Warum geglühter Sand als Schüttung?

10.10.2011



Hallo,


wir erneuern gerade eine Holzbalkendecke in unserem Haus.
Aus Schallschutzgründen möchten wir gerne Sand als Schüttung verwenden.
Ich habe jetzt aber gelesen, daß man "geglühten/feuergetrockneten" Sand nehmen muß. Wozu ist das so wichtig?
Wir haben trockenen Estrichsand 0-8mm, kann man den nicht verwenden? Mein Nachbar (81 Jahre) sagt, der "zieht" Feuchtigkeit, wie auch immer das gemeint ist. Ich frage mich also, ob irgendwelche Bestandteile im Sand evtl. hygroskopisch wirken, die durch das Glühen abgebaut werden.

Hier im Forum werden als Gründe nur erwähnt daß Samen, Sporen und Insekten durchs Glühen getötet werden, und der Sand dann natürlich trocken ist.
Unser Sand ist aber schon trocken, sodaß enthaltene Samen nicht keimen. Sollte der Sand nach Fertigstellung der Decke mal wieder so feucht werden, daß die Samen keimen, ist das wohl unser kleinstes Problem.
Sporen fliegen doch überall durch die Luft, daß heißt wenn ich tatsächlich sporenfreien Sand in die Zwischenräume fülle kommen neue Sporen aus der Luft mit rein (ich dachte aber auch die sind unproblematisch solange es nicht feucht ist).
Insekten die sich als Holzschädlinge ernähren sind nicht im Sand zu finden, was sollten sie da tun, und ein Regenwurm in der Decke macht mir wenig Sorgen, ausser das er dort halt eingeht. Was schade für ihn ist, aber der Decke nicht Schaden sollte.

Also, kann ich trockenen Estrichsand verwenden, muß es QuarzSand sein, oder muß er Feuergetrocknet sein.+633





Sie können auch Estrichsand nehmen, der “zieht” nicht mehr Wasser als feiner Quarzsand.
Die Dämmwirkung ist beim feineren Quarzsand (mehr Gewicht) natürlich besser.
Dadurch das der Sand gebrand ist, ist er beim einbringen definitiv trocken und breitet sich so immer deutlich besser aus als Sand der die Ausgleichsfeuchte bereits angenommen hat.
Die Gründe wie Sporen, Insekten und Samen sind schlicht und ergreifend Blödsinn, andernfalls dürfte es keine Lehmdecken geben.

Grüße
Oliver Struve





Hallo Herr Struve,


vielen Dank für Ihre Antwort, die macht mir erstmal wieder Mut.
Ich habe zwischenzeitlich mit meinem Schwager (Geologe) über das Thema gesprochen: Er sagte, in unserem Estrichsand wären wohl Kalksteinanteile drin (Calciumcarbonat) und wollte nicht ausschließen, daß diese Wasser ziehen.
Können Sie dazu etwas sagen? Ist Sand von Region zu Region so unterschiedlich, daß mancher nicht geeigent ist als Schüttung? Daß würde auch die Aussage meines Nachbarn erklären, die bezieht sich ja aufs regionale Material, was anderes kannten die ja früher nicht.





Hallo Chris,

Generell “zieht” erstmal jedes Material Wasser.

Mit dem “ziehen” ist die hygroskopische Wasseraufnahme, also die Wasseraufnahme aus der Luft, gemeint.
Die mögliche Aufnahme- bzw. Abgabemenge der Feuchte hängt vom Material (Sorptionsfähigkeit) und der Luftfeuchte ab.
Den sich dabei einstellenden Feuchtegehalt der Materialien nennt man Ausgleichsfeuchte und die variiert natürlich je nach Feuchteangebot.
Das heißt für Ihren gebrannten Sand das dieser so er dann ausdem Ofen kommt wieder beginnt Feuchte aufzunehmen.
Diese Feuchte ist aber völlig unkritisch (Ausnahmen unten), ganz im Gegenteil, der Ausgleich der Feuchte ist der Schlüssel zum angenehmen Raumklima.
Siehe auch Lehm, durch seine Eigenschaft Feuchtigkeit schnell Sorptiv aufzunehmen und bei sinkenden Luftfeuchten wieder abzugeben beschert er den Räumen eine annährend konstante Luftfeuchte selbst bei kurzzeitigen Spitzen wie z.B. durch kochen oder duschen.

Eine Ausnahme einer überdurchschnittlichen und für einige Baumaterialien, z.B. Holz schädlichen Überfeuchtung durch hygrische Aufnahme besteht durch Versalzung und hier nach Art- und Grad der Versalzung.
Diese Gefahr besteht aber bei Estrichsand nicht da dieser wie jeder andere Bausand oder Kies gewaschen wird.

Ein weiteres Kriterium für eine eventuelle Überfeuchtung kann die Versigelung von Oberflächen sein, hier wird der natürliche Ausgleich behindert.


Grüße
Oliver Struve





Guten Morgen Herr Struve,

nochmals vielen Dank für die Erklärungen und das Sie Sich unserem Problem widmen.
Es ist ansonsten für mich nicht so einfach Antworten auf solche Fragen zu finden.

Ich hätte noch eine andere Frage, die nicht direkt mit unserem Problem zusammenhängt, aber wenn ich die Lösung dazu gekannt hätte, hätte ich vielleicht auch die Sand Frage alleine beurteilen können:

Immer wieder liest man in Netz über die feuchtigkeitsausgleichende Eigenschaft von Lehm und das dadurch Holz im Fachwerk geschützt wird vor Feuchtigkeit.
Ich habe z.B. schon gelesen, daß die meisten Fachwerkhäuser so alt werden, weil der Lehm das Holz trocken hält, und andererseits ein Fachwerkhaus in kurzer Zeit faulen würde, wenn die Gefache mit Ytong ausgemauert werden.
Das suggeriert mir irgendwie, daß Holz mit Lehm trockener ist als mit anderen Baustoffen. Daher die Frage: Ist ein Balken der Lehmkontakt hat bei 20° und 50% Luftfeuchtigkeit trockener als derselbe Balken unter gleichen Bedingungen ohne Lehm oder mit einem anderen Baustoff, der vielleicht nicht die Eigenschaft von Lehm hat.

Gibt es also "gute" Baustoffe mit denen das Holz trockener ist als es alleine an der Luft wäre, und womöglich auch "Schlechte", deren Kontakt das Holz feuchter sein läßt als seine Ausgleichsfeuchte ist.

Oder gilt für jede Stoffpaarung eine andere Ausgleichsfeuchtetabelle?
Die die ich kenne wäre dann Holz in Luft.
Gibt es auch noch Tabellen für Holz in Lehm und Holz in Sand?

Grüße,
Christoph