Ochsenblut entfernen

15.08.2014 Marfisch



Hallo,
ich will in meinem 1871 erbauten Fachwerkhaus das Ochsenblut von Treppe und Dielen entfernen.
Ich dachte da an abhobeln, macht das Sinn?
Über Soda und Abbeizen habe ich auch nachgedacht.
Was schlagt ihr vor?
Vielen Dank!
Marc



Farbe entfernen



Ich weiß nicht, weshalb sich in Eurer Region und im Volksmund der Begriff Ochsenblut so intensiv hält. Es ist einfach nur ein Eisenoxydrot in (Lein)-Öl gebunden. Diese Farbe ist auch als Englischrot bekannt.

Zu Deiner Frage:
Abhobeln ist immer ein Spanabhebendes Verfahren. Da wird das Holz dünner, sprich Materialverlust. - Willst Du das??
Freilich kannst Du auch möglichst dünn hobeln - oder schleifen. Eine staubige Angelegenheit.
Mit dem Hobeleisen nur in die Farbe zu gehen, nicht ins Holzist schon eine "Kunst" für sich, die auch das Eisen recht schnell stumpf werden läßt.

Das Abbeizen ist dagegen ein chemischer Vorgang, bei dem das getrocknete Bindemittel der Farbe aufgeweicht wird. Es kann unschöne Flecken geben. Wenn das Holz hinterher holzsichtig bleiben soll, dann sollte man gleichmäßig arbeiten und wenig kleckern. Naß nachwaschen nicht vergessen, um die Abbeizerreste zu neutralisieren.!

Beide Methoden haben sowohl Vor- als auch Nachteile.



Das...



Abhobeln ist im eingebauten Zustand gar nicht möglich.

Üblich ist das Abschleifen, an der Treppe sollte mit Heißluft / Spachtel vorgearbeitet werden.

Grüße

Thomas



Überlackieren?



Danke für die Antworten (und so prompte). Ich schätze Menschen, wie ich, glauben, dass es Ochsenblut sein könnte, weil das ja auch mal zur Bodenfarbgebung verwendet wurde, aber warum das speziell in unserer Region der Fall ist, scheint ein Pänomen der Bergischen zu sein. Vielleicht sind wir Jahrhunderte überdauernd begriffshartnäckig? Drietegal.
OK, es handelt sich wahrscheinlich um "englischrot"; nur bei annähernd 280 qm plus Treppe suche ich nach einer günstige und einigermaßen flotten Veränderung, da uns das schlichtweg nicht gefällt, wie es ist.
Entweder gehe ich jetzt mit Materialverschleiß ans Hobeln oder mit Fön und Kelle, Lappen und Beize und Soda auf Pigmentjagd.
Gibt es noch andere Wege der Entfernung?



Resistenz gegen Informationen?



Das lässt sich nicht im eingebauten Zustand abhobeln. Wirklich nicht. Willst Du da etwa mit einem el. Handhobel auf 280m² rumfuchteln? Glaube einem Tischler, das Ansinnen ist lächerlich.

Abbeizen geht besser mit einer Kalk+NaOH - Paste, ist aber bei 280m² auch illusorisch. Also schleifen oder überstreichen: Gründlich mit verd. Ammoniaklösung anlaugen, trocknen lassen, seidenmatte Kunstharzfarbe auf Lösemittelbasis verwenden. (Lein),Ölfarben trocknen auf Fußböden ziemlich langsam und bleiben recht weich, wären also nicht meine erste Wahl.

Grüße

Thomas



Die haben garantiert keinen



Ochsen geschlachtet um den Fußboden zu streichen. Den Ausdruck für eine Rotbraue Farbe gibt's nicht nur im Bergischen Land und den Anstrich nicht nur für Fußböden sondern auch für Fachwerkanstriche.
Die anderen Kommentatoren haben recht: Einen Fußboden abhobeln ist ein Job für jemanden der Vater und Mutter erschlagen hat. Nicht nur, dass die alte Farbe und der eingetretene Dreck die Hobelmesser in Nullkommanix versaut, es sind bestimmt auch noch Nägel drin. Und: Wie wird in den Ecken gehobelt?
Ralph Schneidewind



280 qm Respekt



Hallo und Respekt zum Vorhaben. 280 qm heisst Schleifen schleifen schleifen schleifen äh hab ich was vergessen ach ja schleifen;).
Wenn Du Dir ne Profimaschiene ausleist nebst Eckenschleifer Plan mal 1-2 Wochen Urlaub ein um alles runterzubekommen und neu zu versiegeln(eher 2 Wochen). Wenn es nicht um Unebenheiten geht sonder nur um anschleifen und drüberstreichen geht's einigermaßen und wie schon erwähnt erst mal Nägel suchen und raus damit nur nicht die Befestigungsnägel der Bretter versteht sich - die meisten vor dem Schleifen noch mal nachklopfen mit nem passenden Dorn. Die Treppe, so wie Thomas beschrieben, geht mit Heißluft ganz gut.
Es gibt einen speziellen Speedheater ist aber nur für die Treppe zu teuer in der Anschaffung und wird meist für Fachwerk benutzt.

P.S.: Deine Handgelenke und Ellenbogen werden mindestens kribbeln….ist ne interessante Erfahrung. Na denn mal Ärmel hoch und los

VG Hüpenbecker



Ochsenblutrot entfernen



Hallo Marc ...
die materialschonendste Methode (und die ist die eigentlich beste) ist aber auch die zeitaufwendigste und zwar mit einem
Heißluftfön oder auch einem IR-Gerät, dem Speedheater die Farbe zu erhitzen und mit einem Spachtel abzuschieben.
Du brauchst wahrscheinlich anschließend 2 Wochen Erholungsurlaub, weil die Nerven blank liegen, aber Du hast
alles richtig gemacht ... kleine Farbreste kann man dann schleifen. Mit Soda und Beize würde ich auf keinen Fall drangehen, weil die Folgebehandlungen - egal welche, ob Ölen und wieder streichen - meistens negative Auswirkungen haben und zwar, weil Soda, Beize oder Lauge oftmals nicht zu 100% ordentlich neutralisiert wird ... und dann gibts so richtig Probleme - nicht sofort sichtbar,
aber nach einiger Zeit und meist irreparabel. Es wäre schade um die Treppe.
Also, meine Empfehlung: Farbe in Ruhe abbrennen und das Holz mit einem Naturöl, auch Leinöl aussättigen.

LG Christine



Arbeit mit Heißluftfön



Christine hat in allen Punkten recht. Kein Widerspruch, nur noch eine Ergänzung:
Auch bei der Arbeit mit Heißluftfön gehört eine Menge Übung dazu. Das Holz wird damit oberflächlich sehr schnell verbrannt. Also immer etwas wedeln mit dem Gerät bis die alte Farbe Blasen schlägt. Welche Werkzeuge sich am optimalsten eignen muß jedeR selbst ausprobieren.

Viel Erfolg wünscht D.Fr.



Arbeit mit Heißluftfön



Vielen Dank, Dietmar, für die(nicht unwichtige) Ergänzung ... genauso ist das !!!

LG Christine



Wenn die Dielen...



...mit alten Farbschichten behandelt sind, wurden sie vermutlich noch nie geschliffen. Somit wäre zu vermuten, daß da wenigstens 28-30mm Dielung da sind. Holz genug für das Schleifen!

Egal ob mit Speedheater oder Heißluftpistole, es ist völlig praxisfern, da bei 280m² zuzuraten. Die Leute wollen irgendwann einziehen! Und es ist, in diesen Dimensionen, Sklavenarbeit. Das würdet Ihr Beide auch für Geld nie tun, vermute ich 'mal. Es handelt sich einfach um einen Nadelholzfußboden, der wieder bewohnt werden soll, nicht um die letzten erhaltenen 3 m² mittelalterliche handgespaltene und fingernagelgeglättete Dielung, auf der Otto der Vergebliche sein nutzloses Leben aushauchte.

U.u. könnte das Ablaugen mit wirklich wirksamen Mitteln (also nicht mit Soda!) im Zuge einer flächig wirkenden Technologie eine Alternative sein. Danach nachwaschem mit einer leichteren Lauge, um Farbunterschiede zu verringern. Das Neutralisieren mit Essig ist da das geringste Problem. Trocknen lassen und Ölen. Aber: Der Boden muß sicher an vielen Stelle repariert werden, Fugen ausgespant etc. Diese Stellen sind oft nicht überzeugend an den alten Ton anzupassen.

Alles in allen ist die Ablaugerei eher was für Profis, das Schleifen lernt sich eher. Und es führt zu einer homogeneren Fläche.

Grüße

Thomas





Ich weiss nicht, ob es sachdienlich ist aber mir ist kürzlich auf meinem ochsenblutgestrichenen Dielenboden, der auch noch davon befreit werden soll, etwas Glasreiniger ausgelaufen.
Das habe ich dann weggewischt und hatte die Farbe danach im Lappen.
Ob man das so komplett runterbekommt, weiss ich nicht



"Ochsenblut"...



kann ganz unterschiedlich aufgebaut sein. Bis auf die fixen Eisenpigmente ist da vieles möglich. In Deinem Fall könnte Kolophonium / Schellack das Bindemittel sein, und mit dem Alkohl des Glasreinigers löst sich das dann.

Möglich ist auch eine Kaseinbindung, meist wird aber Leinöl, ein Lacköl oder Kunstharz das Bindemittel sein.

Allermeist klebt Bohnerwachs (oft farbig) drauf, oft gibt es auch überstrichene Wachsschichten.

Grüße

Thomas





Ah, das ist eine interessante Info!
Danke