Schimmlige Wand und deren Sanierung

15.04.2011



Hallo,

ich bin neu hier. Mitlesen tue ich schon seid Ewigkeiten, aber nun habe ich mich endlich mal angemeldet.
Nun habe ich habe folgende Frage an euch und ich hoffe, dass ihr mir weiterhelfen könnt.
Neuerdings bin ich stolze Besitzerin eines alten Fachwerkhauses. Soweit alles ganz gut und schön, aber in einer Wohnung habe ich ein Problem: Schimmel !
In dieser Wohnung hat früher eine ältere Dame gewohnt und dieses Zimmer war ihr Schlafzimmer. OHNE Heizung, dafür aber tolle Kunststoffenster, grummel. Dieses Zimmer ist die Nordseite ( Schlagseite ) und hat ein Eichefachwerk. Die Hölzer und die Gefache sehen von außen top aus, der Rest des Hauses ist knochentrocken. Betroffen sind in diesem Raum die Außenwände und im nebenliegendem Bad ebenfalls die Außenwand ( auch hier keine Heizung ).
Überlegung meinerseits: Den betreffenden Putz runterklopfen und mit Luftkalkmörtel wieder aufputzen. Anschließend Heizung einbauen und gut ist`s.
Soweit mein Plan...
Ob das wohl ausreicht ? Ich hab bis jetzt nur mit Zementputz, Lehm und Rotband gearbeitet und hab von Kalk nicht wirklich viel Ahnung.
Kann ich gelöschten Kalkputz als Sackware nehmen ( wie ist da der Fachbegriff ? ) und mit feinem Sand 1:4 mischen ? Wenn der alte Putz ab ist, kommen ja die Eichebalken zum Vorschein. Muß ich die irgendwie schützen ? Ist Kalk da irgendwie schädlich ? Sollte ich ein Putzgewebe einarbeiten, damit nichts reißt ? Muß der Putz flüssiger sein als normaler Zementputz ? Wie lange muß der trocknen ? Und wenn mehrlagig gearbeitet werden muß: wie lange sollte man zwischen dem Auftragen der einzelnen Lagen warten ?
Sollte ich das Fachwerk von außen besser verkleiden ? Mit Schiefer oder so ? Fände ich zwar häßlich, aber wenn es sein müßte, würde ich es machen ( Schlagseite ). Die restliche Seite wird durch das Nachbarhaus "geschützt".
Sorry, Fragen über Fragen. Hab hier schon gesucht, aber leider viel gefunden, aber irgendwie nichts was mir wirklich weiterhilft.
Meine Schwester würde sagen: Bitte um klare Handlungsanweisung, lach...
Oder gibt es hier jemanden mit einer aktuellen Baustelle in Berlin oder Paderborn, wo ich mir das mal angucken könnte und mithelfen dürfte ?

Viele Grüße und Danke,
Marion



Schimmlige Wand und Kunststofffenster



Hallo Marion,

falls die Fenster zu dicht schließen, schneiden Sie kleine Auschschnitte in der Dichtung ein, damit wird die natürliche Luftwechselrate gewährleistet. Lüften Sie morgends oder wenn es kühl ist (Trockene Luft), denn warme Luft Kondensiert als Wasser auf den kühlen Nordwänden.
Falls der Putz tragfähig ist, können Sie die Oberfläche spachteln; vorher den Pilz behandeln.
Mit einem Trocknungsgerät die Bauteilfeuchte reduzieren und für den Winter eine Strahlungsheizung installieren.
Als Innen-Isolierung können Sie eine keramische Farb-Beschichtung auftragen.

Das wäre ein Vorschlag aus der Ferne.

Mfg
Peter Grolms



Halt !



- nicht so schnell die Fensterdichtungen einschneiden und gleich den Putz vollflächig abhacken :-(.
1. PVC-Fenster bieten eine gute Möglichkeit, über die Kammern eine Zwangsbelüftung abzusichern. Dazu muß man aber das System des Profil herausfinden.
2. Lüftung ist auf alle Fälle wichtig, ob der Putz ab muß - kann man erst sagen, wenn eine Angabe zum Umfang des Schimmelbefalls erfolgt, man sollte nicht kleich jede Mücke mit einem Vorschlaghammer erschlagen ....
Vielleicht reicht es schon, Tapete, Farbe und Tapetenleim zu entfernen.
3. Mein Schlafzimmer ist ebenso nicht geheizt und es gibt keinen Schimmel. Aber das Fenster steht Sommer wie Winter auf !
Im Bad sollte regelmäßig gelüftet werden, eine Heizung kann
vorteilhaft sein, jedoch bedingt eine Wärme Luft auch einen höheren Feuchtegehalt und das kann bei einer kalten Außenwand wiederum zu erhöhten Kondensatanfall führen - wenn die Feuchte nach dem Duschen nicht anders raus kommt.
Eine Fassade zu verkleiden kann nicht Schaden - wenn es denn fachlich richtig geschieht. Wichtig sind aber auch gesäuberte Dachrinnen und abgeleitetes Oberflächenwasser (gegen Nässe im EG)



Hallo



Vielen Dank für die Antworten.

Der Schimmel sitzt auch unter den Tapeten im Putz, aber Gott sei Dank nicht unter dem Teppich.
Daher auch meine Idee, den Putz abzuschlagen. Wenn alles fertig ist, möchte ich den Putz mit Kalkfarbe Streichen und die alten Dielen abschleifen und ölen.

Ich würd ja gerne mal jemanden fragen, der sich damit auskennt. Wie gesagt, der Rest ist knochentrocken. Allerdings sind dort die Wände durch das Nachbarhaus geschützt. Und das ist etwas, was mich sehr nachdenklich stimmt.
Das Problem ist nur:
Ich habe noch ein Fachwerkhaus, was am Anfang auch ein Problem mit Feuchtigkeit hatte ( keinen Schimmel, eher "aufsteigende" Feuchtigkeit )
Wie gesagt, am Anfang in der Sanierungsphase ist mir das aufgefallen. Hab dann gutgläubig "Fachmänner" angerufen...
Einhellige Meinung der dreisten Drei: aufsteigende Feuchtigkeit...
Von Horizontalsperre über dubiose Erdspieße war alles dabei. Es wurde von hohem Grundwasser bis Quelle alles gemunkelt...
Ende vom Lied: zum Ende der ersten Sanierungsarbeiten mußte ich dann oft Farbpinsel u.ä. in der Badewanne auswaschen und mit Erschrecken stellte ich fest, dass selbst im Stall (also weit,weit weg) die Wände feuchter wurden. Flugs einen Klemptner angerufen, dieser untersuchte dann die betreffende Badewanne.
Tja, das Abflußrohr war durchgegammelt, bzw. NICHT mehr vorhanden. Es hatte sich ein Abflußtunnel gebildet (Lehmboden ) und das Wasser lief die ganze Zeit unter das Haus ( ganz,ganz leichte Hanglage). Höchstwarscheinlich über Jahre hinweg mit tausenden von Litern. Der Schaden in einem innenliegenden, Verputzen Fachwerk war heftig, aber ansonsten hielt es sich in Grenzen.
Das zum Thema Fachleute...
Das wurmt mich heute noch und macht mich in diesem empfindlichem Bereich sehr mißtrauisch. Hätte ich damals auf sie gehört, wäre ich eine Unsumme Geld losgeworden, OHNE das Problem zu beheben. Das war schon sehr heftig.
( Manchmal ist es schon gut und schützend mit Lowbuget zu arbeiten :-) )
Die Idee mit der Strahlenheizung hatte ich auch schon. Da momentan eh mit Strom geheizt wird und diese Heizungen ja nicht sooo viel kosten, hatte ich da auch schon drüber nachgedacht. Könnte man dann mal ausprobieren.

Sicherlich sind Gott sei Dank nicht alle Fachleute so betriebsblind...aber woher weiß man das ? Einer war da ( allerdings wegen einer anderen Sache ) und sprach was von einer Vorsatzwand ( so ähnlich ) . Nun, meine Überlegung ist und war, ob ich damit das Problem ja nur kaschiere und ggf. verschlimmer. Bin nur interessierter Laie, aber...hole ich mir den Taupunkt dann nicht erst recht IN die Wand ??? Noch scheint das Eichefachwerk heile zu sein, ich möchte auch, dass das so bleibt.
Bin grad etwas ratlos...

Viele Grüße,
Marion



Moin Marion,



Schimmel braucht Nahrung und eine gewisse Feuchtigkeit, wie alle Lebewesen.

Logischerweise sitzt er unter der Tapete, da wo's kondensiert und labt sich an der Zellulose von Leim und Tapete.

Schimmel mit Alkohol abtöten und dann Kalkfarbe streichen, sowie in Zukunft mehrmals täglich stosslüften dürfte das Problem eigentlich beseitigen.

Dass dann keine Möbel direkt an der Wand stehen, damit diese auch in Zukunft ablüften kann, ist dir ja vermutlich klar.

Deine bisherigen Erfahrungen mit "Fachleuten" würde ich als Herausforderung betrachten auch in Zukunft deinen Instinkten zu trauen...;-)

Vielleicht findest du unter "Community/Regionalinformationen" ja jemand, der sich's mal anschaut.

Gruss, Boris

P.S. Taupunktberechnung kannst du hier selber durchführen: u-wert.net