Leinöl

12.10.2004


Hallo zusammen!
Kann/ sollten wir unsere braunen/verwittert silbergrauen Eichenbalken mit Leinöl streichen?
Spricht irgendetwas dagegen im Innenbereich?
Wie behandeln wir am besten NEUE Eichenfenster? Kann man die "roh" lassen?
Wie sehen geleinölte nach 5 Jahren aus?
Können wir normales Leinöl nehmen (schön flüssig) oder muß es Firnis sein?

Danke!
Mira



Ich versuche mal die Fragen zu beantworten!


Ich versuche mal die Fragen zu beantworten!

Guten Tag Mira.
Alle fragen kann ich nicht beantworten! Aber ich Versuches trotzdem.

1.Kann/ sollten wir unsere braunen/verwittert silbergrauen Eichenbalken mit Leinöl streichen?
wieso wollen Sie den silbergrauen Eichenbalken Streichen im Ergebnis bleibt dieser Balken einfache silbergrau.
Und ist dieser Balken draußen oder ist dieser Balken im Innenbereich?

2.Spricht irgendetwas dagegen im Innenbereich?
nein spricht nichts dagegen weil sie ein Naturprodukt anwenden wollen, und die Maserung des Holzes kommt dadurch auch besser zur Geltung.

3.Wie behandeln wir am besten NEUE Eichenfenster? Kann man die "roh" lassen?
diese Antwort kann ich Ihnen nicht beantworten aber vielleicht kann Tischlermeister Andreas Milling diese beantworten (einfach Nachfragen)

4.Wie sehen geleinölte nach 5 Jahren aus?
das Leinöl zieht innen Balken ein und die Oberfläche wird wieder Rau dieses kann man aber mit wenig Aufwand nachbehandeln einfach mit Leinöl neu streichen.

5.Können wir normales Leinöl nehmen (schön flüssig) oder muß es Firnis sein?
Wir nehmen immer Leinöl Firnes und haben damit sehr gute Erfahrung gemacht.
Mischungsverhältnis Erstbehandlung ein Teil Leinöl Firnes und ein Teil Verdünnung Endbehandlung ohne Verdünnung.

Ich hoffe ich konnte mir mit ein bisschen weiterhelfen

Mit zimmerlichem Gruß
Andreas Vollack
aus Hann. Münden



Fenster



Hallo Mira,

Streichen sollte man immer von mager auf fett, d.h. mit Halböl anfangen (bleifreien Leinölfirnis und portugiesisches Balsamterpentilöl 1:1 mischen) Man kann statt Firnis auch normales Leinöl nehmen, es trocknet nur langsamer. Den letzten Anstrich dann fett mit Firnis oder Öl.

Bei Fenstern sollte man aber auch die UV-Einwirkung beachten. Ein weißer Anstrich reflektiert mehr und das Fenster heizt sich dann nicht so auf. Bei dunklen Rahmen können bei Sonneneinwirkung aber auch bis zu 80° C erreicht werden. Diese Temperaturen können langfristig das Holz schädigen. Bei Eiche dauert es dann aber auch entsprechend länger. Diese Geschmacksfrage kann Dir keiner abnehmen - am Schluß ist es dann auch eine Geldfrage.

Wünsche eine weise Entscheidung

Bernd Froehlich



Nachtrag



Hallo und erstmal DANKE für die Antworten!
Also: die silbergrauen Balken sind außen und z.T. sehr rauh an der Oberfläche (also ca. 3-5 cm tief verwittert). Unser Denkmalpfleger meinte, wir sollen die Balken mal streichen, weil das gut für das Holz wäre - ich frage mich, ob das dem Holz nicht ziehmlich egal ist, hat ja 250 Jahre so gehalten und ist kernig und von Zementresten der Nachkriegssündenzeit befreit ...

Das mit den weißen Fenstern sehe ich im Prinzip ein (UV-Schutz und so), ABER früher waren die doch auch nicht gestrichen und es gibt doch keine porenoffene deckende weiße Farbe, oder??
Gilt das nicht eigentlich hauptsächlich auf der Südseite mit dem UV-Problem? (Da stehen bei uns zwei riesige Kastanien= Schatten)

Dabei fällt mir noch ein: Weiß jemand wo man Blei"leisten" herbekommt, die zwischen die einzelnen Scheiben kommen? (Sozusagen als Sprossenersatz, sowas haben unsere ältesten "Befunde")

Gibt es eine preiswerte-aber-gute Bezugsquelle für Leinöl/Firnis und dieses Lösungsmittel?

Danke schonmal,
Mira



????



Hallo Mira,

der Denkmalpfleger braucht wohl einen Bewährungshelfer. Im Innenbereich ist es dem Holz völlig egal, ob da nun Leinöl oder nicht drauf kommt. An diesen Stellen brauchen Sie keinen konservatorischen Holzschutz.

Nach den bisherigen Infos geht es m.E. hauptsächlich um die Optik. Also Balken Schleifen und mit geeigneten Mitteln streichen (lasieren), je nachdem, was man haben will.

Punkt 2 - Fenster und Farbe:
Alle traditionellen Ölfarben sind diffusionsoffen. Es ist im Prinzip nur Leinöl mit Pigmenten. Damit gestrichene fenster können auch jederzeit (jährlich) damit "aufgefixt" werden, indem man mit einem Lappen Leinöl auf die Rahmen aufträgt - einfach als ganz dünnen Film aufwischen. So einfach ist das Leben.

Auf der Südseite ist das UV-Problem natürlich stärker als auf der Nordseite. Aber wie gesagt - bei Eiche ist das Problem minimiert - und wenn Sie die Eiche-Optik haben wollen, machen Sie es einfach mit der o.a. Leinölbehandlung. Wenn die Fenster keine konstruktiven Macken haben, sollten Sie auch ohne Weiß-Anstrich mindestens 30 Jahre halten.

Leinöl, firnis und Balsam bekommen Sie bei Kreidezeit (wwww.kreidezeit.de). Vertriebsstellen auf der Homepage oder auch im Versnd z.B. bei www.kremer-pigmente.de.

Gutes Gelingen



Immer wieder - die große Holzfrage!



Hallo Mira und Interessenten zum Thema.

Unserere Welt ist ein Kreislauf. Wär´s nicht so, gäb es heute keinen Humus und kein Pflanzenwachtum mehr, nur noch versteinerte Braunkohlenwälder. Der Kreislauf wird durch UV-Strahlung, Wasser, Oxidation, Bakterien, Mikroorganismen, Algen, Flechten, Pilzen, Mosen, Insekten usw. in Gang gehalten. Es findet ein natürlicher Recyclingprozess statt.

Im Hochgebirge geht´s langsamer als in biologisch aktiveren Zonen unserer Welt.
Nun gibt´s uns Menschen, wir auf der Nordhalbkugel verbrauchen mehr, als der Kreislauf nachwachsen lässt (ich würde es gern ändern).

Holz, welches Menschen verwenden, sollte deshalb so lang es geht, genutzt werden. Deshalb muß der natürliche Recyclingprozess von Bauholz unterbrochen bzw. verzögert werden.

Wie?:

1. Baulicher Holzschutz: Schutz vor Nässe und Feuchtigkeit

- im Innenbereich meist gegeben, deshalb braucht hier eigentlich weder gefirnisst, gewachst, imprägniert oder sonst was gestrichen werden.
Das erfolgt ausschließlich aus optischen Gründen, da oxydierendes Harz im Holz eben dunkel wird und die von der Holzart abhängige Saugfähigkeit für Verschmutzung sorgt. Nur deshalb lasiert oder lackiert der Mensch innen.

- im Außenbereich muß in der Konstruktions- und Planungsphase das Stehenbleiben, Hineinkriechen, Vollspritzen, Aufsaugen von Nässe durch geeignete Maßnahmen verhindert werden, durch: wiederstandsfähige Holzarten, Steinsockel, Dachüberstände, Ablaufflächen, Abtropfkanten, Kantenbrechung usw. aus jahrhundertalten Erfahrungen umgesetzt werden. Dann ist auch hier (eigentlich) kein weiterer Holzschutz nötig.

Wäre da nicht: UV-Strahlung die immer irgendwo drankommt. Wind. der auch bei breitem Dachüberstand Regen an´s Holz lässt. Schnee, der auch auf stark geneigten Flächen liegenbleibt. Bläuepilze, die nur Kondenswasser brauchen, Insekten und noch andere Einflüsse.

In Abhängigkeit vom Objekt sollte deshalb Holz unbedingt zusätzlich gegen den natürlichen Recyclingprozess geschützt werden.

Mit:
1. Imprägnierung gegen Insektenfraß und Bläuepilz (das macht kein Firniss oder Halböl!)
2. UV-Schutz (das macht keine Lasur mit Erdpigment)
3. Feuchtigkeitsschutz (das macht keine gerissene Farbbeschichtung)

Das Wie und mit Was:
Ist immer abhängig von Ausgangszustand und Zielsetzung. Deshalb können keine allgemeinverbindlichen Dogmen aufgestellt werden.

Wer analysiert am besten?

Zunächst ist eine gute Fachausbildung zum Thema baulicher Holzschutz erforderlich. Architekt mit Spezialisierung Richtung Baubiologie, Zimmerleute, Schreiner, Holz- und Bautenschützer (Vorsicht kein Lehrberuf erforderlich! Deshalb stark von halbwissenden unterwandert) und auch der Maler welcher für die Haltbarkeit von Holzbeschichtungen gewährleisten muß.
Desweiteren ist besondere Liebe zum Holz erforderlich, sonst erfolgt durch Vereinfachung zu schnell der Verfall.

Sicher ist mit dieser umfänglichen Betrachtung des Themas Holzanstrich nur auf die Spitze eines Eisberges hingewiesen. Jeder möge selbst entscheiden, ob es besser ist, mal in eine Bibliothek zu gehen, mit dem Risiko von Holz-, Anstrich- und Bauschäden zu leben oder den guten Fachmann, regional vor Ort mit der Ausführung zu beauftragen oder gegen ein vorher abgestimmte Honorar sich beraten zu lassen.

Schöne Fachwerkarbeiten sehen Sie unter http://www.gestaltungsservice.de - Hotel Lindenhof - Körnerweg - Altstrehlen und es kommen immer mehr dazu

mit farbenfrohen Grüßen
Malermeister Peter Seifarth




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