Gewölbe

30.06.2009



Hallo Forum,
meine Frage ist:wann kam die Bauweise auf, Gewölbedecken mit Eisenträgern zu erstellen? Stallgebäude,vorderer Teil Säulen mit Bögen,hinterer Teil Anbau mit Eisenträgern und Gewölbe.Ländlicher Raum.
Vielen Dank
Christian



Gewölbe



Als Eisenträger verfügbar wurden, also 2.Hälfte 19.Jh.
In der ersten Hälfte wurden Keller in der Regel noch als gemauerte Gewölbe errichtet.

Grüße



Kappendecken



sind in erster Linie über Kellern oder bei Industrie- und Landwirtschaftlichen Gebäuden verbaut. Maßgeblich für den Einbau waren Wirtschaftlickeit, Unverrottbarkeit, hohe Belastung und erhöhter Brandschutz. Weitere Namen sind „Preußische Kappendecke“ oder auch „Berliner Gewölbe“

Eine Kappendecke besteht aus einer Reihung von gering gewölbten Tonnengewölben, die auf Stahlträgern aufliegen.
Die Stahlträger bestehen aus Doppel-T-Trägern, T-Trägern oder auch aus ehemaligen Eisenbahnschienenstücken in Zeiten schwieriger Materialbeschaffung.
Die Gewölbe wurden aus senkrecht- oder auch querliegenden Ziegelsteinen errichtet, bei späteren Ausführungen wurde ebenso Beton vergossen.
Zeitlich sind die gemauerten Kappendecke dem 19. Jhd – vornehmlich der zweiten Hälfte – zuzuordnen. Ab dem 20. Jhd sind zunehmend Betonkonstruktionen zu finden, nach dem 1 Weltkrieg bis in die 30er Jahre dann nahezu ausschließlich. Ab den 30er Jahren werden Ortbeton und Fertigteile eingesetzt und verdrängen die Kappendecke.

Schwachstellen sind gewöhnlich die Auflagerpunkte der Stahlträger selbst oder sich durch Korrosion auflösenden Stahlträger. In den letzten Jahren auch häufig zu sehen ist ein Ausrieseln des Fugenmaterials und das daraus resultierende Nachsacken des darüberliegenden Einbaus woraus eine Rissbildung im Oberboden resultieren kann. Auch zu beobachten sind Rissbildungen an den Endfeldern (oft Außenwände), durch zu große in die Wand eingebrachte Horizontallasten, denen ein zu geringes Auflager entgegensteht. Durch etwaige Verschiebungen kann das Gewölbe brechen.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer





Hallo,

die ersten schriftlichen Belege über eine Kappendecke mit statischem Nachweis ausgeführt mit Doppel-T-Träger und Stampfbeton (mit einer Druckfestigkeit von 5 N/mm²)ist von der Berliner Baupolizie aus dem Jahre 1880.

Ab 1900 wurden diese Decken in ganz Deutschland (damalige Karte)als hochbelastbare und kostengünstige Variante eingesetzt.

Die Problematik der Kappendecke hat Herr Kornmayer ja schon ausführlich dargelegt. Wobei es heutzutage kein Problem mehr ist so eine Kappendecke durch Sanierung zu erhalten.

Ein schönes Beispiel dazu können Sie auf meiner Homepage sehen. Wo ich die Sanierungsavorgaben von 2500 m² Kappendecke entwickelt und überwacht habe.


Grüße



Älteste Kappendecke?



So, wenn wir dann schon mal beim Thema sind würde es mich interessieren wer hier im Forum die älteste Kappendecke besitzt, ausgebessert, saniert, ausgefugt, behandelt hat oder kennt.

- gewalzte Doppel-T-Träger bzw. T-Träger sind seit Gleisbauten für Eisenbahnen ab ca. 1840 bekannt
- Schwemmsteine aus Bimsgranulat gibt es seit 1845

Die ältesten Gebäude die ich kenne sind
- das Museum für Arbeit in Hamburg aus dem Jahre 1870.
- das Proviant-Magazin in Mainz 1863-1867

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



alter



unsere kleine preussische Kappendecke ist zwischen 1860 und 1880 spätestens gebaut worden.

Interessant, zwischen Keller und EG gabs drei verschiedene Deckenkonstruktionen: 1 Kappendecke, 2. Dippelbaumdecke und 3. eine sehr merkwürdige und massive Tramdecke.

Die holzkonstruktionen sind leider Vergangenheit, die Kappe hält noch immer. Der Putz im Keller ist sehr mürb, das ganze wurde wohl mal mit Dispersion gestrichen. Die Ziegel sind einigermassen beieinander, altes Donaumonarchieformat.

In diesem zusammenhang würde mich mal interessieren, ob jemand weiss, bis wann in Österreich dieses alte Ziegelformat hergestellt wurde (es ist etwas länger und etwas breiter als das Reichsformat). So weit ich weiss, hat man nämlich schon im 19. Jhdt iauch in Österreich auf das Reichsformat umgestellt.





Hallo Herr Jäkel,

wie der name Nahelegt "Klosterformat", war dies kein einheitliches Format wie das 1872 eingeführte "Reichsformat".
Informationen gibt es bei wiki:
http://de.wikipedia.org/wiki/Backstein

Grüße vom Niederrhein



"Normierte Österreicher"



Ziegel gehören wohl zu den ältesten "normierten" Baustoffen und schon im Altertum sind in verschiedenen Kulturen "normierte Ziegel zu finden, die sich zwar unterscheiden, aber fast immer auf dem Verhältnis 1 zu 2 zu 4 (Dicke zu Breite zu Länge) beruhen.

Normierte Österreicher:
Wiener Festungsmauerziegel 1610-90 (550x193x110)
Wiener Festungsmauerziegel 1686 (300x137x65)
Wiener Festungsmauerziegel 1700 (314x157x78)
Kaiserziegel Patent von 1715 (288x137x70)
Österreichisches Patent von 1755 (301x144x72)
Miesbachziegel 1820-1857 (288x138x70)
Normalformat groß 1921 (290x140x65)

Neben dem österr. Normalformat setzte sich das Deutsche Reichsformat (1872) hauptsächlich durch, verbaut wurde aber auch der Bayernziegel.

Genaue Auskunft gibt vermutlich das nur noch in Antiquariaten zu findende Buch: "Abendländische Aspekte der österreichischen Ziegelforschung. Ziegelformate und Richtzahlen."

Klinkernde Grüße aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer