Riemchen, Dämmung und Feuchtigkeit

08.04.2020 TimTester


Hallo,
ich hoffe hier kann mir jemand einen Rat zu meiner Problematik geben.

Wir sanieren derzeit eine DHH aus dem Jahr 1928. Das Haus ist aus zwei Ziegelsteinwänden, einreihig im Läuferverband, mit einem 7cm Hohlraum dazwischen aufgebaut. Irgendwann in den 70er Jahren wurde der Putz entfernt und gelbe Riemchen direkt auf die äußere Ziegelsteinwand "aufgemörtelt".

Wir stehen derzeit vor der Entscheidung über die Fassadenveränderungen und die damit verbundenen Dämmmaßnahmen. Unser Architekt hatte bisher eine Kombination aus Dämmung von Außen, Einblasen und Dämmung von Innen vorgesehen. Anscheinend gestaletet sich jetzt der Innenaufbau als schwieriger als gedacht weil eine einfache beplanken mit OSB Platte und Gipskarton anscheinend dazu führt das sich Feuchtigkeit in der dahinterliegenden Dämmung ansammeln kann und aufgrund der OSB Platte nicht entweichen. Und ein vollständiges Abdichten ist aufgrund der sonstigen Gegebenheiten unrealistich.

Derzeit werden viele Vorschläge diskutiert und ich habe den Eindruck das es immer komplizierter als einfach wird. Holzwolleplatten auf Lehmputz oder ähnliches um die Feuchtigkeit zu binden und wieder abzugeben.

Stellen Riemchen ein generelles Problem für die Raumfeuchtigkeit in Kombination mit neuen "dichteren" Fenstern dar?
Gibt es generelle Empfehlungen was die Kombination von Riemchen und nachträglicher Dämmung betrifft?
Kann man solche Riemchen entfernen und damit die Wand trotz des Mörtels wieder Feuchtigkeitsdurchlässig machen?
Oder gibt es ein Problem das ich noch gar nicht bedacht habe?

Vielen Dank im Vorraus für jegliche Hilfe!



einen Riem-ch-en Speck abschneiden



Hallo,

wir haben bei unserem Haus einen ähnlichen Zustand.
Anstatt Riemchen, Elefantenhaut außen und innen isoliert mit Styroportapeten.
Neue Fenster, Elektrik, Heizkörper alles was für die nächsten Jahre so braucht.

Dann kam der Schimmel. Meine Wände waren am Sockel sehr kalt und das größe Problem
Anfangs dachte ich auch man müsse super dämmen, und rein stecken was geht.
ENEV sei dank.
Dann kam der Energieonkel und danach habe ich einen Bauphysiker ins Boot geholt.
Beide kamen zur gleichen Einschätzung der Lage:

Grundsätzlich reicht die Einblasdämmung.
Alles was du mehr machst gehen nur in den Beutel der Handwerker, Architekten, etc...
Kosteneinsparung rund 70-80%.
Die Kerndämmung KFW gefördert ca.4000€ bei 200m² Hausfläche.
Einsparung 30% der Heizkosten. Wenn ich jetzt mehr mache, spare ich nichts mehr.
Die effektive Einsparung, auf den neuen EnEv Wert u=0,24, liegt bei ca.12kwh /m², macht ca. 2500kwh pro Jahr.
Bei Gas sind es ca. 250m³ oder 150€ pro Jahr!!!

Jetzt rechne selbst und nutze mal den Abakus.de u-wert rechner.
Fassade eingeben und die Okobilanz anschauen.
GGF kannst dir meine Modulation Hauswand ziehen.

Auch beim Dach sagte die Fachleute das ich den hohen Standard nicht einhalten muß, da der Dachstuhl die Last nicht trägt. 60- 80mm Dämmung könnte das Dachtragen. Mehr ist zwar besser.... aber für wen?

Gruß ENgelbert



Fassadendämmung



Den Hohlraum zu dämmen mit zusätzlicher Außendämmung scheint sinnvoll und bauphysikalisch unproblematisch.
Außendämmung zB mit Stegträgern, Holzfaserdämmplatten und Zellulosedämmung kann mit jedem gewünschten Dämmwert erfolgen.
Die Klinkerriemchen können sicher bleiben



Riemchen, Dämmung und Feuchtigkeit



Hallo,
Danke für die Antworten!
Nur Einblasen wurde uns von unserem Einblaser abgeraten weil dann der Taupunkt in den Riemchen liegen würde und diese dann abplatzen bei Frost. Und wir wollen auch die Optik verändern. Daher müssen wir ja ausreichend Dämmen (EnEV).Daher die zusätzliche Außendämmung. Oder ist das kein MUSS?

Kann es denn Bauphysikalische Probleme im Innenraum geben mit zusätzlicher Dämmung oder auch ohne als Folge von den Riemchen?



kein MUSS



Also,

folgende Argumentation bei der KFW:

1. Die Fassade ist schlecht, weil es Rissbildung gab im Putz.
2. Sockelisolation ca. 30cm über dem Sockel, und nach unten max. 30cm über Erdreich
3.Vorhangfassade ohne zusätzliche Dämmung als Wetterschutz,
weil die Fassade in neugeputz nicht viel mehr an Okobilanz bringen wird. (Kosten Betrachtung auf 25Jahre)

Das wurde im Antrag so der KFW mitgeteilt, und auf Nachfrage mit meinem Bauphysiker durch geleitet.

Die Mehrkosten (Material) der hinterlüfteten Fassade liegen bei nur 3-bis 5K€ in isoliert, aber du hast mehr Aufwand /Stundenlohn etc...
Die Fassade kann ich jetzt in Eigenleistung anbringen.
Isoliert Fassaden sind schon wieder schwerer zu vermitteln gegenüber der KFW.
Stichwort: Fachgerecht

LG
ENgelbert



Fassadendämmung



Nur wegen ENEV-Verpflichtungen würde ich kein Haus dämmen wenn es nicht auch ohne diese sinnvoll wäre.
Wenn die Fassade ohnehin geändert werden soll oder
wenn Fenster-/Türöffnungen verändert werden sollen ist Außendämmung viel eher wirtschaftlich.

Vorher überlegen, wie die Fassade gestaltet werden soll-
Putz, Holzverkleidungen, Schiefer, Holzschindeln etc sind möglich.
Fenster sollten im Zusammenhang mit der Fassade überprüft werden.

Bei derart dünnem zweischaligem Mauerwerk gibt es viele Verbindungssteine dazwischen die Wärmebrücken darstellen.
Mit Thermographie ließe sich das feststellen, was aber bei Außendämmung entfallen könnte.

Was sinnvoll ist hängt auch vom angestrebtem Dämmstandard, Heizsystem etc ab.
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