Kriechkeller Ostfriesland

10.12.2020 Sebastian


Moin,
vorweg ein Lob an dieses Forum. Ich habe mich bezüglich Kriechkeller hier auch schon quergelesen. Und bin, über den doch sehr sachlichen Umgangston erfreut. So etwas kennt man auch anders! Schön!

Fragestellung:
Ich werde mir sehr wahrscheinlich ein Haus (BJ. 64) in Ostfriesland kaufen, welches auf Streifenfundamenten steht und über fast die gesamte Fläche der unteren Etage einen Kriechkeller besitzt.
Heute habe ich den Kriechkeller begangen.
Natürlich ist ein Kriechkeller in Ostfriesland nicht trocken. Das ist, denke ich, auch nicht zu erwarten. Das Erdreich ist feucht, aber nicht Nass. Soweit ich es richtig erkannt habe befindet sich die Horizontalsperre recht hoch. Vielleicht zwei Ziegelreihen unter der Balkenlage.
Das Holz ist, soweit ich es erkennen konnte, an keiner Stelle schimmelig oder ähnliches. Nur auf einem Rattenkadaver hatte sich etwas Pilz angesammelt.

Was mich jedoch etwas gewundert hat ist, dass der Boden im Keller recht locker war. Sobald ich hinüberkroch bin ich merklich eingesackt nicht viel aber merklich. Vielleicht gibt es dazu eine Meinung.

Weiter, sind die "Säulen" auf denen die Balken liegen sollten, so etwas wie eingesackt und schief. Häufig besteht kein Kraftschluss zum Balken. Meine Frage diesbezüglich:
Sollte man sie neu aufmauern?
Mit Holzkeilen Kraftschluss herstellen? Schief sind sie dann immer noch.
Kann man Metall-Deckenstützen nehmen auf Betonplatten? Um durch drehen gegebenenfalls zukünftiges absacken auszugleichen?

Für Meinungen und Rat bin ich Dankbar.

mit freundlichen Grüßen,
Sebastian Wegner



Kriechkeller sanieren



Auf den feuchten Boden könnte eine Folie gelegt werden um die Feuchtigkeit darüber zu reduzieren.
Lockerer Boden ist ohne Bedeutung, sofern die Fundamente auf gewachsenem, verdichtetem Boden stehen.

Schiefe, lockere Pfeiler würde ich neu aufmauern- Fotos und Höhenangaben helfen.
Weiter nachgeben sollten sie bei tragfähigem Fundament nicht.

Entweder die darüberliegenden Balken etwas hochdrücken und stramm unterfüttern
oder Schalungsstützen oder niedrige, verstellbare Pfostenträger verwenden.



Warum Folie?



@Andreas,
wir machen immer wieder die Erfahrung dass wenn ein feuchter Boden in einem Keller, oder nicht unterkellertem EG, flächig abgedichtet wird, die Feuchtigkeit vermehrt in den Wänden hoch zieht, weil sie nicht mehr so viel über die Fläche in den Raum verdunsten kann.
Deswegen sehe ich in dem Fall deine Aussage etwas kritisch.
Zumal hier nach fast 60 Jahren (Haus Bj. 64) die Balkenlage anscheinend immer noch völlig intakt ist.
Ich hätte eher Bedenken, dass der Untergrund durch die Folie feuchter wird, der Sockel unterhalb der recht hoch liegenden Horizontalsperre deswegen mehr saugt und dadurch neue Probleme am Sockel aufkommen können.
Je nachdem ob und wie der Kriechkeller genutzt werden kann/soll, würde ich, wenn überhaupt irgendetwas gemacht werden muss, für eine besser Belüftung sorgen.
Aber wenn nur der besagte Rattenkadaver verschimmelt, ansonsten alles sauber, schimmelfrei und ohne irgendwelche Verrottungen ist, denke ich, ohne es gesehen zu haben, dass man diesbezüglich einfach nichts machen muss/sollte.

@Sebastian,
Die schiefen und abgesackten Pfeiler sind auf jeden Fall ein Thema.
Da sollte man schon untersuchen, warum die so sind. Ob ein tragfähiges Fundament fehlt, oder was auch immer.
Klar kann man erst mal nur ein paar Keile zwischen Pfeiler und Deckenbalken hauen und über die nächsten Jahre immer wieder kontrollieren ob sich sich wieder lockern. Besser, weil es nur einmal Aufwand ist, gleich kontrollieren ob tragfähige Fundamente unter den Pfeiler sind und wenn nicht gleich richtig machen.



Kriechkeller Ostfriesland


Kriechkeller Ostfriesland

Erst Einmal herzlichen dank für die Antworten!

Die Sorge das durch eine Folie der Sockel mehr Feuchtigkeit zieht hatte ich auch schon. Aber bestimmt hat eine Folie senkende Auswirkung auf die Raumfeuchte.

Was für ein Fundament sollte ich unter den Stützen erwarten? Ein betoniertes Punktfundament? Oder "nur" recht fundamentales Erdreich?
Ich nehme an, wenn ich kein Fundament entdecken kann, schachte ich ein Loch und schaffe ein Punktfundament auf welches ich aufmaure? (Puh und das ohne die "Decke/boden"" aufzumachen, bestimmt ein Spass) Ich probiere mal ein Foto hochzuladen. Es zeigt leider nicht explizit eine Stütze aber verdeutlicht vielleicht die Situation.

Weiter denke ich, das die Belüftungssituation wirklich nicht optimal ist und diese verbessert werden soll.

Besten Dank,
Sebastian



Kriechkeller sanieren



Da eine Horizontalsperre existiert kann eine Abdichtung auf dem Boden bis zu dieser hochgezogen werden. Feuchtigkeit kann ja ohnehin nur bis zur Sperre hochziehen.

Es gibt div Untersuchungen zur Feuchtigkeit in Kriechkellern, bei denen auf den Boden gelegte Abdichtungsfolien die Situation verbesserten (siehe Quadriga)

Höhere Feuchtigkeit in Wänden nach einer Bodenabdichtung würde ja bei jeder nachträglichen Abdichtung entstehen-dies soll nicht der Fall sein.

Ohnehin könnte sich die Feuchtigkeit nicht insgesamt erhöhen, da die Bodenfeuchtigkeit durch Abdichtungen nicht steigt sondern sich allenfalls anders verteilt.

Derart instabile Unterstützungen sollten erneuert werden, sofern diese notwendig sind.
Balkendimension, lichten Abstand und Länge zwischen den Mauern angeben-
dann läßt sich die mögliche Belastung errechnen.
Wahrscheinlich läßt sich die Position der Fundamente verändern, sodass erst einmal die alten bleiben können.
Besser aus großformatigeren Steinen mit Zementmörtel herstellen-
am Boden größere Steine oder ein Betonfundament zB in Schalsteinen zur Lastverteilung errichten.

Nach Verlegung der Abdichtung können Lüftungsöffnungen komplett verschlossen werden, was unkontrollierten Luftzutritt mit möglicher Kondensatentstehung verhindert.
Zudem werden Wärmeverluste verhindert.
Sollen Lüftungsöffnungen bleiben sollten diese zumindest bei wärmeren Außentemperaturen geschlossen werden können, um Kondensat an kühlen Kellerflächen zu verhindern.



abgedichteter Kellerboden-höhere Mauerfeuchte



diese Annahme ist sehr umstritten und soweit ich weiß weder empirisch noch durch physikalische Grundlagen belegbar. Die Steighöhe in Kapillaren wird bei gleichen Bedingungen nur durch die Dichte der Flüssigkeit bzw. durch die Oberflächenspannung beeinflußt. Beides ändert sich durch ( so ja die Annahme) geringstfügig Erhöhung der Bodenfeuchtigkeit nicht. Die Menge der zur Verfügung stehenden Wassermoleküle beeinflußt nur die Steiggeschwindigkeit.
Durch die Abdichtung eines Kellerbodens, so die Annahme, würde sich die Ausgleichsfeuchte des darunterliegenden Bodens signifikant erhöhen. Diese Annahme bezweifle ich, weil diese vielleicht 100 Quadratmeter Kellerboden im Austausch stehen mit theoretisch unendlich großen Umgebungsflächen. Dazu ist zu bedenken, dass ja der Fundamentfuß und die Fundamentaußenseite weiterhin durch die gleiche Ausgleichfeuchte des gewachsenen Bodens umgeben sind.
Wenn die Verdunstung des kellerbodens gehemmt bzw. verhindert wird, ist damit auch ein Temperaturanstieg unmittelbar über der Abdichtung zu verzeichnen ( bei stehender Luft natürlich), weil der Wärmeentzug durch den Verdunstungsprozess aufhört.
Meines Erachtens kann die Aussage, ob eine Abdichtung des Kellerbodens zu einer Erhöhung der kapillaren Steighöhe führt nicht pauschal getroffen werden.
Ich nämlich habe genau gegenteilige Erfahrungen gemacht



die Pyramide



Wir haben auch einen Raum über den Erdboden. Wir haben ihn gesehen als wir vom Nebenkeller ein Loch hatten. Es sind bei uns kleine Pyramiden gemauert aus Ziegelstein, unten breiter und oben schmäler und viele in der Reihe darauf liegt ein Balken in einer Kerbe. dann zu 90° noch ein Balken darauf sind die Fußbodenbretter genagelt. Wir hatten mit dem Arichtekten gesprochen, wie wir den Fußboden dämmen können, auch um die Fußkälte besser in Griff zu bekommen. Bei uns liegt ein Teppich obendrauf.
Vieleicht solltest Du auch Pyramiden mauern und nicht nur Türme, die unten etwas dicker sind.



Feuchte Theorien.... ;-)



@Andreas, @pope

Ohne diesen Thread jetzt durch theoretische Diskussionen in die Länge ziehen zu wollen, will ich nochmal kurz auf das Thema "erdberührenden Boden abdichten, oder nicht" eingehen.
Eure Meinung dazu interessiert mich.

Ich mache es jetzt an nur einem Beispiel fest, zu dem ich erst vor ein paar Wochen gerufen wurde. Beobachtet haben wir das "Phänomen" aber schon an mehreren Häuser, und zwar immer nach gleichem Muster/Ablauf.

Das Wohnhaus, Bj. ca 1750, überwiegend Naturstein-, stellenweise Mischmauerwerk, nicht unterkellert, wurde vor ca. 10 -12 Jahren grundsaniert und modernisiert.
Wir hatten damals nur die Putzarbeiten gemacht, alles andere von der Bauherrschaft in Eigenleistung, oder durch andere Firmen.
Bis dato war im EG ein klassischer Dielenboden auf Lagerhölzer drin, mit Sand drunter. Wie man es zuhauf antrifft.
Die Wände waren innen mit altem Kalkputz, außen mit Kalkzementputz aus den 70er-,80er-Jahre verputzt.
Vor Beginn der Sanierung sind die Wände bis in eine Höhe von ca. 50 - 80 cm so feucht gewesen, dass sich die Tapete an den Stößen ablöst. Aber kein Schimmel zu sehen (wurde wohl immer genügend geheizt).
Dann wird das Haus saniert.
Der Dielenboden und was darunter ist kommt raus, die Erde wird 10 -15 cm abgegraben, eine Folie ausgelegt und drüber betoniert.
Von den Wänden wird innen und außen der alte Putz abgeschlagen und neu verputzt. Innen mit Lehm, außen mit Kalkputz. Gestrichen wird innen mit Lehmfarbe, außen mit Kalkfarbe.
Auf den Rohboden kommt wieder eine Folie, an den Wänden hoch gezogen bis OKFF, darauf eine 3cm-Styropor-Dämmlage, Zementestrich, Trittschallfilz und Fertigparkett, schwimmend verlegt.
Nachdem das Haus vor 2 Jahren verkauft wurde, haben mich die neuen Besitzer vor ein paar Wochen angerufen, weil die Wände feucht wären. Da ich den Zustand vor Beginn der Sanierung schon gesehen hatte, konnte ich jetzt gut vergleichen. Die Feuchtigkeit ist jetzt bis in Höhen von 1,00 -1,50m weiter hoch gezogen. Also ca. einen halben Meter höher.
Da wir das schon öfter erlebt haben, diskutieren wir natürlich darüber, auch mit anderen Kollegen und Leuten vom Denkmalamt. Die Frage ist, warum passiert das?
Wir sind mittlerweile der Meinung, dass dadurch dass ein Teil der Erdfeuchte im Inneren des Hauses nicht mehr durch den offenen Fußboden in die Räume verdunsten kann, das Erdreich vor allem in den oberen 5, 10, 20, keine Ahnung wieviel cm feuchter wird/bleibt und somit die Wände nicht nur von außen, sonder jetzt auch von innen mehr Wasser ziehen als vorher.
Um dieses Mehr wieder aus der Wand zu verdunsten, braucht es längere Zeit und größere Oberfläche.
Deswegen zieht die Feuchtigkeit höher.
Zweite Theorie: Würde eine solche Wand immer noch mit einem viel dichteren Kalkzementputz verputzt sein, würde die Feuchtigkeit noch höher ziehen.

Gegenbeispiel: Wir haben schon mehrfach Häusersockel aussen frei gelegt und nur neu verfugt. Innen wurde altter Gips-, oder Kz-Putz entfernt und mit Lehmputz verputzt.
Danach ging die Grenze/Zone der Feuchtigkeit nach unten.
Theorie: Die aufsteigende Feuchte kann aus den Wänden besser/schneller raus diffundieren und verdunsten, folglich steigt sie nicht mehr so hoch.

Soweit meine Beobachtungen und Theorien.
Würde mich freuen, eure Erfahrungen und Meinungen dazu zu lesen!

Gruß,
KHH



Feuchte Theorien



hallo Karl Heinz und genau da liegt der Hase im Pfeffer, was wir nämlich nicht wissen ist, ob das Höhersteigen der Feuchte tatsächlich etwas ursächlich mit der Bodenabdichtung zu tun hat oder ob die Feuchte auch ohne diese Maßnahme höher gezogen wäre.
Was mich auch irretiert ist, das ich anläßlich eines Mauerdurchbruchs für ein neues Fenster in unserem 60 cm dicken Bruchsteinmauerwerk mal einen Blick ins Innere des Maueraufbaus werfen konnte. Da war praktisch eine Außenschale und eine Innenschale aus z.T. behauenen Steine mit einem ganz groben Mörtel ( vielleicht 0/8, teils 12mm Kies) gemauert, in der Mitte zwischen den Schalen war mit Mörtel gemischt der ganze Kleinkramschotter reingefüllt. Also theoretisch recht größe Kapillare und Poren, die eher als Kapillarbrecher gegenüber dem eher bindigen Erdreich gewirkt haben. Da Bruchstein ja eh nur über die Mörtelfugen Feuchte zieht, halte ich eine aufsteigende Feuchte eher für unwahrscheinlich, solange keine Salze im Spiel sind. Und so ist vielleicht auch bei Deinem Hausbeispiel dessen Lebenslauf nicht bekannt, vor allem was die Nutzung betrifft.
Aber wie schon geschrieben, ich kann mir nicht vorstellen, dass der Boden im Gebäude unter der Abdichtung dermaßen nasser als die Bodenschichten unter dem Fundament bzw. an der Außenseite sind, dass dies zu einer derartigen Erhöhung der Wasserbelastung führt.
Eine Erklärung gäbe es vielleicht noch: Eine Erhöhung der Feuchte unter der Abdichtung könnte zu einer weiteren Erhöhung der Konzentration an gelösten Salzen führen. Das würde der Theorie nach zu einer Herabsetzung der Oberflächenspannung der Wassermoleküle und andererseits zu einer Erhöhung der Dichte führen, was allerdings irreführender Weise zu einer Verringerung der kapillaren Steighöhe beitragen würde.
Es wird wohl offen bleiben.
Mir fällt noch ein, dass ich bei uns den Bodenaufbau doch etwas anders realisiert habe. Ich habe auf den gewachsenen Boden erst noch ein Geovlies gelegt und dann 20cm Gleisschotter eingebracht, darauf dann Folie und dann die Sauberkeitsschicht aus Beton. Möglicherweise hat das dazu geführt, dass sich die Gleichgewichtsfeuchte der Bruchsteine unterhalb des Betons über die Schotterschicht schon verringert hat und daher die Mauer oberhalb des OKFF trockener wurde.



Feuchte Theorien, die Dritte



@pope,

Ich frage mich, was sonst die Ursache sein soll, wenn zumindest jahrzehntelang der Zustand (Feuchte bis in eine bestimmte Höhe) stabil ist, aber nach der Abdichtung des Bodens sich verändert.
Zumal sich die Rücktrocknungsfähigkeit der Wände wesentlich verbessert hat. Dadurch dass der dichtere Altputz durch offeneren Lehm- bzw. Kalkputz ersetzt wurde.
Im beschriebenen Fall "belegt" durch die Aussagen der ehem. Bewohner, die jahrezehntelang drin wohnten, bevor sie es sanierten.

Zu deiner "Irritation": Dicke Natursteinwände sind meistens so aufgebaut: Beidseitig, quasi als verlorene Schalung mehr oder weniger gut vermauerte "Schalen", zwischen denen traditionell der Schutt, der beim Zuhauen der Mauersteine entstand, mit mehr oder weniger viel Mörtel "weiterverwendet" wurde. Natursteinwände mit Kies zu vermauern, wie bei dir, ist allerdings eher ungewöhnlich. Zumindest habe ich das so noch nicht gesehen. Da war wohl damals der Maurer zu faul den Sand zu sieben.... ;-)

Eine weit verbreitete, aber definitiv falsche Aussage ist, dass in Natursteinwänden die Feuchtigkeit nur über die Fugen aufsteigt. Genau wie bei Putzen, Mörtel und allen anderen Baustoffen kommt es bei Natursteinen auch nur auf das Gefüge und die Dichte der Gesteinsart an. Z. B. Muschelkalkstein (bei uns in der Region sehr verbreitet) oder Sandstein sind sogar extrem saugfähig.

Du schreibst: "ich kann mir nicht vorstellen, dass der Boden im Gebäude unter der Abdichtung dermaßen nasser als die Bodenschichten unter dem Fundament bzw. an der Außenseite sind,...."
Das sage ich ja auch nicht.
Unter einer Abdichtung wird er maximal genauso nass werden wie außerhalb des Fundamentes.
Aber ohne Abdichtung und der Möglichkeit nach oben hin abtrocknen zu können, ist das Erdreich in den oberen Schichten trockener, besser gesagt, nicht ganz so feucht, als außerhalb des Fundaments.
Im Prinzip, nur noch viel effektiver, hast du mit der Schotterschicht das gleiche gemacht, nämlich die Ebene/Grenze hoher Feuchtigkeit des Erdreichs weiter nach unten verlagert/verschoben.
Somit zieht in das Fundament weniger Wasser.
Gleichzeitig bleibt die Verdunstungsfläche gleich (das siehst du m. E. schon richtig, in deinem Fall wird sie durch die Schotterschicht sogar größer, da die Feuchte auch in den groben Schotter verdunstet,....natürlich auch nur in einem gewissen Rahmen, aber immerhin ein "Mehr" ist es....).
Was zur Folge hat, dass sich das Verhältnis der eindringenden Wassermenge zur raus dünstenden Menge Richtung "weniger / trockener" verschiebt.
Ich sage ja nicht, dass so eine Wand völlig austrocknen kann.
Das wird so nie der Fall sein.
Aber die Linie/Höhe, ab der eine Wand als trocken bezeichnet werden kann, verschiebt sich so auf jeden Fall nach unten. Idealerweise unter OKFF.....

Gemäß dem Motto: "Du kannst nicht gegen das Wasser leben, nur mit ihm." geht es mir um das "So-viel-als-möglich" unter den jeweils gegebenen Umständen/Möglichkeiten (örtl. Situation, finanzielle Möglichkeit der Bauherrschaft, wirtschaftl. Sinnhaftigkeit, usw.).
Natürlich wären dauerhafte Horizontal- und Vertikalsperren immer DIE Lösung.
Aber ganz oft halt nicht machbar.
Gerade im Altbau, mit 50-100cm-Bruchsteinwänden.

Weil du auch Salze ansprichst.
Ich denke, eine eventuelle Salzbelastung spielt bei dieser Geschichte keine wesentliche Rolle.
Salze und andere gelöste Mineralien mögen zwar die physikalischen Eigenschaften der aufsteigenden Feuchtigkeit und/oder des Mauerwerks beeinflussen, ändern aber am Prinzip der Verhältnismäßigkeit (s.o.) nichts.

Gruß,
KHH



Feuchte Theorien - bitte auflösen



ich stimme Dir im Grunde zu, es wird ein spezielles Thema bleiben. Mich wundert nur, dass diese Thematik scheinbar noch nicht ausreichend untersucht wurde, obwohl es ja scheinbar ein sehr häufiges Thema ist. Oder bin ich nur zu dämlich nach entsprechenden Studien zu suchen ?
Nach wie vor bleibt bei mir die Frage: Welchen Aufbau schlägst Du vor, ohne dass nach 30 Jahren der Fußboden wieder saniert werden muss ?



Lösungsvorschlag



Ich würde es so ähnlich machen wie du :
Erdreich so tief als möglich ausgraben (bis knapp über UK Fundament, Vorsicht wg. Erdbruch), wenn möglich mind. 40 cm, Geovlies rein, 40 cm dick Glasschaumschotter als Dämmschicht rein, zweites Geovlies drauf, darauf die Lagerhölzer, zwischen diese eine zweite Dämmschüttung (Blähton, Perlite, Glasschaumgranulat, o. ä., evtl. mit Kalk- oder Lehmschlämme gebunden), darauf dann den Dielenboden.
Wobei ich, wenns zeitlich geht, den Bodenbretter ein paar Tage Zeit lassen würde sich zu "akklimatisieren", da diese meistens werksseitig sehr weit runter getrocknet wurden, aber evtl. wegen der hohen Feuchte im Untergrund wieder feuchter werden und quellen könnten. Wenn vom Bauablauf diese Zeit nicht gegeben ist, die Dielen gleich mit 1-2-3 mm Abstand (je nach Dielenbreite) verlegen, damit die Dielen Platz zum Quellen haben.



Und die Variante Bad



bzw. Fliesen oder Natursteinplatten, die brauchen ja einen Estrich drunter?



Variante Bad / Fliesenboden



Wenn der Badboden gefliest werden soll, gehts nicht anders, da muss halt ein Estrich rein.

Ich hatte mal vor Jahren den Fall, da hat der Bauherr, ein Hobby-Archäologe, den Estrich nach der Rezeptur des "Römerbeton" (Opus caementicium) hergestellt und darauf Schieferplatten als Belag verlegt. Dieser Estrich hat als Bindemittel Kalk, statt Zement.
Ob so ein Estrich so diffusionsoffen ist, dass es wirklich den Wänden was bringt, weiß ich nicht, ist aber vielleicht eine Überlegung wert.
Alternativ könnte man nur im Spritzwasserbereich kleinere Estrichplatten mit Fliesen einbauen, quasi den "Fliesenspiegel" auf dem Boden, und den Rest als Dielenboden bauen.



Lesestoff



hier nochmal ein Text zur Lektüre, bei dem genau unser Thema diskutiert wird.
https://www.fachwerk.de/fachwerkhaus/wissen/waende-platte-84986.html



Lesestoff, die Zweite



@pope,
danke für den Link.
Ich habe zwar nicht bis zu Ende gelesen, aber offensichtlich gehts um genau die gleiche Diskussion.
Ebenfalls mit "open end".......

Aber das ist ja genau das was ich sage, außer echten, meist sehr aufwändig herzustellenden Horizontal- und Vertikalsperren, gibt es halt nur Kompromisslösungen, die das Problem nur mal mehr, mal weniger verkleinern können.



Kellerfeuchtigkeit



Da bei Sebastian eine horizontale Feuchtigkeitssperre vorhanden ist spielt es ohnehin keine Rolle, ob jemand der Meinung ist, dass sich durch Bodenabdichtungen die Feuchtigkeit in den Wänden erhöht-
diese kann eh nur maximal bis zur Horizontalsperre steigen.
Die Bodenabdichtung kann bzw sollte daher ggf bis zur Horizontalsperrre hochgezogen werden.

Ein trockener Boden, durch den nicht ständig Feuchtigkeit diffundiert
reduziert in jedem Fall die Feuchtigkeit in dem betreffenden Kellerraum-

bei geringerer Feuchtigkeit verbessert sich der U-Wert der Umfassungsflächen,
dadurch weniger Wärmeverluste und höhere Oberflächentemperaturen.

Dies reduziert die Möglichkeit von Kondensatbildung, was wiederum zu geringerer Feuchtigkeit führt.

Kapillarität findet unabhängig vom Wasserstand statt- ob die Kellermauern nun 5 oder 10 cm im Wasser stehen spielt keine Rolle- das Wasser steigt gleich hoch in den Wänden auf, solange Wasser nachgeliefert wird.
Nur wenn eine mengenmäßig begrenzte Wassermenge vorhanden ist und diese überhaupt unter einer Abdichtung von der Raummitte bis zu den Wänden vordringen kann wäre es vorstellbar, dass hier zeitlich gesehen länger Wasser kapillar in den Wänden aufsteigen kann- wenns bei begrenztem Nachschub weg ist ists ohnehin weg.

Logischerweise bliebe dabei die Feuchtigkeit insgesamt ziemlich gleich und difffundiert letztlich in den Kellerraum bis es zu einem Dampfdruckausgleich kommt- egal ob durch Wände oder Boden

Da Bodenfeuchtigkeit und ggf sich anstauendes Wasser i.d.R. fast unbegrenzt nachgeliefert wird halte ich Boden- und ggf Wandabdichtungen zur Feuchtigkeitsreduzierung für sinnvoll.

Schotter auf dem Boden ermöglicht bei entsprechenden Verhältnissen sich anstauendes, freies Wasser, welches sich ungehindert unter Bodenplatten bis zu den Wänden ausbreiten kann- Lastfall "drückendes Wasser"
- bei einem Betonboden direkt auf gewachsenem (Lehm-)Boden nicht möglich-
dies resultiert also nur im Lastfall "Bodenfeuchtigkeit" .
Was möglich ist hängt von den örtlichen Gegebenheiten ab





@Karl-Heinz

Solche Beobachtungen sind immer interessant. Woran machst du den vorliegend den Anstieg der Feuchte fest?

Kapillarer Feuchtetransport ist Ädhäsion, Kohäsion versus Schwerkraft und durch die Porengeometrie deutlich limitiert. So das ich hier eine "Folie" im Bodenaufbau weniger für eine Ursache halte.

Generell ist eine dampfdichte "Abdichtung" von mineralischen Baustoffen der Materialerhaltung im Altbau selten zuträglich.

Naheliegend sollte bei einem steigenden "Feuchtehorizont" ungenügende Abtrocknung bzw. vermehrter Wassereintrag über den Querschnitt in der Horizontalen, eine Ursache sein.

Bei dieser Betrachtung würde ich Kalkputzen so pauschal nicht in jedem Fall eine bessere Wasserdurchlässigkeit attestieren. Ein alter handwerklich errichteter Kalkzementputz dürfte hier einem "Reinkalkputz" moderner Machart meist nicht nachstehen.

Ein Lehmputz hat gegenüber Kalkmörteln schon eine deutlich höhere Ausgleichsfeuchte, die man messtechnisch immer erfassen wird.

Zuzüglich dem "Ertrag" aus kapillar wirksamen Rissen in der Putzschicht außen und "dichtender" Anstriche innen wie außen.



@Mario



Hallo Mario,

ich mache meine Aussage nicht an dem konkreten Fall hier fest.
Sondern das sind Beobachtungen, die wir (das sind Lehmbau-Kollegen und Energieberater, mit denen ich zusammen arbeite) immer wieder an/in Baustellen machen, wo im EG alte Dielenböden raus gerissen und gegen Betonplatten/Estrich ausgetauscht werden.
Vor Baubeginn waren die Wände nur wenig und/oder nur bis zu einer gewissen Höhe feucht.
Ein paar Monate bis Jahre später sind sie feuchter (mehr Ausblühungen wo vorher keine, oder weniger waren) und/oder die Feuchtigkeit zieht in den Wänden höher.
Bei einigen Gebäuden können wir das von außen (im Vorbeigehen) beobachten, bei anderen haben die Kunden entweder nur gefragt, oder sogar "reklamiert".
Bis hin zu einem Fall, der vor Gericht landete, wir aber per Gutachter "nachweisen" konnten, dass es nicht unsere Schuld war/ist.

Ohne jetzt in die Wissenschaft eintauchen zu wollen, ist es im Prinzip eigentlich ganz einfach:
Je mehr Feuchtigkeit im Erdreich, genauer gesagt, im Erdreich um die Fundamente herum ist, umso mehr zieht in sie rein.
Dampfdurchlässige Dielenböden lassen viel Feuchtigkeit aus dem Erdreich verdunsten, auch von der Innenseite der Fundamente.
Diese Feuchtigkeit zieht nicht mehr in sie rein.
Macht man die Verdunstungsfläche (unter den Dielen) zu, "staut" sich dort die Feuchte bis aufs Niveau außerhalb der Fundamente. Dem entsprechend können die Wände mehr Wasser saugen.
Bleibt die Verdunstungsfläche und -fähigkeit der Wände gleich, steigt dieses Mehr höher, weil es umso länger braucht, bis es raus verdunstet ist.
Verputzt man solche Wände mit einem sehr diffusionsoffenen Putz, und/oder läßt sie unverputzt (z. B. Sockel außen), schafft man so der Feuchtigkeit die Möglichkeit schneller zu verdunsten. Die Grenze, bis zu der die Feuchte hoch zieht sinkt somit.
Legt man die "Linie" bis zu der die Erdfeuchte ansteht tiefer (z. B. indem man ein kapillarbrechendes Schotterbett im/ums Gebäude einbaut, schiebt sich der gesamte feuchte Wandbereich nach unten.
Im Idealfall bis unter die OK Fußboden.
Somit sind die Fundamente zwar immer noch nicht trocken, es "stört" aber nicht mehr (bsi auf evtl Schäden die am Fundament selbst entstehen, aber das soll jetzt hier kein Thema sein).

In wie weit man das Ganze wissenschaftlich berechnen kann, weiß ich nicht, bin kein Wissenschaftler.
Es sind Erfahrungen, die wir machen und die uns auch Gutachter/Sachverständige bestätigen.
Ich sage auch nicht, dass das immer funktioniert.
Wenn ein Haus voll "im Sumpf" steht, kommt von außen so viel Wasser, dass es höchst wahrscheinlich keine Rolle spielt, ob innen der EG-Boden offen oder zu ist.

Deinen Satz "Ein alter handwerklich errichteter Kalkzementputz dürfte hier einem "Reinkalkputz" moderner Machart meist nicht nachstehen." würde ich so nicht unterschreiben.
Ganz oft ist gerade in diesen selbst gemischten KZ-Putzen das berühmte Schippchen Zement mehr drin (viel hilft viel, es muß für die Ewigkeit halten). Die haben dann einen µ-Wert fast wie Beton.
Moderner KZ-Putz hat ein µ von ca. 25 -35, ein Kalkputz von ca. 10 - 20, Lehmputz von 5 -10.
Da aber über den Kapillareffekt viel mehr Wasser in Materialien eindringt als über Diffusion, ist es viel wichtiger, ddass die Kapillarität von Kalkputz ist viel höher als von KZ-Putz ist und fast an den Lehmputz heran reicht.
Deshalb kann Feuchtigkeit aus Kalk- und Lehmputzen viel schneller wieder heraus trocknen als aus Kalkzementputzen.
Was dann wiederum die Feuchte-/Trocken-Grenze weiter nach unten verschiebt.
Die natürliche Ausgleichsfeuchte hat damit eher weniger zu tun.
Zumindest so lange eine Wand nicht in diesem Bereich ist.

Natürlich hast du recht, schmiert man einen "offenen" Putz mit abdichten Anstrichen zu, ist das kontraproduktiv.
Siehe die Häuser die bis ins OG feucht sind, weil sie im EG "abgedichtet" wurden......