Risse im Außenputz

10.06.2008



Werte Gemeinde,
wir haben im Herbst des letzten Jahres unsere Gefache verputzt. Die Gefache sind mit den originalen Steinen, die wir geborgen und gesäubert haben, ausgemauert und mit Putz von Marmorit verputzt worden. Der Putz ist uns von unserem Lehmbauer empfohlen worden, es handelt sich um gebrauchsfertige Sackware, der nur Wasser zugegeben werden musste.
Beim Verputzen hatte es nicht gefroren, es war auch nicht zu heiß. Wegen zu viel Regen und nicht richtig trockener Fassade haben wir die Gefache noch nicht verputzt. Nach einem Dreivierteljahr haben wir jetzt wenige feine Risse im Putz. Kann man die schließen? Sollte man die Risse etwas aufweiten und neu putzen? Oder veschliesst die Farbe, wir haben Herbidur von Herbol im Auge, solche kleinen Risse?
Könnte man den Putz wieder anfeuchten und die Risse "zuschmieren"?
Mal wieder Danke und viele Grüße in die Runde,
Mario Albrecht



Risse im Putz



Hallo Mario,
können Sie Ihre Fragestellung wie folgt präzisieren:

1. WELCHEN Putz von Marmorit haben Sie genommen?
2. Wie wurde er verarbeitet (Vorputz, Unterputz, Auftragsart)
3. Wie sehen die Risse aus, wie breit sind sie (10-el mm, mm, netzartig, sackartig, über Strukturen im Untergrund)?
4. Wieso wollen Sie Herbidur nehmen?

Viele Grüße



Hallo, Herr Böttcher.



Ich habe jetzt noch Mal nachgesehen, und kann meine Fragen präzisieren: Der Putz ist Rotkalk Grund von Marmorit. Aufgetragen in ca. 1cm Stärke in einem Arbeitsgang und beim Austrocknen so gut als möglich befeuchtet.
Die Risse treten an verschiedenen Stellen auf. Meistens sind sie nur wenig dicker als ein Bleistiftstrich und etwa so lang wie ein Zeigefinger, nicht zusammenhängend. An ganz wenigen Stellen habe ich Risse gefunden, die ca. 5mm breit sind und auch etwas länger, so um die 20 cm.
Nun zu "unserem" Lieblingsthema, der Farbe. Wir wollen das nicht, sondern die Farbe ist uns von Lehmbauer und dem staatlich geprüften Techniker für Baudenkmalpflege und Tischler in Personalunion empfohlen, weil beide über lange Zeiträume damit gute Erfahrungen gesammelt haben. Wenn sie eine gute oder auch bessere Alternative wissen, teilen Sie uns diese doch bitte mit.
Danke, schönen (Fussball-?) Abend,

Mario Albrecht



Risse im Putz



Hallo Mario,
ein paar Risse im Unterputz sind nicht problematisch. Wichtig ist, das es keine Hohlstellen bzw. Ablösungen vom Untergrund gibt.
Auch im (noch aufzubringenden) Oberputz kann es zu vereinzelten Rissen kommen. Bei Breiten unter 0,2 mm sind solche Risse kein Mangel.

Zur Farbe:
Herbidur ist laut Produktinformation eine polymere Farbe, die speziell für den Einsatz bzw. die Verarbeitung bei niedrigen Temperaturen und feuchter Witterung entwickelt wurde.
Für den Einsatz an Fachwerk halte ich Sie für ungeeignet bzw. schädlich.

Viele Grüße



Hallo, Herr Böttcher



mit jeder Ihrer Antworten tun sich neue Fragen auf, was ich aber keinesfalls als Kritik verstanden haben möchte!
Der aufgebrachte Putz soll eigentlich so bleiben, er ist in der Stärke aufgebracht, daß er bündig mit den Balken abschliesst, außer bei den Gefachen, die original erhalten gebleiben sind, da mussten wir schon ein bißchen "kissenförmig" putzen lassen. Ist ein Oberputz nötig? Laut Lehmbauer kann das so bleiben, er hat bereits mehrere Bauten so verputzt, auch schon vor etlichen Jahren, und bislang sind keine Probleme aufgetreten. Was schlagen Sie vor, insbesondere ob der Tatsache, daß der Putz bereits bündig aufgetragen worden ist?
Zu "unserem" Lieblingsthema Farbe, auch hier handelt es sich wie bereits erwähnt um einen Vorschlag. Welche Alterantive halten Sie für die bessere? Welche Schäden könnten durch die Verwendung von Herbidur entstehen?
Mal wieder Danke,
Mario Albrecht



Risse im Putz



Hallo Mario,
Nach den Regeln der Baukunst ist Außenputz grundsätzlich mehrlagig aufzubringen.
Ich verstehe die Problematik mit der Mindeststärke in den Gefachen, glaube aber nicht, das ein Kalkzementputz, der als Unterputz konzipiert ist, eine gute Wahl darstellt.
Ohne Oberputz stellt sich die Rissproblematik natürlich völlig anders; ein zusätzlicher Oberputz, der die vorhandenen Risse abdeckt, fehlt ja.
Noch mal zur Farbe:
Auf solch einem schon regelwidrigen Putz eine für Fachwerk unnötige und ungeeignete Farbe aufzubringen wird erhebliche Schäden hervorbringen.
Sehen Sie sich das Produktdatenblatt an, dann wissen Sie, das dies praktisch eine Kunststoffbeschichtung ist, die für einen völlig anderen Einsatzzweck entwickelt wurde. Das ist wie Ölfarbe auf den Putz streichen.
Außerdem ist das Zeug auch noch viel teurer als eine geeignetere Mineralfarbe.
Sie können nur hoffen, das Ihr Sichtfachwerk schlagregenfrei bleiben wird.

Viele
Grüße
p.s. Verlangen Sie von dem Lehmbauer und dem Bautechniker SCHRIFTLICH die gegebenen Empfehlungen und bitten Sie um Betreuung der Ausführung, ggf. zahlen Sie Ihnen dafür ein paar € für diese dann Planungsleistung.
Damit sind die beiden mit in der Gewährleistung.



Angeregter Dialog.



Hallo, Herr Böttcher.
Der Reihe nach: Lehmbauer und Bautechniker haben uns diese Hinweise gegeben, sie sind dazu nicht verpflichtet gewesen, sondern haben das aus Freundlichkeit und Gefälligkiet getan. Da wir von beider Arbeit überzeugt waren und noch sind, bestand für uns kein Grund, an deren Empfehlungen zu zweifeln, und irgendwann muß man sich ja für eine Vorgehensweise entschieden. Wir können jetzt nicht von den beiden verlangen, uns diese Empfehlungen schriftlich zu geben, zumal keiner von beiden die Arbeit ausgeführt hat. Das war der Mauer, nach unserer Anweisung.
Das Sichtfachwerk ist Schlagregen ausgesetzt, das läßt sich nicht ändern, Verkleidung ist nicht möglich, wegen Denkmalschutz.
Bislang sind nach ca. 10 Monaten keine Schäden sichtbar, außer der erwähnten feine Risse. Was glauben Sie, könnte mit dem Putz geschehen?
Gibt es eine Möglichkeit, die Schäden, die Sie befürchten, zu vermeiden, in welcher Stärke sollte z.B. ein Oberputz ausgeführt werden.
Aus welchem Material, und warum ist ein Oberputz notwendig?
Daß Sie von der Farbe nichts halten, habe ich verstanden, Sie empfehlen stattdessen "eine Mineralfarbe". Kann ich im Farbengeschäft "Mineralfarbe für Gefacheweiß" bestellen und kaufen? Wissen Sie einen Hersteller und/oder eine Bezeichnung? Oder wer könnte uns kompetent beraten? Ein Malermeister? Wir waren bislang der Auffassung, daß der Lehmbauer mit der Empfehlung der Farbe gut gelegen hat, zumal er nach seiner Aussage Fassaden mit dieser Farbe gestrichen hat, die seit 10 Jahren gut aussehen, und keine Schäden aufweisen.
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich will Ihre Empfehlungen nicht anzweifeln, aber wir hatten bereits mehrere Male die Situation, daß uns zwei nahezu gegensätzliche Mterialien/Vorgehensweisen empfohlen worden sind, und wir haben dann versucht, die Richtige herauszufinden. Offensichtlich ist uns das nicht immer gelungen...
Deswegen bitte ich Sie nochmals um Rat und danke für ebenjenen.
Schöne Grüße,
Mario Albrecht



Nachtrag



Ich bin´s noch Mal.
Herr Böttcher, wir haben gerade noch einmal das technische Merkblatt der Farben durchgelesen.
Dort ist die Farbe als schlagregenfest beschrieben, als wenig wasserdurchlässig(W3, niedrig) und mittel wasserdampfdurchlässig (V2, mittel, SD 0,43), auf Acrylatbasis.
Was genau ist denn gegen diese Farbe einzuwenden?
Was halten Sie Alternative von Granitat von Keim, auf Silikatbasis? (SD <=0,01m).
Grüße, Mario Albrecht



Risse im Putz



Hallo Mario,
der Verputz und die Farbgebung von Gefachausmauerungen sind ein heikles Geschäft.
Zum Putz:
Mineralische Putze am Reißen zu hindern, ist praktisch nicht möglich, da bei Abbinden und Trocknen des Putzes in Putz und Untergrund Spannungen auftreten, die über den Putz abgebaut werden müssen.
Je dicker und härter der Putz, je größer die Rißneigung.
Außenputz ist nach den Regeln der Handwerkskunst zweilagig auszuführen, die Stärke sollte 20 mm nicht unterschreiten.
Die erste Lage, der Unterputz, kann so aushärten und Risse ausbilden, wie bei Ihnen geschehen.
Die zweite Lage, der Oberputz, kann dünner gehalten werden. Die Rissneigung im Oberputz ist so geringer, auch weil die Relaxation des Untergrundes keine Rolle mehr spielt.
Wenn Risse im Oberputz auftreten, dann sind sie NUR im Oberputz und gehen nicht bis auf die Wand.
Nun ist der Platz bei Gefachverputzen oft nicht vorhanden, es werden dann spezielle Putzmischungen verwandt, z.B. mit Kälberhaaren armierte Sumpfkalkputze.
Solche grobporigen Putze sind zwar nicht wasserdicht, geben aber das aufgenommene Wasser schnell wieder durch Verdunstung ab und haben eine geringe Rissneigung.
Der schlimmste Fall sind dichte Putze mit einer dichten Versiegelung (die Angabe über die Wasserdurchlässigkeit ist vorsichtig zu werten). Acryl versprödet mit der Zeit durch UV- Bestrahlung, schrumpft und bildet Risse.
Die Risse im Putz und in der Farbe führen Regenwasser in die Wand, behindern aber die schnelle Abgabe. Solch ein System saugt Regenwasser auf und speichert es, das Schlimmste, was einer Fachwerkwand passieren kann.
Dazu ist noch anzumerken, das nach den Regeln der Technik Sichtfachwerk im schlagregengefährdeten Bereich nicht eingesetzt werden sollte.

Und noch was zu den gut gemeinten Ratschlägen:
Die kriegen Sie von mir hiermit auch.
Eine exakte Anleitung mit Ausführungsangaben, Material und anschließender Ausführungskontrolle können Sie nur von einem Fachmann vor Ort erhalten.
Das gibt Ihnen die Sicherheit des Erfolges; zumindest die Gewähr, das bei Mißerfolg der Fachmann auch dafür finanziell einsteht.
Dafür müssen Sie Ihn natürlich auch bezahlen.
Mit gutgemeinten Ratschlägen allein kann man kein Haus sanieren.

Viele Grüße