Grundierung bei Fliesen auf Lehmputz

06.01.2013 Fachwerk



Hallo an alle im Forum,

ich möchte in meinem Fachwerkhaus auch das nachtr. eingebaute Bad mit Lehm an den Wänden verputzen. Der Fußbodenaufbau soll mit Trockenestrichplatten von Fermacell incl. Abdichtsystem und anschl. Fliesenbelag erfolgen.
Normalerweise wird der Übergang von Boden zu Wand in diesem Fall mit dem speziellen Abdichtungssystem von Fermacell abgedichtet, d.h. mit Flüssigdichtanstrich und Gewebe.
Nun meine Frage: kann man das System auch in meinem Fall (Übergang Trockenestrich zu Lehmwand) anwenden oder ist es sinnvoll einen Fliesensockel zu erstellen, den man dann herkömmlich mit Silikon abdichtet. Kann man auf Lehmputz Fliesen befestigen, evtl. mit einer Grundierung ???
Danke für fachmännischen Rat.

Gruß Verena



Bad



Hallo Verena,
ein Bad und Lehmputz sind nicht gerade die günstigste Kombination, funktionieren aber wenn man Planschwasser vermeidet und vernünftig lüftet und heizt.
Im direkten Spritzwasserbereich (Dusche) funktioniert Lehm nicht.
Wenn Sie mit Lehmputz arbeiten wollen dann sollten Sie den Putz mit einer Dielung auf diffusionsoffenem Deckenaufbau, also ohne Abdichtung, kombinieren.
Das entspricht nicht den Regeln der Technik, funktioniert aber bei Eigennutzung und richtigem Umgang mit der Feuchte gut. In meinem Gästebad ist auch eine Wand mit Lehm verputzt.
Für eine vermietete Wohnung ist das tabu.

Viele Grüße



Fliesen auf Lehmputz



Hallo Herr Böttcher,

das ist ja gerade das Problem, das Haus wird vermietet und muß daher natürlich besonders sorgfältig abgedichtet werden.
Im Bereich Dusche geht das natürlich nicht, das ist klar, es geht hier nur um 2 Wände, an einer davon hängen später mal die Waschbecken.
Das Bad ist natürlich für private Nutzung vorgesehen, keine Wellnessoase o.ä.



im



Bereich des Waschbeckens eine Fermacell-Platte/GKimp. an die Wand schrauben und darauf die Fliesen Kleben !



Lehmputz Bad



In diesem Fall sollte das Bad wie üblich mit einem Kalkzementputz versehen werden. An der Außenwand empfehle ich zusätzlich eine mit Schaum-PS kaschierte Gipskartonplatte hohlraumfrei als Trockenputz aufzukleben. Putz bzw. Trockenputz dienen dann als Träger der Abdichtung.
Mindestens den direkten Spritzwasserbereich fliesen, sonst kann ein Lehmoberputz aufgespachtelt werden.
Die Fliesen bitte auf eine Entkopplungsmatte setzen.

Viele Grüße



Sehr hochwohl löbliche Damen und Herren!



Lehm im Badezimmer ist eine sehr feine und funktionierende Sache, auch bei Spritzwasser. Alternative im Spritzwasserbereich Tadelakt. Aber Schaum-PS (PS= Abkzg. f. Polystyrol)+GK an einer Fachwerkaußenwand im Innebereich? Das sollte ein Sachverständiger doch besser wissen. Mir wird Himmelangst!

LG Timor



Timor und sein Trupp



würde demzufolge Tadelakt auf Lehmputz aufbringen.
Fein, fein
…Gewährleistung bis zur Gartenpforte?



Wie interpretieren Sie ....



Alternativ? Bei mir, Wahl zwischen zwei Möglichkeiten!
Lehm oder Tadelakt! Oder Teil/Teil! Wie du Wollen oder was du Meinen. Dobry! Aber macht mal PS und GK ins Fachwerkhaus.
Am besten Dichtmasse und Fliesen bis unter die Decke. Aber nicht vergessen das Fenster mit zu fliesen.

LG Timor





Die Frage war:
"Kann man auf Lehmputz Fliesen befestigen, evtl. mit einer Grundierung ???"
Nix Wahl zwischen zwei Möglichkeiten, sondern ja oder nein!



Kann ich auch beja´n!



Es gibt viele Möglichkeiten, die ohne PS+GK und anderen Sondermüll funktionieren.
In meinem Bad funktioniert Lehmwand, Eichediele, Lärchenholzwanne und Fliesen.



Bad



Als Sachverständiger und Gutachter weiß ich es sehr wohl besser und kann bestätigen das ein gedämmter Trockenputz an einer Badaußenwand funktioniert ohne das Schäden am Fachwerk auftreten; eine sachgerechte Montage vorausgesetzt.
Durch die Dämmwirkung (20 mm reichen aus) wird Kondenswasserbildung minimiert und eine kapillare Einleitung von Wasser in die Fachwerkwand verhindert.
Eine ungedämmte, mit kapillar leitfähigen Materialien versehene Fachwerkaußenwand ist im Bad einer erheblichen Kondensatbelastung ausgesetzt. Das kann zur Auffeuchtung von innen her führen. Verhindern kann man das außer durch konstruktive Maßnahmen nur durch angepasste Nutzung inklusive entsprechendem Heizungs- und Lüftungsverhalten. Das mag in einem selbstgenutzten Bad sicher funktionieren.
Von mir aus kann der Eigentümer da bauen bzw. machen was er will, es ist sein Eigentum. Nur bei der Sicherheit sollte es keine Kompromisse geben.
Bei einer vermieteten Wohnung sieht das ganz anders aus. Mieter verhalten sich so wie sie es gewohnt sind und wie sie es von einer normalen Wohnung erwarten können.
Ich kann Mieter nicht zwingen, ein bestimmtes Verhaltensmuster hinsichtlich Heizung und Lüftung oder Badnutzung an den Tag zu legen. Dazu kommt noch das feuchteempfindlicvhe Baumaterialien im Bad nicht den Regeln der Technik entsprechen.
Ein Beispiel: Lehmputz unter Tadelakt oder Fliesen macht keinen Sinn, die Oberfläche der Fliesen ist diffusionsdicht, ebenso Tadelakt. Aber im Spritzwasserbereich kann das kapillar eindringende Wasser (die Fugen der Fliesen sind nie wasserdicht, Tadelakt kann Kapillarrisse bekommen) in den Lehmputz gelangen. Der ist im Gegensatz zu Kalkzementputzen nicht wasserfest. Wenn ständig mehr Wasser kapillar nachgeliefert wird als sich in der Wand verteilen oder wieder verdunsten kann (die Didffusionsfähigkeit über den Querschnitt der Kapillarrisse ist etwa um den Faktor 100 niedriger als der Kapillartransport) dann liegen irgendwann einmal die Fliesen unten, vom Zustand des Gefachholzes dahinter ganz zu schweigen.
Im Schadensfall bleibt immer der Vermieter auf den Kosten sitzen, nicht der Mieter.
Und diese Kosten können richtig hoch sein.
Das trifft auch zu wenn der Mieter sich offensichtlich falsch verhalten hat, was Heizung und Lüftung betrifft.
Kurz gesagt: Eine Wohnung muß so beschaffen sein das selbst der dämlichste und geizigste Mieter es nicht schafft, Schimmel in den Ecken wachsen zu lassen. Selbst wenn er nach jedem Baden eine Tropfsteinhöhle hinterläßt darf nichts passieren, noch nicht mal Schimmelbefall.
Wenn Sie Ihr Bad so wie gewünscht bzw. von Timor vorgeschlagen ausrüsten und es tritt nach ein paar Jahren auf Grund des Mieterverhaltens ein Schaden ein wird auch die Versicherung wohl nicht zahlen, da hier ein Verstoß gegen die a.a.R.d.T. vorliegt.
Das sollten Sie bedenken, Verena.

Viele Grüße



Eine 4cm Lehmschicht...



von8m² Fläche kann 50L Wasser aufnehmen und ist fühlbar trocken. Dazu kommt,wie von Ihnen trefflich beschrieben, dass Lehmschichten(wenn homogen verarbeitet)kapillaraktiv nach Dampfdruckgefälle arbeiten. Das heißt, der Transport inkl. Rücktrocknung kann nach beiden Seiten erfolgen.
Bleibt der Oberputz rein mineralisch klappts noch besser.
Wenn man in der 7. Klasse in Chemie aufgepaßt hat, weiß man wie man den Fliesenaufbau konstruiert, ohne das Ihre Vorhersage eintrifft. Noch dazu sollen die Fliesen oder Tadelaktflächen partiell nur im Spritzwasserbereich erfolgen (so klein wie möglich, groß wie nötig). Wie ist denn da der Tauwassereintrag durch Ihre 2cm Innendämmung zu werten, der dan aber nur nach einer Seite rücktrocknen könnte? Auch wenn sie durch Ihre Dämmplatte vielleicht das Kondenswasser an den Fliesen reduzieren (dafür sind Fliesen glasiert), wird ihre anfallende Raumfeuchte nicht weniger, sondern sucht sich andere Punkte (z.B. Fenster). Feuchtvariable Baustoffe, die dazu noch mit einer Wärmespeicherkapazität beseelt sind (Lehm, Holz), sind da klar im Vorteil. Mit Wandheizung wie bei "Mich" ist noch G...er! Weiterhin habe ich ein reines Gewissen gegenüber dem Haus und unserer Umwelt.
Ich glaube auch nicht, dass man bei der WTA soetwas propagiert.

PS: Warum Schimmeln eigentlich Saunen nicht?

LG Timor



Bad



Erst mal:
Der Putz und die Wände sind nicht dazu da, überschüssiges Wasser einzulagern weil man zu Faul zum Lüften ist. Genau das passiert nämlich, weil der Mieter denkt- wozu lüften ist doch alles trocken. Damit kann man kurzzeitige Feuchtespitzen puffern, mehr nicht. Das machen andere mineralische Putze übrigens auch.
Das ist wie Dreck unter den Teppich kehren. Man sieht nichts und denkt es ist sauber.
Was passiert wenn das immer so weitergeht?
Wenn die(angeblichen) 50 Liter eingelagert sind?
Danach immer noch oder zwenig gelüftet und die Heizung nach dem Duschen heruntergedreht wird? Ist ja alles trocken, wozu soviel lüften- kostet ja Heizenergie und damit mein Geld (denkt sich der Mieter).

Ob die genannten 50 Liter, das entspricht einer volumenbezogenen Feuchte von 15,625%, im Bereich der hygroskopischen Feuchte liegen wage ich zu bezweifeln.

Viele Grüße



Doch! Genau..



..das soll die Wand tu´n! Sie hat ja die Möglichkeit zurückzutrocknen. Die Raumluft in meinem Bad ist teils sogar zu trocken, das wird in vielen Bädern auserhalb des badens und duschens auch so sein. Mein Indikator ist meine Holzwanne, die zeigt mir dies an. Dann wird sie gewässert.
Man muß auch nicht immer das Fenster öffnen. Im Winter ist es Ratsam nur die anderen Wohnraumtüren zu öffnen, um den trocken überheizten Räumen Feuchtigkeit zukommen zu lassen. Das ist auch gesundheitlich für unsere Atemwege sehr ratsam.
Genau dafür sind feuchtvariable Baustoffe im Raum gut.
Genau darum habe ich auch Eichendiele ohne Dichtmasse. Denn, wenn Feuchteeintrag, dann Rücktrocknung möglich.
Abdichtung im Bad ist für mich eh Sinnfrei. Wenn Wasserrohrbruch und Überflutung läufts aus der Badtür und dann?

LG Timor



PS:



Achso, Lehm mit seiner feinblättrigen Struktur nimmt und leitet viel besser Feuchte als ein chemisch gebundener Mineralputz.

LG Timor



Bad



Noch mal:
Es geht hier nicht um Selbstnutzung, sondern um Vermietung.

Stellen Sie sich vor Sie würden Ihre Wohnung samt dem feinblättrigen Lehmputz vermieten.
Kann sein das nach dem ersten Winter noch alles in Ordnung ist. Es kann aber auch sein das nicht alles in Ordnung ist.
Sind Sie sich hundertprozentig sicher das sich Ihr neuer Mieter so konform verhält wie Sie und das das Bad mängelfrei bleibt?
Wenn Sie ein Bauunternehmer/Auftragnehmer wären:
Würden Sie dem Vermieter sprich dem Eigentümer eine Garantie dafür geben das, egal wie der Mieter sich verhält, das Bad mängelfrei bleibt?

Viele Grüße



Das sollte nicht baulich ....



....entscheident sein. Ich glaube kaum, dass das Nutzungsverhalten eines mitteleuropäischen Ottonormal-Mieter
anders ist als meines. Ich meine, ich könnte ruhigen Gewissens einen von mir gewählten Mieter einziehen lassen und es würde sehr gut funktionieren. Was passiert statt dessen? Schaum PS an Innenwand!Was macht denn ihre Raumfeuchte?
Müßen sie nicht lüften!? Und was die Regeln der Technik angeht, habe ich das System vieler schon durchleuchtet. Dichte Isofenster, Dampfsperren, externe Be-und Entlüftung, Dämmungen wie PS (hochtoxischer Brandbeschleuniger).Mit anderen Worten ein gedämmtes Treibhaus zum Wohnen. Dadurch entstehen Bauschäden. Aber dies werden sie sicher verneinen. Wenn ein Mensch (Mieter) mit seinem verhalten zum Vorwand genommen wird, Baumaterial zu verwenden welche in ihrem jungen dasein kaum erprobt, gesundheitsschädlich,schwer entsorgbar, umweltschädlich, ressourcenraubend und bauschadenfördernt sind, dann finde ich dies nicht gerade eine sehr Starke Leistung. Außerdem zeigt es mir, dass trotz tatsächlich steigender Bauschäden, an eben mit diesen Materialien sanierten Gebäuden,keine Lehren gezogen werden.
Und was am schlimmsten für mich dabei ist, die Gutachter machen den Hype mit.

LG Timor
Ich glaube sogar,dass Leute die in ein mit Lehm, Holz und anderen Naturbaustoffen saniertes Fachwerkhaus ziehen, eh meist einen Sinn dafür haben.



mmm



"...die Oberfläche der Fliesen ist diffusionsdicht, ebenso Tadelakt."

Iss das wirklich so, ich hätte gedacht genau hier liegt der große Unterschied.



Fliesen auf Lehmputz



Hallo liebe User,

danke für die intensiven Diskusionen, leider bin ich immer noch nicht viel schlauer als vorher, um mir ein abschl. Urteil bilden zu können, für weitere Hinweise wäre ich dankbar.

Grüße Verena





Die Fußbodenabdichtung sollten Sie natürlich an der Wand hochziehen.
Das funktioniert allerdings auf Lehm, (zu geringe Haftzugfestigkeit) nicht wirklich vernünftig. Den Untergrund sollten Sie vorher mit Kalk- bzw. Kalkzementputz verputzen, darauf die Abdichtung und darauf können Sie dann auch ohne Probleme die Sockelfliesen verlegen.
Man kann natürlich auch anstatt eines Fliesensockel Holzleisten wählen, das passt in ein Fachwerkhaus immer am besten.