Ebenheitstoleranz beim Verputzen

13.06.2012



Hallo,

die Fassade unseres Hauses Bj. 1959 wurde gerade saniert. Aufbau: 2x8cm Ständerkonstruktion aus Vollholz, 3,5 cm Heraklithplatte, Grundputz, Netz mit Einbettmörtel. Bevor nun der Edelputz und der Egalisationsanstrich erfolgt möchte ich wissen welche Ebenheitstoleranz der Bauherr akzeptieren muß. Gefunden habe ich DIN 18202, ist das die richtige?
Wenn dort Tabelle 3 maßgebend ist, denke ich dass Zeile 6 "Flächenfertige Wände und Unterseiten von Decken, z.B. geputze Wände, Wandbekleidungen, untergehängte Decken" für meinen Fall gilt. Mißt man dann über die komplette Wandbreite und Höhe? Wer kann dazu etwas sagen?

Gruß,
Michael



Ebenheitstoleranzen



Wie gemessen wird steht auch in der DIN unter Pkt. 5.2., einfach ein paar Seiten weiterblättern.
Wichtig ist die Einhaltung von Toleranzen z.B. bei Fügungen und dem Einbau von Fertigteilen.
Bei Ihnen ist eher der optische Eindruck maßgebend.
Der hängt nicht von der Einhaltung der Toleranzen ab, da gibt es noch andere Kriterien.

Viele Grüße
p.s. falls ein kunststoffvergüteter Oberputz und eine entspechende Farbe verwendet wird kann es passieren das Ihre neue Fassade in Teilbereichen zur Veralgung neigen wird.



Ebenheitstoleranz beim Verputzen



Ich habe die DIN nur in Auszügen gefunden. Ob das Pkt. 5.2 ist weiß ich nicht, ich vermute Sie meinen das hier:

Ist eine Überprüfung der Gesamtfläche erforderlich, wird
vor der Prüfung mit Raster die Fläche in Messlinien mit
gleichem Abstand unterteilt. Es wird empfohlen, einen
Abstand von 2 m zu wählen, so dass eine 4-m-Richtlatte
entlang dieser Messlinien jeweils um eine halbe Richtlattenlänge
verschoben wird. Bei Flächen, die eine Prüfung mit
der 4-m-Latte nicht zulassen, können kürzere Abstände
gewählt werden.

Wenn ich nun den ersten Messpunkt nicht direkt an der Hausecke sondern bspw. 10cm von dieser entfernt setze kann das Ergebnis ein ganz anderes sein.

So wie ich Sie verstehe gilt die DIN in meinem Fall evtl. nicht? Aus welchem Grund? und welche andere Kriterien gibt es?

Putz ist Hagasit.



Toleranzen



Die Höhe bzw. Größe der zulässigen Toleranzen wird bals Stichmaß, einer Abweichung von einer geraden Messachse, gemessen. Die Höhe der zulässigen Toleranz hängt von der Länge der Messachse ab. Der Grad der Abweichung hängt ab von der Häufigkeit und der Größe der Abweichungen, die über ein Messrasterauf der zu betrachtenden Fläche ermittelt wird.
Bei Putzflächen ist nicht die Toleranzabweichung das Problem, sondern optische Auffälligkeiten, die sich im gewöhnlichen Betrachtungsabstand ergeben.
Was ist der gewöhnliche Betrachtungsabstand:
Ich gehe ein Treppenhaus hoch und sehe die Putzfläche über mehrere Meter Länge.
Ein (normaler)Besucher geht über den Fußweg auf das Haus zu; der Weg führt in einem Fall parallel an der Hauswand entlang, in einem anderen geht der Besucher auf das Haus direkt zu.
Wenn ich bei etwa 90° auf eine Putzfläche schaue dann kann ich auch große Abweichungen von der Toleranz nicht erkennen. Ein Blick parallel zur Fläche kann da ganz andere Auswirkungen haben. Wenn dazu noch Streiflicht kommt dann sieht man jeden mm Abweichung, wenn es sich um eine glatte Fläche handelt.
Ich hatte verschiedene Fälle die ich als Sachverständiger zu beurteilen hatte. Da waren z.B. Abweichungen am Putz des hinteren Giebels, die man nur sehen konnte wenn man praktisch auf dem Komposthaufen stand. Das ist kein gewöhnlicher Betrachtungsabstand.
Typisch ist der Putz im Treppenhaus bei Streiflicht, selbst bei Einhaltung der Ebenheitstoleranzen kann so ein glatter Putz grauslich aussehen. Hier sollte man dann erhöhte Ebenheitskriterien vereinbaren, die natürlich teurer sind.
Deshalb sollten große Putzflächen z.B. an Fassaden immer strukturiert werden; entweder durch Lisenen, Putzbänder, Strukturwechsel im Putz o.ä. Am einfachsten geht das mit einem strukturierten Putz; aus diesem Grund wurden solche aufgerauhten Putzoberflächen entwickelt. Je größer die Fläche, je rauher und gröber die Struktur.
Wenn das nicht beachtet wird gibt es ein gestalterisches Desaster.
Ich hatte einen Fall einer glatt gefilzten Fassade, im EG befand sich eine Bäckerei. Wenn morgens die Kunden kamen lag Streiflicht auf der Fassade, das Ergebnis war grauenerregend und das obwohl die Toleranzen eingehalten wurden. Die Oberfläche wurde komplett erneuert, mit dem selben Ergebnis.
Das sind optische Mängel, die i.d.R. zu einer Minderung des Werklohnes führen können, wenn der Ausführende daran schuld trägt. Die Höhe der Minderung kann man berechnen.

Viele Grüße



Ebenheitstoleranz beim Verputzen



Das scheint ein interessantes und nicht triviales Thema zu sein. In der DIN steht speziell auch etwas über verputzte Flächen (Zeile 6 der tabelle), ich frag mich nun immer noch ob diese Toleranzen herangezogen werden können oder ob rein die "optischen Auffälligkeiten" für einen solchen Fall Gültigkeit haben. Und wenn, wer soll die denn beurteilen wenn jeder Betrachter dafür ein anderes Empfinden hat? Weiter finde ich es ungünstig eine Fassade erst anlegen zu lassen und danach zu beurteilen ob es Auffälligkeiten im gewöhnlichen Betrachtungsabstand gibt.



Ebenheitstoleranz beim Verputzen



Kann mir jemand sagen welche Kriterien Gültigkeit haben?



Ebenheitstoleranzen



Das kommt drauf an.
Auf die Art des Putzes, die Lage der Fläche, die Größe der betreffenden Fläche und das was vertraglich vereinbart wurde.
Die Überprüfung der Einhaltung ist nicht so einfach zu bewerkstelligen, das sollte ein Fachmann übernehmen. Die vorgegebenen Toleranzbereiche werden mit einem Messraster in Abhängigkeit von Bezugsebenen verschiedener Länge ermittelt und statistisch ausgewertet.
Damit hat man aber immer noch keine allgemeingültige Wertung, ob bzw. was für ein Mangel vorliegt und ob Nachbesserung, Werklohnminderung oder einfach gar nichts angemessen ist.

Es könnte alles so einfach sein... isses aber nich (singt Herbert Grönemeyer).

Viele Grüße
p.s. Vielleicht nennt ihnen ein anderer Zahlen die Sie wollen. Ich kann das nicht so einfach.



Optik der Putzoberfläche



Hallo,
ich melde mich jetzt noch einmal mit ein paar Bilder da das Haus bereits verputzt und gestrichen ist. Um es kurz zu machen, ich finde das Ergebnis nicht zufriedenstellend. Die Bilder sind nicht vom Komposthaufen aus gemacht. Ich stehe im Garten an einer Stelle die ich jeden Tag passiere und auf einem Weg den ich jeden Tag gehe. Für meine Begriffe ist das ein gewöhnlicher Betrachtungsabstand. Ich hoffe man sieht was ich meine. Ich frage mich welch Geschick man haben muß einen solch langen Streifen zu produzieren und ob man den so einfach hinnehmen muß. Ich gehe jetzt schon seit Wochen mit offenen Augen durch die Straßen und habe nicht ein Haus gesehen bei dem der Putz so daneben ist.

Gruß,
Michael



Optik der Putzberfläche



und noch ein Bild.

rechts oben neben dem unteren Fenster.

Vielleicht gibt es einen Sachverständigen hier aus dem Forum der in der Nähe ist. PLZ 61197, selbstverständlich zahle ich dafür.