifizierung muß der U-Wert der Außenwand vor und nach der Aufbringung einer Außendämmung errechnet werden.
Bei einem Gebäude aus den 70er Jahren und früher ist aus aktueller Sicht eine 10 cm Dämmung mit der Wärmeleitfähigkeitsgruppe 035 aus 1. ökologischer und auch 2. ökonomischer Sicht mehr als sinnvoll. Zu 1. wird durch den verminderten Energieverbrauch des Gebäudes der CO2-Ausstoss vermindert. Zu 2. ist bei den in den nächsten Jahren weiter steigenden Energiepreisen und den gesunkenen Kosten der Dämmstoffe früher der Break-Even-Punkt erreicht.
Dies kann durch eine detaillierte Berechnung ermittelt werden.

Zum Punkt Bauschäden ist aus bauphysikalischer Sicht zu sagen, dass die Außendämmung abgesehen von vielleicht fachlich falsch ausgeführten Arbeiten zu keinen Schäden führt und zu einer erhöhten thermischen Behaglichkeit führt. Um Mängel bei der Ausführung zu vermeiden gibt es ja Fachleute (Architekten und Planer), die die Ausführung dieser Arbeiten planen und überwachen.

Und wenn man in der Bauphysikvorlesung aufgepasst hat (sofern man studiert hat) und über baupraktische Berufserfahrung verfügt, schreibt man auch kein wirres Zeug, wirft alles durcheinander und vermengt Dinge die überhaupt nichts miteinander zu tun haben. (Dies als Anmerkung zu den haarstreubenden Dingen die von M. Reisinger und Ingo Rhein zu diesem Thema verfasst wurden - die beide wohl ihre "Anschauung" kundgetan haben, aber fachlich keinerlei Antworten gegeben haben oder wenn doch, dann z.T. elementar falsche.)
So verwirrt man Laien nur und klärt nicht fachlich und vor allem sachlich auf. Und dass sollte doch wohl der Sinn eines solchen Forums sein.

Grüße aus dem Siegerland

Frank Rosteck
(Bauplanungen und Projektentwicklung)