Fußboden Aufbau 100 Jahre altes Haus

22.04.2009



Hallo,

Wir Restaurieren unser Haus bzw. lassen das Haus komplett umgraben und die Außenwände abdichten, wegen Feuchteproblem in den Wänden.

Der Fußbodenaufbau war 10 Jahre lang von unten nach oben:
- alte Dielen
- PVC Boden
- Dämmfolie
- Laminat

Ich nehme an durch die luftdichte Schicht über den Dielen sind diese total vermodert und auch verwurmt.

Unter den Dielen befindet ein Luftraum von 30cm tiefe, Bauschutt und Eisenträger, bei denen Die Kellerdecke mit Klinkersteinen rund eingebaut ist.
Die Eisenträger sind zu meinem Schreck sehr angerostet (vermutlich auch wegen den luftdichten Böden???).


- In Planung "war" den Bauschutt zu entfernen, eine Feuchtigkeitssperr-Folie aufzulegen und darüber das Untergerüst zu bauen mit Anschließender Schütt-Dämmung und Bedielung.

- Meine "Befürchtung" (und Frage) ist, ob eine Feuchtigkeitssperre auf den Eisenträgern zu noch stärkerem Rosten verhilft? Ist es eventuell besser wenn wir den Luftraum unter dem Boden lassen, eine neue Holz-Unterkonstruktion bauen und einfach bedielen, damit ein Luftaustausch unter den Dielen bleibt??


Eventuell kann mir jemand einen Fachmännischen Rat geben.
Das würde mir enorm weiterhelfen.

Vielen Dank


PS: Es handelt sich um das Erdgeschoss mit darunterliegendem Luftschutzkeller (noch feucht). Baldige Bauarbeiten, Hausumgrabung werden das Feuchteproblem parallel dämpfen sodass die Frage sich speziell auf die Feuchtesperrfolie und den Eisenträgern bezieht.



Alles sperrende sperrt!



Aber in alle Richtungen!

Wie Sie gesehen haben haben die dichten Baustoffe, wie PVC-Belag und Laminat der Holzkonstruktion den Rest gegeben.
Dies "alten" Luftschichten hatten schon ihren Sinn und sind meist von Vorteil, wenn man das Gesamtsystem nicht verändert hat!

Mit Ihrer Dichtfolie werden Sie das erreichen, was Sie nicht wollen.
Mit der Dämmschüttung allerdings auch!

Lassen Sie das im Prinzip so wie es war (wenn Ihnen der Schutt nicht gefällt, ersetzen Sie den mit Kalksplitt aber nicht mit Dämmstoffen (es bringt nichts, auch wenn andere Ihnen das Goldene vom Kartoffelhimmel versprechen und Ihnen aus Gesetzeszylindern Zahlenmagie hervorzaubern und humane Kreislauf und Durchblutungsstörungen als Vorwand unter die Nase reiben, dass der Boden gedämmt werden soll!
Die kalten Füsse kommen eher von dem ungünstigen Heizungssystem her!

Das Abdichten der Kellerwand würde ich auch nicht machen, denn ausser dem Gewinn für den Handwerker, wird nicht viel für Sie dabei herausspringen an Nutzen!
'ne trockene Wand, meinen Sie?
Das ist auch nur ein Märchen von den Gebrüdern Zauberern!

FK





PVC-Boden unter Folie unter Laminat führt zwangsläufig zum Tot der Dielen bzw. der Unterkonstruktion, die anders als die Dielen weniger Wärme erfahren hat und feuchter wird.
Beim Entfernen der Böden im eigenen Haus fand ich unter Laminat und Folie die Dielen noch in mäßigem Zustand vor. Man konnte Sie aber ohne Nageleisen hochheben, die Unterkonstruktion ließ sich zum großen Teil problemlos zusammenfegen.

- Wurde schon einmal die Luftfeuchtigkeit im Keller gemessen?
- Wie verrostet sind denn die Eisenträger (Untergurt und Auflager beachten)?
- Wie soll der Keller "abgedichtet" werden?
- Was bedeutet "umgraben"



Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Keller



Vielen Dank FK und Herr Kornmayer,
Sie haben mir schon sehr weitergeholfen.
So werde ich das mit dem Boden machen. Luftraum lassen, Kalksplit an den seiten anschütten und Dielen anstatt PVC verlegen.

Zum Keller:
Mit Umgrabung meinte ich eine Kellerabdichtung von außen durch eine Baufirma. Es dringt mehrmals im Jahr bei sehr starken Regenfällen Wasser von außen (Schichtwasser) in den Keller-Innenbereich (an drei Wänden in 3 verschiedenen Räumen). Das Wasser spritzt ähnlich kleinerer Fontänen aus der Wand. Dadurch erreichen wir regelmäßig eine "Überfeuchte" im Gemäuer und Kellerboden. Früher vor 20 Jahren war das noch dicht! Nach der Zeit hat sich der Mauerputz regelrecht in Sand verwandelt und diese Schwachstellen sind entstanden.

*Auch hier, 10 Jahre wie beim Boden haben Handwerker die Wände von Innen verputzt. Folgen sind noch kaputteres Mauerwerk.


Meine Bisherigen "Rettungs-Schritte" waren:

Ich habe den kompletten Putz vom Keller entfernt, damit die Wände wieder natürlich trocknen können und das Wasser nicht hochzieht.

Das Äußere Abdichten kommt noch.
Eventuell an der Kellerwand unter der Decke einen Streifen Bohrloch Injektion,damit kein Wasser in die Erdgeschosswand weiter nach oben dringt.

Was halten Sie davon?
Wir sind völlig der selben Meinung, dass einige diversen Methoden fragwürdig sind und warscheinlich nur "Geldmacherei". Andere jedoch unumgänglich. Bei meinem Kellerfall denke ich komme ich einfach um die Kellerwandabdichtung von Außen nicht drum rum.

Was halten Sie davon?
Herzlichen Dank für die Hilfe.

Rob Schaeli



Keller und "Umgrabung"



Herr Kornmayer, Ihre Fragen habe ich übersehen.

- Wurde schon einmal die Luftfeuchtigkeit im Keller gemessen?
Ja, von einem Gutachter, der empfohlen hat so bald wie möglich die Wand von Außen abzudichten, da Schichtenwasser durch die Kellerwände bricht (das Wasser bricht ca. in der Mitte/ Bauchhöhe durch).

- Wie verrostet sind denn die Eisenträger (Untergurt und Auflager beachten)?
eine kleine Schicht hat sich oberhalb am Eisen gelöst. ca. 0,3mm dick. Erschreckend aber es ist noch genug feste Substanz, sodass ich mir für die nächsten 50 Jahre, wenn wir den Boden luftig lassen, keine Sorgen mache.

- Wie soll der Keller "abgedichtet" werden?
(In meinem vorherigen Beitrag Beschrieben)

- Was bedeutet "umgraben"
3m Tief das Haus bis zum Grundstein Freilegen und die Außenwände von einer Baufirma Abdichten lassen (WandSanierung/Dicke WassersperrFolie von Außen/Isolierung/Kiesschüttung...etc.)

Das Ausgraben übernehmen Wir und die Wandarbeit wegen Garantie Baufirma.





Hallo Herr Schaeli,

prinzipiell sind Sie bei den "Rettungsschritten" richtig vorgegangen, auch erklärt sich der Feuchtegehalt im Keller zweifellos. Zur Wandabdichtung schlage ich Ihnen vor Ihren Gutachter vor der Abdichtung nochmals die Wand betrachten zu lassen und holen Sie sich diesen ebenso bevor der Boden wieder angeschüttet wird. Die Injektage ist eher eine Angstmaßnahme nehme ich an.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer





Wenn Sie schon dabei sind, die Eisenträger werden auch bei trockene Bedingungen weiterrosten, da bei bereits vorhandenem Rost die normale Luftfeuchte ausreicht. Am besten Sandstrahlen und mit Rostschutz streichen.

Was die Quellen aus der Wand betrifft, gucken sie mal, ob die Fortführung der Regenfallrohre im Boden undicht und/oder verstopft sind, und ersetzen sie diese, wenn es noch Rohre aus Schleuderbeton sind, gleich durch solche aus Kunststoff.



Eisenträger abbürsten



Vielen Dank Herr Paulsen für den Tipp.
Ich werde den Träger mit einer Stahlbürste vom Rost befreien und mit Rostumwandler imprägnieren. Da wäre ich nicht drauf gekommen dass es durch die Luft weiterrostet, aber ist schlüssig und vernünftiger den kleinen Aufwand zu machen.

Wie sehen Sie das mit der Feuchtigkeitssperre? In allen "Dielen-verleg" Beschreibungen, die ich finden konnte sind immer diese PV Folien eingeplant, damit die Feuchtigkeit nicht in die Dielen zieht... Bei mir, da kein glatter Estrichboden vorhanden sehe ich diese Folie aber eher momentan als Problematisch für den Erhalt des Untergrundes.
Auf der Anderen Seite würde ich lieber mit einem geschlossenem Dielen-Boden arbeiten... aber das sollte ich wahrsheinlich in meinem Fall tatsächlich nicht geschlossen machen.

Mein jetziger Plan ist nach den hilfreichen Beiträgen hier
eine Balkenkonstruktion anzulegen:

- Eisenträger entrosten und imprägnieren.
- unter die ersten 4 Längst-Balken, Korg als Dämpfmaterial.
- Dann die Querbalken entsprechend mit Unterhölzern zur Bodenhöhenanpassung.
- Als Schüttung etwas Kalksplitt, wie von Herrn Florian Kurz Empfohlen.
- Landhausdielen belegung mit Zwischenspalten.

Im Prinzip wie früher, nur frisch und Behebung der Feuchte-Ursachen. Feuchtigkeit wird aber auch später mehr oder weniger vom Keller durch die Kellerdecke in den EG Boden unter den Dielen gelangen... hmm Feuchtigkeitssperre (träum...) ;) Nein das ist nicht gut für den Träger. ok.

Die Regenfallrohre überprüfe ich, die gehen aber zur Hofseite, welche auch die schlimmste ist, nicht in den Boden.

Vielen Dank
Schaeli





Zur Bodenkonstruktion kann ich nichts sagen, zu den Regenfallrohren schon.
Sie haben pro Jahr und Quadratmeter Dachfläche je nach Gegend so um 700 - über 1000 Liter Regenwasser, die im Hofboden in Aussenmauernähe versickern; ein Teil davon wird den Weg in ihren Keller finden. Wenn es keine Bodenrohre hat, erstellen sie welche, damit das Wasser vom Mauerfuss weg kommt.



Achtung oder Vorsicht beim Aushub



Ich schließe mich den Ausführungen von Florian Kurz an. Doppelt unterstreichen möchte ich hier noch die "Unnötigkeit des Aufbuddelns".

Vor zwei Jahren ist in unserer Gegend ein altes Haus eingestürzt. Grund: Auch der Besitzer wollte den Außenbereich mit einem Bagger ausheben und trockenlegen. Rings rum ein schöner tiefer Graben.
Durch den fehlenden Gegendruck gab die Kellerwand dann schließlich nach und mit ihm folgten alle Obergeschosse....


Herzlichst
Alexander Zima



RE: Aushub



Leider ist das fontänenartig eindrigende Schichtenwasser bei stärkeren Regenfällen mit die Hauptursache für all die Folgeschäden im Erdgeschossbereich und auch in der Kellermauer, die langsam ausgespühlt wird.

Irgendwann wird das Schichtenwasser nicht nur den Putz sondern auch die Klinker ausspühlen, die letzendlich das Haus tragen.
Als unnötig würde ich das Vorhaben nicht bezeichnen.
Als gefährlich meiner Meinung JA. Das Bauunternehmen sagt wenn wir stückweise vorgehen und genügend abstützen kann nichts passieren. Alleine zu umgraben und dann tatsächlich sofort alles, das glaube ich, dass das bis zum Einbruch gehen kann.
Robert Schaeli





Hallo Herr Schaeli,

eine Abdichtung muss immer geplant und überwacht werden. Besonders in dem von Ihnen geschilderten Fall.

Vor Beginn der Arbeiten ist hierzu ein Arbeitsplan und eine Ausführungsanweisung zu erstellen. Erst danach sollte mit den Arbeiten begonnen werden.

Wichtig!
Bestehen Sie auf eine Ausführungsdokumentation (Protokolle jedes einzelnen Arbeitsschrittes).
Dies gibt Ihnen und der ausführenden Firma die Sicherheit, dass alles fach- und sachgerecht ausgeführt wird.
EIGENÜBERWACHUNG der ausführenden Firma!


Korrosion der Stahlträger
Die von Ihnen überprüfte Roststärke von 0,3 mm sollte nachkontrolliert werden, in dem an einer Stelle die Stahlträgerunterseite metallisch blank geschliffen wird und danach das Restmaterial gemessen wird.
Somit erhalten Sie die tragfähige Restmaterialstärke.
Sollte die, gegenüber der ursprünglichen Materialstärke, < als 0,5 mm sein, ist es dringend notwendig eine statische Nachberechnung vorzunehmen.

Sollten Sie jedoch recht behalten mit 0,3 mm Rost, wäre mein Vorschlag folgende Sanierung der Stahlträger.

Bestehende und zugängliche Stahlflächen entrosten (Fachbegriff SA2, metallisch blank, Vertiefungen dürfen kleine Rostflächen aufweisen). Dies kann jedoch nicht durch abürsten oder abschleifen erreicht werden. Hier ist es notwendig im Hochdruckwasserstrahlverfahren mit Feststoffzuschlag zu arbeiten. Das anfallende Wasser am Boden ist sofort zu entfernen. Alternativ wäre es möglich mittels Feststoffstrahlen. Evtl. Flugrost nach den Reinigungsarbeiten hat keine negativen Auswirkungen.

Korrosionsschutz auf minerlischer Basis noch auf den feuchten (nicht tropfnassen) Untergrund frisch in frisch in 2 Lagen aufbringen. Materialmenge nach Herstellerangaben einhalten.
Evtl. Rissbildungen oder Ablösungen an der Oberseite der Betondecke sanieren.
´
Vorgehensweise:
Aussaugen der Risse mittels Industriesauger.
Danach die Risse im Überschuss mit Wasser füllen. Dies geschieht 24 Stunden vor den weiteren Arbeiten.
Risse > 0,8 mm mit Zementleim vergießen (tränken) gemäß DAfStb-Richtlinien.
Risse > 0,2 mm mit Zementsuspension vergießen (tränken) gemäß DAfStb-Richtlinie.

Durch diese Maßnahme spricht man von einer Repassivierung des anstehenden Betons und somit ist der Passivschutz des Stahles (Sauerstoffkorrosion) wieder hergestellt.


Gutes Gelingen



Bodenaushub, Einsturzgefahr -aufpassen- !!!



Auch ich habe ein Fachwerkhaus, dass ein Fundament aus Bruchsteinen hat, anno dunnemals wurden es in 1 m Breite ausgeführt und mit Sand und Kalk gemauert. Drumherum wurde Erdreich aufgeschüttet -das hält-. Jedenfalls solange, wie keine Abgrabungen stattfinden. Leider hat mein neuer Nachbar das gemacht, sein Grundstück/Hof grenzt leider genau an mein Haus. Nun klage ich auf Wiederherstellung der Standfestigkeit. Im Rahmen dieser Klage wurden inzwischen 4 Dipl. Ing´s beschäftigt:

Um Dein Unterfangen sicher zu gestalten, würde ich meinen Vorgängern zustimmen und d r i n g e n d die Grabearbeiten überwachen, frage doch mal nach, ob es nicht sinnvoll wäre, Schritt für Schritt vorzugehen: 1 m freischachten, 2 m stehen lassen; 1 m freischachten, 2 m stehen lassen usw. Das entspricht einer DIN-Norm (bin nicht zu Hause, kann deshalb nicht nachschauen welche) und wurde mir von meinen Dipl.Ing ins Gutachten geschrieben. Die Arbeiten könnten dann jeweils an dem "1 m - Stück" durchgeführt werden und in 3 Arbeitseinheiten wäre dann die gesamte Wand "bearbeitet".
Ich wünsche viel viel Energie bei den vielen sinnvoll geplanden und hoffentlich auch ausgeführten Arbeiten.

Schöne Grüße aus dem Harz
von Doris