Riss in Natursteinmauer reparieren?

13.09.2009



Einen schönen Sonntag in die Runde, ich brauche einen Tipp:

Eine der beiden Giebelmauern unseres Nebengebäudes besteht aus Natursteinen (Porphyr + Lehm und teilweise Mörtel, 65 cm stark). Im Zuge der Wiederherstellung des Häusels haben wir einige lange Risse im Mauerwerk, (vermutlich Setzrisse, die Hütte ist knapp 150 Jahre alt) die wir auf irgendeine Art reparieren wollen.

Einfach oberflächlich verfugen bringt wohl wenig, deshalb dachte ich an eine Art Kleber / Mörtel, den man in die ausgeblasenen Fugen ziemlich tief in der Mauer einbringen kann, damit die Verbindung zwischen den Steinen wieder hergestellt wird (Kartuschenprinzip??)

Kennt jemand ein Produkt, welches für solche Fälle geeignet ist und hat vielleicht auch Erfahrung damit gemacht?

Danke für jeden Hinweis
M.Peter



Die Frage ist,



ob sich da noch was bewegt oder nicht.
Das bekommst Du mit Gipsplomben heraus, wen diese wieder reißen oder abreißen ist die Sanierung natürlich aufwendiger als wenn es sich um alte Risse handelt und der Bau sich beruhigt hat.
Auf jedem Fall kannst du die Risse verpressen lassen. Das geht mit so ziemlich jedem Mörtel bis hin zu Spezialprodukten und funktioniert über den gesamten Mauerquerschnitt.
Wie gesagt, je nach dem ob der Riss noch arbeitet oder nicht



so geht es



ich habe gute Erfahrungen mit Kalkverpressmörtel von Solubel gemacht..

Hier mal die Infos zum Produkt

SOLUBEL- Kalkverpressmörtel V 3a ist ein injektionsfähiger, mineralischer Kalkmörtel aus Weißkalkhydrat, Sanden in verschiedenen Körnungen, Ziegelmehl, Lehm, Steinmehl und natürlichen eigenschaftenvergütenden Zusätzen.

Anwendungsgebiete

für alle mineralischen,
saugenden Untergründe
für niedrigfeste Altbauunter-
gründe
für gipshaltiges Mauerwerk
geeignet
zur Verfüllung von Hohlräumen
im Mauerwerk z.B. Bruchstein-,
Naturstein-, und Ziegelmauer-
werk, einfaches oder zwei-
schaliges Mauerwerk und im
Gewölbebereich
für Rissinjektionen:
Herstellen kraftschlüssiger
Verbindungen
zur statischen Verbesserung
unstabilrer Mauerwerksbe-
reiche etc


Bitte beim bearbeiten unbedingt beachten ..Ausreichend feut halten bis zum Abbinden.
Am besten sie besorgen sich eine große Spritze beim Tierarzt mit einer 3 mm Kanüle damit geht es am besten.

Verfestigung sehr gut bei ritiger Anwendung.

Weitere Infos gerne auf Anfrage

Lg.Peter Schneider



Peter?



Ich gehe jetzt mal in den Zoo und frage nach einer Elefantenspritze oder so.

Man will ja fertig werden.

[pubimg 19019]



Oder...



ich nehme gleich eine Mörtelpumpe.

[pubimg 19020]



Verpressmörtel...



...liest sich schon mal gut. Muss ich nur noch sehen, wie ich die Mischung ins Gemäuer bekomme, denn mit ner 3mm-Kanüle wirds ein Lebenswerk ;)

Apropos verpressen - muss ich Sorge haben, dass sich der Mörtel nach dem Einbringen ausdehnt? Aus den Datenblättern wurde ich nich so recht schlau..

Vielen Dank für die Antworten
M.Peter



Mauerwerksriss



Hallo,

so ein kapitaler Riss ist mit Vollpumpen alleine nicht wieder so instandzusetzen, da auch die statischen Funktionen der Mauer gewahrt blieben.
Sie müssen vielmehr zusätzlich vernadeln.
Das geht mit speziellen VA-Ankerfedern, die in die vorher ausgeflexten oder ausgekratzten lagerfugen eingebracht werden.
Danach verpressen. Ich würde allerdings ein niedrigviskoses harz bevorzugen, dass schnell abbindet und elastisch bleibt, damit Sie statt des einen nicht zwei Risse haben.

Das allerdings ist eine Sache von Fachfirmen mit Spezialgerät.
Sollten SIe sich dazu entschließen, versuch ich, Ihnen welche zu nennen.

Grüße vom Niederrhein



Vernadelung mit Ankerfedern...



...wird bei kapitalen Rissen in 65 cm dickem Natursteinmauerwerk die noch in Bewegung sind nichts viel bringen. Mal ganz abgesehen davon, dass ich diese schwer in eine Lagerfuge rein bekomme weil diese nicht wie bei Ziegelmauerwerk immer waagerecht verläuft.
Dieses System kann bei Ziegelmauerwerk seine Anwendung finden, bei derartigen Mauerstärken dann aber beidseitig.
Da auch die statischen Funktionen der Mauer gewahrt blieben soll, würde eine Verpressung mit elastischen Harzen die Bemühungen Sinnlos machen. Der Anker soll ja fest sein und sich nicht hin und her bewegen können. Also Kraftschlüssig. Hierfür gibt es EP-Harze oder spezielle Ankermörtel.
Also wie gesagt erstmal Prüfen ob der Riss überhaupt noch in Bewegung ist evtl. Statiker fragen. All zu oft handelt es sich um alte Risse mit denen das Bauwerk längst seinen „Frieden“ geschlossen hat.
In diesen Fällen reicht eine Verpressung der Hohlräume aus.

Bei statisch bedenklichen Rissen helfen z.B. solche Methoden.

[pubimg 19036]



Lagerfugen...



...sind hier in der Tat ein kleines Problem, weil kaum vorhanden. Ich hatte schon überlegt, zusätzlich zum verfüllen der Fugen auf der Mauerkrone eine Art Anker mit Moniereisen zu betonieren (Skizze), der zum einen die Mauer daran hindert, auseinanderzudriften und zum anderen eine Grundlage für eine Dämmschale bildet, die vor den vorhandenen Giebel (24er Ziegel) kommt. Der Giebel steht auf der Natursteinmauer ab 1.OG und wurde wahrscheinlich später errichtet.

Ob das mit dem Anker nicht übertrieben ist, weiß ich allerdings noch nicht... ;)



So...



...siehts Original vorerst aus:



was sagt euer Statiker?



"Ob das mit dem Anker nicht übertrieben ist"
vorbeugen ist besser als nach hinten fallen.



Der Statiker...



... sagt dazu noch gar nichts :)

Dieser Teil des Häusels war ursprünglich die eigentliche Hofeinfahrt. Maße ca. 4.50 breit und ebenso hoch. Später hat man diese zugemauert, mehrere Zwischenböden mittels Holzbalkenkonstruktionen eingezogen und dort tonnenweise Brenn- und Bauholz sowie Getreide gelagert. Wahrscheinlich stammen aus ebendieser Zeit auch die (Setz?)Risse der Außenwand, die wie damals üblich nicht besonders gegründet ist.

Wir erneuern momentan nur das Holz mithilfe und unter Anleitung unseres Zimmerermeisters, und später sollen diese neu gewonnenen und umgenutzten Flächen dem übrigen Wohnraum des Häusels zugeschlagen werden.

Da dann wesentlich weniger Belastungen für die gesamte Konstruktion und das Mauerwerk zu erwarten sind, haben wir vorerst auf Hinzuziehung eines Statikers verzichtet. Immerhin haben diese Mauern schon weit mehr ausgehalten als es in Zukunft werden wird.

Nur wegen dem Riss werd ich wohl mal einen zu Rate ziehen müssen, wohl oder übel....





Mach das mal mit dem Statiker so.
Ich sehe grade auf deinem Foto das Du die Balkenköpfe „schön“ mit Folie verpackt hast. Das solltest Du wieder abmachen, die Feuchtigkeit kann hier nicht raus und die Balkenköpfe werden weggammeln. Die Hölzer müssen luftumspühlt eingebaut werden. Das heißt einfach die Steine für die Vermauerung trocken gegen das Holz.



Die Folie...



... kommt auch wieder ab. Ich hab nur die Auflager für die Balken gemauert, deshalb die Sperre gegen die Feuchtigkeit vom Mörtel. Wenn alles halbwegs trocken ist ist, kommt die Folie ab.



Solubel Kalkverpressmörtel...



... hab ich mir doch mal spaßeshalber ein Angebot machen lassen von Solubel. Der Mörtel ist ja noch bezahlbar.

AAAABER:


3,00 Sack 2000/2043 Solubel Kalkverpressmörtel 0-0,5 mm V3a 8,80 26,40

1,00 Stück 9997 Paletten gewickelt 10,19 10,19

1,00 Stück 9998 Eurotauschpaletten 10,19 10,19

1,00 pauschal 9999 Frachtkosten 38,00 38,00

Gesamt Netto 84,78

zzgl. 19,00 % USt. auf 84,78 16,11

Gesamtbetrag 100,89


Naja - fragen koscht ja (noch) nix... :)





Es gibt ja auch noch andere Lieferanten.
Ohne Presse bekommst Du ihn aber eh nicht rein.





Frag halt mal beim Torsten nach, der vertreibt auch Solubelprodukte. Dann brauchen die dir das Zeugs nicht für nen Spottpreis von Fürth/ Nürnberg hochschicken.

Torsten Selle Natürliches Bauen & Naturbaustoffe
Maurermeister T. Selle Sachsen
Am Wasserturm 1A
01616 Strehla
Tel.: 03526491717 o. mobil 01772345029 / 01772345028
Fax : 03526498771 oder über Skype naturbaustoffeselle
eMail: naturbau-selle@freenet.de



Danke...



... für die Adresse.

Zur Presse: Hab auf der Solubel-Seite zum Mörtel ein Foto gesehen, wo dieser mittels Spritze injiziert wird. Also sollte es doch möglich sein, ihn in ein Druckgefäß zu füllen und dort 3-5 Bar Luftdruck (evtl. regelbar mit Notventil zum schnellen Druckablassen) anzulegen, um ihn dann aus besagtem Behälter mittels Schlauch (vllt. Ø 10) in die Fugen zu applizieren.

zumindest theoretisch könnte es gehen :)

M.Peter



Risse



Hallo Michael,
wie sehen denn die Risse aus, kann man dazu Fotos sehen?

Da das Sanierungsvorhaben auf den Fotos mindestens zwei Vollgeschosse aufweist, ist die Anordnung von Verankerungen erforderlich, um die Knicklängen der Wände zu begrenzen und die Scheibenwirkung der Decke herzustellen.
Ich hoffe, das Du den Vorgaben Deines Statikers dazu auch folgst.
So wie auf den Fotos zu sehen geht es jedenfalls nicht.
Die fehlende Verankerung vermute ich als eine der Ursachen für die Rissbildung, da die Wände unter der außermittigen Belastung ausknicken können.
Eine weitere Ursache könnte in der Zweischaligkeit der Bruchsteinwände liegen. Wenn nur die innere Schale und dann auch nur punktuell durch Balkenauflager belastet wird, kommt es zur partiellen Verformung der belasteten Wandteile.
Teile der inneren Schale können beulen und abreißen.

Viele Grüße



Theorie und Praxis



Theoretisch funktioniert das so. Mit dem Druck wirst Du allerdings nicht viel bewegen. Und wenn Du mit Druck arbeitest braust es auch einen (pro Bohrloch) Injektor/Packer der in der Wand verankert ist und dem angelegten Druck auch standhält. Wenn Du nur den Schlauch rein hältst dann kannst Du gleich die Gießkanne nehmen.
In wie Fern es für Dich Sinnvoll ist hier das Fahrrad neu zu erfinden weiß ich nicht, ich könnte mir vorstellen das es an Deinem Bau genug zu tun gibt was in Eigenleistung gemacht werden kann. Einige Sachen solltest Du Fachleuten überlassen.
Diese verfügen über die entsprechende Technik.
Und wie schon gesagt sollte erstmal geklärt werden ob eine Kraftschlüssige Verpressung notwendig ist oder nur eine Verfüllung der Risse. Der genannte Mörtel ist lediglich ein Verfüllmörtel, die Statische Verbesserung hält sich damit in Grenzen.