Schimmelbildung / feuchte Außen-Ecke & Badgestaltung

21.03.2018 UntermainHaus



Liebe Fachwerkgemeinde,

wir haben unser Haus BJ 1927 neu renoviert und haben jetzt nach ca. 2 Jahren in der sonnenabgewandten Seite im Erdgeschoss Schimmel in der unteren Außenecke.
Die Wand ist tapeziert und gestrichen, hinter der Sockelleiste und an der Tapete haben wir die ersten Schimmelspuren entdeckt.
Wir haben einen Sandsteinkeller und um das Haus zieht sich ein ca. 1m hoher Sandsteinsockel, auf dem das Erdgeschoss aufgesetzt ist. Die Kellerdecke ist gewölbt und betoniert. Der Fußboden ist mit Sand verfüllt und es liegen Holzdielen auf Balken.

Es wurde von einem Baubiologen erhöhte Feuchtigkeit und ca. 10°C in der unteren Außenecke gemessen (bei einer Raumtemperatur von 20°). Hier wurde geraten, die Tapete zu entfernen und Silikatputz in Verbindung mit Silikatfarbe zu verarbeiten. Außerdem sollen wir die Wandecke in diesem Bereich heizen, z.B. durch Sockelleistenheizung.
Haltet ihr das für zielführend und hat jemand von euch hierzu positive Erfahrungen gemacht?

Das nächste Problem ist genau die gegenüberliegende Außenecke im Haus. Hier ist noch kein Schimmel zu sehen. Genau hier ist eine Badewanne vorgesehen, der Baubiologe rät uns aktuell davon ab.
Nun ist das Bad schon fast fertig, Planung sowie Umsetzung. Alle Installationen sitzen und aktuell laufen die Fliesenarbeiten, wobei die betroffene Außenwand noch nicht gefliest ist.
Nun wurde uns geraten, in der Problemecke irgendwie Wärme an die Wand mittels z.b. auch einer Fußleistenheizung oder ähnlichem zu bringen, die Badewanne ca. 10cm von der Wand entfernt aufzustellen und die 10cm Abstand zu überbrücken, dass Luft zirkulieren kann, am besten mit Öffnungen/Schlitzen nach oben.
Nun ist das ja nicht gerade unproblematisch wegen Spritzwasser usw. bei einer Badewanne.
Geplant haben wir eine Badewanne (bereits gekauft), die auf den Fertigfußboden gestellt wird und mit einer GFK-Schürze verkleidet ist. Diese Schürze ist abnehmbar.

Wir sind aktuell wirklich an einem Punkt, an dem die Verzweiflung groß ist und die Nerven blank liegen.
Vielen Dank für eure Hilfe!
Eva&Steffen



Bad



Dieser Spalt bis zur Wand ist eine typische Kondensatfalle, eine Wandbewässerungsanlage.
Ich empfehle Ihnen im Bad eine Innendämmung hohlraumfrei aufzubringen. Das können z.B. Wediplatten sein die im Buttering- Floatingverfahren aufgeklebt werden, Stärke 20 bis 40 mm. Darauf kann gefliest werden. Die Wanne an die Wand stellen, die Eindichtung der Fuge sollte fachgerecht ausgeführt werden.



Wie sollen die Ecken eigentlich warm werden, wenn...



..keine Heizung an der Wand ist?
Dazu reicht i.d.R. eine Heizleitung (Vorlauf) aus.
Mir wird immer schlecht wenn ich lese ein Baubiologe...Welche Ausbildung hat er denn?
Einige Punkte dazu: Tapeten gehören nicht an eine Wand (Baujahr 1927. Dies ist ein idealer Nährboden für die Schimmelzucht. Also weg damit.
Was wurde denn wie gemessen? Mit welchen Messgeräten?
Gibt es auch ein Bild dazu?



Ausbildung / Messwerte



Hallo,
zu der Ausbildung:
Baubiologe IBN, baubiologischer Messtechniker IBN

Lt. seiner Aussage wurde hautpsächlich in Tiefen von ca. 2-4 cm nach "kapazitivem Messverfahren" (Leitfähigkeit) gemessen.
Im Wohnzimmer hauptsächlich 130-140 Digits ("trocken") oberhalb der verschimmelten Stellen, wandaufwärts.
Am Streifen entlang des Bodens etwas mehr als 180-200 Digits ("schon feucht")
Im Bad ebenfalls unten ca.170-200 Digits.
(Bezugsgröße sind maximal 999 Digits des Messgerätes. Werte mit anderen Messgeräten nur vergleichbar, wenn auch diese ein Maximum von 999 Digits anzeigen)
Viele Grüße
Eva&Steffen



Feuchtemessung



Das die Wand- genauer gesagt die Tapete- dort feuchter ist wo Schimmel wächst kann ich auch ohne so ein Piepsding feststellen. Mit so einem Gerät können Sie nur ermitteln wo es feuchter oder trockener ist- vorausgesetzt die Wand besteht aus dem gleichen Material. Dafür brauchen Sie keinen Baubiologen.
Viel wichtiger sind die Temperaturen auf der Wandoberfläche und die raumklimatischen Bedingungen (rel. Luftfeuchte, Temperatur, Taupunkt) und das Wärmeübertragungssystem.
Das Gebäudeecken oben und unten eine geometrisch bedingte Wärmebrücke darstellen sollte sich auch in Baubiologenkreisen herumgesprochen haben.
Dieses Stereotyp: "Silikatputz (was auch immer das sei), Silikatfarbe)" als Heilmittel können Sie vergessen. Wenn der ph- Wert der Oberfläche nach einer Weile in den neutralen Bereich gelangt und sich wieder genügend Staub abgelagert hat wächst der Schimmel fröhlich weiter. Der wächst sogar ohne Kondensatausfall. Es genügen rel. Luftfeuchten um die 80" in der wandnahnen Luftschicht über einen längeren Zeitraum(10-20 Stunden) das hier wieder Schimmel wächst.



Schimmel



Zu dem Badewannenproblem kann ich nichts beitragen, weiß ja auch keiner wie genau das jetzt bei dir aussieht.

Zu dem anderen Thema:

Ich habe bei mir im Badezimmer eine Ecke wo mir JEDER prognostiziert hat: "Da bekommst du Schimmel!"
Es handelt sich zwar nicht um eine Aussenecke, aber eben um Fensterlaibungen und ausgerechnet im Bad ist das letzte alte Fenster erhalten geblieben. Ich habe damals bei mir in der Wohnung konsequent alles mit Kalkputz gemacht und das Bad auch mit Kalkfarbe gestrichen.

Bislang habe ich keine Probleme mit Schimmel, feuchten Stellen oder sonstwas - und das obwohl ich im Bad schon gerne und viel herumplansche.

Neulich war ich bei einem Sanierungsvorhaben zum Vorab-Termin und dort war außen ein kräftiger Zementputz und innen war eine Hausecke voll gefliest. Die Feuchte stieg in dem Bereich bis knapp unter die Decke zum 1. OG, das war schon beeindruckend. Ich wäre also vorsichtig mit Fliesen / Abdichtungen in dem Bereich - könnte unter Umständen das Problem verschieben, wobei das sicherlich auch abhängig ist von dem was bei dir genau gebaut wurde, das weiß ja hier keiner...



Schimmel



Das "letzte alte Fenster" ist eine Sollkondensationsstelle.
Übrigens: In meinem Bad schimmelt auch nichts, obwohl voll gefliest, Gipskarton an den Wänden, moderne, dichte Fenster und ein WDVS (Plastikmüll mit Chemieputzschwarte) auf der Fassade.



Warum keine Fliesen?



Es hat doch mit den Fliesen nichts zu tun!
Es geht nur um die Wärmeleitfähigkeit und ob Tauwasser entsteht und wie viel.
Es ist eben wichtig zu wissen welchen Dämmert die Wand hat und auch welche Raumtemperatur aber auch die der kältesten Stelle. Selbstverständlich auch welche Feuchte im Raum ist.
Weiter auch wie richtig geheizt und auch gelüftet wird. Mit besonderer Beachtung auf "richtig"! Da dies nicht so einfach ist empfehle ich - meinen Beitrag auf meiner Homepage unter "Aktuelles".
Was auch wichtig ist jedes Objekt ist einmalig und kann nicht mit einem Anderen verglichen werden. Dazu noch eine Bemerkung : Tauwasser entsteht erst bei 100% und noch nicht bei 99%.



Warum keine Fliesen?



Leider doppelt



Bilder, Temperaturen



Hi,

Vielen Dank für die Antworten.

im Bad hat er die Temperatur leider nicht gemessen.
Im Wohnzimmer: Wände direkt über dem Fußboden an der Wand 10,8 °C- 12 °C;
direkt oberhalb der Fußleiste 12,8 °C
direkt unter der Steckdose: 14 °C; außenwand Straße 13,7 °C, unterhalb Höhe Steckdose
Fußboden ca. 15,6 °C
Wandtemperaturen also oberhalb ca. 10-15 cm über Fußboden in Ordnung



BAD



BAD



Schimmel



Mit den Temperaturen allein kann man nichts anfangen. Der Taupunkrt ist abhängig von der relativen Luftfeuchte und der Raumtemperatur.
Beispiel: Wenn ich von den gemessenen Temperaturen ausgehe wird bei einer angenommenen Raumtemperatur von 22°C der Taupunkt schon bei einer relativen Raumluftfeuchte von etwa 50% erreicht.
Die Temperaturunterschiede an einer Außenwand sollten zwischen unten und oben 2, höchstens 3 °K betragen, der Unterschied zwischen der Raumlufttemperatur in Raummitte zur Oberflächentemperatur der Wand etwa 5 K.Dann sollte man bedenken das dies kein statisches System ist sondern Temperatur und Luftfeuchte über den Tag stark schwanken. Ein gewisser Ausgleich erfolgt durch Sorption bei Möbeln, Ausstattung und Wandmaterial.
Hier als Beispiel Werte die ich einmal in einer Mietwohnung gemessen habe, da ging es auch um Schimmel. Natürlich haben die Mieter versucht besonders sorgfältig zu Lüften da Datenlogger in der Wohnung lagen. Selbst das ist noch keine Sicherheit gegen Schimmelbefall. In dichten Gebäudehüllen mit dichten Fenstern wo die Streulüftungsraten weit unter 1 liegen reicht das nicht mehr.
Das geht dann nur noch mit Zwangslüftung. Auch die oft beschwordene atmende Wand mit dem diffusionsoffenen Kalk- oder Lehmputz hift da nicht mehr. Wenn mehr Feuchtigkeit in die Wand sorptiv oder kapillar eingelagert wird als wieder verdunstet kiptt das System nach einer Weile um.



Schimmel



Leider kriege ich das Bild nicht hochgeladen da es eine BMP- Datei ist.
Im vorigen Text steht "kiptt", es muß natürlich "kippt" heißen.



Zu den Fliesen



Sorry, ich war ein wenig off - topic. Mir ging es generell darum mit so einer Ecke vorsichtig zu sein. Im von mir genannten Fall gab es keine funktionierende Horizontalsperre und das Wasser in der Wand ist eben durch Fliesen und dichten Zementputz höher gestiegen, als das normalerweise der Fall sein dürfte - in dem Fall eben bis knapp unter die Decke des EG.

Daher der Hinweis, mit dem Taupunkt usw. hat das natürlich nichts zu tun - also nochmals sorry, war ein wenig übereifrig.



Kapillarfeuchte



Ob Ihre Schadensanalyse stimmt bezweifle ich.
Bei diesem Baujahr waren waagerechte Abdichtungen bereits Stand der Technik und vorgeschrieben. Das kapillare Steighöhen bis unter die EG- Decke erreicht werden können ist schlichtweg ein Märchen.