Lehmziegelwand vom Außen dämmen

15.01.2013 Peter



Liebe Lehmkenner,

unsere Scheune soll zum Wohnraum umgebaut werden. Die Außenwände sind 47cm dick, überwiegend aus Lehmziegel. Wie man auf dem Foto sieht, entspricht die Bauweise der Bauordnung für das Königreich Böhmen vom 8. Jänner 1889 (http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=lbo&datum=1889&page=54&size=45): [...] die Eckpfeiler nebst den nötigen Zwischenpfeilern bis zum Dachgebälke [müssen] aus Steinen oder gebrannten Ziegeln errichtet werden.

Wie kann man die Wärmedämmung vom Außen machen?

Soweit ich es verstehe, muss bei den Materialien außer der Wärmeleitfähigkeit auch (i) den Wasserdampfdiffusionswiderstand µ und (ii) die Kapillarleitfähigkeit beachten.

Über Wasserdampfdiffusionswiderstand findet man genügend Info und mit Hilfe des u-wert.net Rechners kann man gut sehen wie sich die einzelnen Materialien verhalten.

Mit der Kapillarleitfähigkeit ist es mir viel weniger klar. Hier auf dem Forum empfielt man die Lehmziegelwände mit Holzfaserplatten zu dämmen und man argumentiert eben mit ihrer Kapillarleitfähigkeit. Warum ist die Kapillarleitfähigkeit gerade bei Lehmziegelwänden so wichtig? Soll ich wirklich auf Materialien mit schlechter Kapillarleitfähigkeit, wie Steinwolle verzichten?

Wenn es mit Holzfaserplatten gemacht werden soll, wie bringt sie man richtig an, damit die Kapillarleitfähigkeit funktioniert? Ich möchte eine Dicke von etwa 16cm erreichen. Ich bitte um Ihre Hilfe mit folgenden Fragen:

(1) Die Platten sind ziemlich schwer, wie soll sie man an die Wand befestigen? Mechanisch oder kleben? An machen stellen sind die Wände duch Witterung bis zu 5cm abgebröckelt.

(2) In den Produktkatalogen von Steico und Hofatex sehe ich keine für Außenwände geeigneten Platten, die 16cm dick wären. Man müsste mindestens zwei Schichten aufeinander legen. Funktioniert die Kapillarleitfähigkeit dann immer noch? Wie kombiniert man dann die zwei schichten? Rein mechanisch (Tellerdübeln?), oder muss man auch irgendeinen Klebstoff anwenden?

(3) Womit kann man die Holzfaserplatten verputzen?

Vielen dank und viele Grüße,

Peter



Bei fast



50cm Wanddicke würde ich gar nix dämmen!
Ralph Schneidewind



Bei fast



50cm Wanddicke würde ich gar nix dämmen!
Ralph Schneidewind



Lehmziegelwand vom Außen dämmen



Vielen dank für Ihre Meinung, Herr Schneidewind.

Ohne Dämmung sind wir bei U-Wert cca. 1,39 W/m²K. Mit 16cm HoFa kommt man auf U = 0,23 W/m²K. Es lohnt sich einfach. Die Frage ist nicht ob, sondern wie und warum so?

Zum Thema wie, habe ich per E-Mail die Lösung UdiRECO von Unger Diffutherm empfohlen bekommen. Bei UdiRECO scheint die Befestigung von HoFa-Platten an die Wände rein mechanisch zu sein. Könnte mir bitte jemand bauphysikalisch begründen, dass es im meiner Situation OK wäre? Fuktioniert die Kapillarleitfähigkeit zw. Lehmziegel und HoFa-Platte wirklich wenn die Platte nur mit Dübeln befestigt ist?

Vielen dank im Voraus.



Moin...



... erstmal sollte die Standsicherheit überprüft werden, bei rund 10% Materialabtrag ist das nicht so ohne weiteres zu vernachlässigen. Dann sollte der Grund für die Erosion abgestellt werden (Dach/Entwässerung), hierbei ist Augenmerk auf ausreichenden Dachüberstand zu legen. Weiter werdet Ihr ein paar Fensteröffnungen vorsehen und die Tore verschließen/verkleinern müssen.
Heizung, Ver- und Entsorgung müssen auch geklärt sein.

Eine Möglichkeit, bei unebenen Wänden eine Außendämmung zu konzipieren, wurde erst kürzlich hier erörtert:

http://community.fachwerk.de/index.cfm/ly/1/0/forum/a/showForum/203640$.cfm

Algemeines zu Feuchte am Bau:

http://www.baunetzwissen.de/index/Beton-Feuchteschutz_32757.html


Der Rechner unter www-u-wert.net ist für Feuchtebetrachtungen nur bedingt geeignet, weil grundsätzlich ein statisches System angesetzt wird, weiter der kapillare Transport unberücksichtigt bleibt und die Betrachtung von Wärmebrücken außen vor bleibt.

MfG,
sh



16cm HWF



Hallo...

ich bin auf dem Gebiet sicherlich ein Laie, aber wie man 16cm HWF-Dämmung nur andübeln will, wenn der Untergrund "nur" Lehmziegel ist, das ist mir etwas suspekt. Allein die Platten wiegen einiges und der Putz kommt noch hinzu!

Das Thema Wärmedämmung wird immer wieder sehr kontrovers diskutiert...aus dem Bauch heraus glaube ich nicht, dass sich eine Dämmung in dieser Größenordnung wirklich lohnt.

Ich bin immer ein Freund des Erhaltens, wobei ich mir beim Anblick der Scheune wirklich Gedanken über den Sinn machen würde. Um diese "bewohnbar" zu machen muß ja der gesamte Innenausbau samt Versorgungsleitungen gemacht werden, auch das Dach erscheint mir notwendig, zum Dachstuhl können sicherlich vor Ort die Experten besser entscheiden. Fenster, Türen, Fußböden....meinst Du nicht, es wäre sinnvoller, das ganze mal finanziell zu durchleuchten und ggf. einen Neubau in Betracht zu ziehen?

Für die ganze Aktion werden ja auch Bauunterlagen und Genehmigungen notwendig, die die gestellten Fragen beantworten sollten...was sagt denn der Planer dazu?




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