Schimmel auf Tadelakt

31.01.2017 Ivo



Hallo liebes Forum,

ich habe vor ca. 7 Jahren ein neues Bad in unserem Haus eingerichtet, mit Tadelakt im direkten Duschbereich und am Waschbecken. An der Ecke, die nach dem Duschen am längsten feucht bleibt, ist tatsächlich Schimmel. Hat jemand das gleiche Problem gehabt und wie kann ich den Schimmel behandeln (also bekämpfen), ohne die Tadelaktfläche zu zerstören?



feuchter Tadellakt



wurde der Tadellakt nachgeseift Regelmässig?
ansonsten verliert der wasserdichtigkeit..dann kann da schon mal wasser reinziehen,,
was für n Untergrund ist Unter dem Tadellakt?
Wachs würde man bei tadellakt nur ausserhalb von wasserspritzzone verwenden.

Foto´s?



Übermäßige



Feuchtigkeit und oder mangelnde Pflege!

Grüße Gerd



Tadelakt schimmelt


Tadelakt schimmelt

Der Tadelakt wurde immer nachgeseift, vielleicht war auch schonmal etwas mehr Zeit dazwischen als optimal. Aber selbst im perfekt frisch geseiften Zustand hat der Putz Wasser aufgenommen, wenn man nur lange genug duscht... (bei mir kein Problem, eher bei den Damen). Dann dauert es einen halben Tag, bis alles wieder komplett ausgetrocknet ist, die Ecke unten rechts trocknet als letztes ab.
Der Untergrund ist Kalkzementmörtel, flexible Dichtschlämme, Kalkputz, Tadelakt.
Hab mal ein Foto vom Zustand direkt nach Fertigstellung und ein aktuelles von der betroffenen Ecke angefügt.



foto


foto

das erste Foto war irgendwie nicht mit drauf



Ich bin kein Experte ...



Ich bin kein Experte für Tadelakt aber mir scheint hier das Problem nicht der Tadelalkt zu sein sondern die unsachgemäße Silikonfuge.



Tadelakt



Ein waagerechter Absatz-und wenn er nur ein paar Millimeter vorspringt- wie hier am Übergang zu den Fliesen bremst fließendes Wasser aus; Materialübergänge wie hier zwischen Duschwanne- Silikon- Fliesen- Tadelakt sind immer potentiell durch Harrrisse gefährdet.
Eine konstruktiv vorsichtig gesagt unglückliche Lösung.
Dazu noch die schon genannte Problematik mangelnde Pflege und Lüftung.



die



Silikonfuge ist nicht so sch?n wie am Anfang, sie wurde schon mehrfach ersetzt und ich hab beim letzten Mal nicht mehr so viel Aufwand mit sauberem Abkleben betrieben. Ohne Silikonfuge ist das konstruktiv nicht machbar, Mauerwerk und Holzbalkendecke, auf der die Duschtasse steht. Trotz Verringerung des Balkenabstands im Bad und fetter OSB4 Platte statt der alten Dielen bewegt sich die Duschtasse doch minimal, deshalb auch regelm??iger Austausch der Silikonfuge an der Duschtasse.
Das mit dem Vorsprung der Flieseneinfassung sehe ich ein, ich habe die Fliesen erst gemacht und dann darin den Kalkputz und Tadelakt. War das erste Mal, dass ich Tadelakt gemacht habe, die Erfahrung der tats?chlichen Dicke des Materials nach Fertigstellung fehlte halt. F?r einen Vorschlag einer konstruktiv besseren L?sung bin ich auf jeden Fall dankbar, auch wenn das Kind auf dieser Baustelle erstmal in den Brunnen gefallen ist.
An mangelnder L?ftung hat es definitiv nicht gelegen, die Luftfeuchtigkeit im Bad liegt (abgesehen vom Duschvorgang) eigentlich nie ?ber 50%. Direkt im Duschbereich ist ein kleines Fenster und dar?ber direkt ein Dachfl?chenfenster. Die werden nach dem Duschen beide ge?ffnet, die Feuchtigkeit zieht sofort ab. Etwas zum Problem tr?gt noch bei, dass diese Wand eine Aussenwand Nordseite ist, also immer etwas k?hler (zweischaliges Mauerwerk mit stehender Luft, Vollziegel). Aufgrund der extrem engen Platzverh?ltnisse gab es aber eigentlich keine andere M?glichkeit (man h?tte halt fliesen k?nnen).
Wie ich schon schrieb, ist nach intensivem Duschen der Tadelakt etwas feucht, und es dauert, bis die letzte Restfeuchte wieder raus ist.
Was mache ich aber nun mit der Ecke? Soll ich die Flecken einfach ignorieren oder mit irgendetwas bek?mpfen?
Auf Dauer wird sich die Feuchtebelastung etwas reduzieren, weil hoffentlich bald unser zweites Bad fertig ist und nicht mehr alle in dieser Dusche duschen...



Ich sage immer wieder....



....Tadelakt ist etwas für Marokko (Nordafrika).
Da wo es herkommt!
Hier für Deutschland zwar sehr dekorativ und auch sau teuer, aber leider nicht für den reinen Duschbereich geeignet.
Abdichtungsprobleme, da er gewachst oder geölt werden sollte und darauf dann kein Silikon mehr hält.
Desweiteren eine Silikonabdichtung stets eine Renovierungsfuge bleibt.
Schimmel in diesem Fall auch herrührend von vielen organischen belastungen.
Seifen, Gels, Pflegemitteln
Und was ich auf ihrem Detailfoto erkenne, ist eher tödlich und erschreckend, wie es generell ausgebildet wurde.
Umlaufende vorspringene Detailanschlüsse, die stets das Wasser nach innen saugen lassen (hygroskopisch) und dann zu solchen Erscheinungen und Schadbildern führt.
Hier hilft nur noch totaler Rückbau und schauen, wie der Uuntergrund aussschaut.
Denn der meiste Befall liegt stets im Untergrund.

Wer hat ihnen zu dieser Dekorvariante damals geraten?

Kalkputz auf Dichtschlämme?
Produkt?
Mineralisch oder diese flexible Kunststoffbeschichtung.



die



Dichtschlämme ist Seccoral, Putz und Tadelakt von Kreidezeit. Dichtschlämme und Kalkputz nass in nass. Der grundsätzliche Wandaufbau ist so wie von Kreidezeit empfohlen, ich hatte damals da angerufen. Eigentlich hatte ich eher Bedenken, weil der Kalkputz nicht der erforderlichen Mörtelgruppe entspricht, man hat dann unter der sehr harten Tadelaktoberfäche einen weicheren Untergrund. Es hat aber funktioniert, ich habe keinen einzigen Riss. Für die Verarbeitung war das auf jeden Fall sehr gut mit dem Kalkputz als Feuchtigkeitspuffer. Das mit der Einfassung aus Mosaik ist auf meinem Mist gewachsen und hatte eher optische Gründe. Ich hatte auch gelesen, dass man die Problematik der Verbindung Tadelakt/Silikon so umgehen kann. Im Forum gibt es auch einen Beitrag, wo die Tadelaktfläche immer vom Silikon angegriffen wurde, auch bei neutral vernetzendem Natursteinsilikon. So kam mir der Gedanke zu dieser Ausführung. Es sind alle Tadelaktflächen eingefasst, und die Stelle an der Aussenwand ist die einzige, die Probleme macht, alles andere funktioniert sehr gut. Der Tadelakt ist nicht gewachst und nicht geölt.
Es scheint aber bei starker Belastung im Duschbereich nicht ganz so einfach zu funktionieren wie oft beschrieben. In der technischen Dokumentation von Kreidezeit steht für Tadelaktoberflächen im Duschbereich, dass diese mindestens einmal am Tag komplett austrocknen sollten. Das stand da damals noch nicht, da bin ich ganz sicher, ich lese immer alles.



Tadelakt von Kreidezeit



Leider wird ihnen der Hersteller nie eine hundertprozentige Garantie auf die vorhandene Gegebenheit in ihrem Falle geben.
Somit liegt der schwarze peter stets bei ihnen oder halt dem ausführenden Fachmann.
Nun ist aber das Kind in den Brunnen gefallen und ich sage trotzdem zu Tadelakt in einer Duschzelle: Nein!

Wird immer problematisch bleiben und wo stets viele Mengen Wasser anfallen, lieber traditionell arbeiten.
Kann aber trotzdem hochwertig dekorativ aussehen.



Fazit



Tja, jetzt weiß ich immer noch nicht so genau, wie ich mit der Ecke vorgehe. Rückbau funktioniert natürlich immer, würde ich verständlicherweise gerne vermeiden wenn möglich.
Ich würde nach der bisherigen Erfahrung nicht wieder Tadelakt im stark beanspruchten Bereich verbauen. An Stellen, die nur gelegentlich nass werden oder nur etwas Spritzwasser ausgesetzt sind schon. Die ungünstige Konstellation mit der Außenwand war mir bei der Planung schon bewusst, aber in meiner Vorstellung sollte Schimmelbildung bei dem Material fast ausgeschlossen sein. Da habe ich mich wohl geirrt. Es wird ja kaum jemand müde, die Vorzüge von Kalkputz als schimmelhemmend darzustellen. Auch in Läden, wo ich Kalkputz gekauft habe, fallen schonmal Sätze wie "da haben Sie dann mit Schimmel kein Problem". Mir war damals auch überhaupt nicht bekannt, dass es einen großen Unterschied macht, ob der Kalk frisch ist oder nicht. Mit der Zeit verliert er nämlich diese Eigenschaft. Leider wird nur sehr selten darauf hingewiesen.
Hoffentlich hilft dieser Eintrag anderen, die über Tadelakt nachdenken, bei der Entscheidungsfindung...



Tadelakt



Dann werde ich mal versuchen die Hinweise in eine für Sie verständliche Sprache zu übersetzen:
Nach dem Duschen trocknen Sie sich ab, machen das Badfenster zum Lüften weit auf und ziehen sich was an.
Dann schwingen Sie einen saugfähigen Lappen und wischen die Dusche und alles was nassgespritzt wurde mit besagtem Lappen trocken. Die Wärmebrücke unten besonders sorgfältig auswischen um den Schmutz (Kalkseife, Ölrückstände, Hautschuppen...)von den Oberflächen abzukriegen.
Dann das Fenster wieder schließen. Im Winter die Heizung kontinuierlich laufen lassen und auch zwischendurch mal lüften.
Ich erklärs warum:
Wenn Sie nach dem Duschen lüften wird der Wrasen in der Raumluft entfernt, nicht das an Wänden, Duschtasse und Abtrennung haftende Spritzwasser. Fenster zu- das Wasser verdunstet langsam, die Raumluftfeuchte steigt sprunghaft an. An den kälteren Stellen (Wärmebrücken) bildet sich Kondensat bzw. die Bauteilfeuchte kann nicht ablüften. Die Heizung nach dem Duschen abdrehen verschlimmert das noch.
Selbst auf trockenen Flächen kann Schimmel wachsen wenn die relative Luftfeuchte über einen längeren Zeitraum über ca. 75% liegt.
Was ist mit der Hinterfeuchtung:
Hydrophobe Oberflächen sind wasserabweisend, aber nur bei drucklosem Wasser. Das Wasser an senkrechten Flächen perlt also ab da sich kein hydrostatischer Druck und kein Aufstau ausbilden kann, die vergrößerte Oberflächenspannung verhindert das Anhaften von Wasser. Schon kleine Vorsprünge an solchen Flächen bilden einen winzigen Wasserstau mit winzigem Druckaufbau aus der Schwerkraft und verzögern das Abrollen der Wassertropfen. Das reicht schon um die geringen Oberflächenspannungen die sich bei hydrophoben Oberflächen aufbauen durch Kapillarspannungen zu überwinden. Das trifft sowohl für Fassadenflächen als auch für solche Flächen zu denn das Prinzip ist dasselbe: Ein hydrophiles, kapillaraktives Material(hier Kalkputz) wird durch Hydrophobierung wasserabweisend eingestellt- aber eben nur in beschränktem Maße und nur an der Oberfläche. Haarrisse in der hyprophoben Beschichtung saugen Wasser kapillar ein (Flaschenhalseffekt), bei Druckaufbau wird die Oberflächenspannung durchbrochen.
Die hydrophobierte Oberfläche hinterfeuchtet.
Es ist immer ein Wechselspiel zwischen Hydrophobierung und Diffusionsoffenheit, zwischen beiden muß je nach Belastung das rechte Maß gefunden werden um einen Feuchtestau hinter der hydrophobierten Schicht zu vermeiden.



Ob Tadelakt


Ob Tadelakt

nur was für Marokko ist sein mal dahin gestellt.

Ich sehe das eher wie Georg wenn dann nur unter bestimmten Voraussetzungen. Und das besonders im Feuchtbereich.

Anbei ei Foto meines Kamin im DG.



vielen



Dank Herr Böttcher für diese wirklich sehr gut verständliche Beschreibung. Eigentlich wird das auch so gehandhabt... aber eben nicht immer. Wenn Sie nichts dagegen haben, drucke ich mir das aus und rahme es schön ein, damit die ganze Familie sehen kann, dass diese unpraktische Vorgehensweise nicht bloße Schikane vom Papa ist, sondern vom Fachmann empfohlen.