Das Hochwasser ist weg, jetzt geht es an die Sanierung

19.07.2013



Liebe Community.
der Wohnbereich unseres Fachwerkhauses ist wie ein Wunder vom Elbhochwasser verschont geblieben. Wäre die Elbe noch ca. 5-10 cm gestiegen, hätten wir die Bescherung im Haus gehabt.
Trotzdem macht uns nun aufsteigende Feuchtigkeit in Boden und Wand zu schaffen.
Voranstellen muss ich, dass wir das Haus 2004 gekauft haben und daher den Unterbau nicht so richtig kennen.
Im Flur haben wir eine Fussbodenheizung deren Dämmung offensichtlich durchfeuchtet ist. In den anderen Räumen (teilunterkellert) ist offensichtlich keine Dämmung vorhanden.
Um die Räume im Winter wirklich nutzten zu können, müsste eine Dämmung
in den Fussboden, die auch ein eventuellen neues Hochwasser unbeschadet oder fast unbeschadet übersteht. 2002 stand das Wasser ca. 30 cm im Haus.
Hat jemand eine Idee wie man hier vorgehen könnte?

Dies gilt auch für die Innendämmung der Aussenwände.
Die Wand besteht aus Sand- und Granitbruchsteinen.
Aussendämmung ist kaum oder nur schwer möglich.
Innen hat unser lieber Vorgänger nicht hinterlüfteten Gipskarton mit einer 10 cm mineralischen Dämmung vorgeblendet. Der Gipskarton ist nun teilweise
feucht und muss nun raus.
Eigentlich würde ich ja einen Innenlehmputz favorisieren. Aber so lange unser
Damm nicht steht, kann das Wasser immer wieder kommen.
Kalziumsilikat scheint ja im Fachwerkhaus ungeeignet zu sein und über Wärmedämmmörtel konnte ich bisher auch nichts finden.

Vielleicht hat jemand von Euch eine Idee?

VG Matthias



Bei mir...



hat sich gerade (außen 80cm / innen durch Pumpen 15cm Wasser) folgender Aufbau von 2003 bewährt: Unterbeton 12cm sauber abgezogen / 6cm Styrodur in Bitumen-Kaltkleber vollflächig eingeschwommen, Fugen und Wandanschlüsse mit Bitumenkaltkleber verspachtelt / 10cm Estrich armiert.

Gußasphalt wäre ggf. eine Alternative.

Lehmputz würde ich nicht nehmen, im gefährdetem Bereich kommt ein reiner Kalkputz mit Kalkfarbe drauf am besten.

Grüße

Thomas



Lehmputz



Hallo

Nachdem ja immer wieder zu beobachten ist, daß nach Hochwässern der Innenputz beschädigt ist und meist großflächig abgeschlagen werden muß, wäre Lehmputz eigentlich gar nicht so abwegig.

Der Vorteil: was naß ist fällt sowieso ab, was niczt abfällt kann man leicht entfernen, Reste lassen sich mit wenig Mühe mit Hochdruckreiniger entfernen und der Neuauftrag von Lehmputz kann preiswert selbst erfolgen....
Und Baulehm aus einer Grube sollte auch nicht so teuer sein wie diese industrielle Pampe...

Getrocknet werden müssen die Schadensobjekte sowieso...


Nein, hier ist keine Ironie vorhanden, ich denke einfach mal wirtschaftlich....


Andreas



Putzschäden...



...zeigen sich aber doch meistens bei instabilen Altputzen und / oder diffusen Farbkrusten. Ein Kalkputz, dampfoffen gestrichen, geht nicht davon kaputt, daß er im Wasser steht.

Da Putzabschlagen von intakten Putzen kann ja vielleicht sinnvoll sein, wenn sie versiegelnd gestrichen wurden, weil dann die Wand nicht austrocknet.

Zudem: Einen Kalkputz kann man auch auf eine Restfeuchte Wand bringen. Ob das bei Lehm funktioniert?

Grüße

Thomas



Das Hochwasser ist weg, jetzt geht es an die Sanierung



Ich danke Euch für die Beiträge. Kalkputz ist sicher in einem Hochwasser gefährdeten Gebiet eine gute Lösung.
Jedoch erreiche ich damit keine oder nur eine geringfügige
Wärmedämmung. Was also tun?
Wie lange kann eigentlich Wärmedämmlehm im Wasser stehen bis
er abfällt?

Eine Mauerer hat mir jetzt diffusionsoffnen Wärmedämmmörtel empfohlen. Was haltet Ihre davon? Bei meiner Wand aus Natur- und Sandstein
ist mir nicht klar wo sich dann der Taupunkt befinden wird.

Hat jemand Erfahrung mit Ripal -Fussbodenheizungen? Sofern ich hier eine Hochwasser sichere Untergrundämmung hinbekonmmen, wäre das vielleicht auch nicht zu verachten.
Nach dem nächsten Hochwasser Dielen raus, Heizschleifen säubern und trocken lassen und dann die Dielen wieder rein.

Viele Grüsse aus Radebeul und einen schönen Sonntag



Innendämmung



Eine wasserfeste Innendämmung und der Begriff "diffusionsoffen" passen nicht zusammen.

Ich sehe zwei Alternativen:
1. keine Innendämmung, nur Kalk- bzw. Kalkzementputz
Vielleicht können Sie ja was die Nutzung der Räume betrifft innerhalb des Hauses schieben. In den wassergefährdeten Räumen Funktionen anordnen die nicht ständig beheizt werden müssen und/oder keine hohen Temperaturen erfordern. Das wären Flur, Hauswirtschaftsraum, Bad. Was noch an Aufenthaltsräumen bleibt muß dann ordentlich beheizt werden, das kostet halt ein paar € mehr an Heizkosten. Dafür bieten sich Decken- und Fußbodenheizungen an. Allerdings müssen beide Systeme bei Ihnen modifiziert werden was die Dämmung/Abschirmung betrifft.

2. Eine wasserfeste und garantiert nicht diffusionsoffene Innendämmung aus Foamglasplatten und Kalkzementputz.


Da die Dämmung des Fußbodens auch mit ansteht empfehle ich ihnen einen gedämmten Massivfußboden mit folgendem Aufbau:
Stahlbetonplatte ca. 10 cm stark gegen Aufschwimmen in den Wänden verankert,
100 mm Foamglasplatten in Heißbitumen eingeschwommen,
ca. 50 mm Gußasphalt- Heizestrich, Oberfläche geschliffen oder gefliest.
Zusätzlich Strahlungsheizkörper bei Bedarf um die Wandinnenflächen zu temperieren.
Wände nicht gedämmt, zweilagig verputzt.

Dann empfehle ich ihnen weitere Vorsorgenmaßnahmen:
Lassen Sie sich ein schnell montierbares Schutzsystem für Ihre Türen und die Lichtschächte der Kellerfenster einfallen oder schauen Sie sich auf dem Markt um, es gibt so etwas bereits.
Dann versiegeln Sie die Bodenfläche an Ihrer Hausseite die vom Wasser zuerst angeströmt wird oberflächenseitig mit Asphalt, Pflaster in Zement- oder Kalkschlag u.ä. bzw. vermindern Sie die versickerungsfähigen Flächen damit die Wand nicht so schnell unterströmt wird. Was dann noch offen bleibt lässt sich mit Planen und Sandsäcken im Ernstfall versiegeln.
Der Sockelbereich, den ich bei Ihnen auf etwa 1 m ober/unterhalb des Geländes erweitern würde, sollte mit einer mineralischen Dichtschlämme und einem zweilagigen Putz P III/PII neu aufgebaut werden.

Viele Grüße



Das Hochwasser ist weg, jetzt geht es an die Sanierung



Hallo Herr Böhme,
vielen Dank für Ihren ausführlichen Beitrag.
Je mehr ich in die Materie einsteige,um so grösser die Verwirrung.
Ein Lehmbaubetrieb hat mir diesen Link zukommen lassen.

http://www.technopor.com/produkt-granulat/projekte-referenzen/sanierung/item/122-sanierung-hitzacker

In Hitzacker arbeitet man scheinbar mit einer nach unten hin vollkommen offenen Konstruktion.

Leider ist unser Haus ziemlich klein. so dass sich bestimmte Funktionen nicht in das Obergeschoss verlagern lassen. Eine Dämmung ist daher auch im Erdgeschoss unabdingbar.
Sofern unser Damm doch noch einmal kommt, haben wir eher
mit aufsteigendem Grundwasser zu tun. Oberflächenwasser sollte irgendwann der Geschichte angehören
VG Matthias



Hochwasserschutz



Hallo Matthias,
verwechseln Sie bitte nicht Eigenwerbung mit objektiven Informationen.
Von dieser gezeigten Lösung rate ich Ihnen ab, sie besitzt eine eingeschränkte Dämmwirkung, eine Fußbodenheizung ist nicht so einfach möglich und es besteht die Gefahr des Aufschwimmens der Dämmung samt Estrich. So schnell läuft das Wasser im Bereich unter dem Boden nicht ab, bei bindigem Boden kann diese gefüllte Wanne zwischen den Fundamenten den Baugrund gefährden.
Wenn der Wasserspiegel über das Niveau der Ziegel steigt säuft der Raum ab, außerdem schwimmt der Estrich samt Ziegelbelag auf. Ich finde es ist besser sich Gedanken zu machen wie er nicht so schnell absäuft und wo der Fußboden gleich trockenbleibt, auch unterhalb der Oberfläche.

Viele Grüße