Kupferdach - traditionelle Trennlage (kein Kunststoff)

25.05.2021 Floyd1516

Kupfer - tradiotioneller Dachaufbau

Liebe Fachwerk Community,
Ich baue gerade privat in Eigenleistung ein Nebengebäude für Gartengeräte und Werkstatt als Fachwerkhaus. Ich hatte hier im Forum bereits einen großartigen Austausch als es um die Fuge zwischen Sandsteinsockel und Fachwerkschwelle ging. (https://www.fachwerk.de/fachwerkhaus/wissen/fuge-zwischen-schwelle-und-sandsteinsockel-291219.html)

Nun steht das Fachwerk und es geht an die Dacheindeckung wobei der vordere und seitliche Flachdachbereich (siehe Bild) mit Kupfer ausgeführt werden soll.
Zum Problem: Der aktuelle Stand der Technik sieht nun offenbar (?) eine Kunststoff Trennlage zwischen Blech und Holzschalung vor. Das passt leider überhaupt nicht in unser Konzept der Naturbaustoffe Holz, Lehm und Ton. Da es Kupferdächer ja bereits viel länger gibt als die Kunststofftechnik, meine Frage ob Ihr eine alternative Ausführung empfehlen könnt. Der Einsatz von Bitumen als Material wäre für mich zum Beispiel kein Problem.

Vielen Dank im Voraus für eure Tipps und Ratschläge :)
Roland Polster



Wow!



DAS ist ja toll geworden! Könntest Du bitte, bitte noch ein echtes Foto vom derzeitigen Bauzustand hochladen?? Das schaut absolut toll aus!

Was die Blecheindeckung angeht, hat man ursprünglich eben einfach ganz ohne Trennlage gearbeitet. Es ist schallmäßig sicher was anderes bei Regen/Hagel aber da dort ja anscheinend keiner wohnen soll.....auch Kondenswasser sollte sich dann in Grenzen halten. Überlege doch zwischen Dachlatten und Blech eine Art Strohlehmwickel einzubauen....so wie man bei Einfachdeckung manchmal Strohpuppen statt Holzspließ eingeschoben hat. Oder ganz ohne Zwischenmaterial...wäre glaube ich auch kein Problem.



Keine Trennlage notwendig



Schöne Konstruktion!
Hast hoffentlich noch Rispenbänder oder sonstige Diagonalaussteifungen unter den Sparren, damit das Dach nicht Richtung eines Giebels weg kippt. ;-)

Eine Trennlage zwischen der Verschalung und dem Kupferblech ist nicht unbedingt notwendig.
Damit eventuell anfallendes Kondensat schnellstmöglich abtrocknen kann, bitte keine Plattenware (OSB, Seekiefer, o. ä.) als Schalung verbauen, sondern, falls von unten sichtbar, gehobelte Bretter. Durch die Fugen zwischen den Bretter kann die Feuchtigkeit dann gut verdunsten. Als Nonplusultra könntest du vielleicht sicherheitshalber noch eine dünne Hanfmatte (handelsübliche 2-3mm Trittschalldämmmatte, o. ä.) unters Blech legen, die, falls mal witterungsbedingt viel anfallen sollte, das Kondensat aufsaugt, damit es nicht durch die Fugen runter tropft.



Das klingt prima...


Das klingt prima...

...und vielen Dank für das Kompliment und vor allem natürlich für Eure Expertise. Ich werde also die Trennlage weglassen bzw. optional die vorgeschlagene Trittschalllage aus Hanf zwischen die Schalung und das Kupferblech legen. Ich überlege gerade ob das nicht auch im Hinblick auf die Vermeidung des Kontakts zu anderen Metallen (Schrauben bzw. Nägel der Schalung) zum Kupferblech sinnvoll wäre. Ich bin gerade nicht sicher, aber da können ja auch ungewünschte Effekte zwischen verschiedenen Edelmetallen auftreten?!

Bezüglich Windrispen sind Holzlatten die auf der Oberseite der Sparren eingelassen werden geplant. Das schwächt zwar die Sparren aber das ist bei den gewählten Abmessungen kein Problem. Auf diese Weise erreiche ich klassische Windrispen aus Holz ohne diese störend an der Sparreninnenseite zu haben :)

Auf jeden Fall habe ich gerade mal ein paar Bilder vom aktuellen Stand geknipst (leider nicht bei schönem Sonnenschein heute), die ich sehr gerne mit Euch teilen möchte.



Und ein...


Und ein...

...zweites Bild.



Und ein...


Und ein...

...drittes Bild.



Und noch...


Und noch...

ein viertes Bild.



Metallische Kontakte



Echt irre. Was du dir als "Geräteschuppen" hin stellst hätten andere gerne als Wohnhaus.....
Hut ab! Das gefällt mir richtig gut!!!

"Ich überlege gerade ob das nicht auch im Hinblick auf die Vermeidung des Kontakts zu anderen Metallen (Schrauben bzw. Nägel der Schalung) zum Kupferblech sinnvoll wäre."
FÜr die Verschalung unter dem Kupferblech würde ich "normale" verzinkte Schrauben/ Nägel verwenden. Die gut ins Holz "versenkt", damit sie das Cu-Blech nicht berühren. Aber es reicht schon wenn Wasser zuerst über Kupfer gelaufen ist und dann auf unedleres Metall tropft, um dieses anzugreifen. Von daher, wenn überhaupt (in Fließrichtung) unterhalb der Kupferbleche anderes Metall zum Einsatz kommen soll, dann nur Edelstahl (Schrauben, usw.). Die Dachrinne, Rinnenhaken und Fallrohre auf jeden Fall. Ansonsten gibt es ja auch Spenglerschrauben aus Kupfer und Kupfernägel.
Btw., eine lustige Diskussion zu dem Thema: https://www.haustechnikdialog.de/Forum/t/8395/Kupferband-ober-Zink-Rinne-Korrosion-

Und falls du das Kupferdach auch selbst bauen willst, denke an die extreme thermische Ausdehnung von Kupfer. Löte auf keinen Fall die Blech zu großen Tafeln zusammen! Die schlagen nachher Wellen wie ein Ozean und/oder die Lötnähte reißen auf. Immer schön mit viel Luft dazwischen zusammen bördeln.



Wirklich



ein total schönes Gebäude geworden!!! Und Du bist kein Zimmermann????? TOLL!



Unterdachbahn unter Kupferblech



Besser eine Unterdachbahn, Unterspannbahn o.ä. verlegen.
Nicht zu dickes, nachgiebiges Material verwenden, da Befestigungen des Kupfers schwieriger sind und Dellen beim Drüberlaufen entstehen könnten.
Bitumenbahnen würde ich nicht verwende, da es bei Hitze mit dem Kupfer verkleben könnte, was bei späteren Reparaturen ungünstig ist.
Welche Maschinen hast du beim Ausarbeiten von Schlitz und Zapfen verwendet? Gut gebaut auf jeden Fall



Update, ich...



... habe nun Hanf Trittschaldämmung in der Stärke 5mm von der Firma Thermo Hanf (https://www.thermo-hanf.de/) als Trennlage bestellt. Besten Dank an dieser Stelle vor allem an Karl-Heinz Hubel - Rheinhessische Lehmbau für den tollen Tipp. Übrigens habe ich für die Kupferblech + Dachrinnenarbeiten einen Spengler beauftragt. Ist tatsächlich das einzige an dem Gebäude vom Fundament bis zum Firstbiber was ich nicht selbst mache.

@Rangolf: Ich bin schon gelernter Zimmerer, aber hatte dann später noch Bauingenieurwesen studiert und bin anschließend in einer Softwarefirma für Statik und Konstruktion gelandet. Habe also vor langer Zeit meinen Zimmererhammer gegen eine Computermaus eingetauscht, aber meine wahre Passion war, ist und bleibt die Arbeit mit Holz :) Das praktische an der Stelle war allerdings, dass ich somit auch die 3D-Modellierung (siehe erstes Bild) und Planableitung selbst machen konnte. Den Baunantrag habe ich ebenfalls selbst erstellt und durfte ihn (wenn auch mit wenig Ahnung vom Bauordnungsrecht) auch unterschreiben.

Sobald ich Bilder von der tatsächlichen Ausführung habe, werde ich diese hier wieder posten, damit der ganze Beitrag einen schönen Abschluss bekommt. So ja auch geschehen bei meinem letzten Beitrag zur Fuge zwischen Sandsteinsockel und Schwelle. Auf diese Weise sind Beiträge bestimmt auch für zukünftige Leser noch hilfreich :)
Liebe Grüße an Euch alle und einen schönen Sonntag Abend!
Roland Polster